Gedankensudelei 06/20

Sich über die Ferse aufrollende Sneakersocken sind immer noch die Pest. Ich hasse sie alle.

Und boar, igitt, jedes Jahr zum Sommer weiß ich wieder, was das Schlimmste an den gestiegenen Temperaturen ist: Dass die Ökomütter wieder ihre verwarzten Füße in den ausgelatschten Birkenstockpantoffeln offen durch die Gegend spazieren führen. Flatsch Flatsch uargh. Und ich finde keinen Blumenkübel, in den ich das halbverdaute Schinkencroissant kotzen kann. Ehrlich, diese nackten ungepflegten Biodeutschfrauenfüße sind wirklich ein optischer Deep Throat Augenfick, bei dem sich beide Linsen ein Teppichmesser greifen und sich unvermittelt aus dem Glaskörper heraus entleiben wollen. Um sich danach mit einem Benzin-Cola-Mentosmix ins ewige Nichts zu sprengen. Weil sie es nicht aushalten. Hey Sie, ja Sie, waren Sie bisher noch nicht asexuell, werden Sie es nach dem Anblick der Pantoffelarmee vom Helmholtzplatz auf jeden Fall sein.

Ja. Doch. Chill. Damit könnte ich ja umgehen. Mit diesem optischen Grauen. Ich habe Hornhaut auf allen Sensoren, ist doch ausgeburthässliche Optik hier bei uns seit irgendwas um die fünfzehn Jahre herum schon Legion. Bei Mann wie Frau. Und Transen, die immer noch die ansehnlichsten von allen sind, haben wir hier kaum noch, seit der Protestantismus einzog und Hässlichkeit, Prüderie und Monogamie erstes, zweites und drittes Gebot von Prenzlauer Berg wurden.

Wenn sie wenigstens ihre Fresse halten würden. Tun sie aber nicht. „Zu viel Plastik“ womensplaint die Vogelscheuche hinter mir an der Kassenschlange des Nettos, als sie meinen fantastisch transportsicher verpackten Salat Naturell mit French Dressingtube in meiner Hand sieht. „Jaja“ sagte ich statt „Fick dich selber.“ Es gilt immer noch: Ich bin nach wie vor zu nett zu denen. Man sollte sie viel öfter beschimpfen. Einfach so. Weil sie einem immer noch ein wenig mehr auf den Sack gehen als noch letzte Woche. Und es kein Ende nimmt.

Im Borgwürfel, dem visionärsten aller vorausblickenden Arbeitgeber, haben sie jetzt ein Mentoringprogramm für Frauen aufgelegt. Sie suchen Leute, die Frauen Dinge beibringen, auf dass sie von ihnen künftig noch effektiver als bisher überholt werden können, als säßen nicht jetzt schon verkrachte Sozialpsychologinnen mit Nebenfach Germanistik auf Lehramt mit Anfang 30 auf dem Genderticket vor ihren Nasen. Im Homeoffice. Für 40.000 mehr im Jahr als die Blödmänner, die sich seit Jahren in den Frankfurter Glaspalasthöllenlöchern blutaugenunterlaufen die grässlich öden Sitzungsnächte um die Ohren hauen. Oder durch Deutschland gurken, um in beschissenen Hotelzimmern pennend morgens nach dem pissesauren Kaffee und dem räudigen Conveniencebrötchenbuffet fucking Akquise und bullshitty Kontaktpflege zu betreiben. Und die irgendwann während einer dieser lächerlichen Reisen das Sorgerecht in ein Besuchsrecht umgewandelt bekommen.

Ich glaube, das kann so alles nicht funktionieren, dieses Einschleusen und Vor-die-Nase-setzen dieser wachsweichen Millennialschwemme, die sie seit Jahren mit der Aussicht auf Selbstverwirklichung auf ganzen Plakatwänden in den Borgwürfel werben. Alles was da entsteht, ist ein Wasserkopf voller gepamperter Geisteswissenschaftsluftblasenlurche, die in ihren Eckeinzelbüros einmal monatlich Hof haltend Frage-, Feedback- und Evaluierungsbögen ersinnen, um mich zu nerven. Was nochmal? Mentoring? Für die? Och nee, ich muss leider ganz dringend … weg … ein Bier trinken. Mir im Mauerpark die Sonne in die Fresse scheinen lassen. Und auf die scheiß Rente warten.

Egal.

Zurück zu normalen Menschen.

In der Straßenbahn M4 saß einer, der hat Hundefutter aus der Dose gefressen. Kein Scheiß. Mein Berlin. Immer ein wenig irrer als sowieso schon.

