Hirnsudelei 10/20

Was? Hat hier jemand Lockdown gesagt?

Es ist 4:44 Uhr. Die Zeitumstellung hat meine Schlafroutinen zersägt. Ich habe geträumt, dass Campino von den Toten Hosen neben mir eingezogen ist. Schon am ersten Tag hat er bei mir geklingelt und mich auf die Mülltrennung hingewiesen. Pappe gehöre in die blaue Tonne. Verpackung in die gelbe. Elektroschrott in die rote. Organische Abfälle gehören in die braune. Und die Restmülltonne solle ich bitte gar nicht benutzen.

Ich mag meine Restmülltonne und habe ihn gefragt, ob ich da wenigstens weiterhin meine Batterien und das Pfandglas reinwerfen darf, da fing er an, auf einem Bein zu hüpfen und zu schreien, bevor er in Flammen aufging.

Später klingeln Handwerker an meiner Tür. Das Rollkommando des Nannystaats, der mich für zu blöd zum Überleben hält und deshalb verhindern möchte, dass ich ersticke oder verbrenne, möchte Rauchmelder in jedem meiner Zimmer in die jetzt nicht mehr schöne Altbaudecke bohren. Ein Gruß der infantilen Gesellschaft an ihre verblödeten Kinder, die sie mit sehr viel Vehemenz in die Unselbständigkeit bringen und dort halten will.

Ich habe nur fünf Minuten dafür gebraucht, die Batterien abzuklemmen.

Am nächsten Tag erzählt mir ein Penner im Weddinger Offside, der mein Lamentieren wider die Rauchmelder mitgeschnitten hat, dass der Nannystaat mit technischen Geräten um die Blocks läuft, um die Funktionstüchtigkeit der Rauchmelder zu prüfen und ob jemand die Batterien entfernt hat. Ich habe ihn gebeten, einen Telegramkanal zu eröffnen. Für jene, die derlei Hanebüchenes glauben.

Bloggeronanie. Ich denke mit leichtem Schaudern an die Zeit zurück, in der mein Blog einen Kommentarbereich hatte. Das war zuletzt, bevor ich das abgeklemmt habe, weil das Lesen und Freischalten meine wenige Zeit fraß, ein Clownsreigencuvée der verschiedenen Internetgruselkabinette. Nazis. Politkommissare. Nicht ausgelastete Rentner. Schwaben, die sich angegriffen fühlen. Dauerbetroffene. Nervige Aktivisten. Sowieso eifrige Internetmissionare und -empörte. Und dann so ein Schweif aus bitteren Leninisten, die mir unter jedem halbwegs hochpreisigen Restaurantreview erklärt haben, dass das so nicht geht, man nicht so teuer essen gehen dürfte, von wegen Klassenstandpunkt oder so. Und mich natürlich beschimpft haben. Was weiß ich was die wollten. Vermutlich mich zum Bahnhofsdöner missionieren. Und natürlich habe ich das zu lange laufen lassen und den giftigen Klärschlamm zu spät, viel zu spät, erst als es zuletzt klar justiziabel wurde, abgebunden und entfernt.

Nein, ich vermisse das nicht, echt nicht. Kommentare im Internet sind die Eiterbeulen der Aufklärung des Menschen aus seiner selbst gewählten Unmündigkeit. Kommentieren Sie woanders oder machen Sie einfach ein eigenes Blog auf. Ich mag keine Kommentare lesen. Sie haben zu viele Buchstaben.

Eine Frage an der Stelle: Wie schaffen es manche von Ihnen, Likes für diese Scheiße hier abzugeben? Ich habe die Knöpfe dafür extra abmontiert bekommen, aber irgendwie kriegen Sie das doch hin. Sie Genies: Das müssen Sie nicht tun. Ich brauche keine Likes, keine Blumen, Schulterklopfer oder irgendeine Anerkennung, ich will nicht einmal, dass sie das hier mögen, ich will eigentlich gar nix, aber Sie klicken trotzdem ein Like. Auf welche versteckten Buttons auch immer.

