Hirnsudelei 12/20

ey mein 128jähriger diabetischer, krebskranker Großonkel is anmit Kurkuma und anmit seinem 7. Schlaganfall wie kannst du nur du unmensch jeder tod is schlimm maske ist leben nie mehr sterben roboterkörper wann!!!111!!

Quelle: Internet


Im Borgwürfel, dem Häufchen Elend von einstmals stolzem Arbeitgeber, von dessen Ruf wie Donnerhall nichts außer Angststarre geblieben ist, hat einer einen positiven Coronatest. Und tat das in einer Rundmail kund. Die auf diese (symptomlose) Quasitodesbeichte folgenden Kommentare lesen sich wie Krebs. Aids. Endstadium. Leprablasengeschwülste. Mindestens Ebolamilzbrandtuberkulose. Fehlen als Dornenkrönung eigentlich nur noch abschließende letzte Worte: Danke euch allen für den Zuspruch. Zwei Wochen noch. Weint nicht um mich. Sagt meinen Kindern, dass ich sie liebe. Es war schön mit euch.

Natürlich müssen sie immer alle auf „Allen antworten“ drücken und breitstreuend dem Befund kondolieren. Das ist bei solchen Rundmails ein innerer Zwang. Weil sie wissen, dass ich das lese.

Innerdeutschland 2020: An der Berliner Stadtgrenze hinten Richtung Strausberg standen Brandenburger Bullen mit drei Wannen und lugten in die Autos, die in Schrittgeschwindigkeit an den Grenzposten vorbeifuhren. Tick. Tack. Schwitz. Entweder ist die RAF wieder da, ein Serienkiller ist ausgebrochen oder es war wegen der Ausgangsbeschränkungen, die in Brandenburg härter ausfallen als in Berlin. Ich war alleine im Wagen und ausnahmsweise nüchtern, deswegen zogen sie mich vermutlich nicht raus. Angekommen draußen in Strausberg fühlte ich mich wie ein illegaler Migrant. Ein Berliner U-Boot eingeschleust nach Brandenburg. In diesen unglaublichen Zeiten. Ist er denn des Wahnsinns?

Für den Weg zurück nach Prenzlauer Berg wählte ich Seitenstraßen zum Grenzübertritt. Wegen des Päckchens Gras im Handschuhfach. Mal sehen. Vielleicht gibt es bald wieder Schleuser. Die die Trampelpfade nach Berlin rein kennen. Oder Tunnel bauen.

Ansonsten ist in Berlin wegen Corona jetzt auch das Alkoholtrinken in der Öffentlichkeit verboten. Seitdem cruise ich bekifft durch meinen Bezirk. Mit superhipper Mio Mio-Cola in der Hand. Aber nein, Spaß, bitte. Mit dem Bier in der Hand durch Prenzlauer Berg zu laufen ist immer noch kein Problem. Trotz ihres schrägen Alkoholverbots. Denn auch jetzt ist hier immer noch Berlin. Sinnlose Vorschriften interessieren hier keine Sau. Sinnvolle auch nicht. Und die von der Berliner Stadtregierung dankenswerterweise zu Eunuchen runtergerockten Berliner Bullen juckt das eh nicht. Die haben gar nicht das Personal dafür. Ganz abgesehen von den Knöllchenkönigen vom Ordnungsamt, die um 16 Uhr Feierabend machen und sich vorher wie immer ausschließlich für parkende Autos interessieren. Ich mag meine Stadt. Mein Groß-Schlumpfhausen. Das halt schlicht mangels Substanz keinen fiesen Polizeistaat wie der Söder in Bayern betreiben kann. Doof für die ganzen nutzlosen Buchstaben auf den von drittklassigen Senatsjuristen hingewichsten Verordnungen, aber hey, gut für mich.

Nicht so witzig: Letzte Woche ist mir das Kind, das öfter wieder da ist, zusammengebrochen. Aus dem Nichts. Eine halbe Stunde lang Heulkrampf. Alle Schleusen offen. Floodland. Depriquote: „Corona versaut mir die ganze Jugend.“ Nur weil ich gesagt habe, dass wir dieses Jahr nicht böllern können, da sie den Verkauf verboten haben und ich es vor dem aktuell letzten ihrer ganzen Verbote nicht mehr nach Polen geschafft habe.

