Junkfraß aus der Industriehölle (8)

Ich bin der Autor meiner eigenen Zerstörung
Ich schreibe jeden Tag ein Kapitel mehr

Der Rest – Der Autor


Neuer Monat – neuer Shit. Dr. Oetker bewirbt Pizzaburger. Kinoreklame. Werbepausenclips bei Joko und Klaas. Unwegklickbare YouTube-Einblendung. Ein Dauerfeuerwerbeinferno.

Stupider als das, was sie dort zeigen, geht kaum. Die Story folgt dem altbekannten Muster: Zwei blöde Wichser sitzen auf einer Couch, während eine Superfrau sehr super Supersport macht, sehen so behämmert aus wie sie wahrscheinlich sogar sind, machen alles kaputt, glotzen wie Schimpansen in einen Backofen, in dem irgendwas Toxisches vor sich hin gart, saufen Bier, hängen faul herum und einen Fußball gibt es auch. Und am Türrahmen stehen dabei die super Superfrauen, die so super Supersport gemacht haben, wie vor einem Affenkäfig und schauen sich halb amüsiert, halb angewidert an, was ihre geistig stark limitierten Schimpansen, die sie zuhause halten, jetzt schon wieder für einen Unsinn treiben.

Interpretieren Sie. Was ist die Botschaft, die von den verantwortlichen Werbern hier wieder mit dem Holzhammer in die Welt gedroschen wird? Na? Logisch, da sitzen Männer, echte Männer, so wie die eben sind, kackedumm, primitiv, immergeil und stumpf wie meine Brotmesser. Wäre da gerade keine Kamera mit bei, würden die beiden Viertelhirne sich gegenseitig die Läuse aus der Rosette pulen. Und fressen. Ugga Ugga. So weit so Wahrheit. Jeder von Buzzfeed über Watson, ZDF, Radio Energy bis Jung von Matt weiß es: Männer sind dumpf und hohl, destruktiv und platt, stinkend bescheuert und faul, von daher brauchen sie dumpfes, hohles, destruktives, plattes und auf jeden Fall bescheuertes Fressen. Fett. Zucker. In XXL. Salat ist Unkraut. Tiefkühlabfall ist Nahrung. Friss, Affe, friss.

Unterlegt ist das Ganze wieder einmal mit dieser wollüstigen samenstrangstrotzenden Brummbärstimme, die Sie entweder aus Pornos mit fetten Typen mit Minipli auf der Speckmurmel, die zu viel Bräunungscreme genommen haben, kennen oder aus diesen Clips für McDonalds, Bild.de oder Media Markt, mit denen sie inzwischen jedes wackelige Homevideo bei YouTube verseuchen, bevor ich es schauen darf. Ich glaube, es gibt für die so schmerzhaft stupide brumnende Dauerfickertonlage, mit der wirklich jede Werbung für dumme Männer unterlegt ist, nur einen Sprecher in ganz Deutschland und der verdient sich einen vergoldeten Anus, weil diese Pornobärwerbescheiße offenbar gut wirkt und die relevante Schnittmenge von Zweizellhirnen ohne irgendwelche Geschmackssinne unmittelbar zum Kauf von toxischem Junk animiert.

Mich auch. Na klar. Ich kauf‘ den Shit. Ich kaufe jeden Shit. Ich probiere alles. Nur um festzustellen, dass es scheiße ist. Und das hier wird scheiße sein. Wetten? Wetten wir? Ja? Hier, watch this:

Uargh. Ist das nicht eklig? Traurige Pilzeschnipsel wie eingelegt aus dem Glas hier drauf gekippt. Salami, von der ich nicht wissen will, wessen Plazenta sie in ihr verarbeitet haben. Formschinkenhäksel. Und dieser mehlwürmerförmige Käseverschnitt, den Sie schon von diesen minderwertigen Tiefkühlbaguettes oder diesen üblen Vierräudigekäsepizzen vom Discounter kennen. Ist das geil, ich weiß jetzt schon, wie das aufgetaut schmecken wird. Nach Fett und Zucker. Und ich weiß, was ich danach haben werde: Fieses Sodbrennen aus diesem wundgescheuerten Vulkanmagen, der sich beschwert, dass ich schon wieder Unrat in ihm verklappe.

Hier. So sieht das Ergebnis aus, wenn es aus dem Backofen kommt. Scheiße. Absolute Scheiße. Sag‘ ich doch. Sieht scheiße aus. Das wie eine offene Wunde vor sich hin gärende Innere wird zusammengehalten von einem keksigen Zombiebrot ohne irgendeinen Nährwert abseits von Zucker. Sind das da überhaupt echte Pilze oder doch nur Formpilze aus Industriepulver, die sie da zusammengemischt und ausgestanzt haben? Ich weiß es nicht. So etwas weiß man nie. Seit die Labore sogar Sägespäne mit Himbeeraroma versehen und in einen Joghurt kippen, schmecken Sie ja die Unterschiede nicht mehr zwischen echter Nahrung und dem Klon.

Ich bin halb durch. Es ist unfassbar ekelhaft. Es schmeckt quasi nach nichts, nicht einmal nach Salz. Nur brackig. Fettig und irgendwie pappig-süß. Wie der Boden einer pickligen Panpizza bei Pizza Hut. Klar, Fett und Zucker. Und Weißmehl. Der Grundstock einer Ernährung für dumme Männer, die früher abkratzen wollen als notwendig ist. Furchtbare Nahrung, von der ich, nachdem sie endlich vom Antlitz meines Küchentischs in der Lava des Magens verschwunden ist, perverserweise noch mehr Hunger bekomme als ich vorher hatte.

Zehn Minuten später setzt das Sodbrennen ein. Pünktlich. Ich rülpse Fett und Zucker. Selbst nach einem halben Liter Milch steigen noch leichte Anflüge der brackigen Pampe in sauren Blasen die Speiseröhre hinauf. Davon werde ich noch ein paar Stunden etwas haben. Bravo. Danke an mich. Ich habe meinem Körper wieder einmal sehr geschadet. Das wird alles mal auf mich zurückfallen. Irgendwann rechnet der ab. Zahlt es mir heim. Wenn ich ihn runtergerockt habe. Und dann wird er mir auch diesen Missbrauch hier unter die Nase reiben. Mit irgendeinem Krebs. Wahrscheinlich Speiseröhre. Oder Kehlkopf. Oder gleich der ganze Magen. Als Rache für jedes dieser ekelhaften Stücke Dreck von Tiefkühlabfall, das sie ohne jede Scham als Nahrung verkaufen.


Repost. Es ist ein vier Jahre alter Junkshittest, noch einmal aus purer Nostalgie nach oben geholt, denn der Pizzaburger wird vom Markt genommen. Ein Jammer. (Und ja, es ist ein Link zu Watson, einer dieser peinlichen postmodernen popupverseuchten Identitätsschleudern für prekäre Journalistinnen mit Missionierungsdrang, eklig, ich weiß, aber ich habe keine andere Quelle, in der Not verlinkt der Irre sogar Watson).


Junkfraß aus der Industriehölle (7)