Und auch eine Gruppe Internetcharaktere ist wieder da: Die Blindklicker. Das sind irgendwelche obskuren Leute mit obskuren Blogs, Gartenblogs, Reiseblogs, Tagebuchlangweiler, Familienblabla, oft auf Englisch, die vorbeisurfen, auf den neuesten Text ein Like (wo auch immer) klicken, in der Hoffnung, so Leser für ihren mit Werbung zugepflasterten Blog einzusammeln. Ja, Glückwunsch, ich klicke einmal zurück, glotze stumpf auf das blinkende Reiseblogdesaster und mache den Tab schlechtgelaunt wieder zu. Vergessen Sie das. Bringt nix. Zumindest nicht bei mir. Solche Typen gab es schon damals auf Qype. Kein einziges Wort, nix gelesen, aber blind „Gefällt mir“ geklickt, in der Hoffnung ein Revanche-„Gefällt mir“, wofür sie dann vom Bewertungsportal irgendwelche Orden ins Profil gehangen bekommen haben – „Beliebtester Qyper“, „Nudelkönig“, „Eierreisaffe“ oder so, was weiß ich, lange her.

Dafür gab mir das Internet als Entschädigung für seinen Likekrebs das schöne Wort Wendlerpauschale und es ist ein alter Qyper mit altem Blog, der mir das gab. Die Halbwertszeit der Wortschöpfung wird sicher gering sein, weil der Wendler karrieremäßig sicherlich einen Fehler gemacht hat und deswegen maximal noch als verautounfallter Boogieman für promiflash.de taugt. Aber dennoch: Schön. Und da sehe ich es dem Nassrasurfreund auch nach, dass er oft (zu oft) hierher verlinkt, aber er ist einer von dreien, bei denen es mich nicht stört. Dreien von ganz früher. Die das dürfen. Grüße an dieser Stelle mal wieder. Ihr wisst schon.

Einen noch: Klartext kann er auch

Die ganze Viralvideoscheiße, die immer noch (als wäre das hier noch 2010) penetrant durchs Internet genudelt wird, beginnt immer mehr Leute in meinem Umfeld zu nerven und nicht mehr nur mich. Es wiederholt sich ja auch ständig und seit der Homeofficepandemie mehr als sonst: Irgendwelche Honks, die mit Gummiband, Klobürste und Hula-Hoop-Reifen Musik machen, blöde Skateboarder mit schon hundertmal gesehenen Fliptricks oder Bastelmütter aus Berlin-Mitte mit bescheuerten Berlin-Mitte-Bastelmüttercupcakes, die aussehen wie ein essbarer Donald Trump. Kunststücke, Wohlstandsbürgermemes, gebastelter Mist. Und das Schlimmste: Jongleure, die irgendwas jonglieren. Kann ich alles nicht mehr sehen. Auch sonst niemand, den ich kenne, mag das mehr sehen. Es gibt exakt nur noch zwei stoisch Verwegene, die den ganzen Zehnerjahreschrott immer noch in den beiden Telegramgruppen teilen, in denen ich immer noch bin, und die kriegen jedes Mal einen fürchterlichen Gruppenanschiss von den Genervten, auf dass sie irgendwann endlich damit aufhören, ihren schon letzte Woche durch altbackene Facebookstreams genudelten Viralschrott zu posten.

Trotzdem scheint das Verwursten solcherlei fremden Contents, das schon längst durch alle möglichen Kanäle gestreut wurde, immer noch ein Geschäftsmodell zu sein, von dem mancher leben kann. Schauen Sie mal hier. Da pflückt sich jemand diese vollkommen fremden Viralvideos, klebt sie als Compilation aneinander auf sein mit Werbung zugeschissenes Blog und möchte dafür Geld via Patreon. Oder Dinge via Amazon. Für eine Collage aus Kunststücken, die andere fabriziert haben. Vielleicht durchschaue ich den versteckten Altruismus nicht, aber so ein böses Attribut wie parasitär finde ich für das, was die da tun, recht passend. Aber es funktioniert. Solche Contentzweitverwerter gibt es mehrere und sie sind mir zwar so sympathisch wie Buzzfeed, Watson oder Derwesten, werden aber geklickt wie blöd. Und verdienen sich noch blöder.

