Gedankensudelei 05/20

Jetzt kaufe ich schon seit einem Jahr nicht mehr bei Edeka wegen ihres Hassvideos gegen Väter und die sind immer noch nicht pleite. Verdammt.

Schön, dass man nicht immer dauernd von allen Seiten auf die Fresse kriegt, sondern ab und an doch mal jemand auch mal was freundliches über diese Letzten aller Allerletzten (Männer) veröffentlicht. Hier ein Clip zum Vatertag vom nach all den Jahren immer noch so erfrischenden Friedrich Küppersbusch. Und das auch noch auf einem Kanal der ARD. Öffentlich-rechtlich. Wie hat er das durchgekriegt? (via Herrn Hoffmann)

Und hier. Sido hat ein paar dreiste Bild-Reporter vom Hof gejagt. Und ich kann das gar nicht mal übel nehmen. Sie haben ihn provoziert und er ist geflippt. Darf er natürlich nicht. Darf niemand. Der Deal ist, dass man alles hinnehmen muss, jede Zumutung, jede Provo, jede Revierverletzung, jeden Übergriff, klaglos, wehrlos, immer am einstecken. Das ist der Deal. Die Anderen dürfen immer alles. Und wehe es wehrt sich mal jemand. Abseits der Worte. Der nutzlosen Worte. Die nie was bringen. Kein Aggressor hört mit Revierverletzungen auf, nur weil der Revierverletzte darum bittet. Sie sagen immer, Worte wären das Mittel, doch das stimmt nicht, Worte bringen nie was, so dass Ihnen am Ende nur die Wahl zwischen Erdulden und einem Arschtritt bleibt. Ersteres ist gewünscht, zweiteres verpönt. So ist das. Und jetzt steht er da. Das ganze Video seines Ausrasters samt Grundstück veröffentlicht, was bedeutet: Sie gewinnen immer, egal ob Sie erdulden oder arschtreten. Ist so. Moment. Wo ist der Sido-Ordner in meiner Playlist? Ah, hier. Und hallo Bild-Unrat. Das mit dem Dreck und dem Abschaum, was er da sagt, ist so weit hergeholt nun wirklich nicht, ehrlich, ein bisschen Selbstreflexion müsst ihr schon bringen, echt mal.

(Sehr Kluges in ähnlichem Zusammenhang)

Ich muss es hier bringen, es, das Zitat, das alte, zu bekannte, ich muss, muss:

Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein wie es das Gesetz gerade noch zulässt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun. (Max Goldt) 

Ich habe ja irgendwann mal geschrieben, dass die Berliner Justiz Verfahren einstellt als gäbe es Leistungsprämien für möglichst viele eingestellte Verfahren. Jetzt habe ich aktuell gerade im Mai zwei Knaller im Dunstkreis:

Ein Radfahrer. Fällt einen Freund. Laufsportlichen Freund. Von der Straße auf den Bürgersteig von der Seite. Fump. Lag er da. Schienbein auf. Prellung. Schwellung. Glückwunsch. Kann nicht weiterlaufen. Berlin stellt die Körperverletzung ein. Also das eröffnete Verfahren dazu. Mangelndes öffentliches Interesse. Schreiben die da rein. Ganz offen. Gibt sogar einen Paragraphen dafür, der ihnen das erlaubt. Amtseigener Subtext dazu: Ihr offenes Schienbein? Pillepalle. Außerdem ist es ein Radfahrer. Der darf das. Weil hier Berlin ist.

Dann ein Hund. Ein leinenloser Hund. Beißt einen anderen Freund. Einen nicht weniger laufsportenden Freund. In den Unterarm. Bisswunde. Arztversorgung. Hundeparanoia jetzt. Hat bis auf weiteres aufgehört zu laufen. Und? Na? Klar: Berlin stellt die fahrlässige Körperverletzung ein. Wieder mangelndes öffentliches Interesse. Schreiben sie wieder da rein. Ganz offen. Unverbrämt. Und wieder ihr Gummiparagraph, der ihnen das alles erlaubt. Amtseigener Subtext: Wir haben keine Leute, beißende Hunde nebst Hundehalter zu sanktionieren. Kommen Sie selber klar. Hier ist immerhin Berlin.