Was mich diesen Monat nicht weniger genervt hat, waren verheiratete heimliche Halbschwule der Art, die mich gerne schwül-schwulst-schwitzig anfangen anzugrabbeln, wenn sie erfahren, dass ich auch mit Männern ins Bett gehe. Leider sind das dicke hässliche Schweratmende mit Kreisrundglatze. Dumm, dass ich auf junge, androgyne Araber mit stilsicher gestutztem Kevin-Kuranyi-Bart abfahre, die leider seltenst schwul sind und wenn, dann so blöd verklemmt. Mein Pech. Ich bekomme im Moment ständig diese haarigen Gestalten, die sich in ihrer ganzen Unansehnlichkeit gebärden, als wäre ich ein Glückshonk, weil sie mich für ihre heimliche Lust ausgewählt haben. Dabei möchte ich nur rennen bis die abfallen. Sorry. Bei dicken haarigen deutschen Männern kann ich nicht. Sind Sie einer und wollen poppen, bestellen Sie sich einen Professionellen bitte. Ich stehe nicht zur Verfügung.

Die Kneipen dürfen in Berlin wieder aufmachen. Endlich. Ich möchte eine empfehlen: Stiller Don. Endlich wieder mit freundlichen Leuten saufen. Falls hier Homophobiker mitlesen (kann ich mir kaum vorstellen, aber bitte, es gibt alles): Bleiben Sie draußen. Sie gehören dort nicht hin und es will Sie auch niemand dort haben. Aber – immerhin – Sie dürfen hier gerne darüber lesen. Mich stört das nicht, seien Sie wie Sie wollen, nur lassen Sie mir meinen Frieden. Im Stillen Don.

Scheiß Hypochonder. Sagen sie im Stillen Don am Tisch. Wenn sie über Corona reden. Scheiß Hypochonder. Am Tisch. Nicht am Tresen. Weil der gesperrt ist. Der Tresen. Wegen Corona.

Die Coronascheiße nicht überlebt hat das Kino Colosseum auf der Schönhauser. Ja gut, setze ich als Staat per Dekret die Einnahmen von so einem Ding auf Null, dann sind die Einnahmen eben auf Null. Dann geht der Nulleinnehmer halt irgendwann drauf. Fuuusch. 100 Jahre Tradition platt. Zumindest die Betreibergesellschaft. Vorerst. Mal sehen.

Am Colosseum hängen viele meiner Erinnerungen, nicht wenige davon haben mit inzwischen vergangen gegangenen Partnern zu tun, mit denen ich dort Filme sah. Einmal habe ich dort eine toxische Partnerschaft beendet, einige gegründet, selten bin ich dort alleine gewesen wie sonst in den kleinen Off-Kinos. Mit dem Kind habe ich hier den ersten Kinobesuch des jungen Lebens gemacht, es war eine grauenhaft gegenderte Version des kleinen Prinzen, in der der kleine Prinz nur ein unnützer lebensunfähiger Wicht ist, der von einem supertoughen Supermädchen gerettet werden muss. Whatever. Viele Erinnerungen. Das Kino gab es immer schon. Pleitegeier olé. Kino. Gastro. Lufthansa. Ein Selbstständiger folgt dem nächsten. There is blood now. Scheiß Hypochonder. Sage ich. Dem wieder ein Erinnerungsort weggebrochen ist.

Der Wortwurm dazu.

Scheiß Hypochonder ist auch das, was die Trainerin meines Fitnessstudios sagt, in dem wir jetzt mit Voranmeldung und mit dieser Maske im Gesicht trainieren dürfen. Und die Hälfte der Maschinen haben sie gesperrt, so dass das Training wegen der Wartezeiten doppelt so lange dauert als sonst. Und die Trainerin dreht ihre 8-Stunden-Schichtrunde mit Permanentmaske. Die Arme. Ist am Pumpen. Nur anders als wir.

Read this: Maskenball der Egozentrik

Sehr lame ist auf jeden Fall die Corona-App. Ich habe sie wieder deinstalliert. Das Gameplay ist an Langeweile nicht zu überbieten, sie haben keine Missionen, Zusatzlevels oder Multiplayerevents, es gibt nicht einmal einen Highscore (wer die meisten Menschen angesteckt hat oder so), die Grafik kommt so aufregend daher als wäre sie von meiner Krankenkasse oder dem Bezirksamt Pankow designt und es gibt nicht einmal einen Endboss, den ich mit Aerosolen zu Tode keuchhusten oder mit Eigenejakulat schmierinfizieren kann. Der größte Blödsinn ist, dass ich einen Barcode vom RKI brauche, um mich als infiziert melden zu können, so dass ich mir mit dem Ding nicht mal eine eigene Sitzreihe in der S-Bahn freicheaten kann. Schwach. 2 von 5 Sternen.

Ich habe mir lieber Plague Inc. installiert. Sehr kurzweilig und so schön kohlrabenschwarz. Damit können Sie als Virus mit verschiedenen Monstern, Mitteln, Mutationen die Menschheit ausrotten. Es bedarf dabei einer gewissen genmutativen Taktik, was mir nicht ganz so gelang. Bei mir hat Madagaskar als letzter Hort uninfizierter Menschen überlebt, weil ich es versäumt habe, die Infektionen über die Warentransporte der Häfen rechtzeitig zu fördern, bevor die Häfen von unverantwortlichen Regierungen geschlossen wurden. Fuck.