Knapp sechs Jahre ist es nun schon her, dass Shirley und ihr queerer Friseursalon gegangen sind. Es gab eine Zeit zwischen 2005 und 2012, da war Shirleys Salon einer der wenigen Hotspots in meinem Leben. Treffpunkt. Marktplatz. Damals, als Berlins queere Szene noch nicht anstrengend war, sondern lustig. Wie Shirley. Die nicht mehr da ist und mir fehlt.

Ich bin kürzlich wieder am alten Laden vorbeigelaufen. Natürlich ist nichts mehr zu sehen. Nichts ist übrig geblieben. Dort ist passiert, was immer passiert. Es bleibt nichts übrig außer ein paar in der Cloud gammelnden Fotos und ein paar Erinnerungen in meinem Kopf. Die Erinnerungen gehen, wenn ich gehe, und meine Fotos verschwinden, wenn Google nach einem Jahr ohne Login meinen Account löscht. Nichts bleibt. Nie.

Auch nicht geblieben ist das gute alte Rosi’s, einer meiner Lieblingsclubs, eigentlich war es der ehemalige Lieblingsclub. Sie radieren jetzt die Reste meiner Nullerjahre für ihre sterilen Quader aus dem Stadtbild. So sieht es jetzt dort aus, die Investorenarchitektur hat den Club gefressen. Ist so. Alles fließt:

Für die ganz Sentimentalen gibt es hier eine Galerie.

Im coronalen Insolvenzbingo hat es die Enthusiasten der Berliner Unterwelten erwischt. Wer Sie künftig durch die Berliner Bunker und Fluchttunnel führt? Keine Ahnung, führen Sie sich doch selber.

Ein Kurzfilm für zwischendurch: BS (via Denkfabrikblog). Triggerflöckchen: Es ist ein ziemliches kotlastiges Knallerding und keine Sorge, Millennials, mit knapp zwei Minuten recht kurz. Aber genau so komme ich mir immer öfter vor. Wie mit Scheiße vollgekotzt.

Event Event. Ich war beim Didi Hallervorden im Schlossparktheater. Der Didi. Dass der noch spielt. Wobei der alte Mann auch schon wieder fast verbrannt ist, weil er sich nicht wie alle anderen reflexartig hinter die Maßnahmen gestellt hat. Muss er aufpassen, dass sie ihn nicht zu diesem skurrilen Wendler stellen, denn da gehört er nicht hin. Oder ihn im Internet wegen eines Halbsatzes als Systemgegner verpetzen. Geht schnell heutzutage, ein Satz und Sie sind durch.

Aber es ist bemerkenswert, dass der alte Mann mit seinem Schlossparktheater sich nicht verbiegen lässt, egal wie viele Rotzglockengesichter aus dem Internet, die nicht ein Zehntel seiner Klasse besitzen, sich an ihm abarbeiten. Selten, solche Leute. Selten solche, die stehenbleiben, auch wenn der Mob tobt.

Mein Babysitter, der ab und zu noch beim Kind Wache hält, wenn ich wieder bis nach Mitternacht irgendwo unterwegs bin, ist Mitte 20 und kennt Hallervorden nicht. Wer ist das denn? Sagt sie. Ehrlich ahnunglos. So vergeht der Ruhm der Welt. Nochmal: Alles fließt. Nichts bleibt.

Spooky war das Theaterstück. Von irgendwas um die 450 Plätzen waren nur schätzungsweise 70 bis 80 belegt, zwischendrin haben sie Puppen wie aus einem Horrorfilm drapiert, um den Schauspielern zumindest ein wenig die Illusion eines vollen Hauses wie früher zu geben. Allein so richtig Stimmung wollte nicht aufkommen, die bleierne Lage liegt wie eine Käseglocke auf der Kunst und der Kultur, so dass zu hoffen bleibt, dass es nur den eitlen verfetteten Subventionszirkus davonschwemmt, aber nicht die Künstler, Tontechniker, die Studenten von der Garderobe. In dieser Kackzeit. Und ich weiß immer noch nicht, was sie reitet.

