Diskurs (2)

Montag. Es ist ein weiteres Meeting im Borgwürfel, dem Arbeitgeber, dem nicht mehr ganz so sehr die Sonne aus dem Arsch scheint wie letztes Jahr noch. Alles ist noch nicht wieder so richtig angelaufen. Provisorien. Improvisationen. Schütteln. Sortieren. Regeln. Neuregeln. Der Zustand unwirklich. Die Männer sitzen in ihrer Mehrheit separiert, gegängelt und maskiert in den … Weiterlesen Diskurs (2)

Unqualifizierte Teeküchenphilosophie

These: Teeküchen in Büros funktionieren nicht. Noch bessere These: Anarchie funktioniert nicht. Kommunismus auch nicht. Und Faschismus erst recht nicht. Und Demokratie schon gleich gar nicht. Das alles beweisen Teeküchen in Büros. Hier funktioniert nix. Es gibt drei Sorten Benutzer von Teeküchen: Die Korrekten, die Schlümpfe und die Nihilisten. Die Korrekten schreiben Zettel, viele Zettel: … Weiterlesen Unqualifizierte Teeküchenphilosophie

Gift und Galle und die Villa

Meine paar blöden Telegramgruppen quillen über vor Statements von Leuten, die sich aufregen, weil sich ein im Moment recht bekannter Minister eine Millionenvilla gekauft hat. Wut. Hass. Hutschnur. Bluthochdruck. Lese ich. Natürlich ist so etwas maximal unsensibel, selbstvergessen, arrogant, borniert, blasiert, verbonzt und vollkommen abgehoben. Aber legal. Darf der. Gibt das deutsche Recht her. Er … Weiterlesen Gift und Galle und die Villa

Da läuft Herr Müller

Oh scheiße. Scheiße. Da vorne läuft Herr Müller. Herr Müller ist schlimm. Herr Müller nimmt immer genau zu meiner Zeit am Morgen meinen Weg von der S-Bahn zum Borgwürfel, unserem gemeinsamen Heißluftgebläseaquarium von crappy Arbeitsplatz, in dem wir Guppys acht, neun, zehn Stunden dümmlich durch die Gegend schwimmen, nach ein paar Fischfutterkrumen schnappen und ansonsten … Weiterlesen Da läuft Herr Müller

Der Tag, an dem meine Hirnzellen starben

Neue Auszubildende im Büro. Und die bringt ein Radio mit. Und da läuft 104.6 RTL Hitradio Berlin, die Körperverletzung unter den Radiosendern, die hirnzersetzende Schulabbrecherfrequenz dieser von miesen Radiosendern so gepeinigten Stadt und der ultimative Maßstab für Dudelfunk schlechthin mit einem Niveau, für das man jeden Keller nochmal unterkellern müsste. Meinen persönlichen Mario-Barth-Gedächtnispreis bekommt dieser … Weiterlesen Der Tag, an dem meine Hirnzellen starben

Borgwürfelkaffeescheiße

"Hey, komm' doch mal auf nen Kaffee vorbei, dann quatschen wir 'ne Runde." sage ich zur Vorstandsvorzimmerschnepfe im Fahrstuhl. Warum habe ich das gesagt? Keine Ahnung, man sagt das so. Bla Bla Bla. Buzzwords. Floskeln. Sinnlose Konversation als Schlusspunkt eines ermüdenden Fahrstuhlgesprächs über das Wetter, Babys, Umstrukturierung oder die S-Bahn, die wieder zu voll war. … Weiterlesen Borgwürfelkaffeescheiße

Scheißhausguerilla

Sie können im Borgwürfel, meinem fantastischen Arbeitgeber und Füllhorn voller Liebe und Zuneigung, natürlich nicht offen opponieren. Opposition ist Mist. Wenn Sie Opposition sind, sind Sie auf der Abschussliste. Wie im echten Leben werden Sie erst systematisch separiert und dann kleingemacht. Zuletzt aussortiert. Wenn Sie nicht vorher entnervt und seelisch ruiniert das Feld räumen. Nein. … Weiterlesen Scheißhausguerilla

