Der Stumpfsinn meines Sofas

Ich bin inzwischen morgens schon bekifft. Und das geht in Ordnung, denn sie haben uns genötigt, den restlichen Jahresurlaub zu nehmen. Und die Überstunden dazu. Uns aus den Glasbetonschluchten gejagt. Den Borgwürfel bis auf einen Restrumpf geräumt. Weil es kaum einen Unterschied macht. Von uns will sowieso gerade keiner irgendwas haben. Unser Geschäftsmodell hat wenig … Weiterlesen Der Stumpfsinn meines Sofas

Retrospektive: Quertreiber

Ich bin als Jugendlicher oft mit Gesetzen kollidiert. Meistens blieb es bei niedergeschlagenen Ermittlungsverfahren. Kleineren Dingen, die sie eingestellt haben, weil ich noch so klein war und so unschuldig schauen konnte. Keine Zeugen, keine Beweise, nix zu holen. Ich schwieg bei den Vernehmungen immer, also gab es nie solche die Verfahren vereinfachenden Dinge wie Geständnisse. … Weiterlesen Retrospektive: Quertreiber

Empowert mich doch am Arsch

Ich sitze lockdownbedingt zuhause und habe zu viel Zeit. Die fülle ich, wenn ich mal nicht dichtgedröhnt bin, mit Netflix und Playstation. Red Dead Redemption. Witcher. Horizon Zero Down. Und Filmen über Filmen. Serien über Serien. Ist Ihnen aufgefallen, dass sich so eine seltsame Empowermentwelle derzeit durch die meisten Angebote zieht? So eine wanzige "Ich … Weiterlesen Empowert mich doch am Arsch

Lass dein Kind fliegen, Vater

Neulich in der dreiköpfigen Väterumlaufbahn an einem Nachmittag auf einer runtergerockten Couch mit handgeröstetem Fair Trade-Kaffee und Biomareikes Karottenkuchen kommt ein zehnjähriges Kind, das nicht meines ist, sondern das des Vaters neben mir, nach Hause: "Hallo Papa." "Hey Kleine, wo hast du denn den Lolli her?" "Von einem Mann an der Haltestelle. Er wollte nur … Weiterlesen Lass dein Kind fliegen, Vater

Frau Süßenbach heißt nur so

Auf diesen Gehwegplatten stehend habe ich Frau Süßenbach zum ersten Mal geküsst. Lange bevor der Terror kam. Frau Süßenbach konnte gut küssen. Frau Süßenbach konnte charmant sein. Frau Süßenbach konnte aufmerksam sein. Sehr zuvorkommend. Sanft. Dort auf diesen Gehwegplatten stehend nicht gesehen habe ich Frau Süßenbachs anderes Gesicht. Das andere Gesicht zeigt Frau Süßenbach erst, … Weiterlesen Frau Süßenbach heißt nur so

Lost in Schöneweide

„Zu wahrer menschlicher Größe gibt es nur einen Weg - den durch die Schule des Leidens.“Albert Einstein Ein blödes aus irgendeiner Zitatedatenbank im Internet abgeschriebenes Mantra von Albert Einstein auf den Lippen stehe ich hungrig auf dem Vorplatz des S-Bahnhofs Schöneweide herum, mit mir ein paar verwitterte Buden, die gruselig anzuschauen sind - beginnend bei … Weiterlesen Lost in Schöneweide

Mein altes Neukölln

Ich bin immer noch gerne in Neukölln. Ich komme da her. Wer aus dem bioseligen Biedermeierparadies Prenzlauer Berg trotz der einschlägigen Reisewarnungen aus dem Reformhaus-Kurier und der Weizenkeim-Depesche eine Reise ins Zentrum des ganz doll übel beleumundeten und in den Scheißzeitungen dieser Stadt fast täglich gedissten Bezirks Neukölln tut, der kann was erleben. Und zwar … Weiterlesen Mein altes Neukölln