Musik: Dritte Wahl hat ein neues Album an den Start gebracht: 3D. Binse: Wenn Punkbands alt werden, ist das immer peinlich. Hier tendiert es zunehmend in die Richtung Peinlichkeit, wenn auch nicht komplett. Ein paar nette Bretter sind dabei, aber teilweise kommen sie musikalisch wie textlich inzwischen fast so schlagerartig wie die Toten Hosen daher. Absolutes Highlight in textlicher Hinsicht: Wenn wir zusammen sind, dann sind wir zusammen. Tjo. Punkrock hatte auch mal mehr zu sagen. And life is hard and then you die. Punk is dead already.

Dann hat eine meiner liebsten Depressivenmuckebands ein neues Album rausgebracht: The Beauty of Gemina. Hört sich an wie Leonard Cohen in gut. Ja, es wird Herbst und da braucht es den Soundtrack zur Bewölkung.

Und ich habe einen alten Konzertbericht von 2016 wieder formatrepariert und online gestellt, naja, Konzertbericht passt nicht so ganz, es ist eher ein Städteeinödebericht aus der Stadteinöde Fürstenwalde. Ich erinnere mich an ein ausgezeichnetes Konzert und fürchterliche Blähungen an einem irgendwie doch schönen Tag. Vier Jahre. Schnell gegangen wieder. Vier Jahre sind gar nix inzwischen.

Kurz noch Netflix: Dort können Sie jetzt The Mule abrufen. Ich mag Clint Eastwoods Sehrspätwerke. Jedes einzelne.

Auch gut: Vongozero – Flucht zum See. Eine russische Serie, was bedeutet: Keine westliche Serie. Keine dürren Frauen, die muskulöse Kerle verdreschen. Kein Diversityfisting. Nur weibliche Frauen. Und männliche Männer. Ekelhaft. (via)

Der Klimawandel ist übrigens fucking real. Wir hatten in der Hauptstadt den ersten nachsommerlichen Frost. Im Oktober. Drecksautos. Muss ich mir jetzt im Oktober schon Laufmütze, Laufschal und verdammte Handschuhe beim Sport anziehen. Geht’s noch?

Wenn ich durch die Straßen meines Bezirks ziehe, frage ich mich ernsthaft, wer freiwillig Frauen datet, die mit Shirts mit „Me = Woman = Boss“ oder „Me? Wrong? Never!“ vorne drauf durch die Gegend laufen. Das spielt in einer Liga mit den Männern, die in den Nullerjahren Shirts mit „Kampftrinker Leistungsklasse“ angezogen haben. Wer so etwas datet ist selber schuld.

In der Straßenbahn M4 die Greifswalder runter stand heuer ein alter Mann vor mir, dem gleich mehrere lange Haare auf den Ohren wuchsen. Oben eins. Zwei zur Seite. Und noch eines unten am Läppchen. Und es juckte mich so in den Fingern, ihm diese Haare zu ziehen. Ehrlich, ich bin so. Ich kann das nicht sehen, ich will das dann rausreißen. So wie das eine, das mir seit neuestem auf dem linken Ohr wächst. Ich reiße es wöchentlich raus, sobald es sich zeigt, aber es kommt immer wieder.

Getoppt wird meine Vollmacke nur noch von dem Verlangen, das mich immer überkommt, wenn ich Xavier Naidoo irgendwo sehe. Ich möchte ihm dann so gerne an seinen dicken fleischigen Ohrläppchen ziehen, auf dass er damit aufhört, immer diesen ganzen weinerlichen Unsinn zu erzählen.

Ganz grundsätzlich gilt und es ist herrlich unmodern: Niemand mag Mimosen. Aber Mimosen haben Konjunktur. Auf allen Seiten der Barrikaden.

