Empowert mich doch am Arsch

Ich sitze lockdownbedingt zuhause und habe zu viel Zeit. Die fülle ich, wenn ich mal nicht dichtgedröhnt bin, mit Netflix und Playstation. Red Dead Redemption. Witcher. Horizon Zero Down. Und Filmen über Filmen. Serien über Serien.

Ist Ihnen aufgefallen, dass sich so eine seltsame Empowermentwelle derzeit durch die meisten Angebote zieht? So eine wanzige „Ich bin okay, du bist okay“-Scheiße, immer wieder eingestreut in jeden möglichen Plot, entweder subtil oder allzu oft mit dem Holzhammer. In Videospielen und Serien. Immer wieder. Immer mehr. Immer offensiver auch. Also wollten sie sagen: Hallo Konsument. Schön, dass du schaust. Aber du sollst nicht nur konsumieren, du sollst auch was lernen.

Bin ich der Einzige, der das lame findet?

Okay, schauen wir mal, was unbedingt, kategorisch und unverhandelbar in so einen aktuellen Plot für einen Film oder ein Videospiel eingebaut werden muss:

Ganz klar: Sie brauchen mindestens eine starke Frau. Besser mehrere. Dabei ist es auch völlig egal, ob die Hauptfigur Ihres Werkes eigentlich ein Mann ist, letztendlich muss die Botschaft Ihres Werks deutlich klar werden: Die ganze Sache dreht sich um die Frau. Sie ist der wahre Held, was aber natürlich niemand in der Geschichte anerkennt, aber für jeden Zuschauer augenfällig auf dem Tisch liegt. Und damit die Konstellation auch vom letzten Schlumpf vor seinem Monitor sofort verstanden wird, lassen Sie Ihre männliche Hauptfigur möglichst tapsig, tumb, ungelenk und gerne auch ein klein wenig beschränkt spielen, lassen Sie ihn falsche Entscheidungen treffen, die aufwändig korrigiert werden müssen und natürlich muss er immer mal wieder aus brenzlichen Situationen gerettet werden, was er wortreich einräumen oder wofür er sich besser gleich wortreich entschuldigen muss. Bei der Frau. Die gerade zierlich wie sie ist mehrere lederbejackte Gruppen aus Clanmitgliedern, Drogenbossen und stiernackigen Schlägern alleine auseinander genommen hat. Zerlegt. Abgeschossen. Vermöbelt. Durch die Luft gewirbelt und ihn damit gerettet hat.

Lame.

Oder ziehen Sie für Ihr Drehbuch ganz klassisch die alte, seit 20 Jahren pausenlos durchs Internet genudelte Opfernummer aus dem Hut: Tapfere, megatalentierte und herzensgute Frau kämpft gegen alte, hässliche und unfähige Männerbünde, die nur im Sinn haben, die Einnahme ihres rechtmäßigen Platzes an der Spitze zu verhindern. Tausendmal verwendet. Und ich kann das verstehen. Es ist nämlich megarealistisch. Ich mache auch den ganzen Tag nichts anderes als mich mit anderen Männern darüber auszutauschen, wie ich das Emporkommen von Frauen möglichst nachhaltig und mit möglichst fiesen männlichen Mitteln flankiert verhindern kann. Weil, keine Ahnung, das Frauen sind. Ist doch klar. Wir sind so. Wir sind alle so. Ich habe nur ein Ziel im Leben, dem ich alles, aber nun wirklich alles unterordne: Ich muss es Frauen unbedingt besonders schwer machen. Immer. Wo ich kann. Das ist mein einziger Zweck. Und der von allen anderen auch. Wir sind so. Alle. Glauben Sie das.

