Die Vertrauensimplosion der Rundfunkdinosaurier

Bayerischer Rundfunk: Messenger-Dienst: Ein Datenschutz-Alptraum namens Telegram

Deutschlandfunk: Messenger-Dienst Telegram: Schlechter als sein Ruf


Letzte Woche in irgendeinem Scheißgruppenchat auf Telegram:

„Hier, lies ma.“

„Ja und?“

„Ja Datenschutzalbtraum.“

„Ja und?“

„Schlechter als sein Ruf.“

„Maaaann, kuck mal von wem das ist. Deutschlandfunk und der Bayerische.“

„Yo. Und?“

„Ist doch durchschaubar. Der Staat will diese Verschwörungsheinis austrocknen, weil die auf Telegram so unkontrolliert Zulauf kriegen, deshalb schreiben sie jetzt überall Artikel, dass man da rausgehen oder gar nicht erst reingehen soll. Staatssender halt. Betreutes Denken. Tu dies, tu jenes, denk folgendes, deinstallier das. Hier gut, da böse. Ich glaub‘ denen nix mehr. Hat immer alles ’ne Agenda, wenn sie was schreiben.“

„Das stimmt doch so gar nicht.“

„Komm, kannste stecken lassen, les‘ ich nicht, den Agitpropkram. Reicht wenn ich das bezahlen muss.“

Danach postete jemand das Jahrhunderttor von Madonna. Weil die angeblich gestorben sei (huhu, wissen wir’s denn, vielleicht lebt sie noch, das wird man doch wohl mal hinterfragen dürfen, hier ist immerhin Telegram). Gefolgt von einem Elch, der gechillt über eine Autobahn läuft und danach auf die Standspur kackt. Tränenlachsmiley. Und zwei Daumen hoch. Einer davon von mir. Kackende Elche finde ich super.

So.

Derjenige, der die gar nicht mal so interessanten Verlautbarungen der beiden Nervensägenrundfunksender über diese schmuddelige Querulantenapp aus Gründen des Prinzips nicht lesen wollte, ist gar kein Randständiger aus einer fiesen Ecke, in die Sie ihn jetzt vermutlich in Ihrem ersten Reflex einsortieren wollen, null, er ist Teil der ganz normalen, seit Jahren zunehmend verdampfenden Mittelschicht und bei weitem nicht der einzige, der aus diesem Kreis solche oder ähnliche Dinge sagt, ohne dass die ganzen Moralmoderierer, Genderklicklautsprecher und Haltungsstatementschreiber in ihren gepolsterten Clubsesseln da oben am öffentlich-rechtlichen Sendepult auch nur ahnen, wie sehr ihnen jetzt auch die ganz normalen Leute aus der früher mal ganz normalen Mitte bis sogar nach alt-links von der Stange gehen, alles Leute mithin, von denen sie jetzt gerade ganz aktuell noch mehr Geld für ihre geschmeidig sechsstelligen Jahresgehälter und ihr bräsiges Programm haben wollen, mit dem sie seit Jahren an jedem Bedarf abseits ihrer mit viel Eifer hofierten Minderheiten (Silbereisengroupies, Radsportbekloppte, die von Twitter rüberkopierte Soziologinnenbubble) vorbeisenden.

An solchen wie ihm senden sie vorbei. Dem aus dem Gruppenchat. Knapp 40. Vollzeit. Früher mal Überstunden und jetzt Kurzarbeit. Was danach kommt, weiß er nicht. Ein gutmütiger Typ. Metallicaposter. Gerahmt. Zahlt ne Bude ab. Zuverlässig. Monat für Monat. Plus Carport. Dahinter der kleine Garten mit Grill, vor dem immer ein Kasten vom guten Köstritzer steht, wenn ich alle paar Monate mal vorbeikomme. Himbeerstrauch. Ein in die Jahre gekommenes Gartentor. Kleines koreanisches Auto. Und als Luxus das Motorrad, an dem er gern schraubt. Für seine Ausfahrten einmal im Monat oft bis Mecklenburg hoch. Ein Normalo. Für Extremismus unanfällig. Ein Hollywoodschaukelmensch. Keiner von denen, die missionarische Youtubevideos in Chatgruppen streuen. Danke Merkel brüllen. Oder sonstwie auf die Nerven fallen. Guter alter Normcore eben. Zuverlässig langweilig wie der aus der Mode gekommene Ottomotor. Typen wie den haben wir früher, als alles noch entspannter und noch nicht so überreizt war, Normcore genannt.

Nur gilt inzwischen sogar der Normcore von früher heute in den Augen der Aufgeregten schon beinahe (oder sogar tatsächlich) als rechts und seine Vertreter werden inzwischen auch vom Rundfunk aus allen seinen vielen Rohren in erniedrigendem Bürokratenduktus dazu aufgefordert, wegen ihrer Gene ihre Privilegien zu checken und sollen genau für solche schon sehr penetrant gewordene Übergriffigkeit in Zukunft noch mehr bezahlen als sowieso schon, um Leute zu versorgen, die sie nicht mögen.

Mmh.

Lassen wir mal sacken.

Seine Rede.

Dum.

Didumm.

Und nun liest er ihn nicht mehr, den Agitpropkram. Schreibt er da. Und erklärt das auch sachlich. Ganz plötzlich unerwartet. Er, der noch nie quer schoss. Oder je irgendwas kritisch kommentierte. Einzelfall? Oder Tendenz? Interpretieren Sie.