Gedankensudelei 07/20

Ich bin immer erstaunt, dass Menschen ernst nehmen was ich sage. Ich nehme nicht einmal ernst was ich bin.

David Bowie


Buh. Möh. Crap the crappy crap. Berlins Idiotentourismus läuft lockerungscoronalisiert wieder an. Sie sind wieder da. Alle. Kreischende Hostelfranzosengruppen mit blecherner Boombox, dumme Schulklassen aus Gießen oder einem anderen hässlichen westdeutschen Nest mit in Kürze zerberstenden Tegernseebierflaschen in der Hand, brüllende Jägermeistershotskandinavier, die keinen Alkohol vertragen und in meinen Hauseingang pissen, sowie schief lallende Airbnbbudenitaliener mit Gitarre nachts um 2 auf dem Nachbarsbalkon. Und es ist nicht einmal Bella Ciao, was sie da so furchtbar akustikverpesten, sondern Felicità. Also ist es wirklich wahr: Easyjet fliegt meine Stadt wieder an und lädt Europas bärtige männerduttige Vollidioten und ihre billigen zugetackerten Schicksen hier bei mir ab. Arschgeburten. Vollpenner. Hirntote. Alle wieder in den Straßen. So überflüssig wie youtubende Rüpelrentner. Dabei waren sie jetzt ein paar süße Monate lang komplett weg. Was schön war. Doch was ist denn jetzt? Wo ist sie? Ich will die zweite Welle, die sie mir versprochen haben.

Neues vom siechen Coronapferd. Laut Tagesspiegel wollen zuverlässig zwischen 70 und 80 Prozent der Berliner weiterhin alle Einschränkungen im öffentlichen Raum haben. Egal zu welcher Frage. Masken. Abstand. Theater zu. Gastronomie platt. Keine Konzerte. Und bitte den Bezirk nicht verlassen, um nicht zu spreaden. Lockt uns bitte down. Fester bitte. Ich spüre meine Hände noch. Und das ist jetzt so. Das deutsche Gemüt. In ein paar Monaten gründlich bis zur Kimme durchüberreizt. Zerpflückt. Eingeschüchtert. Lauterbachisiert. Hasenfüße über Hasenfüße. In dieser Zeit, in der der Nannystaat wie eine übervorsichtige Helikoptermutter bis weit in den privaten Bereich die Dinge beginnt zu reglementieren, haben sie die Bürger bekommen, die daraus zwangsläufig entstehen. Unselbständige. Schwervorsichtige. Phobiker. Angst. Ängstlich. Sie haben Angst. Berlin hat jetzt in seiner Mehrheit Angst. Und das seit Monaten klar verfestigt. Wenn die Umfragen so stimmen. Face it. Und lebt jetzt damit. Ich will nie wieder Geheule über German Angst hören. Ihr habt das so gewollt. Und forciert. So lange gemobbt und genölt und gedroht bis jetzt fast alle Angst vor dem Leben haben. Eure Gesellschaft ist das jetzt, euer Problem in Zukunft, nicht meins. Ich schaue mir das nur an.

Mit meinem Umfeld decken sich diese ganzen veröffentlichten Umfragen im Übrigen immer noch nicht. Ich kenne niemanden, weder privat noch auf Arbeit, der das alles gut findet, was da lief und immer noch läuft. Niemanden, der das nicht übertrieben findet. Versteht was die Aufregung soll. Oder überhaupt Angst hat. Ja. Dass ich nicht repräsentativ bin, weiß ich selber.

Ihre Wortschöpfungen in ihren Verlautbarungen kennen derweil keine Kreativitätsgrenze mehr. Ganz neu im Aufgebot: Maskensünder. Jetzt kommen sie auch schon mit quasireligiösen Begriffen daher. Auf dass die Sünder Buße tun. Im Land als Irrenhaus.

