Heilbronn / 2019

Ich muss heute in Heilbronn sein. Kundenkontaktkümmern. Es sind Leute mit Geld. Ich muss da immer hinreisen in solche komischen Städte, um mich und meinen sexiest Arbeitgeber alive möglichst wichtig und fürsorglich erscheinen zu lassen. So wichtig und fürsorglich, dass Leute mit Geld uns dieses Geld hinterher werfen. Und damit sie das tun, müssen sie … Weiterlesen Heilbronn / 2019

Blankenburg

Es gärt im Norden meines Bezirks. In Blankenburg will der Senat eine Großsiedlung hochziehen. 6000 Wohnungen wollen sie entstehen lassen. Ursprünglich 10.000, doch sie mussten downgraden. Denn sie bekamen das was sie in Berlin immer bekommen, wenn sie irgendetwas bauen wollen. Eingaben. Proteste. Partikularinteressen. Widerwillen. Und immer dieses "Not in my backyard". Berlin hat Wohnungsnot, … Weiterlesen Blankenburg

Europapark / 2019

Europapark. Das Kind möchte achterbahnen und wir fahren dafür sehr weit weg. Die Reise von Berlin nach Baden mit dem Auto konfrontiert mich wieder mit der leidigen Sanifairabzocke an den Autobahntankstellen. Sie haben dort irgendwo um Frankfurt herum jetzt Pissbecken mit Bildschirmen, auf denen sie Videos abspielen. An einem Pissbecken. Bildschirme. Natürlich spielen sie keine … Weiterlesen Europapark / 2019

Gedankensudelei 08/19

Willkommen in Schnöselhausen: Craft Beer reicht nicht mehr. Jetzt neu: Craft Wine. Demnächst: Craft Gin. Craft Karottenkuchen. Craft Haircut. Craft Apfelchip. Craft Osterei. Craft Fickdichselberhipsterhurensohn. Es ist ja oft so, dass einfach gestrickte Menschen einen Guru brauchen, den sie anhimmeln können. Im Moment ist es ein apokalyptisches Weltuntergangskind aus Skandinavien, mit dem sie sich bis … Weiterlesen Gedankensudelei 08/19

Mallotze / 2019

Heuer Mallotze. Zu einer Dritte-Welt-Stadt wie Berlin gehört auch ein Dritte-Welt-Flughafen. Der heißt hier Schönefeld. Weil Berlin seit 20 Jahren versucht, einen Flughafen zu bauen und es nicht schafft, fliegen die Menschen in der deutschen Hauptstadt mit Tegel und Schönefeld immer noch von zwei musealen Nachkriegsfossilien ab, die wie alles andere in Berlin nicht funktionieren, … Weiterlesen Mallotze / 2019

non erotic

Ja. Sehr gut. Endlich hängt mal ein Zettel an einer Laterne meiner Nachbarschaft, der nichts mit Yoga zu tun hat. Oder Coaching. Beratung. Ernährung. Reichenseelchenbetreuung. Oberschichtencrap. Was will der denn? Ah, Thai Massage. Aber non erotic. Steht da. Und ist wichtig. Das muss man in Berlin dazu schreiben. Denn es ist völlig klar, was passiert, … Weiterlesen non erotic

Ironic Gummipizza

Oben in der Wichertstraße gibt es das Aceto Locanta. Hier sitzen bis in den Morgengrauen hinein komische Gestalten herum und essen Gummipizza. Ironische Gummipizza. Ironisch? Ja klar, inzwischen ist hier bei uns in der megakreativen Hauptstadt alles ironisch, es gibt ironische Hornbrillen, ironische Holzfällerhemden, ironische Cowboystiefel und alle Superfreshen dieses Bezirks, die tagsüber sinnlos in … Weiterlesen Ironic Gummipizza

Marienburger Kampftag

Montag. Pest folgt auf Pest. Ich habe die Kruste einer alten Laufrundensturzwunde am Knie wieder aufgepult. Sie eitert nun. Meine auf dem Peter-Prinzip Pirouetten drehende Chefin erzählt mir ganz stolz wie Bolle, dass sie schon wieder befördert wurde und steht ganz erwartungsvoll vor mir wie ein Pennäler mit dem Einserzeugnis. Zwischen meinem hintersten und vorhintersten … Weiterlesen Marienburger Kampftag