Natürlich ist diese Nichtigkeit nur der auslösende Tropfen für den Dammbruch gewesen, zeigt mir aber, was sich in dem kleinen Köpfchen so alles angestaut hat in diesem abartigen Jahr, das das Kind im Vergleich zu anderen bisher wirklich gut gemeistert hat. Aber irgendwann ist halt auch hier Sturmreife. Das ständige Gängeln. Verbieten. Einschränken. Zurechtweisen. Das moralisierende Dauerfeuern. Die Dauerdistanz. Die geweiteten Augen auf den Gehwegen. Die in alle Ritzen gekrochene Angst. Die Arroganz der Lockdowner. Die ganze dystopische Eiskälte der Verordner und ihrer Lautsprecher. Und dann diese blechernen „Meine Damen und Herren! Gemeinsam gegen Corona!“-Durchsagen mit der zermürbenden Kraft der Penetranz alle drei Minuten in der S-Bahn. Da platzt irgendwann auch das tapferste Kind. Und jetzt ist es eben geplatzt.

Die Aufgabe als Vater ist es dann, Zuversicht auszustrahlen, einen Optimismus zu mimen, den ich gar nicht habe, um das junge angegriffene Gemüt nicht noch mehr runterzuziehen, sondern zu stabilisieren. Was im Ergebnis dann mich runterzieht, weil ich das erste Mal vorsätzlich so unehrlich zu meinem Kind bin wie ich es nie sein wollte. Weird.

Sprechen können Sie darüber natürlich nicht, ohne sich sofort blasierte Scheiße der Mehrheitsgesellschaft einzuhandeln. Abgehangene Glückskekssprüche. Zwölfmalkluges Geseier wie von Facebookpinnwandbildern mit Kerzenscheinhintergrund abgelesen. Halbherziger Durchhalteshit. Bis zu Vorwürfen. Sie würden das Kind für irgendwas instrumentalisieren. Oder dass Sie gar einer von denen sind, die die Maßnahmen nicht gut finden. Ein Maßnahmenkritiker quasi. Huhu. Das ist das Finsterste derzeit. Mit dem sie daher kommen. Ein Kritiker der Maßnahmen zu sein. Noch schlimmer sind da eigentlich nur noch so halbgare klowandige Endsiegparolen wie „Ist halt die Zeit, da muss man durch.“, „Müsst euch aber auch mal zusammenreißen. Das dauert ja nicht ewig.“ und „Natürlich ist das schlimm, aber…“. Subtext: Was hast du da mit dem Kind. Damals 1944 war auch kein Spaziergang. Bombenhagel hallo? Habt euch mal nicht so.

Ich merke, dass es tatsächlich so ist wie es ist: Haben Sie so ein Kind, verbringen Sie – zumindest wenn Sie normal ticken – Ihre Tage damit, sich um Ihr Junges zu sorgen. Sie werden mir das auch nicht aus meinem Kopf labern, feixen, mobben können. Vergessen Sie das.

Der Freundeskreis indes ist so gespalten wie das ganze Land. Ich kann die Positionen allerdings sehr genau nach Berufsgruppen differenzieren:

  1. Die im öffentlichen Dienst sitzen zuhause, glotzen Netflix leer, haben keine Einnahmeausfälle und deswegen auch überhaupt keine Probleme mit noch strengeren Maßnahmen. Und sagen das auch. Sie fordern Stayathome bis zur Ausgangssperre, mehr Polizeikontrollen und überhaupt mehr Staat, und können nicht verstehen, was daran so schwer zu verstehen ist.
  2. Den beiden, die Stütze empfangen, geht es genauso. Sie sind klar Pro Lockdown. Einer setzt auf das bedingungslose Grundeinkommen, das er meint, in der Zeit des Umbruchs am Horizont zu sehen, der andere sagt mir in einem Anflug von Offenheit, jetzt würden die anderen halt mal sehen, wie sich das Denbachruntergehen anfühlt, was nur ein weiteres hartes Statement in dieser an harten Statements nicht armen Zeit ist.
  3. Der Polizist, der eigentlich mal einer der entspannten seiner uniformierten Profession war, hat damit begonnen, sich nach dem Protestsommer eine martialische Sprache anzugewöhnen. Es klingt, als wäre der augenbrauige Innenmistmacher Schönbohm wieder aus seiner braunen Gruft gekrochen und verlangte nach Stahlgewittern. Zero tolerance. Broken window. Einfach alles verbieten. Und was sich nicht verbieten lässt mit der Leberwursttaktik endbehandeln. Draufhauen, reinstechen, auseinandertreiben und Ruhe ist da jetzt mal.
  4. Der Banker, dem ich immer noch nicht die Freundschaft gekündigt habe, legt offen, dass er teilweise umschichtet und zunehmend mit anderthalb Augen auf einen möglichen Black Friday investiert, der dieses Mal auch ein Black Monday sein kann. Oder ein Black Wednesday. Er empfiehlt, sich ein Eigenheim zuzulegen. Betongold. Mit geringzinsigen Schulden unterlegt, die sich mit etwas Glück bald weginflationieren lassen.
  5. Ambivalenter die beiden Handwerker. Sie haben immer noch volle Auftragsbücher – gebaut, gewartet und repariert wird offenbar immer. Es geht ihnen selbst gut, aber sie sorgen sich um das Land. Die Leute. Das Leben. Das frühere vor allem, das sie wiederhaben wollen. Sie bilden bei uns quasi die Mitte. Keine eindeutige Position. Mit dem ganzen Zustand um sie herum ehrlich überfordert. Und limitiert in den Möglichkeiten, wie gewohnt zu vermitteln.
  6. Gerade am Abdriften von diffuser Abneigung in eine diffuse Form von – ja, doch – Hass sind die teils kurzarbeitenden Angestellten aus der früher mal freien Wirtschaft, deren Arbeitgeber gerade über die Wupper gehen, von der Substanz leben oder sogar nur noch mit der öffentlich-fiskalischen Herz-Lungen-Maschine am Leben gehalten werden. Sie sagen, dass sie wissen, dass das alles irgendwann an ihnen hängenbleiben werden wird. Das dicke Ende. Von dem nur der Zeitpunkt noch nicht fest steht.
  7. Sie sind damit in einem Zustand, in dem die paar Selbstständigen schon etwas länger sind, deren Existenzen gerade erodieren oder schon erodiert sind und die sich gerade oder demnächst bei Ziffer 2 (der Grundsicherung) einreihen.