Ja, Spaß, meine Güte, nicht gleich schon wieder empören, hier kommt doch schon der Bitterernst: Ich bin dieser Kriegsberichterstattungsattitüde, die immer noch durch den öffentlichen Raum genudelt und genudelt wird, sehr müde geworden. Der Alarm zieht schon lange nicht mehr. Die Schönhauser Allee Arcaden, unser bräsiges Einkaufszentrum in Prenzlauer Berg, haben an die Eingänge Schilder gestellt, deren peinliches Pathos aus allen Ritzen tropft. Wir halten zusammen. Schreiben sie. Als wären wir wieder im Endkampf um Berlin. Und ich gähne nur. Müde. So müde. Wie das tote Pferd da am Boden liegt und die Verwesung nagt und nagt. Reicht jetzt. Bitte.

Eine gute, schöne und so überfällige Pleite hat der Coronasuperdrive jedoch fabriziert: Die Pomo-, Gender- und Wokenesspostille Bento wird eingestellt. Ich habe da nur ab und zu mal draufgeklickt, wenn jemand wieder einen besonders abseitigen spießigen Identitätstext davon in der Kommentarspalte von Alles Evolution verlinkt hat, und was ich da las war wirklich durchgehend grauenhaft verkopft, hardcore ideologisiert und dabei doch peinlich infantil. Ich weiß, den Toten soll man keine Schadenfreude hinterherwerfen, aber ich mache es trotzdem: Schön, dass Ihr gestorben seid. Get woke, go broke.

Netflixscheißdreck des Monats:

1. Tote Mädchen lügen nicht Staffel 2

Staffel 1 war sogar ganz gut. Ein sehr gutes Beispiel, wie man das doch sehr sensible und eiertanzartig schwer umzusetzende Thema Vergewaltigung spannend und trotzdem unpenetrant unplakativ rüberbringen kann. Die zweite Staffel reißt das alles ein. Moralpredigt an Moralpredigt. Hyperaware. Superkorrekt. Und damit entsetzlich langweilig. Ich habe nach der dritten alle Folgen vorgespult, damit der Müll aus meinem Netflixprofil verschwindet.

2. Haus des Geldes Staffel 4

Das ist ein Beispiel, wie man nach der vulgärfeministisch komplett zerschossenen Staffel 6 von House of Cards eine weitere großartige Serie verhunzen kann. Und womit? Mit diesem inzwischen so üblich wie üblen Lifestyleawarenessscheiß. Abgesehen davon, dass der ganze Plot überflüssig beziehungsthematisch (Wer fickt wen und wer ist deswegen angesäuert und zickt wen an?) dialoglastig geworden ist, treffen wir mitten im Plot völlig aus der Luft gegriffen auf eine Transsexuelle, früher Mann, jetzt Frau, womit sie jeden natürlich überrascht, der sie bisher nur als Mann kannte. Und dann entspinnt sich einer dieser tausendmal gesehenen bleiernen Dialoge, dass das doch total toll ist und jeder so glücklich werden soll wie er oder sie will … bla bla bla …. Sie sehen: Der abgehangene Identitätsmist muss inzwischen überall rein. Mit dem Dampfhammer. Rektal. Bis hoch zum Dünndarm. Angenehm wie Zwangsernährung, wenn man doch eigentlich hungerstreiken wollte.

3. Explained: Coronavirus

Zum Maskenschreddern nervig. Hat vermutlich Karl Lauterbach bei Netflix in Auftrag gegeben. Weil ihm Anne Will, Lanz, Maischberger und Plasberg als Plattform für seine Alarmsirene nicht mehr reichen. Hypochondermimimi plus Coronakitsch mit vom Balkon singenden und klatschenden Vollidioten, als wäre das hier Twitter und nicht Netflix. Und ich kuck mir den Shit auch noch an. Böh. Hallo Teppichmesser. Schön, dass du da bist. Ja. Es wird Zeit. Ich schneide sie mir jetzt auf. Sie haben mich soweit.

Ausflugcontent: Ich war mit dem Kind auf dem Grunewaldturm. Im Grunewald. Wie immer zeigt sich auch hier der sehr miserable Umgang meiner Stadt mit jedem Kulturerbe außerhalb des Regierungsviertels: Es verschlumpft. Keine Erklärung, keine Einordnung, nichts von Belang drumrum und wenn Sie da rauf wollen, müssen Sie zu dem Roland Kaiser-abdudelnden DJ auf seine vernachlässigte Terrasse, der Ihnen aufschließt und hinter Ihnen wieder abschließt und Ihnen die Uhrzeit nennt, zu der er wieder aufschließen kommt. Dafür kann der freundliche Mann nichts, es ist nur alles wieder diese Vernachlässigung, Ignoranz, himmelkrakeelende Schlumpfigkeit, die sich durch die ganze Stadt zieht und die dazu führt, dass dieser Ausflugsort so ist wie er ist: Vernachlässigt.