Meine beschissene Hausverwaltung

Meine beschissene Hausverwaltung ist eine besonders beschissene Hausverwaltung und entfaltet ihre Stärken bei all jenen Objekten, die sich selbst überlassen werden können. 1. Credo Meine beschissene Hausverwaltung arbeitet sehr energiebewusst und spart sich jeden überflüssigen Aufwand zur Erstellung eines Konzepts oder wenigstens irgendeiner Idee für das traditionell vernachlässigte Objekt, in dem ich wohne und für … Weiterlesen Meine beschissene Hausverwaltung

Riga / 2019

Tegel. Vor dem Flug nach Riga darf ich mein Lieblingsspiel spielen: Securityshit. Heute habe ich eine kleine Dose Talkumpulver dabei. Meine drecks Fakesneakers, die ich bei Amazon mal wieder viel zu billig geschossen habe, quietschen. Es ist die Lasche. Sie ist übel verarbeitet, reibt am Schuh und macht Lärm. Talkumpulver lässt das Quietschen für ein … Weiterlesen Riga / 2019

Lost in Köln

Ich bin mal kurz in Köln und fahre mit den Kölner Verkehrsbetrieben. In der Bimmelbahn stehen sich fünf Kontrolleure und drei Schwarzfahrer gegenüber. "Isch geh nit!" "Fahrkarte. Zeigen Sie Ihre Fahrkarte." "Isch brauch keene. Isch bin lädiert." Der Typ hat Krücken dabei. Einer seiner beiden Kumpels sucht das Weite durch die offene Tür. Zack. Fumm. … Weiterlesen Lost in Köln

Starfucking myself

Berlin-Mitte. Hackescher Markt. Starbucks. Ein Blick auf die Auslagen und ich muss lachen. Nur amerikanische Franchiseketten schaffen es, Europäern den eigenen Scheißdreck zum dreifachen Preis zu verkaufen. Ich sehe ein lumpiges Stückchen Käsekuchen, ein lächerlich winziges Exemplar eines Lebkuchens, eine obszön kleine dünne Scheibe Marmorkuchen und irgendwelche dahergelaufenen Allerweltskekse für einen irrwitzigen Preis, für den … Weiterlesen Starfucking myself

Reisnudelbootcamp

Im Bahnhof Alexanderplatz nachts um 2 zu aufgedreht von der für mich zu oft zu herben Mischung aus Speed und Koks vom Klo einer dieser Berlin-Mitte-Sprallovollhorstbars mit Tischtennisplatte im Gastraum begegnet mir der preußische Militarismus, wenn auch in asiatischer Variante und in Gestalt eines grimmig dreinschauenden Brüllers: "GUTTEN TACK! IHRRRE BESTELLUNG!!" "Ja, einmal Thai Sesam … Weiterlesen Reisnudelbootcamp

Der Ohrtunnel unter den Supermärkten

Kaufland ist Ohrtunnel und Arschgeweih in einem. Gehen Sie doch da einfach mal hin, wenn Sie aus irgendeinem Grund immer noch zu gute Laune haben und nicht aufhören wollen, Ihre Mitmenschen zu mögen. Was Sie hier finden: Nur Irre. Bekloppte. Assis. Mit inadäquatem Verhalten. Komplett sozial inkompatibel. Die Verantwortlichen sollten bei Kaufland Verkehrsschilder einführen, denn … Weiterlesen Der Ohrtunnel unter den Supermärkten

Der Tag, an dem meine Hirnzellen starben

Neue Auszubildende im Büro. Und die bringt ein Radio mit. Und da läuft 104.6 RTL Hitradio Berlin, die Körperverletzung unter den Radiosendern, die hirnzersetzende Schulabbrecherfrequenz dieser von miesen Radiosendern so gepeinigten Stadt und der ultimative Maßstab für Dudelfunk schlechthin mit einem Niveau, für das man jeden Keller nochmal unterkellern müsste. Meinen persönlichen Mario-Barth-Gedächtnispreis bekommt dieser … Weiterlesen Der Tag, an dem meine Hirnzellen starben

Lost im Friedrichstadtpalast

Friedrichstraße. Im Palast. Kopfkino. Der alte Erich hebt seine vermoderte Faust aus dem Grab. Vom Klunker bis zu den Betonplatten, alles da. Hier wollte die Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik auch mal einen auf Glamour machen. Mit Betonplatten in wuchtiger Klotzoptik. Und Klunkern. Meine Güte. Paris, London, Chisinau, Archangelsk - jeder auf der Welt schüttelt … Weiterlesen Lost im Friedrichstadtpalast

