Der Faulige

Mit den Jahren lernen Sie Ihre Kollegen leider immer besser kennen. Sie kennen die Macken. Die Vorlieben. Die Leichen in den Kellern. Die gescheiterten Ehen.

Und den Schiss.

Bei uns im Borgwürfel gibt es zum Beispiel den Mettstullenmann. Der packt jeden Morgen prominent in der Teeküche seine beiden Mettstullen aus. Schön dick mit Zwiebeln. Und weil das für sich an Fett und durchgedrehten Knorpeln nicht reicht, befindet sich unter dem Mett eine fingerdicke Schicht Butter. Ein richtiges Flöz. Das Ding ist so gelb wie die Zähne von unserem alten DDR-Nostalgiekommunistenhausmeister, der in seinem Kabuff heimlich Lenin liest und denkt, dass das in unserem aalglatten Ausbeutermoloch keiner bemerkt. 

Eine Stunde nach dem Vertilgen des Metts und einem Kaffee obendrauf geht der Mettstullenmann kacken. Zuverlässig. Stetig. Immer.

Das Problem ist: Wir haben nur ein Klo auf dem Gang. Und das dicke verfaulte Mettstullenkaffee-Ei, das er dort jeden Tag – ich schwöre, jeden Tag – legt, stinkt nach Senfgas. Es ist eine Biowaffe. Er scheint sich dort auf dem Klo nicht nur seines Schisses, sondern gleich auch seiner verfaulten inneren Organe samt ob seiner grausigen Ernährung perforierten Magenwand zu entledigen. Das Gemocker gräbt sich in die Wand, in den Papiertuchhalter, in die Tür und für den Rest des Tages in Ihre Nase. Es ist eine maximalinvasive Wand des drohenden Erstickungstodes aus unglaublichem Gestank. Es treibt Ihnen die Tränen in die Augen. Sie können nicht einmal flach atmen, Sie können gar nicht atmen. Für solche Klos wurden Gasmasken erfunden. Oder Atomschutzanzüge. Tauchglocken. Wer in unserem Klo nach dem Schiss des Mettstullenmanns raucht oder es auch nur versucht, fliegt ganz einfach in die Luft. Und nimmt vermutlich die ganze Etage mit. Boom.

Man kann ja gegen Veganer sagen was man will (je mehr desto besser), aber der Schiss von dem dürren genderfluiden Veganerschnösel, der bei uns in der Buchhaltung arbeitet, stinkt gar nicht. Null. Nach nix. Dessen Schiss könnte man sich quasi als Deo unter die Achseln reiben. Da wär‘ nix zu riechen außer Frühlingsfrische. Blumenbouquet. Gänseblümchen. Maximal Lavendel.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, mit dem üblen Schiss des Mettstullenmanns umzugehen:

a) Sie kommen früh, fressen früh und kacken vor dem Mettstullenmann. 

b) Sie gehen aufs Frauenklo und riskieren einen Fahndungsaufruf einer der dauergetriggerten jungverschnöselten immer aufgeregten Twittertröten, weil nur das Männerklo ein gemischtes Klo sein darf.

c) Sie latschen den kompletten Gang entlang, dann die Treppe runter, den anderen Gang bis zum Ende und gehen dort kacken, wobei Sie am Büro des bis zur Stufe seiner Unfähigkeit beförderten Chefs vorbei müssen, der Ihnen bei jeder Begegnung die Drecksarbeit eines anderes Projekts, das wieder am ambitionierten Zeitplan scheitert oder einfach nur keinen Bock auf die eigene Präsentation hat, aufdrückt.

Natürlich ist die einzig mögliche Lösung in unserem Puff Antwort a).

Es ist der Weg des geringsten Aufwands, ich muss das alles nur sorgfältig planen: Der Mettstullenmann kackt etwa gegen Viertel zehn (für Zugezogene: 9:15 Uhr). Ab 8:45 wird also von mir ab sofort zurück gekackt. Ich fresse vorher extra eine Mettstulle. Mit dick Zwiebeln, nur ohne Butter (wie kann man nur…?) Dazu noch lecker Coleslaw. Und Kohlrabi. Halber Liter lecker Buttermilch obendrauf. Zum Pott Kaffee mit Vollfettmilch. Und dann kommt der Schiss direkt aus der Hölle. In your nose. Ein Inferno aller Infernos. Das Schlimmste, das Sie jemals gerochen haben werden, schwöre. Mein Senfgas ist krasser. Ich stelle mir vor, dass Kim Jong Dings aus seinem Operettenstaat bei mir anfragt. Für zwei Millionen in Venezuela gebunkerten Petrodollars. Im Monat. Sie möchten mit mir in Serie gehen. Die füllen das Zeug einfach in einen Sprengkopf und feuern den ab. Das bringt dann endlich die Entscheidung und zwingt Südkorea zur Kapitulation. Weil ich krasser bin. Weil mein Kohlrabi die Wende bringt. Und zwar die dicke chemische Knolle von Lidl, nicht der superkorrekte Mist aus dem Bioladen, den der Veganer frisst. Nix. Lidls unkorrekte Castorbehälterknollen blähen wie nichts sonst und stinken aus dem Darm wie Berlins zugekackte Bürgersteige an einem normalverkackten Tag. 

Genau so. Ich sehe ihn schon vor mir, wie er mit hängenen Ohren von unserem unbenutzbaren Klo aus den Gang runter schleicht, am Chefbüro vorbei, in das er reingerufen wird und die Aufgabe an die Backe genagelt bekommt, für die Idioten vom Nachbarprojekt die Präsentation fünfzig Mal auszudrucken, zu heften und den fremden Scheiß vor irgendwelchen anderen Idioten aus einem anderen Borgwürfel zu präsentieren, weil sich wieder einer erfolgreich aus seiner eigenen Grütze rausgezogen hat. Und das alles nur, weil ich ihn von unserem Flur weggekackt habe. Mit dem Superschiss. Den Mettstullenmann. Den zweiten Siegerstinker. Den ich vom Thron vertrieben habe. Der jetzt mein Thron ist.