Sie sehen: Sie können in der Hauptstadt alles machen. Alles unterhalb von Mord. Und kommen damit durch. Weil sich immer eine Staatsanwältin mit Doppelnamen findet, der Ihre Sache so scheißegal ist, dass sie den Gummiparagraphen zückt, um die amtsstubige Aktenhalde abzubauen. Mein Berlin.

Ich selbst zeige nie jemanden an. Niemanden. Mir egal. Zum einen schüttelt es mich aus alter Misstrauenshaltung heraus, die Bullen freiwillig zu mir zu holen, zum anderen bringt es ja nix. Zumindest nicht in Berlin. Ich weiß nicht, warum es hier überhaupt Staatsanwaltschaften unterhalb der Kapitalverbrechen gibt. Eigentlich genügt ein Verfahrenseinstellungsautomat, der vom Bürger direkt bedient wird. Sie drücken den Knopf für Körperverletzung, Betrug oder Nötigung und bekommen sofort die Quittung mit der Verfahrenseinstellung mangels öffentlichem Interesse ausgeworfen. Wäre ökonomischer als die Simulation von Recht, die Berlin betreibt. Es würde Büros, sanitäre Anlagen und natürlich die Besoldung von doppelnamigen Staatsanwältinnen einsparen.

Apropos Justiz. Seit ein paar Wochen läuft nachts ein Besoffener meine Straße entlang, der lautstark im Tonfall von Roland Freisler die Welt anklagt. Da steht er dann unter meinem Fenster und krakeelt als stünden welche vor ihm, die er zum Tode verurteilen will. Nur steht da keiner. Nur er. Der Freislerbesoffski. An seiner Laterne. Stilecht mit Fahrrad.

Eine sinnlose Erkenntnis im Mai: So ein Currygewürzbehältnis geht immer dann leer, wenn ich gerade mitten im Jonglieren mehrerer heißer Töpfe und Pfannen bin und Curry brauche. Keine Ahnung wer diese Verschwörung wieder steuert. Dick Cheney. Meine tote Oma aus dem feuchten Grab. Oder schon wieder dieser Bill Gates.

Dann verstehe ich etwas nicht. Habe ich streng genommen noch nie verstanden. Es sind diese ganzen ernsthaft emsigen Kommentatoren in den Kommentarleisten der feministischen Clickbaitartikel auf zeit.de. Freunde, das ist Clickbait. Billige Provo. Sie sollen sich aufregen und klicken, rechnet sich die prekär beschäftigte Journalismusstümperin aus dem Homeoffice aus. Einmal die Woche ein Artikel mit der Überschrift „Weiße alte Männer sind der letzte Scheiß, können nix, sind nix und überhaupt an allem schuld“ und die nächsten dreizehn Zimt-Matcha-Woccochinos mit Karottenkuchen im Café Anna Blume sind aus den Einnahmen der Onlinewerbungsluden gesichert.

Vielleicht wissen Sie es ja nicht, aber Ihre Kommentare interessieren einen Scheiß. Es geht um die Klicks. Und jede Stinkbombe triggert die üblichen Emsigen in die Hypertonie und sie klicken das Ding und kommentieren es tausendfach. Und jeder Klick macht ein paar Cent. Lernen Sie doch mal dazu und lesen das billige Zeug einfach nicht. Weil es billig ist.