Menschgewordene Menschenverachtung

Uargh. Was war das bloß für eine Pocke? Wer hat die angeschleppt? Wer ist mit so etwas befreundet? Und lädt so etwas auch noch auf seine Feier ein? Eine Geburtstagsfeier. Letzte Woche traf ich dort auf eine Frau. Sie ist Leitende Angestellte bei irgendeiner Abrechnungsfirma für Ärzte, die ihrem Mann gehört. Seine oberste Buchhalterin. Angestellte … Weiterlesen Menschgewordene Menschenverachtung

Gehirnblähung an der Currybutze

Mit zunehmendem Alter gibt es immer weniger grundsätzliche Fragen des Lebens, die noch offen sind: Warum haben sehr hübsche Teenagerinnen immer je eine abgrundtief hässliche beste Freundin, die wie ein Satellit um sie herum kreist? Warum erhöhe ich automatisch die Geschwindigkeit, wenn mir beim Joggen eine Frau entgegenkommt? Und warum versuche ich krampfhaft dranzubleiben, wenn … Weiterlesen Gehirnblähung an der Currybutze

Borgwürfelkaffeescheiße

"Hey, komm' doch mal auf nen Kaffee vorbei, dann quatschen wir 'ne Runde." sage ich zur Vorstandsvorzimmerschnepfe im Fahrstuhl. Warum habe ich das gesagt? Keine Ahnung, man sagt das so. Bla Bla Bla. Buzzwords. Floskeln. Sinnlose Konversation als Schlusspunkt eines ermüdenden Fahrstuhlgesprächs über das Wetter, Babys, Umstrukturierung oder die S-Bahn, die wieder zu voll war. … Weiterlesen Borgwürfelkaffeescheiße

Kot, Müll, Guano und Kotze

Der S-Bahnhof Schönhauser Allee ist ein vergewaltigtes und dann liegengelassenes Bauwerk. Finster ist es hier unten geworden, ungastlich, was daran liegt, dass die Verantwortlichen irgendwann in den 90ern ohne Sinn für Ästhetik und Stil einen Sarkophag aus Beton und Stahl über das historische Dach des ehemals freistehenden S-Bahnhofs gezogen haben, um den Bau der Schönhauser … Weiterlesen Kot, Müll, Guano und Kotze

Mein blöder kleiner Kackspäti lebt immer noch

In meinem in jeder Hinsicht voll korrekten Biedermeier- und Vorzeigebezirk Prenzlauer Berg gibt es nur noch wenige Ecken, in denen Sie als Mann noch Mann sein können und nicht devoter kinderwagenschiebender endstadiumsgegenderter Butterweichkeks, der so mitleiderregend durch die Straßen schlurft wie ein kastrierter Schäferhund auf Dackelbeinen. Die Einschläge jedoch kommen näher, es ist nur noch … Weiterlesen Mein blöder kleiner Kackspäti lebt immer noch

Braindead im Gesundbrunnencenter

Das Gesundbrunnencenter (GBC) drüben im immer noch sehr schönen Ortsteil Wedding, wird aufgefressen. Von seinem eigenen Erfolg. Es ist nicht zu verhehlen, dass dieses vollkommen absurde Monster von Einkaufszentrum allen anderen umliegenden wie zum Beispiel meinen kleinen blöden Schönhauser Allee Arcaden in Prenzlauer Berg mit seiner schieren Größe den Rang abläuft, was bedeutet: Deutlich mehr … Weiterlesen Braindead im Gesundbrunnencenter

Bretagne / 2019

Bretagne. Was mir immer wieder auffällt, ist, dass es Franzosen offensichtlich widerstrebt, fürs Pissen Geld zu verlangen. Oder es ist verboten wegen Grundbedürfnis und so. Das ehrt sie. Sie können hier in der Bretagne überall auf jedem Klo strullern, nirgendwo sitzt jemand davor und knöpft Ihnen 50 Cent für sein stinkendes Kackloch ab oder installiert … Weiterlesen Bretagne / 2019