Menschgewordene Menschenverachtung

Uargh. Was war das bloß für eine Pocke? Wer hat die angeschleppt? Wer ist mit so etwas befreundet? Und lädt so etwas auch noch auf seine Feier ein? Eine Geburtstagsfeier. Letzte Woche traf ich dort auf eine Frau. Sie ist Leitende Angestellte bei irgendeiner Abrechnungsfirma für Ärzte, die ihrem Mann gehört. Seine oberste Buchhalterin. Angestellte … Weiterlesen Menschgewordene Menschenverachtung

Frauen sind mir maximal egal, aber ich ihnen nicht

Och doch, schon. Ich hätte eigentlich ein prima Frauenfeind werden müssen. Die Sache mit meiner scheiß Mutter, Kaiserin der üblen Laune und unübertroffene Meisterin im Tellerwerfen nach Kindern, kennen Sie schon. Diesen uralten aus vielen Fragmenten, Memos und Wortfetzen gewucherten Text, Aufarbeitung, Abrechnung, egal wie man das nennt, habe ich lange liegen lassen und vor ein … Weiterlesen Frauen sind mir maximal egal, aber ich ihnen nicht

Retrospektive: Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion

(2003) Ich habe mal ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung in Tateinheit mit dem Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion an den Arsch geklebt bekommen. Huhu. Klingt krass, nicht? Ist aber nicht krass. Eher traurig. Viel war nicht. Ich war nur bei Hertha. Ab und zu gehe ich da hin, wenn ich mal Bock auf schwitzende besoffene pöbelnde Asoziale habe, … Weiterlesen Retrospektive: Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion

Zuckungen im Schwebebad

Ich soll entspannen, sagt der Wellnessgutschein für einen Salzwassertank. Schweben soll ich, auf Salzlake, zu beruhigender Musik, mich verlieren in Raum und Zeit und dadurch meine Abwehrkräfte stärken. Steht da. Das ist doch wieder eine dieser dekadenten Yuppie-Eso-Heilsteine-Ufos-gelangweilte-Steglitzer-Hausfrauen-Erfindungen, mit denen du so viel anfangen kannst wie mit einer Fußreflexzonenmassage, indischen Räucherstäbchen oder einer Gurkenmaske auf … Weiterlesen Zuckungen im Schwebebad

Stehenbleiben. Nicht fliehen.

Was ich sagen wollte: In einer Berliner Badeanstalt fürchtet man immer, Keile zu bekommen. Ich werde das Gefühl nie los. Unsere Bevölkerung hat diesen Wesenszug in sich, einen jugendfrischen Wesenszug: und wer bei uns auf Körperverletzungen immerhin von vornherein gefasst ist, ist weise. Die positive Gesinnung, die Goethe dem ersten seiner starken Gesellen in den … Weiterlesen Stehenbleiben. Nicht fliehen.

Die kunterbunte Schnepfe und ihr Führungsseminar

Führung lehne ich ab. Mit jeder Faser. Führung ist Faschismus. Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland. Und so weiter. Wer führt, will unterjochen, brechen, kaputt machen, ausbeuten, aussaugen, auslutschen. Und dann wegwerfen. Anarchie ist die Lösung. Klar doch. Jeder führt sich selber, wird ein neuer Mensch. Keine Chefs. Keine Chefinnen auch nicht. Paradies. Punk's still … Weiterlesen Die kunterbunte Schnepfe und ihr Führungsseminar

Wo bleibt eigentlich die Rezession?

Was gibt es denn so Neues? Oh. Viel. Kürzlich gab es bei Tchibo einen apfelgrünen Kiwibehälter zu kaufen. Und ein bananenförmiges Bananenbehältnis für Bananen. In Bananengelb. Direkt neben dem Eierschneider und dem Strumpfhosen-Notfallset. Ich wiederhole: Strumpfhosen. Notfall. Set. Doch das ist noch nicht alles. In der Behörde, in der einer meiner Freunde arbeitet, haben sie … Weiterlesen Wo bleibt eigentlich die Rezession?