Der unvermeidliche Drogencontent: Es ist gar nicht mehr so einfach geworden, an Zeug zu kommen, wenn Sie nicht in den Görli oder den Mauerpark gehen und sich über den Tisch ziehen lassen wollen. Sie müssen besser jemanden kennen. Vertrauen. Langsames Einführen. Beschnuppern. Viel Misstrauen, mit Recht vermutlich. Aber auch dann nur mit Bestellung und ein paar Tagen warten. Treffen auf neutralem Boden. Eher nicht Mitte und schon gar nicht Kreuzberg. Besser Reinickendorf. Westend. Niederschönhausen. Irgendein trauriger berlintypisch verlauster Park (nein, ich sage Ihnen nicht wo, vergessen Sie’s). Vorbei die Zeiten meiner freundlichen Vertickerin mit der Wohnung am S-Bahnhof Wedding mit ihrer riesigen Schublade voller Dinge, aus der Sie verschiedenes Zeugs mit dem Zeigefinger ausgesucht, bezahlt und danach direkt mitgenommen haben. Irgendwann war sie weg, die Gute, und die Wohnung leer. Schon klar. Das Zeug, das sie ständig vorhielt, hätte in Bayern für ein paar Jährchen im Frauenknast gereicht. Hier in Berlin hat sie vermutlich nur der Vermieter wegen des SEK-Einsatzes nebst eingetretener Tür gekündigt und die Staatsanwältin mit Doppelnamen hat das Verfahren eingestellt. Mein Berlin. Das Laissez-faire-Geschlumpfe an dieser Stelle mag ich dann wieder.

(Ja klar. Dass das bigott ist weiß ich auf jeden Fall selbst.)

Bolzplatzcontent: Wenn Sie mal wieder wie ich während einer Coronakrise mit Kind auf den Bolzplatz gehen und Ihr Kind mit einem anderen Kind spielen möchte, dann achten Sie darauf, dass sich das Kind ein anderes Kind mit Vater als Begleitung, nicht mit Mutter, aussucht. Mütter sind immer zu ängstlich. Vor allem. Wind. Wetter. Virus. Himmel. Kopf. Der Abstand. Aber der Abstand. Und wir müssen auch gleich los bla bla (in Klartext transkribiert: Hülfe. Wir kennen Ihr Kind gar nicht und es ist doch Coronaaa, da fühlen wir uns unwohl und schieben irgendeinen ausgedachten Grund vor). Heißester Tipp für solch eine Situation: Nehmen Sie Väter, fragen Sie Väter, ob die Kinder trotz Viruspanik zusammen Fußball spielen dürfen. Väter haben keine Angst. Vor gar nix. Deswegen leben wir zwar auch nicht so lange wie die Mütter, aber wir haben jede Menge Spaß dabei.

Netflixcontent: Keine Ahnung, ob ich das schon einmal empfohlen habe, aber ich habe die dritte Staffel von Fauda durch. Eine israelische Serie, die den Nahostkonflikt als Thriller inszeniert. Groß. Sehr groß. Genauso groß wie die ersten beiden Staffeln. Schauen Sie es im arabischen und hebräischen Original mit Untertiteln, auch wenn Sie wie ich nur ein paar lausige Brocken verstehen. Es wirkt dann authentischer. Schlicht besser.

Und dann bekomme ich seit einer Weile von Netflix überrepräsentiert Drogencontent angedient. Dokus. Mockumentarys. Ganze Serien über südamerikanische Druglords, die Schnee verkloppen. Wie die nur darauf kommen. Möglicherweise lesen die hier mit. Hier, ganz neu: Have a good trip. Irgendwelche B- bis F-Promis berichten über ihre LSD-Trips. Das ist sogar sehr gut, auch wenn ich hier ausnahmsweise nicht nachfühlen kann. An Hallus und Psilos habe ich mich nie rangetraut. Das hat den Grund, dass ich zu viel toxischen Ballast in den Hinterzimmern und Kellerverließen meines entzündeten Hirns begraben habe und wenn das bei einem Trip an die Oberfläche gespült würde, weiß ich sehr sicher, dass ich in Reinickendorf in der Irrenanstalt landen und nie wieder rauskommen würde. Ich habe das alles da unten fein sortiert, gebündelt, verpackt, versiegelt und verschlossen, das muss da bleiben. Kommt das hoch, bin ich erledigt. Das darf alles nie raus da. Deshalb kein LSD. Keine Pilze. Ich kann das Risiko nicht tragen. Geht nicht.

