Verarsch mich doch (34)

Diese fiesen Coronazeiten eignen sich sehr gut zum gründlichen Verarschen harmloser Honks, die einfach nur gerne ohne Verwerfungen durch diese ganze gesellschaftliche Überreizung steuern wollen. Keiner hat einen Überblick. Alle sind verunsichert. Hin. Her. Hoch. Runter. Laschet. Söder. Virulogen. Zu. Auf. Wieder zu. Gütersloh. Österreich. Frankfurt Oder Stadtbrücke. Polen offen. Dann Polen zu. Keiner weiß was geht und was nicht. Wer rein. Wer raus. Wer wohin. Und warum. Dingel Dangel Drosten. Li La Lauterbach. Und jeden Tag ein neuer Shit.

Es ist eine gute Zeit, um Leute zu rippen. Einfach so. Weil’s eh keiner blickt. Verunsicherung schafft Gelegenheit schafft Geld ran.

Warum mich das jetzt betrifft?

Mein Urlaub in Italien wurde coronagefickt.

Von vorne, von hinten und in den Mund. Plus Umschnalldildo. Coronagangbang. Kurz mal durchgenudelt. Einmal die Hafenrundfahrt. Mit einem ordentlichen Klecks Vaseline. Und jetzt pulsiert mein Arschloch. Wummer. Wummer. Uh. Ich glaub‘, da läuft was raus.

Zweieinhalb Wochen nahm ich mir frei. Reichte den Urlaub ein. Buchte das Ding. Und streckte ihn teilvor. Den fetten Sommerurlaub. Im Januar haben sie mir die Anzahlung abgebucht. Die Superabbucher vom Reiseveranstalter. Vierstellig. Dann kam lange nix. Nicht in der Hochphase des Lockdowninfernos Märzaprilmai. Und danach auch nicht. Keine Kommunikation. Keine Nachricht. Kein Anruf. Nichts. Frisch aus dem Handbuch deutscher Kundenbetreuung. Niemand meldet sich. Niemand sagt was.

Stille.

Alles muss man selber machen.

(ring)

„Guten Tag, mein Name ist Zimmermann. Ich habe bei Ihnen einen Urlaub in Sizilien gebucht. Ich würde gerne wissen, was nun ist. In vier Wochen ist Abflug.“

„Das kann ich Ihnen nicht sagen. Im Moment besteht eine Reisewarnung für Italien.“

„Okay. Übernächste Woche wird die Restzahlung fällig. Wie steht es damit?“

„Das kann ich Ihnen nicht sagen. Im Moment besteht eine Reisewarnung für Italien.“

Didumm.

Stille.


(ring)

„Guten Tag, mein Name ist Zimmermann. Ich habe bei Ihnen einen Urlaub in Sizilien gebucht. Ich würde gerne wissen, was nun ist. In drei Wochen ist Abflug.“

„Das kann ich Ihnen nicht sagen. Im Moment besteht eine Reisewarnung für Italien.“

„Okay. Nächste Woche wird die Restzahlung fällig. Wie steht es damit?“

„Das kann ich Ihnen nicht sagen. Im Moment besteht eine Reisewarnung für Italien.“

Didumm.

Ein Déjà vu.

Und Stille.


(ring)

„Guten Tag, mein Name ist Zimmermann. Ich habe bei Ihnen einen Urlaub in Sizilien gebucht. Ich würde gerne wissen, was nun ist. In zwei Wochen ist Abflug.“

„Fällt aus.“

„Aha. Okay, gut. Wann krieg‘ ich meine Anzahlung zurück?“

„Gar nicht, Sie kriegen einen Gutschein.“

„Für was?“

„Fürs nächste Jahr.“

„Häh?“

„Einen Urlaubsgutschein. Fürs nächste Jahr.“

„Aber was ist, wenn ich nächstes Jahr nicht bei Ihnen buchen mag?“

„Dann bekommen Sie das Geld am Ende des Jahres zurück.“

„Moment. Ich gebe Ihnen also einen zinslosen Zwangskredit über anderthalb Jahre in vierstelliger Höhe? Können Sie nicht machen. Das kann nicht korrekt sein.“

„Doch, das ist alles korrekt. Das hat die Bundesregierung entschieden.“

„Hat sie nicht. Das haben sie wieder kassiert.“

„Haben sie nicht.“

„Doch.“

„Nein.“

„Sie buchen jetzt aber nicht auch noch den Restbetrag ab?“

„Nein.“

„Schicken Sie mir schriftlich, dass der Urlaub abgesagt ist?“

„Ja, kann ich machen.“

Didumm.

Dengel.

Eine E-Mail.


Eine Woche später wird die Kreditkarte mit dem restlichen Betrag belastet. Noch einmal vierstellig. Ballyho.