Zum Glück klappt das mit dem Frauenverhindern am Ende dann doch nie, denn die Bösen (ich und die anderen Peniswarzen, Sie wissen schon) verlieren die Auseinandersetzung zuletzt, kommen damit nicht durch und haben eigentlich auch von Anfang an keine Chance gehabt, so dass sie diesen ganzen anachronistischen und auf jeden Fall überzeichneten Männerbündequark auch gleich hätten lassen können. Diese Idioten. Was sind die doof. Von gestern. Wissen nicht, wer wirklich die Power hat. Und sich am Ende durchsetzt. Was machen da diese Männer immer. Das Letzte. Ehrlich. Wir werden sie mit filmischen Mitteln dekonstruieren. Die alten Macker. Diese Rollenbilder aus der Gruft. Und für die, die das immer noch nicht erkennen, schreiben wir’s auch nochmal hin. Überall. Und sagen es dazu. Zwei Mal. Drei. Damit es wirkt.

Was?

Sie finden so einen Plot Supertoughe Frau / Alter dicker Männerbund stumpf? Eindimensional? Zum Abschalten blöd? Ja bitte gehen Sie holzknüppeltragend und fellbewehrt zurück in die Höhle, in die Sie gehören. Da können Sie sich ein Wildschwein braten. Auf Weißmehltoast.

Was?

Aber nein, Sie haben Recht. Es ist lame.

Doch das reicht noch nicht für eine gelungene Serie nach neuen postmodernen und immer superwoken Maßstäben. Leben Sie die Wiederholung. Nur dann prägt es sich ein. Lassen Sie die weibliche supertoughe Hauptperson, die Sie hoffentlich haben, möglichst oft und in allen möglichen passenden und unpassenden Szenen empowernde Dinge für Frauen sagen. Wir Frauen regeln das selber. Wir Frauen können das selber. Besser. Gründlicher. Menschenfreundlicher. Oder als Parole: The future is female. Yay. Oder einfach nur ein „Pfffff… Männer. Das Letzte.“ Zwinker Zwinker. Smiley. Alles egal, Hauptsache die Botschaft stimmt, machen Sie es sich einfach, copy, paste, nehmen Sie irgendeine der vielen Parolen aus dem Twittereulenhandbuch des ins Abseits gewirtschafteten Netzfeminismus, der jetzt nach Ablösung des Begehrs durch Klima und Corona reihenweise bei Patreon um Finanzierung des nach all den Jahren nicht mehr tragfähigen Lebensstils zwischen Missy Magazin, spätem Soziologiestudium kurz vor der 40 und dem Gastautorengekrebse in der Trollnische von Zeit Online bettelt.

Und ja, auch bei Videospielen muss die Botschaft platziert werden.

Ich habe während des Lockdowns die letzten Wochen noch einmal Red Dead Redemption 2 durchgespielt. Denn es ist ein schönes Spiel. Trifft bei mir voll ins Schwarze. Männliche Hauptfigur. Die alles hat, was die meisten Männer als Role Model anziehend finden dürften. Ein Einzelgänger. Bärtig. Schweigsam. Ein wenig gebrochen. Vernarbt. Harte Schale, Butterweichkern. Der die Lasten ruhig, abgeklärt und souverän trägt. Und Probleme löst. Ein Problem nach dem anderen. Das taugt. Funktioniert. Als Figur. Natürlich tut sie das. Immer noch. Da könnt ihr euch in den absoluten Wahnsinn, ins endgültige Abseits oder von mir aus ins finale Hirnkoma gendern, kackegal, das trägt. Wird auch immer tragen. Ich mag das. Alle, die ich kenne, mögen das. Frauen auch. Gerade die Frauen. Denn so ein schweigsamer Held ist zeitlos, wenn auch in Kunst und Kultur verachtet wie nichts sonst (abgesehen vielleicht von Förderbudgetkürzungen).

Doch weil es nicht sein kann, dass so eine urmännliche Klischeefigur wie in Red Dead Redemption 2 völlig vom Zeitgeist uneingeordnet durch die Videospielwelt geistert und die primitiven Penisgorillas an den Konsolen möglicherweise auf komische Gedanken bringt, muss das flankiert werden. Aus Erziehungsgründen. Also bekommen Sie deshalb für Ihre Figur in dem Spiel immer wieder eine Frau an die Seite. Die natürlich megatough ist. Die Ihnen sogar, ohne dass Sie das beeinflussen oder gar verhindern können, den Arsch rettet, in einer Situation, in die Sie reinmüssen, weil sonst die Geschichte nicht weitergeht. Hahaha. Got the message? Fool? Klar, oder? Hier, für die ganz Blöden: Sie können noch so schweigsam vernarbt bärtig cool cowboyhaft sein, Sie Konsolenneandertaler, ohne eine Frau, die wie immer die Hauptlast Ihres Daseins trägt, sind Sie gar nix. Wären vollkommen am Arsch. Ja. Nochmal: Am Arsch. Merken Sie sich das.