Esotheke

Es folgt ein mustergültiger Dialog mit einer Apothekenfachverkäuferin in Prenzlauer Berg: "Guten Tag, ich hätte gerne was gegen Kopf- und Gliederschmerzen. Wetterumschwung, Sie wissen schon." "Gerne, nehmen Sie das hier." "Mmmh. Ist das homöpathisch?" "Ja." "Sorry, ich bin nicht religiös. Geben Sie mir was anderes bitte?" "Es ist aber sanfter als Schulmedizin." "Ich möchte es … Weiterlesen Esotheke

Meine Freunde, die Taxifahrer

Warum können eigentlich immer weniger Menschen einfach mal das Maul halten? Die von mir stets als Freunde, Kollegen, Mitmenschen bevorzugten Schweiger sterben offenbar aus, denn immer mehr Zeitgenossen müssen ihre Umwelt, die mich immer mit einschließt, mit Erzählungen über Nichtigkeiten aus ihren belanglosen Leben quälen. Der Trainer aus meinem Fitnessstudio lässt mich ungefragt wissen, dass … Weiterlesen Meine Freunde, die Taxifahrer

Was hier so stinkt ist mein Karma

Ich bin im Bioladen. Das erste Mal in meinem Leben. Normalerweise meide ich diese sich wie der Schimmel in meinen Badezimmerfugen ausbreitenden Sammelstellen für degenerierte Upperclass-Ökoschnösel wie die Begegnungen im Treppenhaus mit meinen hässlichen mülltrennenden Birkenstocknachbarn, von denen einer tatsächlich inzwischen einen Greta Thunberg-Button am Revers trägt, doch heute brauche ich Bärlauch, den nur selten … Weiterlesen Was hier so stinkt ist mein Karma

Shithole Theme oder Der Netto der Verdammten

Immer wenn ich einkaufe gehe, haben die Egoratten gerade Freigang. Und sie treffen sich am liebsten bei Netto im Mühlenbergcenter. Der provoziert das aber auch. Unten am S-Bahnhof Greifswalder bei Edeka, bei dem ich nicht mehr einkaufen mag, weil deren Werbeverantwortlichen es eine gute Idee fanden, einem nicht unerheblichen Teil ihrer Stammkundschaft aufmerksamkeitswirksam für den … Weiterlesen Shithole Theme oder Der Netto der Verdammten

Disneyland Paris

Disneyland Paris. Wenn die blöden bärtigen Terroristen eines erreicht haben, dann ist es die Tatsache, dass unser Leben nerviger geworden ist. Unfreier. Gegängelter. Paranoider. Allein beim Einchecken ins Hotel werde ich zwei Mal abgetastet, flughafenesk gescannt und meine Tasche wird geöffnet und nach Bomben durchsucht. Das wiederholt sich jedes Mal, wenn ich zum Auto gehe. … Weiterlesen Disneyland Paris

Scheißhausguerilla

Sie können im Borgwürfel, meinem fantastischen Arbeitgeber und Füllhorn voller Liebe und Zuneigung, natürlich nicht offen opponieren. Opposition ist Mist. Wenn Sie Opposition sind, sind Sie auf der Abschussliste. Wie im echten Leben werden Sie erst systematisch separiert und dann kleingemacht. Zuletzt aussortiert. Wenn Sie nicht vorher entnervt und seelisch ruiniert das Feld räumen. Nein. … Weiterlesen Scheißhausguerilla

Teewurstparty in der Schülerdisco

Berlin. Ein Samstag. Aus irgendeinem Grund hänge ich in der Alten Kantine in der Kulturbrauerei herum, einem der dümmeren Clubs der Stadt, aber einem der letzten Clubs überhaupt hier im Schnarchsackspießerparadies Prenzlauer Berg. Ich bin der Älteste heute hier. Um mich herum nur BWL-im-Fernstudium-von-der-Dachgeschosscouch-Gesichter, Veteranen der letzten Böhse Onkelz-Coverband-Kinderglatzenparty irgendwo hinter Dahlwitz-Hoppegarten an der polnischen … Weiterlesen Teewurstparty in der Schülerdisco

Be stupid – Go shopping

In Berlin haben sie es nicht so mit der Architektur - Hauptsache billig, möglichst rechtwinklig, auf jeden Fall klobig und als Materialien zur Verblendung bitte nur Sichtbeton und Glas. So erreichen die Mumien aus der Senatsbauverwaltung eine lebensfeindliche, todnüchterne Atmosphäre, die einen jeden bemitleiden lässt, der dort zu arbeiten gezwungen werden wird. Bonjour Tristesse. Seid … Weiterlesen Be stupid – Go shopping