Nebenbei hat die allgemeine Gängelung noch einmal spürbar an Fahrt aufgenommen. Im Borgwürfel, dem chilligsten und unaufgeregtesten Arbeitgeber der Stadt, haben sie uns jetzt auseinandergesetzt wie widerspenstige Schüler. Die wattewolkengepamperten Homeofficefrauen gammeln weiterhin zuhause vor sich hin und Typen wie ich sitzen nun separiert in abgelegenen Büros herum, nur unterbrochen von einmal am Tag Wichsen auf dem Klo. Derweil richtet mein Fitnessstudio immer absurdere Bodenmarkierungen ein, die in ihrer Summe inzwischen aussehen wie ein Basketballspielfeld und keiner blickt mehr durch, wann er jetzt wo stehen, sich umziehen oder schlicht kacken gehen darf. Und dann reden sie auch noch immerzu. Bitte desinfizieren Sie die Hände. Desinfizieren Sie die Hände. Desinfizieren Sie die Hände. Die Hände. Desinfizi… Ja. Ja. Jaaaaaaaa! Und: Sind Sie gesund? Sind Sie gesund? Sind Sie gesund? Jede Woche drei Mal. Und es juckt mich so, einmal nein zu sagen und von meinen blutigen Ekzemen und dem Eichelpilz zu erzählen, der an meinem Penis wuchert wie ein Blumenkohl. Ihr nervt so übel. Alle. Ihr da. Die ganze Welt.

Die peinlichste Nummer diesen Monats in diesem ganzen immer noch ohne Pause wundgerittenen Coronashit kommt von einer peinlichen Berliner Kinderpunkband, die „His Majesty Christian Drosten himself“ (zum Unterarmritzen peinliche Attributschöpfung der peinlichen Hauptstadtpresse) mit einem Lied huldigt. Diese Komposition und der journalistische Lobpreis darüber ist auf so vielen Ebenen erbärmlich, dazu fällt mir nicht einmal mehr Spott ein.

Jetzt erst 2020 habe ich festgestellt, dass die wegweisende Punkband Daily Terror, deren Mitglieder vermutlich alle auch schon wieder tot sind, aus Braunschweig kam. Aus Braunschweig. Ich meine … Punk. Aus Braunschweig. Das ist fast wie Solingen. Oder Essen.

Vom guten alten sehr oppositionellen Protest von früher zum wohlfeilen regierungstreuen Protest dieser Tage: Wenn ich mir diese Gesichter der verschiedenen immer weiter und weiter und doller durch alle Medien genudelten Politaktivisten so anschaue, die mich aus dem Internet anglotzen und wollen, dass ich genau das tue was sie wollen, dann sehe ich ihnen in jedem Bild an, dass ihnen ihre Haltung keinen Spaß machen kann. Verhärmt. Freudlos. Bitterernst. Wie diese Frau Esken, von der sie immer schreiben. Es tut mir leid, aber es schüttelt mich bei dieser Attitüde. Ich möchte von diesen Menschen nicht regiert werden. Ich würde nicht mal in einem Raum mit diesen Menschen sitzen wollen, weil es mich dort frieren würde. Würde man dieser Frau einen Rohrstock in die Hand geben und sie auf ein Foto einer matrosenanzugtragenden Schulklasse der Zehnerjahre des letzten Jahrhunderts vor dem vorletzten Weltkrieg montieren, würde das niemanden irritieren. So wirken sie alle jetzt, seit sie die Werkzeuge des Rundfunks in der Hand haben. Wie Gouvernanten. Wie Rohrstock.

Ich würde auch nie in eine Wohnung von denen einziehen wollen, auch wenn sie wirklich lustige Wohnungsanzeigen schalten, gugge mal: Suche Creative-Vegetarian für WG in Mitte, 27 Euro der Quadratmeter.

Ha. Tut mir leid, aber ich muss es sagen: Told you so. Told you so. Told you so. Told. You. So. Fuckers. Seit Jahren sage ich das. Das sind keine Linken, nie gewesen, die tun nur so. Das ist die Upper Class. Bestenfalls sind das grüngewaschene Upper Class Zeitgeistlinke, was es nicht besser macht. Eher schlimmer. Denn durch sie fühle ich mich politisch noch heimatloser als ich sowieso schon bin.