Der Gipfel in diesem ansonsten wirklich sehr gelungenen Spiel ist ein minutenlanger feministischer Monolog zum Thema Frauenrechte, den Sie nicht skippen können und den Sie sich deshalb vollständig anhören müssen. Dieser Monolog befindet sich im Rahmen einer plotmäßig völlig unpassenden, weil aus dem Nichts in die Storyline geschissenen Demonstration für das Frauenwahlrecht in einem kleinen Westerndorf. Der zähe, sich wie eine bleiwüstige Zeit Online-Genderkolumne ziehende Sermon bläht sich über quälende Minuten, in denen eine empörte Sprecherin der Welt, aber vor allem Ihnen erzählt, dass sie alles kann was ein Mann kann, ihren eigenen Weg gehen will und sich nicht reduzieren lässt auf Kinder und Küche bla bla bla, Sie kennen das alles und ich bin auch hier sehr dankbar für die Erinnerung. Das war notwendig. Denke ja auch ich den ganzen Tag an nichts anderes als an die Methoden, mit denen ich möglichst viele Frauen in meiner Küche knechten kann. Da muss mir schon klar gesagt werden, dass das nicht geht. Immer wieder. Dass ich das lassen soll. Sonst würde ich es bestimmt tun. Danke. Es ist wichtig, dass ich das weiß, vor allem beim Zocken.

Sie finden das stumpf? Stimmt. Ist es.

Und lame.

Ihre Aufgabe in dieser sehr entnervenden Mission besteht darin, dass Ihr bisher so cooler, schweigsamer und auf jeden Fall ernstzunehmender Held einen pferdebetriebenen frauenparolenbestückten Lauti (Autonomensprech für den Lautsprecherwagen bei Demonstrationen) möglichst langsam und möglichst unbeschadet durch das Dorf an seinen Platz steuert, um sich danach ein stumpfsinniges weil erbärmlich ungleiches Wortgefecht zwischen Neandertalmännern und den megaprogressiven, supervernünftigen Frauen anzuhören. Aus mehr besteht die Episode nicht. Und keiner weiß was das jetzt sollte. Aber plump ist eben Trumpf. Ihr superschweigsamer Klischeecowboy, den Sie so liebgewonnen haben, wird also, ohne dass Sie das irgendwie beeinflussen können, vorderster Vorkämpfer für die Frauenrechte. Weil der Held natürlich, gebrochen hin oder her, politisch auf der vollkommen richtigen Seite stehen muss. Da gehen Sie doch wohl bitte mit. Halten das aus. Hören sich das an. Hallo? Sie spielen den Charakter immerhin. Und spielen Sie diese Mission nicht durch, geht die Geschichte nicht weiter. Haha.

Hahaha.

Ha.

Krieg‘ mich kaum noch ein.

Boar.

Nein.

Lame.

Ehrlich lame.

Quälend.

So quälend gewollt.

Mit dem Stock in den Hals gedrückt wie bei einer Foie Gras-Gans. Friss. Friss. Friss endlich Frauenrechte. Egal wo. Friss sie überall.

Ich kann mir vorstellen wie das gelaufen ist: Es ist zwei Tage vor der Deadline. Das Produktionsteam sitzt bei der Endabnahme. Lässt den Daddelbeauftragten in seinen löchrigen Chucks einmal das Spiel vorführen. Am Ende sagt der Produktionsleiter mit sorgenvoller Miene: „Das ist gut. Sehr gut. Wirklich sehr gut. Wir haben nur nichts mit Frauenrechten drin. Ist aktuell gerade. Wir hatten letztes Jahr schon einen Shitstorm wegen FIFA 47, weil wir keine weiblichen Schiedsrichter für den Männerfußball eingebaut haben. Macht mal bitte was dazu. Irgendwas kurzes. Egal was. Damit wir was haben. Muss noch rein. Programmiert das rein. Zwei Tage habt ihr noch.“

Huh? Lame? Auf jeden Fall.