Ich selber bewege mich manchmal zwischen 5 und 6. Meistens betrinke ich mich jedoch, um mich nirgendwo verorten zu müssen. Drücke den Notschalter aller Denkprozesse. Es stimmt. Ich betreibe klassische Verdrängung, so lange Verdrängen funktioniert. Und wenn es knallt, werde ich hellwach sein. Das habe ich immer so gemacht.

Was das jetzt für das Land bedeutet? Weiß ich nicht, ich bin kein Soziologe. Und Politiker auch nicht. Ich bin nur gespannt, wie sie das wieder befriedet bekommen wollen, was da unter allen öffentlichen Wahrnehmungsschwellen doch deutlich glimmt und kokelt. Vielleicht bin ich aber auch nicht repräsentativ und es ist alles tatsächlich so in Ordnung wie sie alle schreiben. Dass es kein Problem gibt. Kann sein. Weiß ich nicht. Es ist gerade mal Dezember.

Sport. Die Winterlaufklamotte reibt schwer an meinem Körper, so dass ich ab 15 Kilometern jetzt Pflaster auf die Nippel kleben muss, weil es so scheuert. Einmal vergaß ich die Pflaster und die Nippel begannen irgendwo oben in Lübars kurz vor Brandenburg zu brennen und zu bluten. Mein weißes Shirt vom Müggelsee-Halbmarathon vor ein paar Jahren hat jetzt zwei große Blutpunkte, die ich wohl nie wieder rauskriegen werde. Welchen Sinn haben Brustwarzen bei Männern? Kann man die nicht rausgenetisieren? Mendel, hörst du mich? Au.

Dann kam die Sportpause mitten im Dezember. Fiese Zerrung. Ein Elend. Ich bin hinten Bürgersteig Norwegerstraße über einen quer im Weg geparkten E-Roller gefallen. Nicht gesehen, das Ding. Zu dunkel. Und natürlich nazimäßig geparkt. Quer quasi direkt als fiese Barrikade. Aber egal. Sportmäßig bin ich sowieso ein Desaster geworden die letzten Monate. Kontinuierlich nachgelassen. Im Sommer noch 30-35 Kilometer drei Mal die Woche, jetzt 18. Wenn ich einen guten Tag habe 21. Dazu jetzt noch die zerrende Zwangspause als Höchststrafe im verfressenen Dezember. Drecks E-Roller. Ich hasse die alle.

Nur in Berlin: Eine Frau auf einem Fahrrad, die den Fahrer eines beblaulichteten Notarztwagens im Einsatz anblökt, weil er zu einem Teil auf dem Radweg steht. Natürlich in Kreuzberg. Meine Stadt auf der Couch. Im Koller. Das ist selbst für Berlin auf so viele Arten kaputt. Eine solche Gestörtendichte haben Sie wirklich in keiner anderen Stadt. Versuchen Sie nicht, mir das Gegenteil zu beweisen, Sie haben keine Chance. Meine Stadt ist die kaputteste mit den kaputtesten Leuten. Ich lebe hier, ich weiß das.