Haltung. Mehr Haltung. Haltungsturnen. Sie erziehen mich jetzt über Bande. Nur so ist es zu erklären, dass mein Kind mich vom Beifahrersitz aus anmotzt, wenn ich mein Kaugummipapier aus dem Autofenster werfe (wie ich es immer gemacht habe, wo ist das Problem). Papa, da geht der Planet kaputt. What? Ja, genau. Mit so etwas kommt mein Kind jetzt aus dieser Schule voller Bündnis 90/Die Grünen-Lehrer, die jetzt auch über Bande spielen und wollen, dass ich tue was sie sagen. Großartig. Und ich bekomme alles von denen. Nur nicht das was ich will: Meine Ruhe.

Dumm ist es auf jeden Fall, dass es dieses Buch des Journalisten Birk Meinhardt nicht als eBook gibt, sondern nur als Papier (und Papier lehne ich ab). Die Besprechungen davon lesen sich wie meine Gedankengänge, die ich beim Kacken habe, wenn ich durch Zufall mal bei Spiegel Online, Zeit Online oder der Süddeutschen (bah, es schüttelt mich inzwischen ernsthaft) reinsurfe. Liest sich wirklich lesenswert, was ich da über das Buch lese. Vielleicht hole ich mir doch das Papier.

Zu etwas Schönem. Dem Sport. Ich habe ein paar Laufapps getestet, nachdem mir die händische Streckenmessung via Google Maps bei über 20 Kilometern schwer auf den Sack geht und vor allem zu lange dauert. Ich mache es kurz: Schenken Sie sich diese ganzen überteuerten Abofallenlaufapps, für die Sie bis zu 59,99 im Jahr abdrücken sollen. Es reicht eine kostenlose und zwar diese hier. Macht was sie soll. Misst die Strecke, Durchschnittsgeschwindigkeit, Zeit natürlich und – wer das mag – den Kalorienverbrauch. Stark. Dafür sage ich auch gerne, dass Nike sie fabriziert hat. Gerne auch zwei Mal: Nike. Nike. Wussten Sie, dass Nike die gemacht hat? Ich laufe trotzdem mit Schuhen von Asics. Bitte. Danke. Nein, niemand bezahlt mich hier für irgendwas. Immer noch nicht.

Gerissen habe ich inzwischen regelmäßig die 35 Kilometer pro Lauf und damit wird der echte Marathon, für mich immer schon eine Distanz aus dem Fabelbuch echter Sportler, eine wirkliche Option. Wenngleich ich noch nicht gut genug dafür bin, denn nach den 35 spüre ich beim schlaksigen Runtertrudeln der Greifswalder Straße weder Arme noch Beine noch Hirn mehr. Nur noch ein hämmerndes, pulsierendes Wattegebilde aus purem Schmerz. Den ganzen Körper entlang. Ich muss also noch arbeiten. So wird das noch nix.

Dennoch: Grüße an meinen Vater an dieser Stelle (keine Ahnung, ob der noch lebt), der mir meine ganze Jugend über erzählt hat, dass alle Männer in der Familie unabänderbar unsportlich sind, man nichts dagegen machen kann, weil das übergewichtige schinkenpolnische Unsportlichsein bei uns in den Genen liegt. Doch das liegt es nicht. Lag es nie. Und da müssen Sie erst mal als junger Mann selber drauf kommen. Das, was er da immerzu sagte, war alles nur ein Vorschub für das kiloweise Fressen von Knackwürsten, Biersaufen und das Sofaliegen (was grundsätzlich okay ist, wenn man den notwendigen Ausgleich schafft). Es war gar nicht so einfach, darauf klarzukommen, aber jetzt weiß ich es: Mein Vater hat mir immer Scheiße erzählt. Scheiße um Scheiße. Um seine eigene Unzulänglichkeit in allen möglichen Dingen als Regel hinzustellen, gegen die niemand was machen kann. Weil Naturgesetz. Gene. Wie schade. Und Sie glauben gar nicht, wie schwer es ist, die seit dem Beginn Ihres Bewusstseins eingepflanzte und immer noch einmal mehr wiederholte „Wahrheit“ als Erwachsener abzuräumen und durch neue, hilfreiche Erkenntnisse zu ersetzen.

Das ist vermutlich mit allen früh eingeimpften Wahrheiten so.