Ich bin ja sowas von wichtig

Ich sitze im Borgwürfel, dem Sammelplatz der Philantrophen und die Muse aller Arbeitsplätze dieser Welt, am Schreibtisch und sehe wichtig aus. Das kann ich gut. Wichtig aussehen. Und beschäftigt. Am besten wichtig und beschäftigt. Ich sehe aus wie pure menschgewordene Arbeit. Glattrasiert. Kraftstrotzend. Aufgesetztes Gewinnerlächeln. Der Krawattenknoten sitzt. Der reinste Fleiß wabert als von den … Weiterlesen Ich bin ja sowas von wichtig

Meine super Führungskraft fährt billig U-Bahn

Ich finde es toll, dass Frauen die besseren Führungskräfte sind. Steht überall. Zeit Online. Spiegel Online. Selbst inzwischen bei der guten alten FAZ. Männer bringen es nicht mehr. Frauen können es besser. Alles. Immer. Ich finde das gut. Ich habe auch eine. Vor mir. Eine Vorgesetzte. Zehn Jahre jünger als ich. Teilzeit. Home Office. Und … Weiterlesen Meine super Führungskraft fährt billig U-Bahn

Mettbrötchenknecht

Es ist der Borgwürfel, mein fantastischer Arbeitsplatz, mit großem Abstand bester Ort der Welt und unangefochtener Hort der Menschenfreundlichkeit morgens um halb acht. Ich treffe im Fahrstuhl auf die alte vertrocknete Projektleiterin, die irgendwer in eine so gut bezahlte wie unangreifbare Position gehoben hat, die es ihr erlaubt, wahllos Menschen zu unmöglichen Uhrzeiten möglichst dumm … Weiterlesen Mettbrötchenknecht

Die kunterbunte Schnepfe und ihr Führungsseminar

Führung lehne ich ab. Mit jeder Faser. Führung ist Faschismus. Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland. Und so weiter. Wer führt, will unterjochen, brechen, kaputt machen, ausbeuten, aussaugen, auslutschen. Und dann wegwerfen. Anarchie ist die Lösung. Klar doch. Jeder führt sich selber, wird ein neuer Mensch. Keine Chefs. Keine Chefinnen auch nicht. Paradies. Punk's still … Weiterlesen Die kunterbunte Schnepfe und ihr Führungsseminar

Förder my ass / Borgwürfelblues

Der Förderdschungel ist in den Borgwürfel gewuchert. Der Buchhalter hat einen Weg gefunden, einen EU-Fonds anzuzapfen. Zur Frauenförderung. Die Mittel liegen halt da rum, also holt er sie ran und finanziert damit eine Reihe von Maßnahmen, für die wir schweineteure externe Dienstleister einkaufen: Es gibt deshalb jetzt Fortbildungen, die vermitteln, wie Frauen eine Rede halten … Weiterlesen Förder my ass / Borgwürfelblues

Smartphonekacker

Ohne Smartphone geht es nicht mehr. Zumindest bei mir. Inzwischen läuft alles über die Dinger: U-Bahn-Verbindung raussuchen, Kneipe finden, Wikipedia, wenn ich wieder mit nutzlosem Wissen glänzen will, stundenlange Wartezeiten in Arztpraxen mit Bloglesen überbrücken, damit ich nicht Gala oder - noch schlimmer - Focus lesen muss, Satellitenbild vom Hotel in Chisibubikaio anschauen, das ich … Weiterlesen Smartphonekacker

Der König der Schlümpfe

Michael Müller: Berlin ist nicht in katastrophalem Zustand Jetzt hat er auch mal zum Zustand seiner Stadt gesprochen, der Große Steuermann, der auf dem Papier die Verantwortung für die Stadt trägt. Alles gar nicht so schlimm, sagt er. Übertrieben. Probleme ja, aber bitte, Kirche, Dorf, lassen, doch mal, müsse doch, bla. Ich möchte einmal erleben, dass … Weiterlesen Der König der Schlümpfe