Fuck you fucking Fleischwarenfachverkäuferin

An des Supermarkts Frischtheke sprach ich zu einer Frau: „Guten Tag, ich hätte gerne 300 Gramm Rinderfilet. Durch den Fleischwolf gedreht bitte.“ „…“ „Nein, bitte nicht einpacken. Durch den Fleischwolf drehen bitte.“ „Durch den Fleischwolf?“ „Durch den Fleischwolf.“ „Das ist nicht Ihr Ernst!“ „Doch.“ „Was wollen Sie denn damit machen?“ „Ich werde es roh essen, … Weiterlesen Fuck you fucking Fleischwarenfachverkäuferin

Der potthässliche Alexanderplatz

Berlin ist die Hauptstadt der Versager. Der Berliner Senat versagt beim Wohnungsbau, die Berliner S-Bahn versagt beim Öffentlichen Nahverkehr und der Berliner Alexanderplatz steht dem in städtebaulicher Hinsicht kein Stück nach. Be Berlin - Be Fail. Nur deshalb ist es so, dass der Alexanderplatz optisch so etwas wie der Jason Voorhees von Berlin ist – … Weiterlesen Der potthässliche Alexanderplatz

Discounterkassendemütigung

An der Kasse zu Aldi wartet meine ultimative Demütigung. Denn ich bin für die Kassen der Discounter zu langsam. Immer. Bei jedem Einkauf. Während ich noch damit beschäftigt bin, Joghurtbecher, Milchtüten, Saftflaschen und diese ganzen kleinen Proteinriegel, die sie jetzt bei Aldi verkaufen, sorgsam wieder in den immer zu tiefen rückentötenden Einkaufswagen zurück zu stapeln, … Weiterlesen Discounterkassendemütigung

Hirntote Zombies

Ich habe das Gefühl, dass sie immer mehr werden. Die Zombies. Die mit den Bildschirmen. Auf dem Bürgersteig. Über die Zebrastreifen. Über öffentliche Plätze. Durch die S-Bahn. Tipper Tipper. Glotzen sie in die Dinger und nirgendwohin sonst. Sie können diese Gestalten schon von Weitem erkennen. Und zwar an den Schlangenlinien. Ja. Sie laufen Schlangenlinien wie … Weiterlesen Hirntote Zombies

Die Nachbarn sind feindlich

Hilft denn eigentlich noch etwas gegen die Invasion bräsiger Biohansel und Birkenstockschlümpfe in Berlin-Prenzlauer Berg oder ist der Bezirk sozial schon derart gekippt, dass nur noch die Einführung der flächendeckenden Kehrwoche für restlos authentisches Bad-Bevensen-meets-Killesberg-Flair fehlt? Ganz ohne Reibungen ging die umfassende soziale Wandlung meines Ortsteils die letzten zwei Jahrzehnte nicht ab: Manch Fehlgeleiteter zündete … Weiterlesen Die Nachbarn sind feindlich

Ich bin ja sowas von wichtig

Ich sitze im Borgwürfel, dem Sammelplatz der Philantrophen und die Muse aller Arbeitsplätze dieser Welt, am Schreibtisch und sehe wichtig aus. Das kann ich gut. Wichtig aussehen. Und beschäftigt. Am besten wichtig und beschäftigt. Ich sehe aus wie pure menschgewordene Arbeit. Glattrasiert. Kraftstrotzend. Aufgesetztes Gewinnerlächeln. Der Krawattenknoten sitzt. Der reinste Fleiß wabert als von den … Weiterlesen Ich bin ja sowas von wichtig

Was juckt mich denn der Kollwitzplatz…?

Aus der Gegend um den Kollwitzplatz habe ich mich schon vor vielen Jahren quasi freiwillig und vorausblickend selbst rausgentrifiziert, zu mondgleich in den Nullerjahren schon die Preise, zu dicht die Vollidiotenkonzentration, zu belanglos, langweilig und beliebig das Angebot und dabei doch zuviel Schund und Tand auf einem Haufen - ein ermüdender Ausverkaufs-Overkill des ehemals alternativen … Weiterlesen Was juckt mich denn der Kollwitzplatz…?