Essen Sie dort an dieser komischen Mischung aus Restaurant und Imbiss übrigens bitte nicht. Sie werden sich die Laune verhageln. Das knorpelige, irritierend säuerlich schmeckende Nackensteak kommt Sie absurde 5,50, die Bratwurst gibt es zwar schon für 3 Euro, dafür liegt sie so lange schon auf dem Grill, dass sich die Haut wie eine verdorbene Epidermis vom Brätinneren ablöst und allein der zu viele Ketchup versucht, das Desaster zu kaschieren. Wenn Sie so blöd sind wie ich und für 6 Euro einen Backfisch essen, erhalten Sie ein Formfischbrikett, das noch nicht einmal gekonnt frittiert wurde, denn die Panade kommt mit Öl eingenässt daher. Entsetzlich. Allein der Flammkuchen für unfassbare 10 Euro kann die verloren gegangene Gastronomieehre ein wenig abfangen, aber auch das Miniding ist den abgerufenen Preis nicht wert. Das Gesamtbild ist daher nicht nur ein vernachlässigtes, sondern es gesellt sich das tumbe Gefühl von Nepp ein. Im Ergebnis: Es lohnt nicht. Chartern Sie lieber ein Schiff und gurken die Havel runter.

Ohne Kind besucht (weil für das Thema definitiv noch zu klein) habe ich den Berlin Story Bunker am Anhalter Bahnhof, empfohlen vom Tagesspiegel. Furios haben sie die Hitlerausstellung genannt, dort im Tagesspiegel. Nein. Das ist sie nicht. Sie laufen durch zwei Etagen voller Schautafeln mit für eine Ausstellung bemerkenswert wenigen Exponaten: Sechs oder sieben Pickelhauben am Eingang. Sonst: Texte. Und Bilder. Und mehr Texte. Über Texte. Und noch mehr Texte. Dazu tote Bildschirme, auf denen wohl Videos laufen sollten, aber nicht liefen. Den Inhalt der vielen Buchstabenwüsten kennen Sie, wenn Sie sich ein wenig für Geschichte interessieren, spätestens seit der Oberstufe, mehrmals jährlich. Das ist wenig Neues, sehr verkopft und damit doch ermüdend auf den zwei Etagen. Schön gemacht hingegen ist die Nachbildung des lausigen Bunkerarbeitszimmers des Führers und die so noch nie gesehene detaillierte Darstellung seines erbärmlichen Endes. Das war schon okay, aber furios wirklich nicht. Besser ist da die kleine Berlingeschichteausstellung, die dauerhaft dort zu finden ist. Nette kleine Häppchen ohne sinnlosen Tiefgang, ideal für Schulklassen mit der Aufmerksamkeitsspanne eines Schminktutorials auf YouTube.

Genervt hat das über alle Maßen strenge Maskenregime, das im Museum gefahren wird. Ich werde mehrmals doch sehr ernsthaft darauf hingewiesen, dass die Maske vorschriftsgemäß getragen werden muss, was ich mit der inzwischen für diese Situationen sehr liebgewonnenen Sturmhaube nachkomme, wonach erwartungsgemäß schräg geäugt wird und man mir eine Chirurgenmaske anbietet, die ich nicht nehme, weil die scheiße aussieht. Der Maskenzinnober kommt mir umso sinnloser vor, als ich feststelle, dass mit mir nur fünf andere Menschen in ausladendem Abstand durch die Texttafelaufsteller laufen, was die Aktion noch sinnloser macht. Nach dreieinhalb Stunden, die ich dann doch für die Ausstellung gebraucht habe (ich lese mir ja immer alles durch), fehlt mir natürlich der Sauerstoff, was mich zusätzlich unleidlich über das alles und überhaupt Gott, Welt und die ewige Weite werden lässt.

Aber so ist das hier. Haben sie Regeln bekommen, ziehen sie sie durch, diese Deutschen, egal wie unverhältnismäßig. Der Rest der Welt leidet schon seit Jahrhunderten unter deren Marotten. Deswegen machen wir ja auch zwei Mal im Jahr Zeitumstellung, weil wir es immer so gemacht haben, auch wenn es nachweislich niemandem nutzt.

Blöd gelaufen diesen Monat: Ich hänge vollkommen bekifft im Volkspark Prenzlauer Berg ab und die Kindesmutter gibt zu Protokoll, dass das Kind in der Nähe ist und jetzt mit dem Vater im Park Fußball spielen will. Kein Problem. Das kann ich. Diese Selbstbeherrschung, in so einem Zustand Normalität vorzuspielen. Meisterhaft. Es ist Arbeit, glaubhaft normal zu wirken, ohne normal zu sein. Und Talent. Beides. Halb-halb. Egal. Ich kann es sehr gut. Würden Sie mich kennenlernen, würden Sie denken, ich sei normal, dabei habe ich möglicherweise gerade Drogen konsumiert. Irgendwas muss man ja können und ich kann halt das. Ich verdiene mit dem Vortäuschen von Normalität und Kompetenz mein Geld. Heimspiel. Keiner hat was gemerkt.

Servicelink: Jugendamt Pankow.

Und ich habe das Kind, das für mich im Restaurant immer diesen Coronazettel ausfüllt, darum gebeten, als Namen Karl und Beppo Lauterbach einzutragen. „Warum, Papa?“ „Weil Karl Lauterbach will, dass der Zustand mit den Masken und dem Aufschreiben noch möglichst lange geht, weil er seitdem endlich wieder wichtig ist und er allen nur noch auf den Sack geht mir seinem Wichtigtun.“

Nochmal der Servicelink: Jugendamt Pankow. Kommen Sie. Sie wollen es doch auch.