Egal, Lesezeichen:

Die Erosion der Kommunikation

Ich stelle fest, dass Menschen, die wie Wasserfälle auf mich einreden, zunehmend irritiert davon sind, wenn ich sie nicht unterbreche, sondern reden lasse. Sie kommen dann irgendwann an einen Punkt, an dem sie sich um sich selber drehen, sich verheddern, komplett leerlaufen, aber trotzdem weiterplappern müssen, als wäre der Schlusspunkt eines Statements das Eingeständnis einer Schwäche. Manchmal sage ich auch dann nichts, wenn sie sichtbar erschöpft von ihrer eigenen Eruption sind, sondern höre weiter zu, bis sie mich irgendwann, während sie immer noch weiterplappern, hilflos mit einem Gesicht anschauen, das förmlich schreit: Unterbrich mich jetzt doch endlich! Meine Güte sag was!

Und die junge Frau, die sie im Borgwürfel vor meine Nase gesetzt haben, auf dass sie mich lenkt, führt Telefonate mit mir, in denen sie zwischen einer halben und einer Stunde am Stück redet, ohne mehrwertbringende Informationen zu transportieren, was von mir nur wie eine Girlande mit Begrüßungs- und Verabschiedungsfloskel umrahmt wird. Und sie findet nichts daran schräg.

Kommunikation ist erodiert und ich schaue mir das nur noch stumm an. (via)

Coronoia-Tourette

Jaaaaaaaaa, endlich mal wieder ein gepflegter Rant, ohne dass der gleich wieder zu twittertourettig wird. Macht ja keiner mehr sowas. Stilvoll keifen. Blogs sind so zahm geworden, so lahm, so wanzig, weich, würdelos, so egal, keiner rastet mehr aus und kackt einen dicken fetten Scheißhaufen in Form eines Fistfuckfingers aufs Buffet. Außer der da. Ich mag den. Minderheitenposition. Notorischer Querulant. Natürlich ein Verrückter. Alles nur nicht angepasst. Wie erfrischend. Aus Prinzip. Endlich mal wieder ein Lüftchen.

Zugabe

Noch mehr frische Luft: Berührung

Dann der Altmeister:

Max Mustermann speist in ganz NRW

Der Jurist sagt: Heißen Sie doch wie Sie wollen. Mein Name ist Beppo Lauterbach.

Julien Assange – sie töten ihn langsam

Zu nachlässig, Julians Vornamen richtig zu schreiben, aber zumindest inhaltlich liegen sie richtig.

Das große Unbehagen

Die Frage aller Fragen: „Und wie stellt man sich selbst, als Privater, in dieser Zeit?“ Ganz einfach: Ich gar nicht mehr wirklich. Null. Ich habe mich an die Seite gestellt. Es ist mir zu dreckig da drin. Ich kucke beim Schlammcatchen zu. Und das Ergebnis ist mir egal.

Reichstags-Würstchen mit ARD-Senf

Gute traditionelle alt-linke Analyse. Was ist das selten geworden in dem ganzen Korrektheitssumpf. (via)

Was bedeutet Journalisterich?

Derweil isst der Elfenbeinturm Kuchen. Mumpf.

Ziegenjournalismus (6): Gleichschaltung

Gnihihi. Allein das Wort. Ziegenjournalismus. Und dann das Bild mit der bräsigen Schlafzimmerblickziege dazu. Knaller.

Im Ernst: Ich habe eine Rangliste der Reichweite journalistischer Angebote gesehen, die mich vermuten lässt, dass die Politikportale mit bemerkenswert großer Reichweite gar nicht mehr nur die traditionellen „bürgerlichen“ sind, sondern inzwischen auch die von Halb-rechts bis Ganz-rechts, ziehen Sie sich das mal rein.

Woher das kommt und ob das Ranking dort seriös ist, kann ich allerdings nicht sagen, fehlen zum Beispiel Zeit und Spiegel als doch immer noch sehr reichweitenstarke Portale in der vergleichenden Übersicht und ich habe überhaupt keinen Bock, das nachzurecherchieren. Ich habe auch keine Analyse der Gründe für das Ergebnis, höchstens ein paar lose Gedanken wie Linksflucht, Wokeness, Twittertourette, das neue mich komplett ratlos zurücklassende Staatstragende der ehemaligen kritischen Linken, NetzDG, Meldemuschis, Löschungen bei YouTube, Facebook u.a. Die Neocons sortieren sich alle hier raus und dort neu, sammeln sich offensichtlich auf neuen Portalen plus Bitchute als Videoplattform, die dem Zugriff derer, die sie überall wo sie es können immerzu löschen wollen, entzogen sind. Daher möglicherweise die inzwischen doch enorme Reichweite von Alt-Rechts. Kumulation.

