Verarsch mich doch (35) – Corona-Spezial ohne alles

(ring)

„Hotel Irgendwo, Hamburg, guten Tag.“

„Guten Tag, Zimmermann, ich habe bei Ihnen für nächste Woche zwei Übernachtungen gebucht.“

„Oha.“

„Ja. Oha. Ich kann jetzt wegen der Coronabeschlüsse nicht mehr anreisen.“

„Haben Sie privat oder beruflich gebucht?“

„Privat. Paar Tage chillen in Hamburg.“

„Okay, hier steht, Sie haben das über booking.com gebucht.“

„Yup.“

„Das Zimmer ist nicht kostenlos stornierbar. Es fällt auf jeden Fall 100% des Zimmerpreises an.“

„Ja, okay, aber ich kann ja nicht anreisen. Touristische Reisen sind untersagt.“

„Das stimmt.“

„Ja. Und nun?“

„Sie können stornieren. Aber dann werden 100% des Zimmerpreises fällig.“

„Ach kommen Sie. Das ist doch absurd.“

„So ist das gebucht.“

„Ja, aber es ist mir doch unmöglich geworden, das Zimmer zu beziehen. Ein bisschen bürgerliches Recht ist bei mir doch noch hängen geblieben. Unmöglichkeit. Rücktritt vom Vertrag und so.“

„Sie können nicht kostenlos stornieren. Der Zimmerpreis wird auf jeden Fall fällig.“

„Okay, ich möchte mich nicht streiten. Ein Vorschlag: Wir buchen das auf nächstes Jahr um, wenn die ganze Grippewelle vorbei ist. Ich will ja wirklich gerne mal wieder nach Hamburg.“

„Wann würden Sie denn kommen wollen?“

(kalenderwisch)

„Na nehmen wir doch 10. bis 12.05.2021. Das passt gut.“

„Da muss ich mal schauen, Moment … di di di …“ (singt)

„…“

„… di di di … also das können wir machen. 10. bis 12.05.2021. Das wären dann 150 Euro Aufpreis, Umbuchungsgebühren, Serviceaufschlag und so.“

„Aufpreis? Warum Aufpreis?“

„Das steht hier im Computer. Aufpreis.“

„Warum so viel?“

„Das weiß ich nicht, vielleicht ist da Messe oder so. Der Computer gibt mir das vor.“

(Klingeling. Der Schellenmann schellt. Ich werde verarscht. Sie wollen mich ficken. Ohne Gummi. Und ohne Gleitcreme.)

„150 zusätzlich? Für zwei Nächte? In Ihrem Dreisternehotel? Für eine Leistung, die ich wegen Unmöglichkeit kostenlos stornieren könnte?“

„Sie können nicht kostenlos stornieren.“

„Was Sie da machen ist nicht okay.“

„So steht das hier im Computer. Ich kann da nichts tun.“

„Gut, ich möchte das wirklich freundlich regeln, kommen Sie mir doch entgegen. Was machen wir jetzt?“

„Wenden Sie sich an booking.com. Vielleicht können die was machen.“


(ring)

„Booking.com. Was kann ich für Sie tun?“

„Blablabla … Corona … blablabla … Unmöglichkeit … bläh blub … kostenlose Stornierung…“

„Ich kann nichts für Sie tun. Wir sind nur der Vermittler. Sie müssen sich an das Hotel wenden.“


(ring)

„Hotel Irgendwo, Hamburg, guten Tag.“

„Blablabla … Corona … blablabla … Unmöglichkeit … bläh blub … booking.com will nicht … bluhu blöh … kostenlose Stornierung …“

„Ich kann nichts für Sie tun. Wenden Sie sich an booking.com.“

Grmpf.

Wie immer.

Freundlich klappt wieder nicht.

Ich hasse das.

Das was jetzt kommt.

Weil ich Anwälte eigentlich gar nicht leiden kann.


(ring)

„Rechtsanwalt Irgendwas, Fachanwalt für Reiserecht, was kann ich für Sie tun?“

„Blablabla … Corona … blablabla … Unmöglichkeit … bläh blub … booking.com … blöh bluhu … kostenlose Stornierung …“

„Ah. Corona. Kein Problem. Schicken Sie mir den Sachverhalt und alle Unterlagen. Das geht hier momentan wie am Fließband raus. Ein Mahnschreiben und der Mandant bekommt normalerweise sofort sein Geld.“

Hotel. Hamburg. Dummköpfe. Das hätte nicht sein müssen. Ehrlich. Kein Mitleid. Verarsch mich doch.


Verarsch mich doch (34)