Hupsa

Kennen Sie Hupsa? Nein? Noch nicht? In Berlin ist Hupsa das neue Entschuldigung. Und Sie wissen ja: Was bei uns ist, ist zeitversetzt auch bald bei Ihnen. Auch Hupsa. Das kommt zu Ihnen. Denn bei uns ist es schon. Ein dicker schwitzender Schlipsträger mit Besenreißern auf den feisten Wangen haut mir im Flugzeug nach Frankfurt … Weiterlesen Hupsa

Vernissage-Schnösel, Kackwürste und Pizza

Heute bin ich in des Prenzlauer Bergs Pappelallee. In einem schlumpfigen Pizzabäckerhipsterstall im Einflussgebiet vom versnobten Helmholtzplatz und die Schnösel sind auch schon hier. Heute sind es keine normalen Schnösel, sondern Kunstschnösel. Lauter laute Kunstschnösel. Natürlich sitzen sie alle neben mir und ich muss ihrem Gewäsch zuhören während ich esse. Und das ist schlimm. "Du, … Weiterlesen Vernissage-Schnösel, Kackwürste und Pizza

Psycho-Kid goes shopping

Psycho-Kid goes shopping. Und jeden Tag grüßt der Treuepunkt aus der Gruft. Montag. Salatkopf, ein Brötchen, zwei Müllermilch Schoko, etwas Käse. "Sammeln Sie die Treuepunkte?" "Nein, danke." "Brauchen Sie den Bon?" "Nein, danke." Dienstag. Spaghetti, Tomatensoße, Knoblauch, Karotten, etwas Aufschnitt. "Sammeln Sie die Treuepunkte?" "Nein." "Brauchen Sie den Bon?" "Nein." Mittwoch. Klopapier, Deo, Müsliriegel, Melone, … Weiterlesen Psycho-Kid goes shopping

Meine super Führungskraft fährt billig U-Bahn

Ich finde es toll, dass Frauen die besseren Führungskräfte sind. Steht überall. Zeit Online. Spiegel Online. Selbst inzwischen bei der guten alten FAZ. Männer bringen es nicht mehr. Frauen können es besser. Alles. Immer. Ich finde das gut. Ich habe auch eine. Vor mir. Eine Vorgesetzte. Zehn Jahre jünger als ich. Teilzeit. Home Office. Und … Weiterlesen Meine super Führungskraft fährt billig U-Bahn

U-Bahn des Grauens

Eine Samstagnacht im Berliner Öffentlichen Nahverkehr führt mir immer wieder vor Augen, welche schiere Unmenge an Gestörten in der Stadt lebt und den öffentlichen Raum mit der eigenen Nichtvorzeigbarkeit kontaminiert. Ich bin von Rudow aus nach Norden unterwegs. Ab Höhe Britz-Süd beginnen neben mir ein paar Jugendliche eine Diskussion aus einer anderen Galaxie: "Valla wenn … Weiterlesen U-Bahn des Grauens

Mayday Mayday Medimax

Achtung, Achtung, Mayday, Mayday, dies ist ein Notruf. Ich habe mich verlaufen in der gelb-roten Service-Wüste. Der letzte mir bekannte Checkpoint war zwischen elektrischen Bilderrahmen und Dampfbügeleisen. Ich weiß nicht mehr wie ich hier hergekommen bin, denn eigentlich wollte ich mich nur über ein Lautsprechersystem für den Flatscreen informieren, ging auf das grelle rot-gelbe Licht … Weiterlesen Mayday Mayday Medimax

Bitte geh‘ mir auf den Sack

Wer Kunde bei Vodafone ist, der darf sich über ganz viel sinnfreie Kommunikation freuen: (Dengel) "Oh, eine SMS. Wer schickt denn heute noch sowas?" "Kennen Sie schon die neue XXXXL-Flat mit Bonusminuten ins sudanesische Festnetz? Wählen Sie außerdem drei Nummern im überflüssigen deutschen Festnetz, in dem keiner außer Ihrer längst verstorbenen Oma mehr telefoniert und … Weiterlesen Bitte geh‘ mir auf den Sack

Prenzlauer Bergs unentspannte Kitastresser

Zu den Dingen, die ich nicht verstehe, gehört die operative Hektik morgens in der Umkleidekabine der Kita. Stress. Chaos. Hysterie. Geschrei. Gekeife. Alle sind in Eile. Die Eltern sind gestresst, die Kinder sind gestresst und wer auch noch einen Hund oder ein Frettchen mitbringt, stresst auch die. Ja. Ich weiß. Es ist frühmorgens. Der März. … Weiterlesen Prenzlauer Bergs unentspannte Kitastresser