Aber da müssen Sie jetzt durch. Wie ich. Ich muss da auch durch. Es braucht solche Statements. In jedem Film. In jeder Serie. Und in jedem Videospiel, das Sie zocken. Und ich höre bis hierher die Proseccokorken in den Homeoffices des Hauptstadtjournalismus knallen. Sie sind durch. Sie haben es geschafft. Ihr Weltbild platziert. Festgemauert in der Erde. Unumgehbar gemacht. Unverzichtbar geschmiedet. Nach all den Jahren sind sie am Ziel. Ihr Anliegen muss jetzt überall rein. Und jeder macht mit. Selbst Mad Max.

Ich spiele auch gerade nebenher Gran Turismo Sport, ein doch recht klassisches Rennspiel, Motoren, Asphalt, fiese Schikanen, harter Wettbewerb, und ich frage mich, wann endlich der erste holzhammerbewehrte Gendercontent kommt. Eine Frauencuprennserie. Ein rennfreier Feiertag zur Verherrlichung von Frauen, wie meine Premiumstadt Berlin einen hat. Oder eine Frau als KI-Gegner im Zweierrennen, die ich nie besiegen kann, weil sie immer ein paar Sekunden schneller und vor allem besser fährt als ich. Oder dass sie mir einfach nach jedem Rennen 21% meiner erreichten Credits abziehen. Wegen Dingsda. Gap und so. Muss doch. Müssen die doch. Wo bleibt das denn? Irgendwas muss doch. Ich spiel mal weiter. Kommt bestimmt noch.

Kurz mal ’ne Frage, dann bin ich auch durch: Muss das jetzt immer so sein? So schlecht? So plakativ? So plump? Wo sind die gebrochenen Frauenfiguren? Die interessanten Charaktere? Wo sind überhaupt die Grautöne? Jessica Jones habe ich gesehen. Sehr gut. Eine wirklich sehr gute Figur. Gebrochen. Zwiespältig. Nicht immer gut. Nicht immer böse. Schön mehrdimensional. Und dadurch megainteressant. Na bitte. Endlich mal. Sie können es doch.

Selten wohl.

Reicht nicht als Empowerment? Wollen Sie noch einen? Eine Extrarunde drehen? Okay, dann nehme ich Sie mit auf meine Warte und es tut mir ausdrücklich leid, wenn ich Sie an dieser Stelle wie eine dahergelaufene Amazonserie mit meiner Sexualität penetrieren muss, aber die eigene Schublade müssen Sie inzwischen, wenn Sie vom Common Sense abweichen, dazusagen, sonst landen Sie mit Ihrer Kritik in einer Ecke, in der Sie nicht sein wollen: Bei den Reichsbürgern. Irgendwelchen Nazipreppern. Urinaufbereitern. Repiloiden. Werteunionfliegenträgern. Oder ganz übel gerade: Auf einer Ebene mit den von der Linie abweichenden Virulogen. Huhu. Bloß nicht.

Hier, bitte sehr: Ich ficke Rüden. Als Rüde. Nein, keine Tiere, zumindest keine herkömmlichen. Ich meine Männer. Ich gehe mit Männern ins Bett. Lieber als mit Frauen. Ich bin ein Hinterlader. Schokoschieber. Blasehase. Nennen Sie mich wie Sie wollen, mir egal. Vorzugsweise ficke ich süße androgyne Araber (weil die die schönsten Schwänze haben), ungerne habe ich dicke haarige Deutsche am Rockzipfel, die mag ich nicht (auch wenn die mich immer mögen). Mehr Details? In welchem Darkroom ich gerne bin? Und was ich da mache? Nein? Wie schade.