Sich zu überwinden, ein Ruder auch mal rumzureißen, ist am Ende tatsächlich nur eine Kopfsache. Sport sowieso ist eine Kopfsache. Wenn Sie darunter leiden, dass Sie zu fett sind und der Umstand keine nachgewiesen krankheitsbedingten Ursachen hat, lassen Sie sich von niemandem erzählen, das sei vorbestimmt. Schicksal. Dem Sie sich fügen müssen. Es ist Unsinn. Laufen Sie. Laufen Sie. Erstmal kleine 200 Meter. Schauen wie es geht. Dann 300. 500. Den ersten Kilometer. Und dann weiter. Hätten Sie mir vor 20 Jahren erzählt, dass ich mal 35 Kilometer am Stück laufsporten kann, hätte ich wegen unbotmäßigem Harassment Twitter aufgemacht (was es damals noch nicht gab) und hätte sofort aus dem Kühlschrank zwei neue Mettenden geholt. Ach was zwei. Fünf!

Notiz: Meine Marathon-Wannabe-Runde geht durch Pankow-Rosenthal. Festzuhalten ist: Bürgersteige und Straßen dort oben an der Ecke zu Lübars sind selbst für Berliner Verhältnisse eine Zumutung. Beides stammt wohl noch aus dem Mittelalter, als Albrecht der Bär die ersten Wege mit unregelmäßigen Beutesteinen aus altrömischen Beständen hat pflastern lassen. Seitdem überlässt Berlin diesen üblen Infrastrukturscherz da oben im Eck kurz vor Brandenburg sich selbst. Was ich da die zwei, drei Kilometer durch Rosenthal mache ist quasi ein Crosslauf. Mit der permanenten Gefahr, mir die Haxen zu brechen. Ich lege mich fest: Pankow-Rosenthal hat die übelsten Straßen und Bürgersteige der ganzen Stadt. Und wir haben in Berlin außerhalb des Regierungsviertels fast nur üble Straßen und Bürgersteige. Es dürfte in der Stadt mehr Schilder mit „Gehwegschäden“ als Straßenlaternen geben.

Bloggeronanie: Wer hier mit RSS-Feed mitliest, mag sich über die regelmäßigen alten Schinkentexte wundern, die mit jahrealtem Datum im Feed auftauchen. Das hat folgenden Grund: Ich möchte alle drei alten Blogs in diesen hier integrieren, um alles, was ich je irgendwo gepostet habe, an einer Stelle zu haben. Das Problem ist, dass das früher alles bei Blogspot gehostet war und das hier ist WordPress, ein anderer Hoster, der natürlich alles anders macht. Und das bringt für mich das Problem der zerschossenen Formatierungen mit sich, die ich für jeden einzelnen vom alten Hoster importierten Text händisch reparieren muss. Und ich habe noch 300 davon rumliegen. Keine Ahnung wie lange das noch dauert. Jahre bestimmt. Wischen Sie einfach weiter, es ist alter Mist, der außer mich keinen mehr interessiert.

Dazu kommen alte Dinger, die mir wichtig sind oder die ich einfach nur halbwegs gut finde und deshalb ein wenig überarbeitet hier noch einmal neu reinballere. Müssen Sie durch, wenn Sie mich aus einem alten Blog kennen und leider wiedergefunden haben. Wischen Sie’s halt weg, wenn Sie es schon kennen, Sie sind doch schon groß.

Manchmal verlinke ich mich sogar selber (ekelhaft). Hier, gugge: Ich habe die alten Magdeburger Momente endlich auf WordPress reformatiert und wieder online gestellt. Mann, das ist eine Schweinearbeit, aber beim Wiederdurchlesen kam das alles wieder hoch und ich mag die Erinnerung an das großartige Konzert dort. Aber Magdeburg ist wirklich sehr hässlich. Würden da nicht ab und zu Bands spielen, die ich sehen möchte, wäre ich dort nie und würde auch nicht hin wollen.

In Dreilinden habe ich das erste Mal seit irgendwas um die 800 Jahren wieder eine Anhalterin stehen sehen. Wollte nach Leipzig. Die junge Anhalterin. Deren zwei stinkende verlauste Dreadlockpenner von Kumpels bestimmt im Gebüsch gewartet haben, um schnell mit einzusteigen, wenn einer hält, der sich freut, endlich mal jemanden mitzunehmen, der nicht so aussieht als würde er den Rücksitz vollkotzen.