Deutlich wird auch, wie sehr die klassisch linken Portale/Blogs, die bis in die Zehnerjahre hinein noch den Diskurs fühlbar mitgeprägt haben, gegenüber den neuen Neoconportalen ins Abseits gerutscht sind. Selbst obskure Irrlichter wie Reitschuster und Lengsfeld scharen laut diesem Alexa Ranking inzwischen mehr Leser um sich als die alten Platzhirsche von Links wie Netzpolitik und Nachdenkseiten. Abgeschlagen ist auch das Antifa-Bento Volksverpetzer, was mich angesichts der Dauerpräsenz in Contentvernudlern, den prominenten Verlinkungen in der herkömmlichen Presse und deren Preisverleihungen sowie dem unermüdlichen Gepushe auf Twitter doch überrascht. Und auf jeden Fall so übel wie bemerkenswert ist die enorm gewachsene Reichweite dieser Kloake pi-news. Dass die so weit oben stehen, lässt mich nicht weniger ratlos zurück. Also entweder stimmen die Zahlen nicht oder da wächst von rechts quasi unbeachtet vom bisherigen Mainstream eine enorme Medienmacht heran.

Fuck Politik, ekelt mich an, schnell weg, lass mal lieber Bimmelbahn fahren:

Mit der Tram durch Ostberlin

Cool. Fährt unter anderem die Greifswalder Straße runter.

Anzeichen dafür, dass man mit dieser Person besser keine Beziehung führen sollte

Ganz klar: Katzen. Wer eine Katze sieht, hat gleich die Diagnose am Start. Zwei Katzen: Rennen Sie, so lange Sie können.

Ich bin doch kein Psycho

Ich schon.

Gags für die Zukunft

Der Virch. Aus den Augen verloren. Wiedergefunden.

Villa Kellermann, Potsdam

Siehe an, jetzt war er auch da. Und begeistert ist er. War ich ja nicht so Anfang des Jahres, mir gefällt die Brasserie Colette oder gleich das Haupthaus besser. Aber vielleicht haben sie tatsächlich nachgebessert dort in Potsdam, das mag sein.

Wir sind beim Essen und damit am Ende:

Zuerst das Allerletzte. Ich habe über Stunden eine Hühnersuppe gekocht und sie dann beim Sieben ins Sieb und daraufhin runter in den Abfluss gekippt. Unabsichtlich. Nur vergessen, einen Topf zum Auffangen drunter zu stellen. Es gab dann aufgelöste Knorrwürfel für die Buchstabennudeln. Eklig.

Dafür lag ein paar Stunden später mein Smartphone auf der Ablage des Kaffeevollautomaten, auf der sonst die Tasse steht, als der Automat damit begann, sich zu reinigen und Dreckwasser auszuspeien. Auf das Smartphone. Das wasserdicht ist. Mein Glück. Aber schon doof, das alles. Ein Kloppitag. Es fehlte noch eine Leiter, die mir auf den Kopf fällt.

Nachgekocht habe ich Astrids kalorienmäßiges Kürbisarmageddon. Eine Atombombe. Zog eine Woche Wasser, Brot und Salat nach sich, um das Gewicht wieder in ordentliche Bahnen zu bekommen. Aber das war es wert.

Und gleich noch hinterher gekocht habe ich einen faschistischen faschierten Braten aus Österreich, linkmäßig aufgeklaubt irgendwann bei den Fliegenden Brettern. Nyce.

Dann waren da auch noch die Kaninchenkeulen vom Chris. Ganz groß. (Und er hat „Lorke“ geschrieben. Topp.)