Die ersten Coronainsolvenzen gehen an den Start: Anfang 2013 habe ich über einen kompetenten Ticketverticker hier in Prenzlauer Berg geschrieben, bei dem ich schon seit es ihn gibt meine Konzerttickets kaufe. Futsch. Weg. Keine Events, keine Tickets und die Gewerbemiete nicht mehr zu stemmen.

Auch dicht wegen Corona: Das Café Zuckerfee, sehr mutig seinerzeit auf dem Höhepunkt der prenzlauerberger Kinderwagenschwemme, als sie Kinderwagen im Lokal verboten haben, was damals ein kleines süßes Entrüstungslüftchen aufgeregter Mütter durch Prenzlauer Berg wehen ließ. Herrlich. Was waren das damals noch für Probleme.

Und wie man hört, liegt das wirklich sehr schöne Blumencafé, von mir 2011 damals ungelenk verqypet, auf der Schönhauser samt lustigem Krächzpapagei am Sterben und macht wohl bald zu. Einnahmen am Arsch, Miete hoch, Laden zu. Isso.

Es beginnt also wohl trotz der absurden staatlichen Stützgeldschleudereien langsam mit den absehbaren Pleiten und es kann nicht anders sein, als dass da noch viel nachkommt, vor allem ab dann, wenn sie die ganze haushaltsdefizitäre Förderung irgendwann zurückfahren werden müssen. Was sie müssen. Das geht nicht ewig so. Kann gar nicht.

Wenn ich an Blumencafé und Zuckerfee zurück denke, war es schon ’ne krasse Zeit damals mit Kinderwagen und Babytrage als frischer nervöser Vater unter den misstrauischen Augen dieser geiernden rhabarberkuchenernsten Übermütter in diesen Kindercafés und es fühlt sich für mich so komisch unwirklich an, wenn jetzt mit den Cafés aus der alten Zeit auch die Geschichten abgeräumt werden, die ich mit den Orten verbinde. Vermutlich wird in die verwelkten Orte bald einer dieser raumgreifenden Coworkingpuffs einziehen oder ganz einfach niemand. Laufen Sie doch die bis letztes Jahr noch blühende Schönhauser Allee einmal hoch bis Bornholmer und halten die Augen dabei offen. Sie können ihn dann sehen, den beginnenden Leerstand, vereinzelt im Moment noch, zaghaft, aber schon. Was ja klar ist. Niemand von Verstand gründet jetzt eine Existenz.

Die ganzen hausfrauigen Kuchenbuden aus der Zehnerjahre-Kuchenbudenschwemme, bei denen Sie im Moment bei mir in der Ecke überall Kuchen zum Mitnehmen ziehen können, gehen auch so langsam den Bach runter. So legen Sie für ein absurd winzig abgeschnittenes Stück Käsekuchen (oder Cheesecake, wie er bei uns genannt wird) bis zu 3,50 hin. Es muss klar gespart werden, das sehen Sie spätestens, wenn Sie so ein mickriges Ding, das strenggenommen nur ein etwas größerer Käsekuchenkeks ist, zuhause auspacken und peinlich berührt der buckligen Verwandtschaft servieren müssen.

Wie immer.

Nichts bleibt.

Alles fließt.

Auch die Kommunikation.

Die jedoch fließt in den Ausguß.

Hier, für zwischendurch, ein schönes Fundstück, das viel über die so verbreitete Denke im Internet aussagt:

Na? Noch einen? Zum Stil des Diskurses? Zum Internet 2020? Gerne:

Ich habe schon einen griffigen Slogan, mit dem wir diese Zeit und den allgemeinen gesellschaftlichen Umgang passend auf einen Punkt bringen können:

2020. Fresse, sonst Maul.

Oder:

2020. Diskutieren ist Nazi.

So. Reicht. Gimme Bloggeronanie, ich pul‘ mal wieder an mir selber rum: Hey, Internetavatare. Echt jetzt? Sie diskutieren immer noch in Ihren obskuren Foren über das Mistding hier? Und regen sich immer noch auf, rechts, links, oben, unten, und heulen herum, dass das alles so misanthropisch, pessimistisch und null konstruktiv ist?

Ja, stimmt, weiß ich selber, ich kriege von plakativ guter Laune automatisch plakativ schlechte Laune und nur schlechte Laune macht mir gute Laune. Das war immer so. Und wird auch nie anders werden. Wenn Sie das also stört, dann diskutieren Sie doch mit „Knoblauch69“ auf Reddit über die Vorteile von Nougatbits oder lesen doch einfach diese kunterbunten Berlin-Mitte-Kuchenblogs, wenn Sie einen Stimmungsaufheller wollen. Vielleicht gewinnen Sie ja ein Kochbuch, wenn Sie erraten, mit welcher Geheimzutat Topinamburpaste gemacht wird. (Spoiler: Es ist Topinambur.)

