Junkshit aus der Industriehölle (10)

Oh kucke da. Was ist das denn hübsches?

Was für ein fieser Move. Sie lassen mich die prekäre Fleischmatsche jetzt toasten, statt sie mir wie sonst von fetteingebrannten Spießen nachts um zwei Uhr, wenn ich hackevoll die Danziger hochlaufe, runterzuschneiden, sie gar vor schierer Verzweiflung vom ranzigen Blech in ein Keksbrot zu kratzen oder sie mir tagsüber durchgequirlt als Schabefleisch bei fucking Edeka an der Theke für meine Hackepeterstulle zu verticken. Geil. Übler Shit. Das ist Junk in Reinform, der Gipfel an Fraß für Menschen, denen es mit dem Magengeschwür nicht schnell genug gehen kann und die sowieso der Meinung sind, dass ihre Speiseröhre immer noch zu wenige Brandnarben von der Flut an Magensäure davongetragen hat, die nach Antinahrung wie dieser immer so gerne fies hoch in den Rachen schwappt, weil der Körper sich gegen die üble Behandlung wehrt. Fuck you. So muss das. Runterrocken. Fertigmachen. Abwracken. Es muss weh tun. Leiden soll er. Andere quarzen Crystal, ich fresse Junk. Nur das Ergebnis dürfte sich dauerhaft nicht groß unterscheiden. I may begin:

Herrlich. Es ist ein Tiefkühlbrikett. Kennen Sie diese furchtbaren panierten Formschnitzel aus der Discountertruhe? In die sie alles reinpressen, was weg muss? Diesen unsäglichen Abfall in einer Industriepanade, die ihrerseits ohne einen Krümel geraspeltes Backwerk auskommt? Fett. Zucker. Laborpulver. So muss das sein. Genau das erwarte ich, wenn ich das hier sehe. Das Teil sieht im Urzustand schon so toxisch aus, dass ich jetzt schon weiß: There will be pain.

And there is pain. Reinster Geschmacksschmerz. Als das Ding lederhautgebräunt aus dem Toaster springt, beiße ich rein. Und es schmeckt brackig. Autobahnraststättenbrackig. Kantinenbrackig. Fette-Mensaköchin-mit-vollgewichster-Schürze-die-mit-den-ungewaschenen-Wurstfingern-das-Mett-knetet-brackig. Smells like verdammter Pansen püriert aus dem Toasterschlitz in my face. Solche Dinger schmeißen sie nachts um drei am Rosenthaler Platz direkt aus der Fritteuse in einen Schnitzeldöner, wenn nicht mal mehr Fleischfetzen am Drehspieß hängen und die zerkoksten Berlin-Mittearschgesichter um diese Uhrzeit wirklich alles fressen – Hauptsache es ist warm und fettig. Bah. Scheißdreck. Ich schmecke neben dem Brack der viel zu fettigen Panade eigentlich nur Salz. Sonst ist das Ding so unaromatisch wie ein in der Pfütze des Novemberregens kalt gewordenes Chicken McNugget und genau wie ein eingeweichtes Stück Chicken McNugget schmeckt der Unsinn hier nur mit Soße garniert. Viel Soße.

Der Ketchup als ewiger Retter verkorksten Essens. Viel davon. Anders kriege ich das Zeug nicht runter. Mit Ketchup schmeckt alles. Sogar Sellerie. Oder ein Malzkeks. Und ganz bestimmt auch dieser Mist hier, dieser unglaubliche Mist, wer kauft so etwas ernsthaft ein zweites Mal? Wer tut sich das überhaupt an, so wie ich, der ich einen Rekord vermelden kann, denn das Sodbrennen setzt schon ein, bevor ich mit dem letzten Stück der Nahrungszumutung den Ketchup auftitsche, der zumindest dafür gesorgt hat, dass ich die halbverdauten Stücke dieses üblen Scheißdrecks nicht direkt nach dem ersten Bissen auf mein Sofa in eine Ritze gekotzt habe, in der die Krümel von fünf Jahre alten Pringles meine Notreserve für schlechte Zeiten bilden, mit der ich wochenlang überleben könnte, wenn es sein muss.

Ich bin am Ziel. Eine Stunde später fühlt sich mein Magen an wie eine offene Wunde und wenn sie das arme Tier, das sie hierfür püriert haben, vorher wieder mit eimerweise Östrogenen gestopft haben, werden mir bestimmt bald Titten wachsen. Und ein Eierstock, so dass ich bald auch Prenzlmutter werden und mich schwer alimentiert seufzend ob meines harten Schicksals zwischen Denns Biomarkt und Café Anna Blume durch den Bezirk schnöseln kann, vorausgesetzt, dass ich jemanden finde, der mich ernährt. Meine Güte wie derb. Was für ein Zeug. Junkfraß at its finest. Das muss man auch mal ganz nüchtern und ohne Polemik feststellen können: Das Tier, das hierfür sein Leben gab, schied für den wertlosesten und überflüssigsten Unsinn, den ich jemals gegessen habe, dahin. Das Zeug ist ungenießbar. Kaufen Sie das nicht, es ist sehr schlimm.

Bonustrack:

Na? Immer noch Appetit? Bitte, so sieht der Fleischbrei aus, wenn Sie die Industriepanadekrümel von ihm abpolken:

Warum ich mit Essen so umgehe? Weil es das verdient hat.


Junkshit aus der Industriehölle (9)