So, okay, weil es so beliebt ist hier noch einmal ein wenig Bloggeronanie: Ich weiß nicht mehr, ob ich das schon es mal irgendwo schrieb, aber es gibt hier keine Kommentarfunktion, weil ich keine möchte. Ich möchte einfach Kommentare von irgendwem zu irgendwas und vor allem zu dem Sermon hier nicht mehr lesen. Warum? Früher auf dem alten Ding habe ich Stunden über Stunden über noch mehr Stunden damit zugebracht, Kommentare irgendwelcher Menschen, die ich nicht mal kannte, die sich aber für so wichtig hielten, mir ständig unaufgefordert zu sagen was sie von mir halten, erwarten, wollen, was ich besser machen kann oder wo sie mich sehen möchten, zu lesen, freizuschalten oder sogar nachträglich zu löschen, wenn wieder jemand irgendeinen strafrechtlich relevanten Hitlerheilscheiß unter einen Post geschissen hat, vermutlich um einen Anlass für irgendwas zu schaffen. Nervt mich. Kein Bock mehr auf Kommentarspaltenkleinkriege. Kreisgewichse. Forderungengedroppe. Bekackte Spielchen. Will ich nicht mehr. Und das ist keine Attitüde, keine Kokettiererei und keine eitle Publikumsbeschimpfung, sondern wirklich ausnahmsweise Ernst. Ich will das alles nicht mehr den ganzen Tag lesen müssen, ich habe die Zeit dafür gar nicht, deshalb gibt es das hier nicht. Gehen Sie andere Blogger damit erfreuen, die immer noch glauben, dass Internetkommentare einen Mehrwert haben.

(Haben sie nicht, sie bewirken gar nichts, weniger noch als Blogs.)

Und ich will auch keine E-Mails mehr haben. Nie wieder auch nur eine. Von niemandem. Nicht von Werbern. Keine von Mahnern. Spaßbremsen. Hyperkorrekten. Vor dem Monitor wichsenden Incels. Whiskyverkäufern. Weinverkäufern. Scheißdreckverkäufern. Nicht von auf den Schlips getretenen Müttern. Vätern. SPD-Mitgliedern. Linkenwählern. AfD-Horrorclowns. Buchverkäufern. Seelenverkäufern. Spambots. Schreib-doch-mal-wieder-was-Lustiges-Betroffenen. Oder von Ihrer Oma, die sich gerne mal mit mir zum Tanztee treffen will. Deshalb gibt es hier keine E-Mail-Adresse zum Kontaktieren. Weil ich leider keinen Kontakt suche, tut mir leid. Schaffen Sie sich Zwergkaninchen an, wenn Sie mit irgendwem reden wollen oder suchen sich einen Therapeuten, wobei die in Berlin auf Monate ausgebucht sind. Ich weiß das, ich bezahle einen.

Ich habe vor Jahren auf einem der alten (schon längst gelöschten und hier wieder mühsam integrierten) Blogs mal Linklisten mit für mich lesenswerten fremden Blogtexten gemacht und seitdem nie wieder damit angefangen. Und sogar für eine ganze Weile komplett damit aufgehört, irgendwelche Blogs oder überhaupt irgendwas im Internet zu lesen. Ich war einfach satt. Es war kein Platz mehr für auch nur einen einzigen Buchstaben, inklusive meiner eigenen. Ich möchte mit dem freundlichen Verlinken hier im Folgenden zumindest ein bisschen wieder anfangen, weil das dann doch die Art von Respekt für geschriebene Worte ist, die ich gut finde. Und ab und zu mal wieder machen möchte. Einfach aus Respekt. Für die, die auch 2020 immer noch für lau gute Dinger ins Netz stellen.