Ich habe übrigens noch einmal nachgedacht. Ihre Wetten, ob und wann ich mich denn suizidiere, sind total bescheuert, weil Sie das Ergebnis ja gar nicht belastbar verifizieren können. Denn selbst wenn hier auf einmal gar nix mehr kommt, heißt das ja nicht, dass ich mich hingerichtet habe, sondern ich könnte ja auch ohne Absicht vor einen Laster gelaufen, in die Anstalt eingewiesen worden oder einfach nur besoffen in den Landwehrkanal gefallen sein. Also ergeben Ihre Wetten gar keinen Sinn.

Gnihi. Reddit. Nougatbits. Schmecken nach Arsch. Lolmichfett. Ich kriege gute Laune von solchen Kommentaren.

Apropos Arschhaare, hier kommt die Pornhubperversion des Monats, die mir der Algorithmus aus irgendeinem Grund in die Empfehlungen gespült hat, eat this: Eine üppige Frau mit Arschhaaren in der Ritze sitzt auf dem Gesicht eines dürren Typen und furzt ihn voll. Also mitten ins Gesicht. Schwöre. Sie furzt. Doch, echt, ich verarsche Sie nicht. Sie furzt wirklich. Und es sind richtig fiese laute Knatterdinger und sie müssen übelst stinken, denn der Typ sagt „Öööh“ und „Uuuh“, wehrt sich allerdings nicht richtig und die Arschhaarfrau findet ihre Fürze selbst abartig und hält sich die Nase zu. Sagt „Uuuh, it’s stinky.“ und bellt „Sniff it!“. Dann kommt eine ältere Frau durch die Türe, bei der sich die Arschhaarfrau beschwert, dass der dürre Typ nicht richtig an ihren Fürzen riechen würde, wonach die Ältere den Dürren anweist, doch jetzt bitte richtig an den Fürzen der Üppigen zu riechen.

What? The fuck is this?

Ehrlich, ich bin fast geplatzt angesichts dieses großartigen Plots. Echt mal, gibt es irgendwen, auch nur einen einzigen, der sich dazu einen runterholt? Ich meine okay, muss es ja, sonst würden sie so etwas nicht produzieren. Und überhaupt: Ich dachte immer, dass die Fürze von Frauen nach Vanille und Rosen riechen und nicht nach Kloake wie bei uns. Offenbar Fake News.

Ich kann vom Unappetitlichen einfach nicht lassen, schauen Sie mal:

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber für mich fühlt sich das so an, als würde der S-Bahn-Spritti, der jeden Tag predigend durch die Sitzreihen mockert und jedem, der das nicht wissen will, seine Haltung zum Merkelregime in die Ohren blökt, damit drohen, das in Zukunft nur noch an sechs statt an sieben Tagen der Woche zu machen, wenn wir ihm nicht mehr Geld als sonst geben. Ich verstehe nicht, wo da die Drohung sein soll.

Egal. Natürlich werden sie am Ende wieder mehr Geld bekommen. Vielleicht nicht nächstes Jahr, aber dafür übernächstes. Mehr Geld. Mein Geld. Für dessen Erhalt sie wie selbstverständlich klagen, auf dass ich weiterhin arbeite, um Leute noch besser zu versorgen, die ich gar nicht versorgen möchte, weil ich sie nicht mag.

Mit ihrer ersten eilig-eifrigen Brechstange im Dezember kamen sie indes nicht durch: Rundfunkbeitrag – Karlsruhe lehnt Eilanträge von ARD und ZDF ab. Ja wenn Sie mich fragen, ist eines ganz klar: Karlsruhe ist jetzt Nazi.

Fun fact: Bei Netflix gibt es jetzt eine ZDF-Serie zum Abrufen. Wenn ich das also richtig verstehe, produziert der öffentliche Rundfunk, der mir 52,50 Gebühren im Quartal aus der Tasche zieht, mit dem Geld aufwändige Dinge, die er nach dem Versenden an Streaminganbieter zur Zweitverwertung vertickt. Richtig zusammengefasst? Frage: Kriegen wir das Geld zurück, das sie dafür einnehmen oder behalten die das? Ach, lassen Sie es sein, Sie brauchen nicht zu antworten, ich kenne die Antwort.