Hey Kind

Hey Kind, groß bist du geworden. Frech bist du geworden. Selbstbewusst bist du geworden. Reichst mir gerade bis zum Bauchnabel und kämpfst schon wie ein Großer. Das ist gut. Ich habe immer gesagt, dass ich den ganzen blöden routinierten Elternscheiß nicht machen werde, die Dinge anders machen werde, locker bleiben werde, die ganzen Sentimentalitäten nicht … Weiterlesen Hey Kind

Retrospektive: Von Burkina Faso nach Hellersdorf

(2003) (Nokia Klingelton) "Mark?" "Alter wo bist du?" "Zuhause, warum?" "Kannst du nach Hellersdorf fahren?" "Es ist erster Mai. Was zum Teufel soll ich in Hellersdorf?" "Safi ist dort." "Safi? Verarsch mich." Safi kommt aus Burkina Faso, ist schwarz wie die Nacht, schwärzer geht gar nicht mehr und in Hellersdorf marschiert die NPD. "Sie ist … Weiterlesen Retrospektive: Von Burkina Faso nach Hellersdorf

Viralwerbespammer

Ah, jetzt hab ich ihn auch begriffen, den neuesten Trick der Viralwerbespammer. Sie platzieren einen tatsächlich halbwegs passenden Kommentar unter einen Blogpost, den der Spamfilter deswegen auch durchgehen lässt, hinterlegen aber ihren unverfänglichen Namen mit einem Link zu ihrem Vergleichsportal, einem Finanzgeier oder irgendeiner Werbelinkschleuder. Meine Güte, muss es euch schlecht gehen, dass Ihr es … Weiterlesen Viralwerbespammer

Retrospektive: Linton auf dem Dach

Flashback 90er: Wenn mir die Luft zu dünn wurde: Nach Hamburg.Wenn eine Beziehung kaputt ging: Nach Hamburg.Wenn ich üblen Streit hatte: Nach Hamburg.Wenn ich nicht mehr weiter wusste: Nach Hamburg.Wenn alles den Bach runterging: Nach Hamburg. Dort wohnte jemand, der mich wieder ruhig stellte: Der Verpeiler. Der Verpeiler hat dort Zivildienst gemacht. Ich habe ihn … Weiterlesen Retrospektive: Linton auf dem Dach

Lass kacken

Es ist ein junger Dezemberabend in der Gegend um den Anhalter Bahnhof. Flutlicht brennt. Wind pfeift. Ein erfrischend multikulturelles Team spielt ein Trainingsspiel, dem ich lange zusehe. Drüben in einer Pizzeria neben dem Redaktionsgebäude des Tagesspiegels sitzen zufriedene Menschen satt vor Grappa und Espressi. Ich bin schon wieder hier. Und zu früh. Das Tempodrom hat … Weiterlesen Lass kacken

Tränenschwarz ./. Tod

Irgendwie hat es die Natur klug eingerichtet, dass wir zugleich alt und sarkastisch werden. Es erleichtert das Sterben ganz erheblich.Matthias Eberling Der letzte Tag des Novembers. Schon wieder Winter. Schon wieder der Tod. Gerade eben Fidel Castor (komm, einmal noch den schalen Gag, nur einmal noch). Der Blogger Dimi seit schon wieder viel zu vielen Wochen. Blogger Johannes ein … Weiterlesen Tränenschwarz ./. Tod

Und dann soll ich eine Schule aussuchen

Dann ist es jetzt soweit. Das Kind wird zunehmend schulpflichtig. Ich muss eine Schule aussuchen. Ich hasse Schulen. Um unter den Schulen eine aussuchen zu können, muss ich welche besuchen gehen. An den Tagen der offenen Tür. Hölle Hölle. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Jack-Wolfskin-Jacken. Helikoptergesichter. Übermütter. Verkniffene Superpapas. 6.718 Semester Kommunikationsdesign … Weiterlesen Und dann soll ich eine Schule aussuchen

Retrospektive: Kriegserklärung

Irgendwann gegen Ende der 90er sitzen irgendwo in einer WG in irgendeinem heruntergekommenen Wohngebiet Neuköllns ein paar verstrahlte Jugendliche vom lokalen Hackemob unter dem Einfluss aller momentan erhältlicher Substanzen vor einem alten braunen Röhrenfernseher herum. Es wird gerade der Jugoslawienkrieg gegeben. Die Bösen waren damals noch nicht die Russen, sondern die Serben. Wir waren noch … Weiterlesen Retrospektive: Kriegserklärung