Nachdem das geklärt ist, gebe ich zu Protokoll, dass mich Schwulencontent in Filmen und Serien nervt. Und Lesbencontent. Homocontent allgemein. Ich meine hey, schwöre, ich bin die Megazielgruppe von der ganzen bleiernen Empowermentscheiße, für welche wie mich machen sie das, damit ich mich besser fühle, damit mir endlich klar wird, dass ich nicht unnormal bin, doch, für mich machen sie das, aber auch für andere, die nicht so sind wie ich, damit die lernen, mich nicht als unnormal zu labeln, ja, huhu, sehr bemüht sind sie in ihren Botschaften, die Drehbuchnannys, Genderlektoren, Filmaktivisten, Woke-o-maten, ich sehe das und ich weiß ja, was sie damit bezwecken, das ist mir vollkommen klar, sie wollen uns sichtbar machen, als die Normalität verkaufen, als die wir uns längst selbst sehen, und übertreiben mal wieder maßlos und nerven jetzt alle damit. Mich als ersten. Weil es wieder so billig ist. So wohlfeil. So grauenhaft plakativ. Stumpf. Doof. Ganz grässlich schlecht. Und mir über alle Maßen peinlich.

Ja, da kucken Sie jetzt.

Ja.

Ich meine das ganz ehrlich.

Es nervt.

Sie können inzwischen Wetten abschließen, in welcher Episode einer ansonsten gelungenen Serie die erste wegweisende und auf jeden Fall engelsgleich gute homosexuelle Person auftritt, die dabei so bräsig eindimensional daherkommt, dass es mich schüttelt. Ist immer mit drin. Muss immer rein. Weil es nicht mehr ohne das geht. Weil es reingedrückt wird. Drin sein muss. Sie nicht mehr ohne so einen Baustein zurechtkommen.

Was sie all die zahllosen Jahre mit den Frauen gemacht haben, machen sie jetzt mit uns. Stellen uns auf ein Podest. Die neuen Heiligen. Edel und gut. Vorbei die Zeit, in der der Schwule in einem Hollywoodfilm immer nur die federboaschwingende kunterbunt schrill kreischende Klischeeschwuchtel war, über deren Attitüde sie sich alle so gerne besemmelt haben (was auch genervt hat, auf jeden Fall), nix mehr, ist Geschichte, jetzt sind wir überall weise, klug, verantwortungsvoll, sanfte Führer, gewissenhafte ehrliche Arbeiter, warmherzig, edel und auf jeden Fall gut.

Glauben Sie das bitte nicht. Wir sind keine Engel. Wir sind zu einem nicht unerheblichen Teil intrigant, oberflächlich, Maulzerreißer, Lästerbacken, dumm wie Stulle, ungebildet und egoistisch ohne Limit. Also wie Ihr. Wie andere. Frauen. Männer. Hinz. Kunz. Scheißegal. Mit dem Unterschied, dass wir als Mann lieber Männer ficken. Und Frauen als Frau. Davon abgesehen, sind wir im Querschnitt genauso bekloppt und bescheuert wie alle anderen. Nix heilig. Nix klug. Und verantwortungsvoll schon gar nicht. Also geht weg. Lasst ab. Eure Podeste nerven. Das Krönchen, das Ihr uns aufsetzt, auch. Nervt. Kann ich nicht mehr sehen. Reicht jetzt.

Auch hier kann ich mir vorstellen wie so eine Drehbuchabnahme für Amazon Prime abläuft: „Ja. Ganz gut, der Plot. Aber wo ist die schwule Hauptperson, die den Karren aus dem Dreck zieht?“ Betretenes Schweigen. „Wir brauchen eine schwule Hauptperson, die die Galaxie rettet. Das kann nicht Amos, der heterosexuelle Muskelprotz sein. So geht es nicht. Das gibt nur wieder Ärger.“

Blöp.