Geschenkt bekommen habe ich die beste Schokolade, die ich jemals aß. Mit 7 bis 8 Euro ist das wirklich absolute KaDeWe-Klasse und ich würde sie nicht selber kaufen, aber sie lohnt sich. Lassen Sie sich das von Leuten schenken, denen sonst nix einfällt. (Und wieder nein, ich habe nichts für die Empfehlung bekommen, ich will nix, nie.)

Kurz vor Saisonende war ich bei Hokey Pokey, der berühmten Prenzlauer Berg-Ewiger Hype-Kinderwagenblockaden-Müttersammelstellen-Eisdiele. Sie haben jetzt ein Laphroaig-Eis. Und es schmeckt scheiße. Es ist in all diesen Jahren die erste ihrer Eiskreationen, die mir nicht schmeckt, dabei bin ich Whiskytrinker, auch Laphroig.

Sie haben mit dem Laphroaig nicht gespart, was ich bei einem Preis von 1,80 für die Kugel zwar auch erwarte, aber die Mischung des fiesen Torfs mit der dunklen Schokolade funktioniert ganz klar nicht, zumindest nicht als Eis, oder zumindest nicht bei mir. Ich musste würgen. Habe es in den Müll geworfen. Laphroaig bitte das nächste Mal wieder flüssig. Im Glas. Ohne Eis. Im Offside.

Saufen war ich in einer Bar namens Yolanda im Helmholtzkiez, die überraschenderweise als Union-Fankneipe daherkommt. Verlebt, düster, gemütlich, whiskymäßig sehr gut sortiert mit einem 16-jährigen Lagavulin, den ich, weil er so gut ist, auch zuhause habe. Punkt 23 Uhr schloss das Ding. Sperrstunde. Hunger. Kein Bier mehr. Kein Späti. Kein Döner. Das ist nicht mein Berlin. Ich werde mich nicht daran gewöhnen können.

Schöne Bar, das Yolanda. Jedoch wenig Publikum die Tage. Gehen Sie hin. Support your Kiezkneipe.

Gastronomisches:

Knödelwirtschaft, Neukölln: Yo. Wie verreiß‘ ich sie jetzt, diese Empfehlung aus der Nachbarschaft? Bitte sehr: Nicht gut. Ich mochte das nicht. Knödel hart. Geschmacklich langweilig. Soße zu brackig. Teller unansehnlich. Klo unterirdisch. Und es dauert ewig. Vermutlich ist es tatsächlich das beste Knödelrestaurant Berlins, was aber nur daran liegt, dass ich kein anderes kenne. Und da sind wir schon wieder beim Grundproblem dieser ganzen Restaurantreviewblogs, die ich aus irgendeinem Grund immer noch lese: Niemand verreißt mehr irgendwas, alles ist immer geil und toll und amaziiing und ich geh‘ dann da hin und find‘ es schwach. Wie hier. Megagehyptes, aber schwaches Lokal. Ist eben die Zeit momentan, dass niemand mehr irgendwas Negatives sagen mag und jeden und alles in möglichst dicke Watte packt. Mag modern sein, finde ich aber erstickend.

Toca Rouge, chinesisch, Mitte: Berlin-Mitte-Shit-stylisher Laden, der ganz herausragend kocht. Sonst würde in solch einen überdrehten Schuppen voller versnobter Mittemutanten nicht reingehen.

Osmanya, türkisch, Moabit: Okay, ich habe zu viel gegessen, wie es mir eigentlich immer in türkischen und griechischen Restaurants geht. Natürlich war das gut, türkische Küche ist immer gut (und reichlich), allein das Innendesign des Ladens ist mir zu mondän, ich habe es eher mit dunkler Velebtheit, die haben wir hier nicht. Das Lokal leuchtet. In Schneeweiß. Muss man mögen. Aber hey, wenn Sie mal eine mondäne türkische Hochzeit feiern wollen (oder müssen), dann hier.