Trollolo

perahim mayer hat gesagt… Du stehst wider Gott.Nicht?Du wirst untergehen.Strikt und klar.Mit allem Jetztzeitlichen.Schluß.Nicht? 5. Januar 2016 um 03:32 Kommentare im Internet sind die Eiterbeulen der Aufklärung des Menschen aus seiner selbst gewählten Unmündigkeit. Ihr Ruf kommt dem des Belebtschlammbeckens einer beliebigen kommunalen Kläranlage erfrischend nahe. Und immer weniger wollen den ganzen Gärschlamm hosten. Die großen … Weiterlesen Trollolo

Bauschaum, Zahnspangen, Feengesäusel: Beim Heufer-Umlauf

Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt sind Typen, die ich nicht mehr sehen kann, weil sie inzwischen zu omnipräsent sind, um mir noch Spaß zu machen. Es ist das übliche Ding, das wohl alle trifft, die ganz groß rauskommen: Irgendwann kommt einer um die Ecke und mault: "Ey, isch kannte die schon, da ham die noch … Weiterlesen Bauschaum, Zahnspangen, Feengesäusel: Beim Heufer-Umlauf

Leise Servus, Billy

Potsdamer Platz. Berlins Ausgeburt an Sterilität. Eine Bar namens Billy Wilders hat zugemacht. Für immer. Das spült auf einen Schlag eine Flut aus Erinnerungen an meine Oberfläche. Das Billy Wilders hat mich stets vergessen lassen, dass diese künstliche, auf eine Art Mini-Manhattan getrimmte Retortenstadt niemals natürliches urbanes Leben hervorbringen würde. Sie würde nie cool sein. … Weiterlesen Leise Servus, Billy

Der böse Onkel vom Huxleys

Endlich alleinNicht mal mein Schwanz will bei dir seinStephan Weidner Oh nein. Schon wieder ein böser Onkel. Und ein Wort darüber zu verlieren, dürfte wieder böse Wutpost und auf jeden Fall diese vergrämten Abokündigungen irgendwelcher Menschen ("Jetzt reicht's endgültig, ich les' dich nicht mehr weil...") nach sich ziehen. Wiederholt sich alles. War alles schon mal … Weiterlesen Der böse Onkel vom Huxleys

Somuncu, Potsdam und die Cracknutten

Mittwoch ist kein Tag, dessen Abend man ausgerechnet in Potsdam verbringen möchte Serdar Somuncu Immer wenn ich Serdar Somuncu sehe, bekomme ich Bock, mich in der Kimme zu kratzen und danach an meinem Finger zu riechen. Außerdem will ich popeln, den rausgepulten Knetgummi zu einem Ball formen und auf einen Sattel eines dieser scheiß Fahrräder … Weiterlesen Somuncu, Potsdam und die Cracknutten

Die ham Ferris und was ham wir?

Schon früh steht fest wie dieser Abend enden wird. Wenn zu viele Pubertierende unterwegs sind, muss ich mich betäuben. Das ist immer so. Es gibt bestimmte Tonlagen, die ertrage ich nicht nüchtern und von den Produzenten jener stehen eine Menge vor der Max Schmeling-Halle herum. Ich habe vorgebaut. Heute geht nichts schief. Die Mischung, die … Weiterlesen Die ham Ferris und was ham wir?

Smartphonekacker

Ohne Smartphone geht es nicht mehr. Zumindest bei mir. Inzwischen läuft alles über die Dinger: U-Bahn-Verbindung raussuchen, Kneipe finden, Wikipedia, wenn ich wieder mit nutzlosem Wissen glänzen will, stundenlange Wartezeiten in Arztpraxen mit Bloglesen überbrücken, damit ich nicht Gala oder - noch schlimmer - Focus lesen muss, Satellitenbild vom Hotel in Chisibubikaio anschauen, das ich … Weiterlesen Smartphonekacker

Was passiert eigentlich, wenn ein Blogger stirbt?