Ich möchte gerne wieder damit beginnen, einmal im Jahr ein wenig Statistiknerdkram in den Raum zu werfen (kurz, sehr viel kürzer als früher, auch weil die Statistiken von WordPress weit weniger hergeben als die damals bei Blogspot).


Meistgeklickt 2020

1. Die Aktivisten sind wieder empört (2.390)

2. Empowert mich doch am Arsch (2.037)

3. Lost in der Hotspotmetropole (1.662)

4. Q wie Quarantäne (1.613)

5. Hirnsudelei 01/20 (1.591)


Klicks aus der Nachbarschaft 2020

1. https://fliegende-bretter.blogspot.com (1.797)

2. http://www.zeitgeistlos.de/zgblog (1.014)

3. https://annikahansen7.blogspot.com (505)

4. https://www.arthurstochterkochtblog.com (502)

5. https://blog.nassrasur.com (263)

6. https://crocodylus.blog (175)

7. https://genderama.blogspot.com (168)

8. https://guidowilke.com (123)

9. https://www.claudia-klinger.de (92)

10. https://dvwelt.wordpress.com (69)

(nicht aufgelistet habe ich vereinzelte unappetitliche Quellen sowie das chronisch unappetitliche Twitter und Facebook, die ich nicht verlinken möchte, weil ich mich sonst stundenlang duschen muss.)


Klicks nach Staaten 2020

1. Deutschland (269.104)

2. Schweiz (10.569)

3. Österreich (6.448)

4. Vereinigte Staaten (4.430)

5. Thailand (1.901)

6. Italien (1.542)

7. Frankreich (1.401)

8. Australien (1.193)

9. Belgien (967)

10. Südafrika (892)

(…)

28. Polen (78)

Wein habe ich gesoffen. Und kistenweise davon gekauft. Es ist türkischer Rotwein von Kayra und er ist sehr gut. Kalecik Karasi, keine Ahnung, was das für eine Traube sein soll, mir völlig neu, aber nochmal: Sehr gut. Nur das Geseier auf dem Etikett ist wirklich peinlich: „… blessed by the Goddess of Fertility … bläh bla …“. Meine Güte, geht es auch eine Nummer kleiner? Haben sie wieder beim Texter gespart? Oder das gleich wieder den Praktikanten machen lassen?

Überraschend dabei, dass in der Türkei noch Wein hergestellt werden darf. Ich hätte erwartet, dass das schnell auf der Abschussliste landet.

Gesammelte Lesezeichen des Monats, klicken Sie doch mal woanders hin:

Rehabilitation for Vice Bloggers

Das ist auf so vielen Ebenen schön. Vice. Buzzfeed. Bento. Zett. Get woke, go broke. (via Alles Evolution)

Die Hegemonie der hypermoralisierenden Einfaltspinsel

Das sind die Zeiten und sie sind wie sie sind.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Eine Reform ist dringend notwendig (Gastartikel)

Ich fasse zusammen: Es ist ein selbstherrlicher, sich selbst versorgender, immer dicker werdender Moloch, der von der Arbeit derjenigen Leute lebt, die er verachtet, und an dessen Auflösung kein Politiker mit Macht in der Hand ein Interesse hat, weil er davon profitiert. Ich möchte nicht dafür zahlen, doch sie zwingen mich.

Warte, warte nur ein Weilchen

Klick. Dystopie.

Kurzfilmchen: Happyness

Ratrace. Damals als wir noch richtig gearbeitet haben.

Lagerkoller

Der Schirrmi. Auch noch da. Wie die Zeit vergeht. Grüße (bro).

Freie Demokratische Punks

Und es ist genau so wie er sagt.

Und gleich nochmal, weil er einen Lauf hat:

Last Exit Netzpartei: Hier gärt­nert der Bock noch selbst.

Das ist der Text, den ich gerne geschrieben hätte, wäre ich damals in die Piratenpartei eingetreten und hätte nicht nur das ganze Material schlumpfig zuhause rumliegen gehabt, um irgendwann mal einzutreten, wenn ich dazu komme. Und als die ganzen berlinblasigen trotzkistischen Zersetzer reingingen und jedes verfügbare Ruder übernahmen, um am Ende nach jahrelangen Grabenkämpfen, Divendramen und Kriegsgeheul ein abgenagtes Skelett zu hinterlassen, das niemand von Verstand mehr wählen mag, war es dann auch zu spät. Hut ab für die gelungene Abrechnung. Es ist immer noch ein Jammer, aber am Ende stimmt’s halt doch: Parteien sind scheiße.

Gesundheit: Berlin: Syphilis breitet sich aus

Raaaaaaaaah! Lockdown! Schnell! scnr…

David French is a piece of shit and I want him dead

Haha. Splatter.