Es haben allerdings viele der alten Leute, die ich las (und gut fand), aufgehört zu schreiben, sehr viele sogar, und ich habe nicht das Gefühl, dass vergleichbar viel Nennenswertes nachwächst. Die alten reichweitenstarken Alphas haben sich verfacebookt und zertwittert, sind unter die öffentlich-rechtliche Daunendecke gekrochen, die ich bezahlen muss ohne das ganze bräsig gewordene Zeug lesen zu wollen, oder schreiben jetzt wie jeder andere Meinungsjournalist für clickbaitige Portale wie Welt, Spiegel, Zett oder meinetwegen Bento. Und der Rest stirbt seit Jahren Tod um Tod, buchstäblich physisch gestorben, von der Datenschutzverordnung filetiert, von den Hunnen plattgetrollt oder einfach nur so ausgetrocknet. Wer übrig ist, schreibt in der Nische den immergleichen Scheiß für das immergleiche Publikum und weiß wahrscheinlich selbst schon lange nicht mehr, warum er immer noch weitermacht.

(So wie ich. Ich weiß auch nicht was das hier soll.)

Wer jetzt seit genau drei Jahren nicht mehr bloggt, ist Marcus Kluge. Das Westberlinfossil. Ich habe es immer sehr geschätzt, wieder einen Text über die wilden 70er, die kreativen 80er und seine familiären Wurzeln davor zu lesen, auch wenn er sich oft wiederholte. Das ist der einzige Blog, den ich tatsächlich komplett von vorne bis hinten durchgelesen habe, diese Chronik, dieses Vermächtnis. Das war es wohl jetzt. Er wird mir fehlen.

So wie ich das sehe, hat Herr Kluge nicht einen einzigen Cent kapitalistischen Mehrwert in seinem Leben geschaffen, nicht ein Stück zur monetären Sahnetorte der Stadt beigetragen. Er hat gemacht wonach ihm war und trieb ein Leben lang durch Westberlins Subkultur und das, wenn ich das Gesamtwerk seines Lebens richtig deute, ohne nennenswert viel davon zu bereuen. Man kann seinen Facebooklink (würg) auch anklicken ohne dort einen Account zu haben und er postet wohl nur noch dort, doch das sehr wahl- und lieblos. Ich hoffe, es geht ihm gut.

Was noch? Hier, Christian lässt sich unter anderem über Hotelbuffets aus beziehungsweise deren aktuellem Fehlen. Und er hat Recht. Ich finde Hotelbuffets übel, weil ich nach einer Woche Hotelbuffet stets fett werde. 2, 3 Kilo. Locker. Geht so nicht. Hatter Recht.

Und hier ist der Danisch und die Berufsparasite.

Wait? What? Penis? (kommen Sie schon, klicken Sie, los, Sie müssen den Link klicken, wegen … hihi … Penis.

Dann gab es im Mai einen Geburtstag. Zehn Jahre Alles Evolution. Das ist in meiner (zugebebenermaßen sehr klein gewordenen) Filterblase der Blog mit dem sachlichsten, sanftmütigsten und wohl tolerantesten Betreiber, der mir je untergekommen ist. Wobei ich es selber nicht so sehr mit Sachlichkeit habe, aber ich bewundere wie immer jeden, der Dinge kann, die ich nicht kann. Hier wäre das: Sachlich sein. Glückwunsch, Christian.

Und dann gibt es da noch den Wortwurm. Aus dem Alkoholikerland DDR sowie den Stef, früher mal Wedding, jetzt Ostsee, der sich hier über Fahrradfahrer aufregt. Versteh ick gar nich. Für mich gibt es keine sanftmütigeren Gestalten als Fahrradfahrer. Vor allem die aus Prenzlauer Berg. Wenn sie gerade auf dem Bürgersteig mein Kind über den Haufen brettern.

(nein, im Ernst, ich hasse die, alle)

Und den Lieblingscholeriker gibt es auch noch. Hier zeigt er auf, wie man missliebigen Content aus Google verschwinden lassen kann. Klingt einfach (und würde ich trotzdem nicht hinkriegen). Mir haben sie damals aus dem alten Blog viel geklaut. Ganze Texte, Bilder, Copy, Paste und das dann mit blinkender Clickelifuckwerbung unterlegt. Wer da zuerst in der Googlesuche gelistet war, ich oder Contentklauer, habe ich nicht geprüft und war mir auch egal. So wie mir Reichweite egal war, hatte ich mal, zu viel davon, hoch vierstellig jeden Tag, war nervig. Es hemmt mir das Schreiben.