Schon mal darüber nachgedacht, was passiert, wenn ein Blogger stirbt? Ich kann Ihnen sagen, was bei mir passiert, abgesehen davon, dass mich die, die für meine Reste verantwortlich sind, verbrennen lassen und das übriggebliene Pulver in einer (hoffentlich ausgesoffenen) Flasche Glenlivet in die Spree werfen: Hier werden weiter Blogposts veröffentlicht. Und das kommt so: Vieles … Weiterlesen Was passiert eigentlich, wenn ein Blogger stirbt?

Der König der Schlümpfe

Michael Müller: Berlin ist nicht in katastrophalem Zustand Jetzt hat er auch mal zum Zustand seiner Stadt gesprochen, der Große Steuermann, der auf dem Papier die Verantwortung für die Stadt trägt. Alles gar nicht so schlimm, sagt er. Übertrieben. Probleme ja, aber bitte, Kirche, Dorf, lassen, doch mal, müsse doch, bla. Ich möchte einmal erleben, dass … Weiterlesen Der König der Schlümpfe

Das Monster in der Kita

Unsere Kita hat jetzt einen Erzieher. Also einen Mann. Und seitdem können Sie in den Gesichtern einiger Eltern einen fröhlichen Reigen quälender innerer Konflikte studieren: Huh, nanu, ein Mann, also, oh, verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin superaufgeklärt. Praktisch vorurteilsfrei. Ich glaube nicht das was da im Internet steht, dass alle Männer Kinderficker und … Weiterlesen Das Monster in der Kita

Wrangelpain

Farbe runter. Kontrast rauf. Das ist mein alter Supermarkt im Wrangelkiez. Es gibt ihn immer noch. Life Action Role Pain. Am Eingang lungern immer noch die Trinker, daneben ... bittääääääää bittäääääää ... die effizienter als mein Straßenfegerverkäufer in Prenzlauer Berg Organisierten, immer mit Baby im Arm. Ich drehe mich weg. Auch wenn ich gerne gebe, … Weiterlesen Wrangelpain

Beengt revolutionär: Das Mehringhoftheater

Das auf Kleinkunst spezialisierte Theater im alternativen Mehringhof ist klein. Wie die Kunst. Kleinkunst. Haha. Deckung. Wortspielficker im Haus. Hier treten die auf, die auf dem Sprung ins Fernsehen sind, da schon mal kurz den Sidekick gemimt oder auch schon eine eigene Einlage gebracht haben oder die, die es seit vielen Jahren versuchen und nicht … Weiterlesen Beengt revolutionär: Das Mehringhoftheater

Bei den Lakaien

Zu dieser Jahreszeit kann ich keine gute Laune ertragen. Sie gehen mir auf den Sack, die ganzen "Lach doch mal"-Frohnaturen und diese "Kuck doch nicht so böse"-Schwachköpfe. Weihnachten erhebt wieder sein hässliches Haupt und das ist kein Grund für gute Laune, es ist vielmehr ein Grund, den kläffenden Nachbarshund zu treten, die hässlichen Eiskönigin-Fahrräder der … Weiterlesen Bei den Lakaien

Tanz die Dekadenz

Oh nein. Das verfluchte Adagio am Potsdamer Platz. Der Schnöselclub der Schnöselclubs. Selten war mir schon so kurz nach dem Eintritt so schlecht wie hier. Aalglatte FDP-Restposten meets RCDS-Nachwuchslackaffen, blondierte Botox-Schicksen meets Lader-Koth-Imitate, nur jünger, und Big Brother-Container meets Exclusiv Weekend mit Frauke Ludowig mit einem Hauch Gina-Lisa Lohfink neben Julian Stöckel beim Showposen auf … Weiterlesen Tanz die Dekadenz