Wem die Zwietracht nützt

Ich finde diese Identitätspolitik inzwischen richtig toll. Sie schießen jeden Tag viele kleine Stinkbomben in die Welt und spalten damit die anfälligen Teile der Gesellschaft wirksam in winzigkleine Atome, die gären und gären und irgendwann eitrig aufplatzen. Die Mehrheitsmenschen, denen sie mit ihrer beleidigt-empörten Dauersirene auf den Zeiger gehen, wehren sich gegen die Angriffe auf ihr Selbstverständnis und die hartnäckigen Versuche ihrer Dekonstruktion mit Häme, was die Sirenenbetreiber wieder als Angriff werten und noch einmal eine Stufe schriller auf ihrer Tonleiter umhergeigen, was die Mehrheit wieder … und ich kuck‘ mir das von der Seitenlinie an wie einen Autounfall, an dem ich nichts ändern kann. Boom. Verende, Zivilgesellschaft, verende. (via Nassrasur)

Derweil sterben die identitären Medienportale leider nicht leise:

Fünf Dinge, die der deutsche Journalismus von jungen Medien lernen kann

Müssen Sie eigentlich nicht lesen, es ist nur selbstgerechtes Gejammer von einem aus der in die Bedeutungslosigkeit gesteuerten Bentoblase. Ich mag das auch nicht kommentieren, denn das tat die Titanic schon so schön treffend: Häme – ja, bitte!

Kurzfilm: Semi skimmed

Fucking romantic. Or not.

13 Minutes of Cringy Influencers Caught in the Wild Compilation

Okay, ich habe meine Meinung geändert. Lockdown für immer bitte. Wir müssen den Lauterbach da hinschicken. Auf dass diese Leute nie wieder aus dem Haus dürfen, um für cringy pictures for Insta zu posen. Menschen sind schlimm. Glauben Sie mir denn immer noch nicht? (via)

Aus dem Zusammenhang: 20 Minuten Twitter-Timeline

Das bringt sowohl das Jahr 2020 als auch Twitter sehr gut auf den Punkt.

Auf der Flucht

Nicht das erste Mal Gedanken formuliert, die bei mir nur diffus vor sich hin gären. Starker Text.

Zuletzt hat die immer viel zu positive Claudia mich auf die Aphorismen von Emil Cioran gestoßen. Kannte ich noch nicht (nicht meine Schuld, sondern die der miesen Schulbildung, so Inteelecktelles geht mir immer meilenweit irgendwo vorbei), aber was ich dort lese, ist gut, sehr gut. Hilfreich vor allem. Weil ich immer denke, dass ich der einzige bin, der so tickt, aber das bin ich gar nicht.

Moment, ich muss mal kurz heulen gehen. Hier, ein Bild währenddessen:

Netflixscheißdreck des Monats ist eine dreiteilige Serie namens ÜberWeihnachten. Warum ich die geschaut habe weiß ich auch nicht, wahrscheinlich macht Homeoffice, isoliert in der eigenen Kackbutze, nach ein paar Monaten einfach blöd. Ab Monat drei im Budenkoller werde ich mir vermutlich die Ratten aus dem Keller fangen, häuten, trocknen, als Reliquien in der Wohnung aufhängen und mit einem Bastrock um das Gehänge auf dem Parkett herumtanzen in der Hoffnung, dass es regnen wird. Im Ernst: Dieser Streamingmist mit einem unkomischen Typen namens Luke Mockridge ist an Übelkeit nicht zu übertreffen. Hölzern. Steif aufgesagte Dialoge. Dachlattenhumor. Betroffenheitskekswichsen. Vollkommen bescheuerte Handlung. Diversity vom Reißbrett. Und Männer sind wieder unfassbar superdoof und Frauen souverän supertough. Eine echte deutsche Serie also. Auch wenn es immer noch nicht ganz so schlimm ist wie das Zeug von ARD und ZDF, können Sie sich das sparen. Ich habe nebenher der Prenzlmutter von gegenüber durch das Fenster dabei zugesehen, wie sie ihre Kinder anschrie und mir dabei zwei Flaschen Primitivo in den Kopf gestellt. Das war spannender.

Eine Netflixempfehlung habe ich auch: Mosul. Extrem dichter, atemloser, authentischer, leider viel zu kurzer Hit and Run-Thriller im Kontext der Befreiung Mosuls vom IS. Gerne im arabischen Original mit deutschen Untertiteln geschaut. Sehr stark.