Ich werfe auch seit vielen Jahren Bloggern Geld nach, die ich mag. Das war früher kompliziert, da musste ich der doch notwendigen Anonymität wegen Bargeld per Post verschicken (doof), das geht jetzt mit Steady und Patreon besser. Ich mache das normalerweise ohne irgendeinen Wind davon zu machen, möchte jetzt aber doch kurz Werbung für einen Endlich-Mal-Nicht-Hochglanz-Reiseblogger machen, der auch mal an Orte geht, an denen es nicht immer schön ist: Der reisende Reporter. Er war schon in Transnistrien. Ich auch. Grüße.

Kennen Sie die re:publica? Nein? Egal. Das ist so eine Zusammenkunft wie eines dieser aufgeblasenen sinnlosen Unsympathieträgersymposien, auf die mich der Borgwürfel ab und zu mal schickt, damit wenigstens einer seine Fresse für unseren Puff bei diesen Heißluftbläserveranstaltungen in die Öffentlichkeit hält. Weil immer einer da sein muss von uns. Grinsen muss. Sich ein Schild ans Revers klebt. Sich über zwei Tage dröge Vorträge anhört. Powerpoint. Blöde Werbeclips. Und danach am Buffet mit O-Saft in der Hand Scheiße mit anderen Hackfressen aus anderen Borgwürfeln labert. Netzwerkt. Blaht. Bläht. Heißluftschaufelt. (Protipp: O-Saft. Niemals Alkohol bei geschäftlichen Versammlungen, ist durch, machen nur noch die alten Abgelegten, machen Sie das nicht). So etwas ist die re:publica. Nur irrelevanter. Und noch heißluftiger als das was wir so turbokapitalistisch treiben und dabei doch nur Spesen verballern. Dafür teurer für mich, denn sie wird bezahlt vom Medienboard Berlin-Brandenburg und der Bundeszentrale für politische Bildung. Also von Ihnen. Und mir. Und Nachbars Lumpi.

Diese re:publica ist heuer ausgefallen. Keine heiße Luft also dieses Jahr der seit Jahren immer nischenartiger und damit so bedeutend wie ein Klippschliefer daherkommenden altwerdenden Nullerjahrepremiumbloggerblase, die es geschafft hat, bis heute immer noch aus Steuern durchfinanziert zu werden. Weil das megaunwichtige Event, das von irgendwem sonst jedes Jahr in der Tagesschau platziert wird, heuer nur online stattfand (also quasi ausgefallen ist), sangen sie jetzt im Supercoronastyle über YouTube und schickten das Gejaule über ihre Kanäle viral. Auf dass keiner die Fördermittel für nächstes Jahr vergisst auszuschütten. Na, Bock auf Katzenmusik abgewirtschafteter Nichtmehrinfluencer? Hier. Sie jammen mit dem Clip alle Obstfliegen von Ihren Küchenwänden. Versprochen.

Zum Ende des Blicks über die Tellerränder eine Sammlung deutscher Bushaltestellen. Doch, ja. Ich mag das. (via El Flojo)

Okay, einen noch, dann ist’s gut: „Alta, ick schäm ma so dass Leute denken, dass ick irre bin, so dass ick davon schon wieder irre werde.“

Dann war ich mit dem Kind an Vatertag in Brandenburg, genauer: Im Ziegeleipark irgendwo – keine Ahnung – hinter Liebenwalde (was auch keine Sau kennt). Chillig. So eine deutschlandweite Massenparanoia hat auch Vorteile: Kaum Leute da. Saßen wahrscheinlich alle bei bestem Wetter in der Bude vor Angst. Nett, der Ziegeleipark. Nett leer. Gegessen habe ich im Gasthaus Alter Hafen und dort habe ich in meiner Stunde, die ich auf mein (in der Tat ganz hervorragend spargeliges) Essen gewartet habe, gesehen, womit sich die Servicekräfte in Paranoiazeiten so alles beschäftigen müssen: Klomanagement, ständiges Desinfizieren, Platzieren der Leute, Abstandhaltemoralpredigt und wertvolle Hinweise auf das stupide Ausfüllen des Coronaformulars. Das Ganze unter Permanentmaske. Nein, Gastronomie dürfte momentan keinen Spaß machen. Keinen. Wer tut sich das bloß an?