Bloggeronanie: Ich habe, obwohl ich es geschafft habe, den Clickelifuckfolgenbutton auf diesem Blogding hier zu entfernen, zwei neue Follower, Followende, Followex*Innen. Und es sind wieder Frauen. Wieder. Die Mehrzahl derer, die den Mist hier lesen, sind Frauen. Versteh ick nich. Und es führt auch zu nix, denn aus alter Erfahrung heraus sind Frauen, wenn sie hier lesen, eher früher als später über irgendwas pikiert, werfen dann Twitter an und erheben dort Klage. Ich meine mir ist es ja egal, sehr egal sogar, müssen Sie wissen, ich warne nur vor.

Darauf hinzuweisen, dass ich lieber für 10 als für 100 Leute schreibe und dieser kontinuierliche Zuwachs an Beobachtern dieses Mists hier mich, den kaum sinnvoll therapierbaren bipolaren Intro, nervös macht, kann ich mir schenken. Es führt auch zu nichts. Aber hey, dann lassen Sie zumindest Twitter und Telegram stecken. Ich suche tatsächlich kein großes Publikum, dem ich irgendwas verkaufen will, weder Meinung noch Produkte noch irgendwas sonst. Lesen Sie. Lesen Sie nicht. Sie sind mir so egal wie ich mir selbst.

Eines meiner alten Blogs fand sich (bis ich es endlich gelöscht habe) in der Blogroll eines dieser megapotenten Alphareichweitenblogs wieder, was täglich bis zu tausend Klicks draufschaufelte. Die Hölle. Schwöre. Ich kann nicht schreiben, wenn so viele kucken.

Kurzen Schwenk in die Nachbarschaft: Der freundliche Hannoverhasser hat einen Whisky erwähnt, der in einem Grünteefass gereift ist. Kranker Shit. Aber ja. Ich habe den gekauft. Und den letzten Mist erwartet. Nur leider war der geil. Und ist jetzt leer. Schöne Grüße.

Bemerkenswerte Minderheitenmusikhinweise gibt es dort auch. Ja. Doch. Auch das. Sehr geil.

Schöne Grüße auch an meinen Kumpel von der Berliner Polizei. Die wird gerade enteiert. Schlag auf Schlag. Schnipp Schnapp. Würde ich noch als kleiner Punk auf dem Dach unserer besetzten Hütte sitzen, würde ich mich darüber freuen, dass jetzt im Berliner Senat noch größere Bullenhasser sitzen als ich. Haha. Würde ich lachen. Bis ich älter werden und vermuten würde, dass ein Machtvakuum nicht dazu führt, dass sich alle nunmehr selbstbestimmt lieb haben und ihre Konflikte im Dialog lösen, sondern nur zur Übernahme der Macht durch jemand anderen, was wiederum Zustände erzeugt, die – wenn es ganz hart kommt – eine Restauration der Polizeigewalt nach sich ziehen, was einer mit harter Hand herstellen wird. Was mir alles wie immer scheißegal ist. Ich werde mir das alles, die Dekonstruktion, die Polarisierung, das Geblöke, vom Balkon aus anschauen. Kloppt euch mal schön.

(Vielleicht passiert ja auch gar nix, ich weiß es nicht, bin ja kein Prophet.)

Mehr Blicke über den Blogschüsselrand:

Genderama: Junge Frau erkennt entsetzt, wie es Männern beim Online-Dating geht

Binse. Elend. Unwürdig. Ich bin so froh, dass ich die erbärmlichen 20er hinter mir gelassen habe und würde diesen ganzen blutjungen Männern, die sich für gelangweilte Frauen zum Klops machen, gerne zurufen: Haltet ein. Wartet ab. Ab 30 dreht sich die Nummer um und torschlussbepanikte Frauen laufen euch hinterher, wenn ihr nicht gerade ausseht wie ein Wurstbrot. Alles hat seine Zeit. Behaltet, bis es so weit ist, eure Würde. Möchte ich ihnen sagen, aber sie würden vermutlich nicht hören, denn Jugend hört nie und das muss wohl so sein. Sonst kann ich mich nur wiederholen: Wenn Sie grundsätzlich switchen und damit die volle Wahl der Dinge haben, dann daten Sie Männer, wenn Sie es würdevoller haben wollen. Weil es cooler ist. Kostenbewusster. Und wirklich mehr Spaß macht.

ZG Blog: Heulbojen. Nörgeltanten. Superfrauen.

Ja. In weiten Teilen richtig festgestellt. Viele Frauenfiguren in Filmen und Serien sind eindimensional, plump und schlicht schlecht geschrieben und deshalb schlecht gespielt. Aber es gibt auch Gegenbeispiele sehr gelungener zerrissener mehrdimensionaler Frauenrollen, die dadurch ausgesprochen spannend werden und gut funktionieren: Homeland zum Beispiel mit den großartig geschriebenen und von den Schauspielerinnen perfekt ausgefüllten Rollen der Carrie Mathison und ab Staffel 6 Elizabeth Keane. Groß. Genau so.