Um das klar zu sagen: Ich will das nicht. Es entwertet mein Selbstverständnis, wenn in meinem Namen jeder mit so einem Mist penetriert wird. Donnerstag. Abend. Ein Bier. Pringles Paprika. Ich bin am Serienschauen und yay, hurra, da ist er wieder: Der unvermeidliche Homocontent. Das übliche supersanfte lesbische Paar. Oder die beiden suppernetten Schwulen. Gerne jetzt ganz neu mit gemeinsamem Kind. The Expanse. Hunters. American Horror Story. Walking Dead. Mindhunter. Egal welches Genre Sie mögen. Es gibt da jetzt diesen neuen superdiversen Serienbaustein, den neuen Basiscontent und den bauen sie wieder stumpf, ob passend oder nicht passend, in jedes Werk ein, das sie zwischen die Finger kriegen.

Dabei ist so eine Empowermentoffensive überflüssig wie Herpes, ich brauch‘ das nicht, meine Sexualität muss nicht penetrant promotet werden, ich hämmere doch auch nicht jedem Brandenburger Redneck auf einer Oranienburger Bierdosenparty, für dessen künftige Wokeness der ganze Zirkus wohl auch gedacht ist, ein, dass er das was ich da mache (weil es mir gefällt) als normal anzusehen hat und bitte gut zu finden hat. Macht der ja auch nicht mit mir. Was der so treibt ist mir egal. Ob er sich vor dem Ficken mit Erdnussbutter einreibt, gerne schweißige Käsemauken ableckt oder sich von seiner Alten geschälte Ingwerstücke in die Rosette drücken lässt, interessiert mich nicht. Will ich nicht wissen. So wenig wie der meinen Scheiß wissen will. Deswegen erzähle ich dem das nicht. Weil mir scheißegal ist, was der darüber denkt. Weil ich mit dem sowieso nicht ins Bett gehen würde. Weil der mir egal ist. Und weil der Leute wie mich im Zweifel noch mehr hassen wird, wenn ich ihm immer bei jeder Gelegenheit (wie es die superawaren Filmfritzen gerade tun) meine verfickte Sexualität ins Gesicht drücke. Mache ich nicht. Weil das Missionieren wäre. Weil Missionieren jeden nervt. Weil Missionieren sogar mich nervt. Am meisten sogar, vermutlich sogar mehr als den Brandenburger Redneck, der den ganzen Diversitymist im Zweifel inzwischen ignoriert, ausblendet, wegschiebt.

Ja. Bitte. Ja doch. Ist gut. Bla bla. Ich weiß ihr meint es gut. Ich weiß. Schwöre. Mir ist klar was das alles soll. Ich soll mich toll finden. Und keiner soll mehr irgendwen blöd finden. Alle lieb. Sommersonnenbutterblumenwiese.

Wie das jedoch außerhalb der hippen Kulturblase wirkt, kann ich Ihnen sagen, kein Problem, ich weiß genau wie das rüberkommt, eat this: Hallo hallo Eberswalde. Ihr Dorfnazis. Hier spricht Berlin-Mitte. Und Berlin-Mitte sagt: Schwul ist voll normal. Schaut sie euch an. Das sind tolle Typen. Die Besten. Die können alles. Sind supi megaknorke und sowieso die besten, cleversten und sanftesten, aber dabei toughesten Menschen, die es gibt. Habt sie endlich lieb.

So kommt das an. Und wirkt ganz anders als ihr denkt. Und wollt. Wisst ihr was? Die fangen, wenn es ganz doof läuft, bald wieder damit an, uns zu hassen. Wie früher Nullerjahre, als Sie schon an der Bezirksgrenze zu Lichtenberg von schwulenhassenden BFC-Nazis, die aus dem unguten alten Jeton in der Frankfurter Allee auf das bröckelige Trottoir gewankt kamen, aufgemischt und Richtung Boxi gejagt wurden. Solche Gestalten züchten wir uns mit dem bräsigen Empowermentkitsch ganz neu, nachdem es die ganzen letzten Jahre so schön ruhig an der homophoben Front war. Weil wir jetzt damit angefangen haben, diejenigen zu nerven, die damit nix anfangen können. Ganz offen zu nerven. Zu trollen. Zu stressen. Mit allen Mitteln, die wir haben. Weil es nie so wohlfeil und damit einfach war, für die gute Sache zu stressen. Weil sie jetzt seit Neuestem überall sind. Die Diversityidentitären. Mit Rückenwind. Medial. Politisch. Drehen sie jetzt auf. Und alle Daumenschrauben zu. Haben für ihre Sache die Mehrheit in den Gremien, Filmakademien und Produktionsstudios und drücken das Diversityding der Mehrheitsgesellschaft in den Hals. Deep Throat. Mit dem Dampfhammer. Der Druckpistole. Dem Umschnalldildo. Damit Eberswalde schön schluckt. Damit Eberswalde fein lernt. Besser wird. Wegen, weil, yay, Diversity. Yolo.