Ich habe das Kind das Coronaformular ausfüllen lassen. Keine Ahnung was es da eingetragen hat. Pokemonnamen. Die Thundermans. Oder die Protagonisten der Spielzeugfabrik. Was weiß ich. „Sie können doch das Kind nicht das Formular ausfüllen lassen.“ Eine Mutter. Aus dem Nichts. Von der Seite. „Warum nicht?“ „Können Sie doch nicht machen.“ „Warum nicht?“ „Geht doch nicht.“ Doch, ging. Keine Ahnung was sie meinte.

Und dann war da im Biergarten des Lokals noch der Opa mit Cowboyhut und verziertem Westernhemd, der zwei alte rhabarberkuchenfressende Schachteln angegraben hat. Die ihn haben abfahren lassen. Brandenburg. So ist Brandenburg. Cowboyopa. Notgeil. Das war’s. Ick hab‘ jetzt endgültig alles gesehen. Da kommt nix mehr.

Mitgenommen haben wir noch das benachbarte Wildpferdegehege. Das kann man machen, obwohl ich alle möglichen Tiere gesehen habe, nur keine Pferde, was okay geht, weil ich Pferde sowieso nicht leiden kann. Pferde. Bonzentiere. Spielen für mich in einer Liga mit Golf. Kann man wegen mir alle zu Wurst fabrizieren. Das schmeckt dann wenigstens.

Essen gab es da beim Wildpferdegehege auch. Ich finde ja, dass Gastronomen auch bei Currywurst mit Pommes immer auch ihre Würde als Gastgeber wahren sollten. Allein gelang das hier nicht. Sie nehmen hier eine vorgebratene Bratwurst, machen sie kurz warm, schneiden sie in absurde Fetzen und kippen dann wahllos Unmengen an Ketchup drüber. Naja. Zu sagen es wäre übel wäre ein Euphemismus. Immerhin waren die Pommes okay. Das können sie hier.

Dafür haben die 90er angerufen. Sie wollen ihre Polenmarktklamotten von der Eisverkäuferin zurück haben. Sie trug Leopardenleggins gekoppelt mit weißen Tennissocken, rosa Crocks und einem Camouflageoberteil. Flashback Brandenburg. Ganz stark. Auch wenn mir die drei verschiedenen Haarfarben in einer Frisur zum Gesamtbild gefehlt haben.

Brandenburg. 2020. Immer noch kein Internet. Weder WiFi noch mobil.

Musik: Eine Band namens None hat einen Song namens Tumultu veröffentlicht. Mag ich sehr. Allein schon die Namen. Von Band und Song. That’s the way. I like this.

Außerdem hat Turbostaat ein neues Album am Start, das bei mir seit Wochen hoch, runter und wieder hoch läuft. Ein Meisterwerk in der Tat. Wenn Sie Randgruppenmusik mögen.

Noch mehr Musik, jetzt mit Kiffercontent. Ich habe es geschafft, diesen Track beim Buffen über zweieinhalb Stunden immer wieder in Schleife zu hören. Ich bin der Chill Chill-o-mat.