Musik. Mir ist ein alter Track aus meiner revolutionären (na gut, punksiffigen) Zeit wieder vor die Linse getanzt: Such a surge – Koma 2002. Interessanterweise ein (alt-)linksradikaler Song gegen die herrschenden Verhältnisse, der aber heute passt wie nie. Nur sind heute diejenigen, die die herrschenden Verhältnisse verteidigen, genau diejenigen, die damals mit solchen Songs rebelliert haben. Was ich immer sage: Mein Kompass ist kaputt. Ich habe keine Orientierung mehr.

Als großer Freund des abseits des Hauptstroms (das Wort Mainstream haben sie erfolgreich verbrannt) wuchernden deutschen Hiphops, vorzugsweise aus Saarbrücken, konnte ich meiner Landsfrau Schwesta Ewa nie viel abgewinnen. Zu gewollt. Zu schlecht die Reime und durch das neue Album zieht sich dieses fürchterliche Autotune. Ekelhaft. Nur ein Track von ihr kam mir bisher unter, der mich flasht und er entstand in der Kollabo mit Xatar: 60punchbars. Brett. Ich möchte mit dieser Frau in dieser Form nicht alleine in einem Raum sein. Danach wären meine Eier in Kürze nur noch ein Pfund Hackepeter. Bitte nein, auf jeden Fall Respekt. Sehr guter Track.

Kurwa.

Englischsprachiger Hiphop nervt mich derweil fast nur noch. Aber es gibt Ausnahmen: Flohio. Jung. Wütend. Skills. Flow. Und ein Bass zum Abgehen in der Küche beim Kochen. Groß.

Saufen war ich im Dezember in der Stargarder Straße. Denn mein bescheuerter und zu öder Bezirk, um über ihn zu berichten, war endlich wieder stadtweit in den Medien. Als Glühweinstrich, den die Coronajäger als Querulantennest kurz mal auf den Schirm hatten, bevor sie auch das Glühweintrinken verboten haben, weil sich dort ungefickte Prenzlmütter und schon lange nicht mehr fickende Prenzlväter in lockdownwidrigen Menschentrauben gesammelt hätten.

War gelogen. Stimmte nicht. Medien halt. Nix war da. Oder nicht viel. Fünf harmlose Fensterchen, an denen ein paar Verstrahlte einen ökologisch korrekten Pappbecher mit Panschplörre ziehen konnten. Nicht viel los. Ich bin dann bei der wunderbaren queeren Marietta hängengeblieben, habe mir drei natürlich auf Whisky fußende Drinks eingetan und bin über die Schönhauser Richtung Eberswalder gelaufen, wo auch nix los war. Ein Dienstag in Prenzlauer Berg eben. Ob mit oder ohne Corona ist egal. Biedermeierhausen. Und eine wieder einmal überdrehende Presse, die am Ende für noch strammere Zügel sorgt.

Jetzt ist auch der Glühweinstrich fein ausgetrocknet. Brav.

Essen. Ich habe Astrids Ochsenbäckchen für illegalerweise vier verschiedene Haushalte nachgekocht. Großartig. Vor allem weil Sie morgens um 7 damit anfangen müssen, Portwein und regulären Rotwein einzukochen und Sie wissen vermutlich, wie das bei mir endet: Ich war quasi um halb neun morgens schon dicht, weil ich mir eine der Flaschen Rotwein, die Astrid im Ochsenbäckchensud versenkt sehen möchte, als Frühstück in den Kopf gestellt habe. Sehr geil, jetzt weiß ich wieder, wie es den Sprittis vom Späti geht, wenn die morgens um 8 schon strunzensternburghacke sind. Grüße. Dass ich wie die da unten auf ganz vielen Ebenen kaputt bin, weiß ich selbst.

Das Problem mit dem früh saufen ist, dass Sie so etwa ab halb elf alkoholmäßig nachlegen müssen, um den Pegel wieder zu kriegen. Ich habe also mitten in der zweiten Flasche Rotwein vollkommen besoffen den Gästen die Haustüre geöffnet. Aber die kennen mich und haben schnell nachgezogen. Ein tolles Rezept. Und besoffen kochen macht sowieso am meisten Spaß.

Was noch? Ich habe die Lieferando-App deinstalliert. Ich mag Monopole nicht. Egal in welchem Bereich. Für welche, die ungern viel lesen, bis es mal zu einem Punkt kommt: Sie nehmen lagebedingt wohl von neukundigen Restaurants 30% Gebühr, aber nur von den kleinen, bei denen sie es sich erlauben können. Und stellen sie bestellungsmäßig offline, wenn es ihnen gerade nicht passt. Ja hallo. So ist das halt im Monopol. Aber ich muss ja nicht mitmachen.

Das war der Dezember. Mehr war nicht.