Ich selbst würde keine Frauen im Auto mitnehmen. Ich habe auch die hier nicht mitgenommen. Nicht wenn ich alleine fahre. Es ist 2020. Das zu tun ist verbrannt. Zu tricky. Risky. Da kann ja sonst was passieren.

Dazu ein lustiger Link für zwischendurch: Das Kondom nach dem Sex als Mann mitnehmen?

Aber natürlich. Immer. Einmal eine Nachlässigkeit kann Ihnen das Leben bis ganz zum Ende zerschießen, vor allem wenn Sie jemanden in den 30ern im Bett haben, dessen Uhrensammlung so laut tickt, dass Sie kein Auge zu bekommen. Aber nein. Das ist keine Paranoia, das ist Vernunft. Rationales Risikomanagement. Vasektomie allerdings ist noch besser.

App-Wortspiele. Sie machen sie immer noch. Und wie ich sie hasse. Hier:

(„Bitte zügig APPfahren“ wäre noch schön gewesen.)

Netflixscheißdreck des Monats: The old guard. Nicht, dass ich den Film gesehen hätte, nein, er war zwar auf meiner Watchlist, ich wollte den echt sehen, aber dann las ich den superwoken Text zu dem Ding auf dem Genderpopenderportal Zeit.de und hatte schon keinen Bock mehr. Empowerment. Frauen. Superstark. Und sowieso die Besten. Praise em. Nee. Is‘ gut, ich weiß Bescheid. Lass mal stecken. Wenn Zeit.de einen Film gut findet, dann ist der woke und damit ganz sicher scheiße.

Netflixknaller des Monats: The Equalizer I und II sind jetzt auf Netflix. Denzel Washington. Groß. Ganz groß. Spaß gemacht das zu schauen.

Musik: Der Titel ist so großartig zeitgeistig und der Track sehr stark. Electro Wave. Meet Sam de la Rosa: Racist cops on a jog.

Dann gehen Grüße raus und zwar an:

Apokolokynthose: Happy Gender Empathy Gap Day (pünktlich)

Das Alternativlos-Aquarium: Tag der Geschlechter-Empathielücke: Ganz unten

Ein Tag, für den sich kein Schwein interessiert. Nur ein paar Blogs, die keine Sau liest. (via Asemann)

ZG Blog: Hauptsache „Frau“

Die Frauenverherrlichung im Land hat absurde quasireligiöse Züge angenommen, die von niemandem, der noch was werden will, in Frage gestellt werden sollte. Da zählt absolut gar nichts anderes mehr, Hauptsache kein Penis. Dann ist alles rosarot. Wir haben einen eigenen Feiertag in der Hauptstadt zum Anhimmeln der Gepamperten und Geförderten. Tausende eigens geschaffene Bullshitjobs nach öffentlich-rechtlichem Stellenplan. Millionen über Millionen Fördermittel für aktivistische NGOs. Und Jubelperserartikel in den Genderpostillen, die Sie folgendes wissen lassen wollen: Von der Leyen ist großartig, Merkel herausragend und Baerbock die natürliche Nachfolge. Diesem Käfig voller Narrenschreiber können Sie nur noch aus der neutralen Ecke dabei zuschauen, wie sie sich alle eitel von der eigenen Herrlichkeit besoffen um sich selbst drehen und sich feiern, feiern, feiern. Eine irre Zeit. Echt. Ich frage mich, was die in ein paar Monaten machen werden, wenn die Pleitewelle kommt, die Arbeitslosigkeit sich nicht mehr mit Kurzarbeitermitteln kaschieren lassen und es weniger zu verteilen für die Fördertröge geben wird.

Sunflower22a: Kulturpessimismus

Die Kollegin hier mit ihrem ganz eigenen Stil lese ich jetzt schon seit locker zehn Jahren, angefangen damals auf dem auch schon seit sieben Jahren toten Bewertungsportal Qype, das nur noch die ganz harten Hängengebliebenen kennen. Nach der Einleitung dachte ich schon, sie würde sich verabschieden. Tut sie nicht.