Am Ende zum Ende das Essen: Ich fresse dem Chris ja seit vielen Jahren alles nach. Wirklich alles. Egal was. Wenn der was empfiehlt, dann esse ich das. Weil der Ahnung hat. Und weil sein Zeug in den zehn Jahren, die ich dem Kerl nun schon hinterher fresse, noch nie schlecht war. Jetzt die Melsunger Rübenwurst. Aus Nordhessen geliefert. Aber Ey! Wie hat der es geschafft, dass das Ding bei ihm in der Pfanne ganz blieb? Scharf anbraten haben sie geschrieben und ich habe scharf angebraten. Das Ergebnis war ein – fump! – Platzen und vollständiges Auflösen der Geschichte, was Hackkrümel und blöde kleine Hautfetzen in der Pfanne hinterließ. Aber gut war sie, sehr gut auf jeden Fall. Ich habe noch ein paar Versuchsdinger im Tiefkühler. Nächstes Mal schmeiße ich die gleich in den Backofen und Ruhe ist da.

Endlich wieder so richtig essen, also mit hinsetzen, bedienen lassen und so, war ich hier:

Da Jia Le, chinesisch, Prenzlauer Berg: Meine Güte ist das leer in den Restaurants dieser Tage. Das wird ein Massensterben werden die nächsten Monate. Schade wäre es um dieses hier. Scharfes Zeug, sehr gutes Zeug. Ein prima Lokal, das für diese Tage zu groß ist, um überleben zu können. Wo soll denn auch die Miete für die Fläche herkommen…

Gloria Empanadas, argentinisch, Prenzlauer Berg: Komme ich nicht drauf klar. Vielleicht liegt es daran, dass ich mir an den knallheißen Dingern die Fresse verbrannt habe, aber ich habe nicht wirklich viel geschmeckt und wenn, dann war es recht banal. Irgendne brackige Fleischpampe drin oder lasches Gemüsepüree. Das Ganze eingebacken in bröseligen trockenen Teig. Überbewertet. Verhipstert. Schwach. Und so ganz komisch aus der Zeit gefallen. Danziger Straße der Nullerjahre. Zieht nicht mehr. Ist Nullerjahre.

Paris Moskau, gehoben, Mitte: Ja. Dicke gehypet. Unter anderem mal wieder vom lieben Chris. Komme trotzdem nicht darauf klar. Der Grund ist nicht das Essen (das ist sehr gut), es ist das Publikum. Die Leute wieder. Gourmet zieht natürlich die Schnösel an, das kenne ich, bin ja auch oft nicht anders, aber hier kippt es gerne und das nicht nur an einem Nachbarstisch. Borniert. Laut. Dekadent sowieso. Von ausgesuchter Arroganz. Dicke reiche Schmerbäuche, gerne von meinen Steuern nebenan im Innenministerium gepampert, die sie hier auf den Kopf hauen. Schlimm. Auch der Typ vom Dienst, Chef, Eigner, Besitzer, oder nicht, keine Ahnung, der sich ungefragt an meinen Tisch setzt und dort jammert. Der ist auch schlimm. Wie er jammert. Trotz des bis auf den letzten Stuhl ausreservierten Lokals. Trotz der Preise, die sie hier abrufen. Nee. Bitte so nicht. Ich kann aufdringliches Jammern nicht leiden. Und mag den Laden irgendwie nicht. Tut mir auch nicht leid. Geht da mal alleine essen, ihr Ministerialdirigenten. Für euch gibt es den Ort.

Dean & David, Bowls und Scheiß, Prenzlauer Berg: Boar, wenn sie mich schon wieder so wanzig duzen, bevor ich überhaupt bestellt habe, haben sie bei mir schon verloren. Kann ich nicht leiden. Und dann servieren sie lasch gewürzten Mist mit wahllos kalten und warmen Versatzstücken. Warme Avocado. Kalter Reis. Warme Tomate. Kaltes Salatblatt. Oder umgekehrt. Und schmeckt als Kombination zu gesund, nämlich nach nichts. Nie wieder werde ich dort essen. Ich hasse solche Orte. Conveniencehölle.

Fes, türkisch, Kreuzberg: Versöhnliches zum Schluss. Türkisches Barbeque. Ihren Mist grillen Sie direkt in dem in den Tisch eingelassenen Grill. Tolle Qualität, tolle Leute, prima Ort.

Das war der Mai. Mehr war nicht.