Das ehrliche Kind

Auf der Landstraße. Irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern. "Papi, warum fahren wir zu dem anderen Bäcker?" "Weil unser Lieblingsbäcker heute zu hat." "Warum hat der zu-hu?" "Weil wir hier nicht in Berlin sind. Hier ist Mecklenburg-Vorpommern. Hier muss man froh sein, wenn es überhaupt noch einen Bäcker gibt und nicht bloß den Aufbackautomaten von Netto. Und heute … Weiterlesen Das ehrliche Kind

Der Staudamm

Sie sehen einen Staudamm auf irgendeinem der vielen Spielplätze Prenzlauer Bergs, auf denen die einfallsreichen Bezirksplaner eine Wasserpumpe installiert haben, um die herum die Eltern wie aufgescheuchte Gänse flattern, weil Kinder solch gefährliche Dinge wie Wasser nicht mehr ohne Aufsicht benutzen können. Das Spielen ohne Aufsicht war mal, ebenso wie auf Bäume klettern oder mit … Weiterlesen Der Staudamm

Google und die Sache über Männer

Der famose Shhhh hat aus Googles Autoergänzungen einen dadaistischen Text gebastelt, was einen Kommentatoren gleich darauf das Ende der Welt Literatur konstatieren lässt. Darin hat er Recht. Natürlich ist die Literatur am Ende. Seitdem jeder Affe sein Geschmiere auf depressivdunklen Blogs veröffentlichen kann, entwertet das alles, was wir früher unter Literatur verstanden haben. Inflation. Zu viele Schreiber. Zu … Weiterlesen Google und die Sache über Männer

Bier, ein geiler Laden und eine lange potthässliche Einleitung

Was kann man von einem Sessel lernen? Die Gelassenheit gegenüber jedem Arschloch.  Josef Hader Falls Sie einen erweiterten Bedarf danach haben, verrate ich Ihnen heute einmal, wie Sie mich ärgern können. Vergessen Sie Flüche auf meine fette Mutter, die sich an einem Dönerspieß dreht, Drohungen, mich bei meinem unfähigen Chef zu verpfeifen, Disses gegen meinen … Weiterlesen Bier, ein geiler Laden und eine lange potthässliche Einleitung

Retrospektive: Die Reeperbahn und der Hooligan

(1999) Ich habe einmal ein demoliertes Hotelzimmer hinterlassen. Wie ein Rockstar. Zugegebenermaßen unfreiwillig. Denn ich habe es gar nicht demoliert. Sondern der Olli. Und der Olli war ein bekennender Hool. Den bekennenden Hool habe ich beim Auswärtsspiel in Wolfsburg kennengelernt. Und was protzte der mit seinen Kontakten zur Reeperbahn. Der Olli. Ein toller Typ. Mich … Weiterlesen Retrospektive: Die Reeperbahn und der Hooligan

Im Neuen Museum

Das Neue Museum wurde bis irgendwann 2009 rekonstruiert und mit großem Bahnhof wiedereröffnet. Der Besuch lohnt sich. Weniger der Exponate wegen. Es ist die Architektur, der gelungene Dialog von Restauriertem und Neuem. Ein Purist wird weinen, ich hingegen finde es großartig. Eine vollkommen originalgetreue Rekonstruktion wirkt doch gleich wieder so kitschig wie das Stadtschloss bald … Weiterlesen Im Neuen Museum

Hallo, ich bin Fritz und ich fang jetzt an

Hallo, ich bin Fritz und ich fang jetzt an. Bum Bum. Ich war schon lange nicht mehr auf dieser Sorte Konzert, doch ich erkenne sie sofort wieder: Ein paar 15-jährige Borderliner, viele mittelalte und inzwischen vollkommen verbrauchte Druffis, Zehlendorfer Hilfiger-Träger auf Koks, irgendwelche unpassend Alten mit Jack Wolfskin-Pullover, die aussehen als würden sie ihre Töchter … Weiterlesen Hallo, ich bin Fritz und ich fang jetzt an