Teerkotze, spanische Bärte und die ewige Kloake

Das Neuköllner Kiehlufer kann mit Ausnahme von der ebenfalls Neuköllner Gropiusstadt und dem Reinickendorfer Märkischen Viertel von keiner anderen der vielen durchschnittlich tristen Gegenden in Berlin in seiner Trostlosigkeit überboten werden. Kaum zu glauben, dass sogar Alt-Treptow und seine sinnlose Autobahngroßbaustelle dagegen wie ein junges semipromifickendes It-Girl wirkt. Im Norden kurz vor Kreuzberg beginnt die … Weiterlesen Teerkotze, spanische Bärte und die ewige Kloake

Frauen sind mir maximal egal, aber ich ihnen nicht

Och doch, schon. Ich hätte eigentlich ein prima Frauenfeind werden müssen. Die Sache mit meiner scheiß Mutter, Kaiserin der üblen Laune und unübertroffene Meisterin im Tellerwerfen nach Kindern, kennen Sie schon. Diesen uralten aus vielen Fragmenten, Memos und Wortfetzen gewucherten Text, Aufarbeitung, Abrechnung, egal wie man das nennt, habe ich lange liegen lassen und vor ein … Weiterlesen Frauen sind mir maximal egal, aber ich ihnen nicht

Mit Mandy und Enrico in der Proletendisse

Was hat mich geritten? Wer hat mich hier hin geschleppt? Was tue ich hier? Es ist Mitternacht und ich stehe in einer Reihe mit solariumsgebräunten Spenderhirnkandidaten und ihren aufgeplusterten Lackjacken, debil kichernden Mandys mit knallroter Plattenbausträhne auf dem platinblonden Kopf und hinter mir steht sogar eine, die Mamas Buffalo-Plateau-Sneakers von kurz nach der Wende aufträgt. … Weiterlesen Mit Mandy und Enrico in der Proletendisse

Treueshit

Rewe. Showdown an der Kasse. "Sammeln Sie Treuepunkte?" "Sammeln Sie denn Paybackpunkte?" "Sammeln Sie Treuepunkte?" "Wie steht's mit der Deutschlandcard?" "Sammeln Sie Treuepunkte?" "Wieviel ist die Wurzel aus 3.998.377.500,78? "Sammeln Sie Treuepunkte?" "Gibt es eine friedliche Lösung für den Nahen Osten?" "Sammeln Sie Treuepunkte?" "Warum haben Menschen zwei Ohren und zwei Augen aber nur eine … Weiterlesen Treueshit

Lass mal Fahrradterroristen trollen

Neulich auf der Laufrunde Höhe Bernauer Straße: "Du läufst auf dem Fahrradweg!" "Wäh?" "Geh vom Fahrradweg runter, du darfst hier nicht laufen!" "Gnihihihi." "Was gibt's denn da zu lachen? Du läufst auf dem Fahrradweg!" "Muhuhuhuhuhahahaha! Ein Radfahrer faselt was von Verkehrsregeln. Muhuhahaha! Ein Radfahrer! Ausgerechnet. Das ist zu gut. Ganz groß. Aua. Mein Bauch." "Was … Weiterlesen Lass mal Fahrradterroristen trollen

McPaper – eine Groteske in vier Akten

Erster Akt [Auftritt Kunde, legt einen Packen Kopierpapier auf die Ladentheke] „Möchten Sie auch Tesa-Film?“ „Öh nein, wieso?“ „Ist im Angebot.“ „Ja, sehe ich, steht ja hier. Danke nein.“ [Kunde geht ab] (…) Zweiter Akt [Auftritt Kunde, legt einen Packen Briefumschläge auf die Ladentheke] „Brauchen Sie auch Filzstifte?“ „Nein, danke, wenn ich welche brauche, kaufe … Weiterlesen McPaper – eine Groteske in vier Akten