Teeküchenblues – Streik-Edition

Mittwoch 9:30 Uhr in der Teeküche des Borgwürfels. Die Teeküche des Borgwürfels ist mein Stahlbad. Wenn ich an manchen Tagen in einem Zustand der Verwirrung und Orientierungslosigkeit denke, dass sich doch irgendwann alles zum Guten wenden wird, gehe ich in die Teeküche und atme ein wenig nackte Realität, die mich ganz schnell wieder erdet. Die … Weiterlesen Teeküchenblues – Streik-Edition

Kudamm-Borgwürfel

Ich frage mich manchmal, ob ich der Einzige bin, der diese neue Architektur, die sich wie ein Krebsgeschwür durch die Toplagen der Stadt frisst, zum Wegrennen findet, denn alle Passanten laufen daran vorbei ohne sich vor Depressionen vor einen Bus zu werfen, davor zu kotzen oder sich wenigstens angewidert wegzudrehen. Vielleicht liegt es am grauen … Weiterlesen Kudamm-Borgwürfel

Mittags. Pause in Schnösel City

Die freundliche Friederike möchte wissen, wie die anderen ihre Mittagspause verbringen und hat eine Blogparade ins Leben gerufen. Die läuft noch bis 27. Juni und wer mag, kann joinen (dieses Verb habe ich extra für diejenigen eingebaut, die mich seit kurzem wieder so unfreundlich wie penetrant dazu auffordern, im Blog keine englischen Begriffe zu verwenden, weil das … Weiterlesen Mittags. Pause in Schnösel City

Borgwürfelsport

Die Führungsfritzen bei uns im Borgwürfel haben eine Plakatkampagne initiiert. Sie haben sich fotografieren lassen und mahnen nun von Plakaten die Mitarbeiter, mehr auf ihre Gesundheit zu achten. Dazu haben sie eine Kooperation mit einer heruntergekommenen Schule geschlossen, in deren Sporthalle nun unter Anleitung geturnt werden kann. Natürlich nicht während der Arbeitszeit. Auf gar keinen … Weiterlesen Borgwürfelsport

Kulleraugenfolter

Symbolbild Ich bin Ausbilder und seit vielen Jahren kommt es immer wieder, das Quartett aus dem Fundus einfallsloser Azubis: Kulleraugen. Piepsstimme. Hemmungsloses Geschleime. Dicke Dekolletés. Bei mir funktionieren keine Kulleraugen. Sorry. Auch keine Piepsstimme. Komplimente bringen es auch nicht. Und auf dicke Brüste in tiefhängenden Dekolletés, die mir in die Sonne gehängt werden, starre ich … Weiterlesen Kulleraugenfolter

Bei den Wichtigtuern von Oberbaumcity

Mitten in Oberbaumcity gibt es einen ziemlich guten, günstigen Fastfood-Asiaten. Dort ist es mittags voll, richtig voll mit richtig schlimmen Menschen aus den umliegenden furchtbar kreativen Büros. Begriffe aus dem Terrorhandbuch für Technokraten wabern um meine Ohren: Benchmarking. Evaluation. Cluster. Milestone. Zeitnah. Proaktiv. Braindead. Bullshit-Bingo hurra. Ich habe schon nach zwei Minuten drei Reihen voll. … Weiterlesen Bei den Wichtigtuern von Oberbaumcity

Hello darkness, my old friend

Oh ihr Investoren und Bauherren, damit habt ihr euch selbst übertroffen. Spreedreieck. Friedrichstraße. Ich hab gedacht, schlimmer als die Neubauriegel um den Alexanderplatz, die gesichtslosen Betonklötze am neuen Hauptbahnhof oder die menschenfeindlichen Bunkerglaskästen am Spreeufer Richtung Stralau kann es nicht mehr werden, aber es kann: Das Spreedreieck – ein fieser düsterer Bau in prominentester Lage, … Weiterlesen Hello darkness, my old friend