Obwohl wir Eberswalde inzwischen sowas von egal sind. Und Eberswalde uns noch viel egaler geworden ist. Obwohl schon lange keine Sau mehr interessiert, wer wen fickt. Nicht mal in Eberswalde.

Aber gut. Was rege ich mich auf. Dürft ihr. Alles. Ihr dürft das alles. Ich kann ja ausschalten, wenn ich das nicht mag. Eberswalde kann auch ausschalten, wenn Eberswalde das nicht mag. Ich kann auch mein eigenes Cowboyvideospiel programmieren, wenn mir der jeden in die drohende Impotenz labernde Frauenrechtemonolog auf den Sack geht. Oder ich kann auch meine eigene Serie drehen, wenn ich die in minutenlangen Einstellungen knutschenden, immer smart sanft superguten schwulen Pärchen überall nicht mehr sehen kann. Oder ich kann auch endlich mal wieder die immer kleiner werdende Bude verlassen, arbeiten gehen, im Volkspark Rehberge in der Sonne kiffen, mich quer durch den Nollendorfkiez ficken, lecken, blasen, wenn sie endlich wieder die Transenbars aufmachen, die ich so mag. Tick Tack. Ganz einfach abwarten bis auch diese Agenda wie alle Agenden sich irgendwann totläuft. Ausläuft. Sie alles was sie wollen über Jahre wie Bauschaum in jede Ritze ihrer Werke gepresst haben werden. Bis sie dann endlich vom Thema ablassen, weil sie irgendwann wirklich auch der letzte Ally nicht mehr sehen mag.

Ganz klar dann aber, dass der Hype sowieso nur durch eine neue Agenda ersetzt werden wird, die sie wieder in üblicher Übertreibung in alle Ritzen von Playstation und Streamingdiensten ballern werden. Weil die Superkreativen der Agenden nie müde werden. Ich wette, dass es Klima sein wird. Das Thema Klima. Damit sind sie noch nicht durch, die multimediale Penetration letztes Jahr kann noch nicht alles gewesen sein, sondern ist nur lagebedingt kurz auf Eis gelegt, wird aber wieder kommen. Sie sind auf keinen Fall schon fertig mit uns. Haben definitiv noch nicht genug genervt. Deshalb freuen Sie sich jetzt schon auf den Monolog über die Notwendigkeit der CO2-Reduzierung mitten in Ihrer Mission von Call of Duty, als Sie in Bagdad mit der RPG in der Hand gerade ein von ISIS gehaltenes Bürogebäude stürmen wollen. Oder das neue Gran Turismo Sport 2 mit Elektroautos, die klingen wie ein Fön. Oder einen aufgesetzten Disput zwischen Lagertha und Björn über die Mülltrennung bei den Ökowikingern der Serie Vikings kurz vor der Schlacht um Kattegat. Weil das megawichtig ist. Und so woke. Und fiebern Sie unbedingt mit beim Kampf des unvermeidlich glutenfreien Veganers bei American Horror Story, der voll supi bupi edel und gut ist und am Ende den bösen Menschenfleischfressernazi besiegt, als der gerade sein halbes Schwein auf Weißmehltoast roh frisst.

Und auch das wird am Ende nur eines sein, weil sie es gar nicht anders können:

Lame.

Sehr sehr lame.


Gimme more Gendersternchen