Kaninchen

Geschmortes Kaninchen Zutaten 1 Kaninchen (ca. 1,5 kg)3-4 Möhren100 g Sellerie1 Zwiebel4 Knoblauchzehen20 Salbeiblätter (alternativ 3-4 Thymianzweige)2 Rosmarinzweige800 ml Gelügelfond (aus dem Glas)Olivenölca. 2 EL TomatenmarkGemüsebrühe200 ml trockener WeißweinNoilly PratSalz, Pfeffer Anleitung 1. Backofen auf 180 Grad (Ober- Unterhitze) vorheizen2. Das Kaninchen in 8 Teile schneiden, Fleisch waschen/trocken tupfen und mit Salz und Pfeffer würzen3. … Weiterlesen Kaninchen

Retrospektive: Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion

(2003) Ich habe mal ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung in Tateinheit mit dem Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion an den Arsch geklebt bekommen. Huhu. Klingt krass, nicht? Ist aber nicht krass. Eher traurig. Viel war nicht. Ich war nur bei Hertha. Ab und zu gehe ich da hin, wenn ich mal Bock auf schwitzende besoffene pöbelnde Asoziale habe, … Weiterlesen Retrospektive: Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion

Zuckungen im Schwebebad

Ich soll entspannen, sagt der Wellnessgutschein für einen Salzwassertank. Schweben soll ich, auf Salzlake, zu beruhigender Musik, mich verlieren in Raum und Zeit und dadurch meine Abwehrkräfte stärken. Steht da. Das ist doch wieder eine dieser dekadenten Yuppie-Eso-Heilsteine-Ufos-gelangweilte-Steglitzer-Hausfrauen-Erfindungen, mit denen du so viel anfangen kannst wie mit einer Fußreflexzonenmassage, indischen Räucherstäbchen oder einer Gurkenmaske auf … Weiterlesen Zuckungen im Schwebebad

Stehenbleiben. Nicht fliehen.

Was ich sagen wollte: In einer Berliner Badeanstalt fürchtet man immer, Keile zu bekommen. Ich werde das Gefühl nie los. Unsere Bevölkerung hat diesen Wesenszug in sich, einen jugendfrischen Wesenszug: und wer bei uns auf Körperverletzungen immerhin von vornherein gefasst ist, ist weise. Die positive Gesinnung, die Goethe dem ersten seiner starken Gesellen in den … Weiterlesen Stehenbleiben. Nicht fliehen.

Weinschnösel

Guten Abend Kreuzberg. Vor mir sitzt der Weinschnösel. Typen wie der sind der Grund, warum ich es inzwischen hasse, zu Weinverkostungen zu gehen. Doch es sind nicht nur Weinverkostungen, die unzumutbar geworden sind, nein, diese Gestalten kontaminieren jetzt auch die Whisky-, Rum- und sogar, weil keine Gelegenheit zu abseitig zum blasierten Herumschnöseln ist, die Bierverkostungen … Weiterlesen Weinschnösel

Mettbrötchenknecht

Es ist der Borgwürfel, mein fantastischer Arbeitsplatz, mit großem Abstand bester Ort der Welt und unangefochtener Hort der Menschenfreundlichkeit morgens um halb acht. Ich treffe im Fahrstuhl auf die alte vertrocknete Projektleiterin, die irgendwer in eine so gut bezahlte wie unangreifbare Position gehoben hat, die es ihr erlaubt, wahllos Menschen zu unmöglichen Uhrzeiten möglichst dumm … Weiterlesen Mettbrötchenknecht

Von Quäkern, Sabblern und Brüllern

Wie der Rest meiner Stadt geht auch der öffentliche Nahverkehr in Berlin vor die Hunde. Festmachen können Sie das am Publikum. Stinker gab es schon immer in Berlins Bahnen. Immer mal wieder einen. Manchmal wochenlang keinen. Dann wieder zwei Stinker in drei Tagen. Kam rein. Stank nach Verwesung, wochenlang nicht gewaschenem Puller oder schlicht nach … Weiterlesen Von Quäkern, Sabblern und Brüllern

Die kunterbunte Schnepfe und ihr Führungsseminar

Führung lehne ich ab. Mit jeder Faser. Führung ist Faschismus. Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland. Und so weiter. Wer führt, will unterjochen, brechen, kaputt machen, ausbeuten, aussaugen, auslutschen. Und dann wegwerfen. Anarchie ist die Lösung. Klar doch. Jeder führt sich selber, wird ein neuer Mensch. Keine Chefs. Keine Chefinnen auch nicht. Paradies. Punk's still … Weiterlesen Die kunterbunte Schnepfe und ihr Führungsseminar