Junkshit aus der Biohölle (2)

Bah.

Ich dachte, mit Vanille schmeckt alles. Alles schmeckt damit, wirklich alles können Sie damit verkaufen, hier sowieso, hier kriegen Sie alles damit los. Füllen Sie einen Liter Brackwasser aus der Regentonne ab, geben ein wenig Vanillepulver dazu und Sie können Ihr ansonsten sehr hässliches Gebräu, das aussieht wie frisch aus der Kläranlage geschöpft, problemlos an Prenzlauer Berg-Idioten verkaufen. Wichtig ist das Label. Schreiben Sie den Trigger drauf. Drücken Sie die richtigen Knöpfe. Organic. Handcrafted. Regional. Raw. Kauf, Biohansel, kauf.

Oatly ist eine Greenwashingpumpe, die am Ostkreuz überdimensionale Plakate mit den Ausmaßen eines kleinen Einfamilienhauses aufhängt – mit einer Forderung an den Deutschen Bundestag, die herkömmliche Kuhmilchherstellung zu gängeln, und in einer ungeheuren Materialschlacht die öffentliche Nahverkehrsinfrastruktur Berlins zuklebt. Busse. Bahnen. Haltestellen. Flächendeckend. Unentkommbar. Superkorrekt mit Gendersprech. Und mit dem Mantel von Tierwohl, Planetenklima und Bio und bla. Los. Kuck her. Wir retten die Welt, wir sind die Guten. Greenwashing. Oder Wokewashing. Nennen Sie es doch wie Sie wollen. Das reiten viele jetzt. Burger King ist jetzt green. Strom. Telekom. Bayer. Adidas. British Petroleum. Easyjet. Alle sind jetzt green. Selbst mein Borgwürfel. Hallo Kunde. Kuck mal uns. Sei doch auch so green. Und wir schreiben natürlich überall hin, wie green wir sind. Kauft, Leute, kauft.

Das Ziel der Aktion ist klar und es besteht – palim palim, jetzt wird es herkömmlich marktwirtschaftlich – in der Stigmatisierung des lästigen Konkurrenzprodukts aus Milch, das den Haferhipstern im Weg steht und bei zurückgebliebenen Hillbillys aus den ost- wie westdeutschen Rustbelts verhindert, dass ihr superkorrekter Kram außerhalb der Innenstädte von Freiburg, Marburg, Tübingen und natürlich Berlin-Prenzlauer Berg so signifikant Marktanteile gewinnt wie sie es gerne hätten.

Aber nein. Verrennen Sie sich nicht. Es geht denen nicht um Sie. Ihre Gesundheit. Wohlbefinden. Darmflora. Sie sind scheißegal wie Sie es immer sind. Es geht auch nicht in erster Linie um die Tiere. Planet. Klima. Die sind nur Vehikel. Es geht ums Wellenreiten. Den Markt. Schnödes Lobbyieren. Und um das Rausholen des Maximums aus dem aktuellen Schub. Das Mitnehmen des Hypes. Kurz: Es geht um den Gewinn. Echt. Nein wirklich. Shareholder Value. Kohle. Asche. Pesenten. Geld. Mo. Ne. Ten. Blackstone. Huhu.

Lassen Sie mich mal unken: Die Typen mit dieser irrwitzigen Menge an Haferplakaten quer durch Berlins öffentlichen Raum sind womöglich gar keine Philanthropen, die tun nur so. Sie surfen. Ganz normal. Wie die Companys immer surfen. Die CEOs. Das Board. Bis zum mittleren Management. Wollen sich teure Häuser bauen. Mögen auch teure Hollandfahrräder fahren. Dazu brauchen sie Geld und die greene Wokewelle bringt das momentan, wenn Sie die richtige Nische finden, hier: Veganer Lifestyle. Und die Klimakinder. Gepusht wie blöd. Fuck the milk. Kaufen Sie Hafer. Target Group: Zahlungskräftige Kundschaft. Grün. Obere Mittelschicht. Da ist immer noch was zu holen. Die zahlen dafür gern. Und wenn so eine Firma jetzt auch noch damit anfängt, finanzkräfig Politik zu machen, entsteht daraus idealerweise ein sich selbst verstärkender Kreislauf: Agitation – Wahl – Subventionen – Ertrag – mehr Agitation – mehr Wahl – mehr Subventionen und so fort.

So läuft das Business.

Läuft immer so. Egal welche Branche.

War nie anders.

Das ist echt eine Binse.

Böh.

Klingt schon ein bisschen eklig, in der Gesamtschau.

So. Kaufen? Trinken? Ich? Ja. Logisch. Ich muss ja wissen, wie die Nachbarschaft tickt, wie sie schmeckt, was die da produzieren, ob das taugt. Ich bin ja immer so neugierig.

Gulp.

Bargh.

Au mann, wie grässlich, kein Plan, wie die ganzen Bionasen hier bei uns das Zeug die Speiseröhre runterkriegen, ohne permanent kotzend durch den Bezirk zu eiern. Wenn Sie mich fragen, wie das für mich schmeckt, habe ich eine Gegenfrage: Kennen Sie den muffigen Geschmack von Sperma? Wenn Ihnen einer die volle Ladung direkt in den Hals geschossen hat?

So.

Nur mit einem würgereizenden Getreidenachgeschmack, der Ihnen mit all seiner Pelzigkeit noch lange im Hals hängt. Erdig. Modrig. Widerlich. Es fühlt sich an, als würden Sie flüssiges Haferbrot trinken. Da hilft auch das bisschen Vanille nicht mehr, die sie in ihren Nahrungsmittelunsinn gekippt haben. Ich will gar nicht wissen, wie das Zeug im Naturzustand ohne das Aroma schmeckt. Nur nach Pappe vermutlich. Aufgelöste Pappe. Ein Glas davon. Mehr ging nicht. Ich habe den Rest des Scheißdrecks in das dumme Tulpenbeet gekippt, das meine dumme Nachbarin im dummen Hof meines dummen Wohnblocks angelegt hat. Hoffentlich verrecken die Blumen dran. Es ergäbe mir ein rundes Bild.

Bah.


Junkshit aus der Biohölle (1)