Stefblog: Zum Leben zu wenig…

Den Stef lese ich schon länger als alle anderen. Muss 2006 gewesen sein. Damals Wedding, jetzt Rostock. Wenn Sie so einen Blog über so viele Jahre verfolgen, dann leiden Sie mit, wenn Sie dieser Tage einen solchen Text lesen. Noch ist nicht viel passiert, die Pleiten sind in ihren Zahlen übersichtlich. Doch sobald die Kurzarbeitergelder auslaufen, der coronale Insolvenzschutz nicht mehr greift und die ersten Überbrückungskredite platzen, wird es ganz hart werden für den kleinen Handel. Ich lehne Nikotin leider ab, weil mir der Rausch zu mau ist und mir einfach nur sehr schlecht davon wird, aber wenn Sie in Rostock wohnen und gerne Dampfnikotin inhalieren, schauen Sie doch mal vorbei.

DS-pektiven: Coronoia: Unworte

Gnarf. Gnarf.

CLMT: Lost Place: Ihmezentrum II

Krass. Ich hab‘ 2017 mal im Ihmezentrum übernachtet. Anlässlich des Dritte Wahl-Konzerts im Musikzentrum. Hier, fuck, war das gruselig:

Gehaust habe ich in einer heruntergekommenen Butze von irgendwelchen Russen, die ich für 20 Euro die Nacht bei Airbnb geschossen habe. Ein Albtraum. Im schimmligen Badezimmer abgeschnittene dicke gelbe Fußnägel, die Matratze stank nach getrockneter Wichse und die Alte des Fußnägelmanns hatte ihre vollgeschissenen Schlüpper in der ganzen Bude rumliegen. Zwischen den runtergerockten Möbeln, deren Wickeltisch und Laufstall mir aufzeigte, dass in dieser Gruft tatsächlich ein Kind aufwächst. Aber der Wodka in der Butze war gut. Immerhin. Trotzdem: Ein übles Stück Architektur. Wer so etwas baut, hasst Menschen und möchte ihnen das zeigen.

Hier, so sahen die Russen ungefähr aus.

Der reisende Reporter: Hostel-Horror

Eisenregel, überall: Keine Hostels. Nirgendwo. Weil nur Spacken. Ich hasse Hostels.

Neue Kunstspaziergänge: „Kann auch zerfallen …“

Dekonstruktion.

hmbl: Dringende Bitte um eine andere Geschichte

Okay, ich muss: Diese scheiß Masken. Nervt voll. Genau wie die ganzen aufgebrachten Hysteriker. Und jeder versalzt meine Suppe. Gnihi. (jetzt bitte ausrasten)

Und dann noch eine kleine Doku: Stadt ohne Morgen (via kfmw). Stimmt, ich vergesse das immer, dass es überall sonst außer in Berlin Sperrstunden gibt. Warum eigentlich? Wem nutzen Sperrstunden? Schöner Clip, der mich wieder erdet. Is‘ schon geil hier oft, stimmt schon.

Gesoffen habe ich in einer Bar namens Lamm oben Wisbyer Ecke Schönhauser. Naja, gesoffen ist mutig geframet, ich habe es versucht. Mich zu besaufen. Was nicht recht gelang. Vielleicht liegt es daran, dass ich wirklich so langsam Gewohnheitsalkoholiker bin, aber ich habe nach vier Cocktails und vier Shots nicht wirklich was rauschartiges gespürt, was bei irgendwas um die knapp 50 Euro dann doch vergleichsweise ärgerlich ist. Will sagen: Die Dinger sind lecker, aber sie sparen hier am Alkohol, was bei den knapp zweistelligen Preisen pro Cocktail ganz einfach nicht okay ist. Ja, sicher, Mieten sind teuer und so, aber für mich dann doch lieber für gute Cocktails wieder nach Kreuzberg in den guten alten Würgeengel. Drei Dinger und ich bin dicht. So muss das halt, sorry.

