Q wie Quarantäne (V)

Wäre das Virus eine Bank, hättet ihr es längst gerettet.

Quelle: Internet


Tag egal. Klopapier gibt es wieder, aber sie haben die Hotdogbrötchen aus allen Regalen gehamstert, so dass ich blöde Fabrikschrippen vom Späti dafür nehmen muss. Üble Dinger. Endzeit. Die Hölle. Weltendämmerung. Hotdogbrötchen. Weg. Was stimmt mit den Leuten nicht?

Die Zeit zieht sich endlos inzwischen. Gummi ist schon längst kein adäquater Ausdruck mehr. Montag. Samstag. Scheißegaltag. Ich habe vor lauter geistesinstabiler Verwahrlosung die Rillen im Flurparkett gezählt. Es sind 796. Die kleineren Querrillen eingerechnet. Küchenfliesenfugen habe ich nur 119. Das liegt daran, dass die Fliesen erheblich größer sind als die Parkettbodenstücke. Kombiniere Kombiniere. Sherlock. Ich. Wo waren Sie gestern abend?

Der Balkon hat keine Rillen zum Zählen. Sie haben irgendwann einfach Estrich draufgekippt, den ganzen Mist grün lackiert und mir überlassen. Ich prangere die fehlenden Rillen an und weiß nicht, was ich als Nächstes tun soll. Der Stuck da oben hat Ornamente. Blöde Blumen. Efeugezwiebel. Schnecken. Und Schmetterlinge. Ich mache einen Kalendereintrag für morgen: Ornamente zählen. Warum ist egal. Das Warum ist seit über zwei Wochen schon egal.

Auch wenn ich jetzt genauso klinge wie diese semiesoterischen Feuilletonartikel, die der überflüssige Journalistenrest gerade aus purer Verzweiflung in seine clickbaitigen und mit Tchibowerbung zugeschissenen Portale raushaut, um überhaupt irgendwas schönzureden: Ich beginne die Ruhe da draußen zu schätzen. Die Leere. Weite. Endlich hält die Stadt mal das Maul. Ich mag auch das komplette Nichtverpflichtetsein. Ich habe nie gemerkt, wie gehetzt, ruhelos, immer etwas am regeln für irgendwas und vor allem für irgendwen ich bin, so dass ich selbst an formell freien Tagen zu keiner Ruhe komme. Vorzubereitende Meetings. Termine. Anrufe. Nachfragen. Millionen E-Mails. Da was schreiben. Dort was sagen. Und hier netzwerken. Ich bin getrieben, was eine Vokabel ist, die ich nie für mich gefunden hätte, hätten Sie mich zu normalen Zeiten gefragt. Jetzt liege ich auf der Couch, werde langsam bescheuert und solche homeaffigen Berlinmittemommy-Selbstreferenzzeilen fließen wie von alleine und ich merke, wie der sonst omnipräsente Druck, die Kennzahlen, Erwartungen, Hinweise, Termine, Anrufe, Verpflichtungen für alle und jeden und Scheiße von mir abfallen wie faulige alte Haut.

Willkommen zurück, da seid ihr also wieder, 1999. 2000. 2001 bis 2003. Jahre, an die ich mich nur noch als eine Art Nebel erinnere. Dunst. Diesigkeit. Dunkel. Hell. Draußen. Drinnen. Egal. Schwupp ist 2020. Und hier dein Déjà vu. Ich dümpele antriebslos, motivationslos und vor allem hirnlos in den Tag hinein, etwas, was ich seit diesen frühen Jahren meines Erwachsenenlebens nicht mehr kenne, registriere so irritiert wie misstrauisch die innere Ruhe plötzlich, dieses Egalwerden von ausnahmslos allem, was aber auch nur gut geht, weil sie mir immer noch einen Großteil meines Gehalts zahlen.

Wie lange sie das noch so machen werden wird sich zeigen müssen und kann sowieso niemand sagen. Tick. Tack. Tag. Nacht. Wieder Tag. Ich sitze quasi seit Wochen hier herum, trinke die im Laufe der Jahre bemerkenswert angewachsenen verschiedensortigen Alkoholvorräte leer, buffe die ebenso endlos gewordenen Grasvorräte in die schlechte Luft des keimig gewordenen Wohnzimmers und lebe ein Leben als Reminiszenz an ein anderes, in dem noch mehr als jetzt egal war, der Tag, die Nacht, mein Leben, meine Zukunft, Vergangenheit, was kommt, was geht, wer was will, was ich will, alles egal.

Wie ich jemals wieder den Drive aus der wundgelegenen Kuhle dieser Couch in das Leben finden soll, das zu weiterzuführen alle nach Aufhebung des Shutdowns von mir erwarten, weiß ich nicht.