Interlude: Beulen, Leder, Scheißbrötchen und das Ende des Jahres

Furztrockene Brezel mit Beulenpest? Knüppelharte Käsebrötchen mit Lederepidermis? Es ist der zweite Weihnachtsfeiertag. Willkommen am Arsch von Weißensee. Willkommen in der Langhansstraße. Hier sind die Brezel selbst morgens um neun trocken wie die Sahelzone und entstammen zu offensichtlich noch der Vorweihnachtseuphorie, hier schmeckt der Käse auf dem Keksbrötchen wie lang abgehangene und liebevoll mit Salzlake … Weiterlesen Interlude: Beulen, Leder, Scheißbrötchen und das Ende des Jahres

Alienation oder Pissed in Prenzlauer Berg (zu Dokumentationszwecken)

Ich habe vor kurzem in die Kommentarleiste eines befreundeten Bloggers getwittert. Betrunken. Mit dem Smartphone in der Hand auf dem Heimweg von irgendeinem Off-Kino in der Kastanienallee, in dem ein Film lief, den ich nicht vertragen habe. Müssen Sie nicht verstehen. Ist ein Insider. Und auch nicht witzig. Und noch weniger informativ. Zu Dokumentationszwecken und … Weiterlesen Alienation oder Pissed in Prenzlauer Berg (zu Dokumentationszwecken)

Multiplexmüdigkeit (Reborn Zoo Palast)

Wann habe ich eigentlich damit aufgehört, gerne in ein Multiplexkino zu gehen? Wann haben sie angefangen, mich zu nerven, diese Sitztreter, Lautlabersäcke und iPhone-Terrorleuchter? Wann habe ich das erste Mal Folterfantasien entwickelt, wenn einer der sozial inadäquaten Adventisten der schlechten Laune seine bestrumpften Käsemauken neben mir auf der Stuhllehne abgelegt hat? Wann war ich eigentlich … Weiterlesen Multiplexmüdigkeit (Reborn Zoo Palast)

Auf und unter der ollen Else

Die Elsenbrücke wird ziemlich unterschätzt. Wahrscheinlich wegen des Baujahrs und der Lage. Sie ist ein Ossi. Ein reiner. Von der DDR erbaut. Sie war noch nicht einmal ein Grenzübergang. No fame no gain. Die Umgebung war bis vor etwa zwei Jahren noch ein wenig verwunschen.   Inzwischen haben sie das Gestrüpp gerodet und einen kommerzialisierten … Weiterlesen Auf und unter der ollen Else

Motörhead in Bionadeland

Good evening. We are Motörhead and we play Rock'n Roll. 16. November 2014. Motörhead spielt in Prenzlauer Berg. Ausgerechnet. Es gibt wohl keinen unpassenderen Bezirk dafür, keine Gegend ist so wenig Rock'n Roll wie dieser überdimensionierte Friedhof mit Ringbahnanschluss. Selbst Eberhard Diepgen und seine Zehlendorfer Frontstadtmumien verkörpern mehr Rebellion als meine Nachbarn. Die ganze Organisation … Weiterlesen Motörhead in Bionadeland

Dickgebumst auf dem Herrenklo – das zweite Jahr

Wir verlieren unsere Unschuld in dem Moment, in dem wir begreifen, dass uns nicht alle Welt liebt.Michael Köhlmeier Zwei Jahre Bloggen sind rum und hier kommt schon wieder so ein eitler nabelschauschwitzender Selbstreferenzpost mit einer Menge Eigenlob, dummen Statistiken und noch mehr heißer Luft. Fassen wir es wie folgt zusammen: Das zweite Jahr war derber. … Weiterlesen Dickgebumst auf dem Herrenklo – das zweite Jahr

Der psychedelische U-Bahnhof, der legendäre Filz und der bestehende Ersatzverkehr

Der Bahnhof Jungfernheide beherbergt eine U- und eine S- Bahnstation. Unten auf dem in psychedelischen Farben der 70er gehaltenen U-Bahnhof zeigt die BVG wie es so mit den wichtigen Infrastrukturmaßnahmen der Stadt Berlin läuft. Und es läuft gar nicht. Der U-Bahnhof weist nämlich zwei Bahnsteige für eine Linie auf, die es gar nicht gibt, die … Weiterlesen Der psychedelische U-Bahnhof, der legendäre Filz und der bestehende Ersatzverkehr