Kaffee getrunken habe ich in einem, glaube ich, recht frisch eröffneten Café auf der Schönhauser oben Nähe Bornholmer: P-Berg Coffee. Das tut mir fast schon wieder leid, wenn ich so etwas sehe, weil das so derbe mit Anlauf gegen die Betonmauer rennen wird. Da hat sich jemand sehr viel Mühe gegeben, ein 2010-Abziehbild-Klischeeprenzlauerbergding an den Start zu bringen, ohne zu verstehen, dass diese Sache jetzt wirklich endlich durchgenudelt ist. Ehrlich, alles hat er gebracht, alles da: Lemonaid, Fair Trade-Dingsda, vegane Suppen, vegane Brownies, Porrigebowls mit Biofrüchten, das Nougatcroissant zu 1,90, Sojamilch, Hafermilch, Understatementbrauntöne an Beigetöne und dann auch so … so ein Name. P-Berg. Das ist so Nullerjahre wie Pregnant Hill. Und dann der Ort, nicht Kolle, nicht Helmi, nicht mal für das Yogamütterparadies Arnimplatz hat es gereicht, sondern nur für die Fiesedönerbilligepizzawüste oben Schönhauser Ecke Bornholmer kurz vor Pankow.

Hey, hier, weil ich dort so freundlich begastgebt wurde, von mir eine gutgemeinte Prognose: Wird nix. Sag ich gleich. Wird nix. Null. Schon gar nicht am Vorabend der Coronawirtschaftskrise, aber das Ding wäre auch zu Boomzeiten dort an dem Ort nicht gelaufen. Da oben wohnt zu wenig Kundschaft, no Yoga, no Dachgeschoss, no Lastenfahrrad, no Biomama mit Tagesfreizeit. Und zu viel Dönernachbarschaft, angesichts derer deine Zielgruppe sofort die Birkenstocks in die Hand nimmt und runter bis zum Senefelderplatz rennt. Sorry. Besser zumachen, bevor der teure Marktkredit den billigen Existenzgründerkredit ablösen muss.

Warum ich dort war? Ich war beim Tabakfreund, den es dort seit Ewigkeiten (ich hatte den zuerst 2011, damals noch auf dem verendeten Bewertungsportal Qype, in den Himmel gepriesen zugeneigt besprochen) gibt. Nein, nicht wegen Tabak, Tabak ist als Droge schlicht überflüssig, nein, wegen des ausgezeichnet sortierten Whiskyangebots. Ein Kenner ist das. Ästhet. Genussmensch. Nach wie vor. Und das in Prenzlauer Berg. Zwischen den Dönern zwar auch, aber immerhin.

Essen:

Sarah Wiener ist pleite. Also zumindest die Gastronomiesparte. Wow. Hamburger Bahnhof. Ich kann mich noch erinnern, wie ich mich mit einem anderen Typen bei Qype, dessen erfundenen Nicknamen ich nicht mehr weiß, über Monate gegenseitig damit überboten habe, Sarah Wieners überbewertete Schnöselrestaurants in Grund und Boden zu rezensieren. Ich bin sogar extra im Hamburger Bahnhof essen gegangen, um auch einen Verriss für diesen Ort auf Qype packen zu können. Das Kommentariat des Tagesspiegels (dessen Kommentare immer öfter unterhaltsamer sind als der Artikel) kommentiert die Pleite von Sarah Wiener wie folgt:

Lol. Trocken. In Berlin bekommen Sie, wenn Sie eine Pleite hinlegen, immerhin noch süffisanten Spott hinterher geworfen. Hartes Pflaster hier. Immer noch.

Gekocht habe ich unter anderem Bulgur Pilaw nach der Vorlage eines inzwischen doch recht vernachlässigten Alphablogfossils aus der Blogeuphorie der Nullerjahre, bei dessen Anblick es mich als dummen Nostalgiker dennoch freut, dass es noch existiert.

Restaurantmäßig war ich wie folgt unterwegs:

Ausspanne, deutsch, Prenzlauer Berg: Wow. Jetzt wohne ich schon 800 Millionen Jahre hier in Bionadecity, aber war noch nie da drin. Empfohlen von dort. Ernsthaft. Wenn das nicht das beste Restaurant in diesem Jahr ist, dann weiß ich auch nicht, was ich hier erzähle. Nein, wirklich außergewöhnlich gut, da kocht jemand echt gerne und das sieht man, riecht man, schmeckt man. Ich bin da jetzt öfter. Schwöre.