Humanistischer Pressedienst: „Ich gelobnudele“

Ja. Kirche des fliegenden Spaghettimonsters. Witzig. Doch doch. Fand ich immer schon. Das Problem ist nur, dass sich diese Spaßparteipolitiker dann doch über kurz oder lang nur wieder den blöden Grünen anschließen. So wie das Nico Semsrott im nutzlosen Straßburger Parlament gemacht hat. Das bedeutet: Sie wählen Spaßpartei wegen Klamauk, Fickfinger und Anarchie und bekommen Grün. Im Ergebnis also wieder Verarsche.

Würde ich mich noch für Politik interessieren, würde mich das alles nerven.

Schirrmis Blog: Nur so.

Was interessieren den Schirrmi Zettel? Geht mir auch so. Zettel mit Anweisungen interessieren keine Sau. Sie dienen maximal als Orientierung dafür, welches Gegenteil dieser Anweisungen angezeigt ist zu tun.

DS-pektiven: Von Reichenbach nach Erfweiler

Kein Wort verstanden. Keine Ahnung was der will. Irgendwas mit Schildern und Radfahren und Furten. Und ein Highlight, das die Einmündung der Straße „Am Schemel“ ist.

Okay, ich gebe es zu. Ich habe den Text komplett bekifft gelesen. Und habe fast eine Stunde dafür gebraucht, weil ich immer wieder an so wunderbar lakonischen Sätzen wie „Bezeichnenderweise wurde ich am 20. Mai vom mich problemlos überholen könnenden jungen Fahrer eines tiefergelegten Proll-Mobils südlich der Fischwoogmühle wüst angehupt, als ich in Richtung Erfweiler auf der Fahrbahn unterwegs war.“ hängen geblieben bin. Und dann diese knuffigen kleinen Verkehrszeichen, die er immer wieder liebevoll mitten in den Aufsatz streut. Ein großer Kiffertext, wenn nicht sogar der größte bisher.

(er kann auch anders)

Halbtagsblog: Richtig fluchen im Unterricht

„Du Rückspiegel!“ statt „Du Hurensohn!“ Wundert mich, dass das funktioniert. Ich finde Hurensohn grundsätzlich eine nach wie vor taugliche Beschimpfung. Genau wie „Arschgeburt“ und „Fotzenkopf“. „Opfer“ fand ich immer lame. Fast ausgestorben hingegen, zumindest lange nicht mehr gehört, ist „Spast“ oder „Spongo“.

Danisch: Spülmaschine

Haha. Schnell buffen und dann nochmal lesen. Auch ein großer Kiffertext wieder.

Zeilensturm: Wenn all dies vorbei ist

Lyrik. Schön fabriziert. Ich löse auf: Das wird passieren, wenn die Angst vor Gruppendresche verschwindet. Also nie. So funktionieren nämlich Gruppen. Deshalb mag ich Gruppen nicht. Und gehöre auch keiner an, die mich nicht dafür bezahlt, ihr anzugehören.

Ich habe auch Verse:

Man könnte meinen, es gibt hier keine Not

Und somit ist Zufriedenheit das oberste Gebot

Genießt doch euer Leben, lehnt euch entspannt zurück

Und hört doch endlich auf mit eurer lästigen Kritik

(Dritte Wahl – Der Feind des Guten)

Und gleich noch ein Ding hinterher.

Schon entnervend, wenn mir ein ausgewiesener Altliberaler inzwischen näherstehend vorkommt als diese dauerfeuermedienpräsenten Superwoken, die sich im Kanzlerinfeiern, in sprachpolizeilicher Regelungswut und tourettigem Beschimpfen von jedem, der das nach Corona eng wie nie gefasste Overtonfenster verlässt, gefallen. Polarisierung ist inzwischen ein zu harmloser und damit unpassender Ausdruck für diesen unwirklichen Gesellschaftszustand, den sie, vermutlich sogar unabsichtlich, mit all ihrem bemühten Getröte und Getöse geschaffen haben. Doch, ich glaube, sie meinten es sogar gut, nur zu oft endet es eben nicht gut mit dem Gutmeinen.

{berlin:street}: Meine alte Oranienstraße

Brett.

Zurück in Berlin: Zitat No. 3

Er hat Berlin sauber genannt. Sauber. Berlin. Unerträglich.

Und noch etwas aus dem ernstnehmbaren Teil der alten Holzpresse: Unsere Hauptstadt der Zumutungen. Das ist nun wirklich mal eine schöne Generalabrechnung mit meiner ewigen Versagerschlumpfstadt, zu der mir außer Spott und grenzenlosem Zynismus auch nichts mehr einfällt. Toller Text.

Aber dann schieben sie gleich wieder Mist hinterher: Liebe Weiße, wie profitiert ihr von Rassismus?