Debil durch das Festival of lights

Manchmal will sich Berlin fein machen. Und wie macht man sich fein, wenn man potthässlich ist? Man dimmt das Licht und sorgt für optimale Beleuchtung. Dann sieht man die Fältchen nicht, die Pustelchen, die Narben. Festival of lights.Es fahren Busse zu allen ausgeleuchteten Sehenswürdigkeiten, die in allen möglichen Farben strahlen, und natürlich fahre ich da … Weiterlesen Debil durch das Festival of lights

Escort

Der Wind weht freundlich heute. Ich sitze am Hafen irgendeiner südfranzösischen Stadt. Es gibt Muscheln. Austern. Meeresschnecken. Gebratenen Barrakuda. Frittierte Sardinen. Karaffenweise Weißwein. Ich bin schon wieder besoffen wie schon seit Tagen, wie eigentlich jeden Abend, jeden Nachmittag bereits, um es ganz genau zu nehmen. Der französische Wein. Aus dem Schlauch. Der Gute. On ne … Weiterlesen Escort

City West Schnitzeljagd

Hey Kinder, heute fällt die Schnitzeljagd aus, der Onkel hat eine viel bessere Idee: Laufsocken suchen bei Karstadt Sports. Die Laufsaison neigt sich bald dem undankbaren Herbst zu und der Onkel braucht neue Laufsocken, als Ersatz für die alten, die der Sommerschweiß-Ammoniak zerfressen hat. Und hey, bei Karstadt Sports Laufsocken zu finden ist viel schwieriger … Weiterlesen City West Schnitzeljagd

Ausgewackt?

4:30 Uhr. Kaffee. Gulp. Scheiße, Kind wach. Kind wieder zum Schlafen gebracht. Noch mehr Kaffee. Browser. Metaltix aufgerufen. Wo ist die scheiß Kreditkarte? Ah, hier. Klick. Bestellt. Letztes Jahr habe ich so lange gegammelt, bis es nach 48 Stunden ausverkauft war, Fehler wie diesen mache ich nur einmal. Wacken 2015. Gestern lag der Goldstaub im Briefkasten. … Weiterlesen Ausgewackt?

Prenzlauer Bergs tieffliegende Übermütter

Dass Sie als Vater in Prenzlauer Berg in Reputation und Seriosität auf der Stufe eines alkoholkranken Zirkusclowns mit Blumenkohlohren und Mundfäule rangieren, wird Ihnen spätestens dann klar, wenn Sie mit Ihrem Kind alleine, also ohne den echten Elternteil (Mutter respektive Oma) unterwegs sind. Ihr Kind ist Freiwild. Was Sie wollen oder nicht wollen, spielt keine … Weiterlesen Prenzlauer Bergs tieffliegende Übermütter

Wie geil, Robbie kommt!

Schlurf. Boar, was ist das? Robbie kommt! Fickmichweg, Robbie kommt! Doch was will Robbie eigentlich bei einer dieser Idiotenpartys würdelos alt gewordener Mittvierziger, die völlig von Sinnen eines der kulturell, musikalisch und sowieso charakterlich schlimmsten Jahrzehnte abfeiern, nur weil ihnen heute noch langweiliger ist als damals bei der Mensadisco der TU, als sie sich mit … Weiterlesen Wie geil, Robbie kommt!

Das sinnloseste Gebäude der Welt: Der Schwerbelastungskörper

Gestatten? Das sinnloseste Gebäude der Welt. Der Schwerbelastungskörper. Seines Zeichens ein dickes Stück Beton auf den Berliner Sand gegossen, um zu testen, ob der den geplanten monumentalen Nazi-Triumphbogen im Zuge der Planungen zur Welthauptstadt Germania aushalten würde, ohne weg zu sacken. Er ist bis heute fast 20 cm eingesunken. Er hätte nur 5 cm einsinken … Weiterlesen Das sinnloseste Gebäude der Welt: Der Schwerbelastungskörper