Der goldene Hahn, italienisch, Kreuzberg: Komischer Name für ein italienisches Restaurant, jedoch die Nachbarschaft ist wieder begeistert. Geht so. Finde ich. Sehr teuer sind sie für solides, aber nicht wirklich bemerkenswertes Trattoriazeug. Für Kreuzberg ist das alles hier zu teuer, für die Ecke von Kreuzberg erst recht zu teuer oder ich war einfach lange nicht mehr hier und dieses Kackloch von Kreuzberg ist jetzt plötzlich auch Upperclass (kann ja sein, ich habe ja nicht jeden Kiez im Auge). Nein, ärgerlich, dieser Laden. Mein lustiger kleiner Loup de mer aus dem Backofen mit ein paar kaum gewürzten Kartoffeln, Tomaten und roten Zwiebeln kam mich 27 Euro. Naja. Nächstes Mal besser die Pasta, wobei sie mit 15 bis 18 Euro auch nicht gerade eine günstige Angelegenheit ist. Obwohl, nee. Ich will da lieber doch nicht nochmal hin.

Meyan, mediterran-orientalisch, Schöneberg: Besser. Das da ist besser. Große Portionen, korrekter Preis, stark gekocht. Reservieren Sie. Weil es so geil ist, ist es quasi immer voll.

Kapitäns Kajüte, Fisch, Gatow: Nette Ecke da hinten am Wasser, aber war nix. Ein zu teures, sehniges Stück Fleisch, das ewig brauchte. Kleine Beilagen. Genervter Service. Und schneeweiße Golfdressrentner mit nackten Füßen in 60er-Jahre-Slippern neben mir, bei deren blasiertem Anblick mir der Appetit vergeht. Sinnlos.

L’Osteria, italienisch, Potsdam: Wenn schon nette Ecke, dann gleich im barock-protzig-verbonzten Kitschpostkartenpotsdam. Tim Raue hat in der Villa Kellermann jetzt ein hässliches Zwei-Stunden-Fenster eingeführt, um die hässlichen Gäste schnell wieder los und neue hässliche Gäste an den Tisch zu bekommen. Hat sich also auch erledigt, denn ich verabscheue Zwei-Stunden-Fenster. Also bleibt: Wenn Potsdam, dann dort. L’Osteria. Sehr gutes Lokal.

Auswärtsspiele:

Nu, asiatisch, Rotenburg, Niedersachsen: Da fahre ich in der tiefsten niedersächsischen Provinz sinnlos durch die Gegend, bekomme Hunger und erwarte nichts. Und bekomme Sushi, das sich nicht nur mit Berlin messen kann, sondern es in weiten Teilen übertrifft. Ein Künstler, dieser Mann. Großen Respekt.

Gaucho, Steakhaus, Soltau, Niedersachsen: Schlimm. Ich hasse Steakhäuser abseits von Block House. Weil sie es nicht können. Bestellen Sie Medium, bekommen Sie Ihr Fleisch schuhsohlendurchgebraten, bestellen Sie Medium Rare, glotzen sie blöd und braten es nicht weniger durch. Wollen Sie es rosa innen, müssen Sie es blutig bestellen und richtig blutig wie ich es gerne habe können sie gar nicht. Das Trauerspiel für 22 Euro die 200 Gramm. Ein ärgerlicher Ort.

Petit Four, Café, Bremerhaven, im sinnlosesten aller Bundesländer namens Bremen: Stellen Sie sich vor, Sie sind bei Regen und Sturm in der leider wirklich außerordentlich hässlichen Stadt Bremerhaven und möchten sich gerne, weil der Ort unglaublich trostlos ist, mit einem Strick nebst Kreuzfahrtschiffanker in der aufkommenden Flut versenken. Machen Sie es nicht. Essen Sie dort. An dem einzigen Ort, der mich davon abhalten konnte. Danke. Das war wirklich sehr gut.

Schlusspunkt. Das war der Juli. Mehr war nicht.