Wir stellen also fest: Das letzte halbwegs seriöse bürgerliche Hauptstadtportal steigt jetzt auch auf den Identitätspolitikzug auf. Schön getrennt nach Rassen alles. Schwarz. Weiß. Braun. Schuldig. Nicht schuldig. Oder umgekehrt. Und wenn diese totalitäre Denke von der überwiegenden Mehrheit derer, die sie mit solchen an den Haaren herbeigezogenen Pauschaldiffamierungen vor den Kopf stoßen, als völlig zurecht gestört befunden wird, wird das als Beleg dafür genommen, dass die (gestörte) Identitätspolitik im Recht sein muss. Zirkelschluss.

Was den versammelten Nervensägen auf allen beteiligten Seiten fehlt ist ein ganz normales gesundes Selbstbild.

(Okay, das schreibt ausgerechnet der, der selbst in der Therapeutenmühle festsitzt, weil er einen ausgewiesenen Knall hat, touché, aber ich nerve wenigstens keine anderen Leute mit meiner festsitzenden Gestörtheit und ich mag auch niemanden mit irgendwas missionieren. Denken und meinen Sie was Sie wollen, ist mir total egal.)

Diese krakeelenden Minderheiten in ihrem Wahn wären gar nicht mal schlimm und sogar recht vernachlässigbar, wenn sie nicht aus irgendeinem Grund diese unglaubliche Präsenz in den früher mal seriösen Nachrichtenportalen haben würden, in denen Sie inzwischen nur noch selten objektive Nachrichten finden, sondern quasi nur noch Meinung, Meinung und noch mehr Meinung. Und dazu auch noch immer die gleiche.

Ich sag‘ mal was, was den meisten noch in den Nullerjahren vollkommen klar gewesen wäre: Identitätspolitik ist neoliberaler Spaltpilz. Leute gegeneinander aufzuhetzen hilft nämlich beim geschmeidigeren Regieren. Divide et … Sie kennen das. Deshalb bekommt die Arroganzija auch diesen Raum. Wird aus Bundesmitteln gefördert. Bekommt Ressourcen über Ressourcen für ihre abstrusen Pauschalanklageartikel in den reichweitenstarken Portalen. Oder im Rundfunk. In den Talkrunden (die keiner von Verstand noch schaut, schauen Sie das noch? Ich schon seit den Nullerjahren nicht mehr).

Read this: In Ungnade oder: Zombies und der Twitter-Mob-Slacktivism.

Tadaa.

Essen: Thomas Gerlach kocht Spargel mit Miso und Gochujang. Kranker Shit, aber sehr sehr gut, wenn auch null kindertauglich. Die asiatischen Pasten, die es braucht, bekommen Sie in jedem kleinen Asialädchen, von denen wir in Berlin wirklich viele haben.

Mehr Essen: Wir haben in Prenzlauer Berg einige Kochboxanbieter. Wenn Ihnen Hello Fresh zu viel Abogängelung ist, dann ist das eine gute Alternative. In der Stargarder Straße finden Sie eine kleine Bude namens Zoom Fresh mit dem Fokus auf der asiatischen Küche. Ich lief dort zufällig vorbei, habe was mitgenommen und für gut befunden. Der Verpackungskram besteht größenteils aus Papier (woke!) und die bebilderte Koch- beziehungsweise Zusammenschüttanweisung ist wirklich idiotensicher. Ein Schimpanse würde das verstehen. Sehr gut. Geschmacklich auch. Nicht fade. Gut komponiert. Manko: Portionen sind immer für zwei Personen. Drei oder eine gehen nicht. Die 14 bis 16 Euro für diese beiden (bemerkenswert großen) Portionen sind der Qualität angemessen. Ich werde das öfter machen.

Und hier eine kleine Liste an Wohlstandsmütterläden, in denen Sie mich tatsächlich auch manchmal finden (mit Ausnahme von Wilmersdorf, in dieser Direktorenbürgertumsidylle um den Ludwigkirchplatz bin ich nur noch selten, seit sie den Thaipark geschleift haben):

1. Vom Einfachen das Gute in der Invalidenstraße von Berlin-Mitte (böh),

2. Maître Phillipe et filles in Wilmersdorf (hoho) und

3. Pastificio Tosatti drüben fucking Helmholtzplatz (rabäh).

Und wenn Sie dort Rohmilchbutter, Sardellen und selbergeknetete Pasta gekauft haben, dann können Sie das hier kochen. Pro-Tipp: Nehmen Sie mehr Sardellen als dort angegeben. Quasi doppelt so viele. 24 statt 12. Macht mehr her. Und ist auch ungesünder. Wegen des Salzes. Buon Dingsda.