Crispy’s Chicken, KFC-Verschnitt, Zehlendorf: Ich war flippern. Nach acht Stunden Dauerflippern ohne Essen und mit nur sechs Bier habe ich mir vor Hunger ausgerechnet dieses Scheißding am S-Bahnhof Zehlendorf ausgesucht. Warum? Ich hätte alles haben können. Block House. Vietnamesisch. Wegen mir auch eine shitty Veganerbude. Und was habe ich genommen? Das Allerletzte. Den hinterletzten Mist. Furztrockene Hähnchenfilets, ranzig frittiert, keksig hart, brackig im Geschmack, dazu knorpelige Wings, langweilig babyscharf, sekundiert von übler, mit zu viel Rauchpulver gepimpter Barbecuesoße, von der es mir hochkam. Schlimmes Essen. Eine Respektlosigkeit vor dem Huhn. Auch wenn Sie mich kitzelfoltern: Nie wieder werde ich dort essen. Und wenn es der letzte Laden aller letzten Läden in Berlin-Brandenburg ist: Lieber fresse ich Blätter und Gras.

Riogrande, österreichisch, Kreuzberg: In einer der siffigsten Ecken Kreuzbergs so ein Ding. Schnieke. Perfektes Schnitzel. Herausragender Wein. Nette Leute. Einziger Verzweiflungsmuttropfen: Blick auf die Glasbetonborgwürfel von Mercedes City. Die üble Skyline braucht wirklich keiner. Und ein Tipp: Der preisliche Unterschied zwischen einem kleinen und einem großen Wiener Schnitzel beträgt irgendwas um die vier Euro. Und Sie sehen keinen Unterschied. Sparen Sie sich das. Davon können Sie sich ein weiteres Glas Wein kaufen.

Einstein Unter den Linden, österreichisch, Mitte: Der große Nachteil des Ladens ist, dass er im Regierungsviertel liegt und eigentlich immer ein Politiker da drin sitzt, seine hart verdienten Sitzungspauschalen verjuckt und Ihnen den Appetit verdirbt. Aber natürlich können sie dort fantastisch kochen, machen ein sensationelles Frühstück und der Kaffee ist Premium. Aber teuer. Sie latzen hier ohne Probleme für ein Frühstück zu zweit (das Sie hoffentlich wie ich auf die Spesenabrechnung Ihres Arbeitgebers buchen können) 70-80 Euro. Hier im Politikerpuff. There goes your Steuergeld.

Mare e Monti, italienisch, Steglitz: Ja doch, meine Güte, wenn der Kerl das Ding alle paar Monate so penetrant empfiehlt, gehe ich auch mal hin. War eh in der Gegend. Himmel, was für ein 90er-Jahre-Klischeeitaliener, aber das muss nicht schlecht sein, das mag ich inzwischen tatsächlich wieder gerne. Warum der Chris das Lokal jedoch ständig Mare Monte nennt, weiß ich nicht, es heißt ja anders, vielleicht ein Insider, Running Gag oder Altersdemenz, egal. Aber natürlich ist es gut, kommt ja vom Chris, was soll ich da sagen, muss gut sein. Ich hatte Bandnudeln mit Trüffeln, die der Aufsteller aktuell feilbot. Herausragend. Gutes Lokal. Aber in der Tat war der Laden komplett leer, wobei ich wochentags zu Mittag da war und neben ein paar altersschwachen Wespen einen Unsympathen aus der Buchhaltung mit am Tisch sitzen hatte, vielleicht hat der alle anderen möglichen Kunden vertrieben. Oder ich war das. Weiß man nicht.

Good Morning Vietnam Vegan, Kreuzberg: Und zuletzt muss noch ein Veganer verrissen werden. Das war nix. Fade. Öde. Lasch. Nichtssagend. Und ein Service, der Ihnen den Teller wegnimmt, während Sie noch daran essen. Dafür können Sie der schnöseligen Kreuzbergschickeria dabei zuschauen, wie sie pikiert und natürlich nichtsgebend auf abgerissene Straßenzeitungsverkäufer glotzen wie Kühe, weil ihr Selbstbild gerade crasht. Und was ist das in Kreuzberg überhaupt immer mit diesen schon mittags stinkenden und klebenden Ekeltoiletten, selbst in wannabe-gehobenen Buden wie dieser? Nein, überflüssig, komplett überflüssig. Ich kann solche Läden nicht leiden.

Und das war der Oktober. Mehr war nicht.