(ring)

„Guten Tag, mein Name ist Zimmermann. Sie haben meine Kreditkarte jetzt zum zweiten Mal mit einer vierstelligen Summe für einen Urlaub belastet, der abgesagt ist.“

„Das kann nicht sein.“

„Ist aber so.“

„Das kann nicht sein.“

„Das ist so.“

„Wo ging es hin?“

„Sizilien.“

„Das ist absagt.“

„Ja. Weiß ich. Trotzdem haben Sie abgebucht.“

„Ich kläre das und melde mich.“

Didumm.

Stille.

Niemand meldet sich.


(ring)

„Guten Tag, mein Name ist Zimmermann. Ich habe letzte Woche schon mit einem Kollegen von Ihnen gesprochen. Sie haben meine Kreditkarte jetzt zum zweiten Mal mit einer vierstelligen Summe für einen Urlaub belastet, der abgesagt ist.“

„Wohin geht die Reise?“

„Sizilien.“

„Die findet statt.“

„Was?“

„Die findet statt.“

„No way.“

„Doch. Findet statt.“

„Hören Sie, der Abflug ist übermorgen. Sie können doch nicht jetzt zwei Tage vorher aus dem Nichts ankommen und mir sagen, dass der Urlaub stattfindet, den Sie vor zwei Wochen schon abgesagt haben.“

„Doch. Findet statt.“

„Nochmal: Das können Sie nicht machen zwei Tage vorher. Ich habe inzwischen einen Urlaub irgendwo in Westdeutschland in einem Kaff namens Sottrum gebucht, weil mir der Arbeitgeber untersagt hat, meine eingereichten Urlaubstage zu stornieren. Und Sie mir ja Sizilien abgesagt haben.“

„Haben wir nicht.“

„Haben Sie.“

„Haben Sie das schriftlich?“

„Ja. Als E-Mail.“

„Das zählt nicht.“

„Das zählt wohl.“

„Zählt nicht.“

„Puh. Auch wenn Sie jetzt mauern, das geht so nicht. Sie können mich nicht über Wochen in dem Zustand lassen, dass mein Urlaub storniert ist, dann das ganze Geld abbuchen und mir zwei Tage vor Abflug so nebenbei sagen, dass der Urlaub jetzt doch stattfindet. Das ist nicht in Ordnung und das läuft auch so nicht.“

„Sie können ja stornieren.“

„Ja klar, weil mich das dann 800 € Stornogebühren kostet.“

„Ja.“

„Nein. Das ist für mich kostenlos. Sie haben mir die Reise ja schon storniert.“

„Haben wir nicht.“

„Haben Sie.“

„Haben wir nicht, aber ich habe vielleicht die Möglichkeit, da etwas auf Kulanz zu machen.“

„Okay. Da kommen wir der Sache endlich näher. Was meinen Sie mit Kulanz?“

„Ich storniere kostenlos.“

„Das ist schön. Was ist mit dem ganzen Geld, das Sie mir von der Kreditkarte gebucht haben?“

„Sie bekommen in diesem Fall einen Gutschein in dieser Höhe.“

„Das sind über 3.000 € insgesamt. Auf keinen Fall.“

„Na dann wird es auch nichts mit der Kulanzregelung … bla bla bla … die Reise findet ja statt … bla bla bla … denken Sie daran, morgen rechtzeitig einzuchecken … für den Flieger … der übermorgen geht … wir haben ja nicht storniert … Sie blöder Affe … ich verarsche Sie bis hoch in den Dünndarm, sagen Sie also endlich Danke dafür.“

Okay.

Reicht.

Didumm.

Stille.

Draußen tschiept ein Vogel.

Ein Kind krakeelt nach Eis.

Ein Köter bellt.

Eine Ader schwillt.

Schon klar, ich weiß selber, was jetzt passieren wird. Ich muss zum blöden Anwalt. Was schreiben lassen. Dann schreiben die was zurück. Dann schreibt der wieder. Erhöht den Druck. Sie sitzen aus. Dann setzt er eine Frist, die sie bis zum letzten Tag ausreizen werden. Insgesamt wird sich die Scheiße wieder Monate hinziehen. Am Ende werden sie einknicken, kurz bevor es vor das Amtsgericht geht, weil sie wissen, dass das alles nicht okay ist, was sie da treiben. Dann werden wieder die Monate verwelken ohne dass sie zurückzahlen. So dass der Anwalt mahnen muss. Es wird ein Gewürge und Gehänge und ganz sicher November werden bis ich das alles wiederhabe. Oder bis ins nächste Jahr hinein. Ja. Hilft ja nix. Sie haben mich verarscht. Hingehalten. Abgerippt. Mein Geld als Überbrückung verwandt. Und ich kann sehen wie ich blöd kucke. Wie immer. Fuck you fucking crap. War mir ein Fest. Eine schöne Flanke in den Innenraum. Kopfball. Tor. Bitte. Danke. Gerne. Verarsch mich doch.


Verarsch mich doch (33)