Restaurantcontent:

Mitho Cha, nepalesisch, Prenzlauer Berg: Ungelungen. Ärgerlich gar. Alles. Das Restaurant hat hier in der Gegend nichts unversucht gelassen, um während des Lockdownhypes Umsatz zu fabrizieren. Zettel über Zettel an allen möglichen Haustüren hier im Kiez. Das ist okay. Ich gehe ja hin und schaue was es taugt. Hier leider nicht viel. Für banales Indisch-Tastealike-Essen rufen sie für wirklich winzige Portionen 12 bis 13 Euro ab, von denen nicht mal Veganer, auf die der Laden offensichtlich primär zielt, satt werden. Keine Chance. Wirklich klein. Und teuer. Und damit enttäuschend. Für zwei Personen mit Vorspeisen habe ich irgendwas um die 70 Euro für in jeder Beziehung Durchnittliches gelatzt. Und da haben wir noch nicht einmal die für die wenigen Gäste zu lange Wartezeit aufs Essen, das zwei Mal falsch an den Tisch gebrachte Brot, die zusammengeklebten und damit reihum platzenden inhaltverteilenden Teigtaschen und die traurigen geschmacklich banalen 0,2 Liter salzigen Lassis für satte 4 Euro für den Verriss angeführt. Ich bin ja auch selber doof. Kollwitzkiez eben. Weiß man eigentlich, wenn man hier wohnt. Dachgeschossyuppiehausen. Birkenstockcity. Ökoschlonzengulch. Eigentlich können Sie hier nicht mehr essen gehen, weil dieser Freiluftoberschichtenpuff nur noch existiert, damit Menschen, die zu viel Geld haben, es sinnlos für Blödsinn versenken können.

Chez Maurice, französisch, Prenzlauer Berg: Mein französisches Wohnzimmer. Manchmal glaube ich, dass ich alleine das Überleben des fantastischen Lokals sichere, so viel Geld wie ich dort in Foie Gras, Coque au vin, Entenbrust und jede Menge Käse und natürlich Alkohol versenke. Und das Beste: Keine Arschgeigen. Keine blöden Pilatesveganermütter. Mein Wohnzimmer. Runtergehen, fressen, irgendwann besoffen ins Bett fallen. Wegen Lokalen wie diesem könnte ich niemals nach Brandenburg ziehen. Weil die sowas da nicht haben.

Jiangnan, chinesisch, Prenzlauer Berg: Das Ding da oben in der Ostseestraße ist so 80er, die haben nicht mal eine Webseite. Dafür kann ich mit Smartphone bezahlen.

Ich chille öfter mal am Ostseeplatz, diesem seltsamen Mittelinselparkgebilde, in dem ich stets der einzige Mensch bin und in das sich kein einziger rasenvollkackender Hund verirrt, und wundere mich über diese wüstenartige, bemerkenswert trostlose Gegend, in der dieses Ding tatsächlich das einzige Restaurant in weitem Umkreis ist, hier in diesem 30er-Jahre-Albertspeerbau, immer leer, immer schon räumlich zu groß, so dass ich mich frage, wie zur Hölle die das seit Jahrzehnten an diesen Ort überleben. Aber das frage ich mich schon lange bei vielen anderen Asiaten.

Das Essen ist hier in Ordnung, aber was Szechuanküche angeht, bin ich seit dem Tian Fu vom Wilmersdorfer Hohenzollernplatz völlig versaut. Seitdem ist alles andere in dem Segment maximal okay. Beim Tian Fu müssen Sie Angst vor den schärfegradannoncierenden Chilischoten haben, beim Jiangnan nicht, denn selbst das als schärfstes deklarierte Gericht ist nur ein wenig scharf. Kitzelzwickscharf. Also kaum. Das halten selbst Sie aus.

El Reda, libanesisch, Moabit: Wenn ich die Wahl habe zwischen dem veganen Imbiss am Helmholtzplatz, den mir die Heilpraktikerinschnepfe von Nachbarin empfohlen hat und dem libanesischen Grillfleischbomber von Moabit, den mir mein Kumpel, der knüppelschwingende Berlinbulle empfohlen hat, dann zuckel ich lieber mit dem Schienenersatzkackbus runter nach Klein-Beirut als zu Fuß zum blöden überdrehteelterngefluteten Helmi zu schlendern.

Doch ehrlich, ich hatte schon besseres Libanesisch, sehr viel besser sogar. Das Fleisch ist qualitativ zwar gut, aber alles zusammen doch streckenweise blöd angekokelt und doch lieblos angerichtet. Geht so. Es ist nicht so schlimm, dass ich das nächste Mal in einen superkorrekten stocksteifen Veganerimbiss gehen würde, aber noch einmal muss das hier nicht sein.

Viet Pho – Dong Xuan Center, vietnamesisch, Lichtenberg: Ja klar, den besten vietnamesischen Kram bekommen Sie im Dong Xuang Center, bei dem ich mir jedes Mal vorkomme wie in Saigon, ohne jemals in Saigon gewesen zu sein. Und gut essen gehen können Sie da auch. Scheiße, können die gut kochen da. Hut ab. Und danke.

Liu Nudelhaus, chinesisch, Mitte: Empfohlen von einem der besten Berliner Restaurantreviewblogs. Groß, toll, stark, weit vorne. Schön scharf, nicht In-die-Fresse-scharf. Angenehme Beratung, angenehmer Ort, gerade wenn wie momentan keine Touristen die Friedrichstraße verstopfen. Sicher war ich dort nicht zum letzten Mal.

Das war der Juni. Mehr war nicht.