Draußen auf der Straße kommt mir dieses neue gesellschaftlich erwünschte Social Distancing persönlichkeitsstrukturtechnisch sehr entgegen. Endlich weniger Menschen. Ich mag die meisten Menschen gar nicht. Ehrlich nicht. Und freue mich, wenn sie wegbleiben. Distanz halten. Mich nicht ansprechen. Doch das ist bisher nie geschehen. Im Gegenteil gar. Ich habe ein aus beruflichen Gründen doch recht aufgeschlossen wirkendes Gesicht, das Leute ständig dazu animiert, mir Scheiße zu erzählen, die ich nicht wissen will. Ich wirke, ohne dass ich das bestellt habe oder steuern kann, so als würde ich es gut finden, angegrabbelt zu werden, als würde ich die Bussi-links-Bussi-rechts-Idiotenbegrüßungs- und seit Neuestem auch Idiotenverabschiedungsrituale mögen, mit denen mich vor allem Frauen im beruflichen Umfeld malträtieren, und auch der nach Eingekacktem stinkende S-Bahn-Penner, der blökend durch die Sitzreihen streicht, sieht mich und weiß, dass ich unheimlich gerne seine Elegie auf die Zustände hören möchte und bleibt deshalb immer bei mir stehen, um mich in die Apathie zu sülzen. Steht er da. Nölend. Pöbelnd. Übergriffig. Ich bin so einer. Ich mag Menschen nicht, aber sie mögen mich und das zerfickt mich dauerhaft.

In derlei Ausnahmesituationen wie im Augenblick zeigen sich übrigens sonst gut verborgene Charaktereigenschaften der Leute, deren Wege ich zwangsläufig kreuze. Und die meisten fallen durch. Zu laut. Zu nölig. Zu panisch. Ein Hühnerhaufen. Und in jedem Krieg die ersten, die abgeknallt werden. Oder sich vor Blödheit selbst abknallen. Und das hier ist nicht mal ein Krieg. Nur ein dämliches Virus. Ich glaube, es war ein Fehler, diese ganzen abhärtenden, früher doch üblichen Zivilschutzübungen und -reserven abzubauen, weil sie dachten, dass man so etwas Anachronistisches nicht mehr bräuchte. Dieses dahergelaufene Virus zeigt des Zustand der weichgekeksten Konsensgesellschaft: Die nächste wirklich ernsthafte Krise wird sie so richtig schleifen.

Ich kann meine Nachbarschaft in folgende Borderlinetypen einteilen:

Die Hamstermutter: Sie hat in Prenzlauer Berg erst das Klopapier, dann die Seife und jetzt die Hotdogbrötchen leergekauft. Sie alleine. Natürlich ist das eine Ersatzhandlung. Weil ihnen allen niemand beigebracht hat, wie eine Krise abseits der Wickeltische, Cupcakevitrinen und Calendularegale von Nannyhausen angemessen gemeistert wird. Und zwar selber. Ruhig. Konzentriert. Nicht panisch. Das hirnlose Hamstern machen sie, weil sie nicht glauben, dass Berlin seine Bevölkerung im Ernstfall (der überhaupt nicht da ist) versorgen kann. Das wiederum ist nicht weit hergeholt. Denn das kann Berlin sehr sicher nicht. Können aber die kapitalistischen Lieferdienste, die bestimmt schon ein Geschäftsmodell für den Fall des Versagens der krustigen personaldeckenreduzierten Frontstadtbehördenstrukturen haben. Geschäftsmodell für den behördlichen Knockout gefällig: Eingeschweißte Tagesrationsauslieferungen durch Billiglöhner in Ganzkörperschutzanzügen. 20 Euro pro Kartonage. Dienstag Pizza Margherita. Paar Gewürzgurken. Lecker Butterkäse. Graubrotstulle. Naturjoghurt. Pro Extragurke Aufschlag von 2 Euro. Und die Leute werden sich das Zeug in die Dachgeschosse bestellen, wenn der Lidl quarantänebedingt geschlossen wurde. Oder der Senat zahlt für alle aus dem endlich wieder schorfeitrig genudelten Staatshaushalt. Wetten? Nochmal: Niemand wird im Dachgeschoss verhungern. Es besteht keine Notwendigkeit, mir die Hotdogbrötchen wegzuhamstern.

Der Virusbrüller: Er weiß alles. Die neuesten Statistiken vom Supervirologenkombinat. Die neuesten Unkereien vom RKI. Die neuesten Coronagags von Twitter. Und die wertvollen Hinweise eines befreundeten Prepperkumpels, mit welchen Grabbeltischdingen von Lidl man die ersten zehn Tage im abgeriegelten Keller klarkommt. Zeiten wie diese bringen die Brüller hervor, die sich gerne reden hören und denen sonst genau deswegen nie einer zuhört. Jetzt schon. Jetzt haben sie endlich ihr Publikum vorne an der Stehtonne beim Späti und diese 15 Tage statt Minuten Fame nutzen sie hart, weil sie wissen, dass sie nach dem unweigerlichen Abklingen der Jahrhundertseuche bald wieder das sein werden was sie immer waren: Nervende Verkacker, Dummlaller, Hirntöter, denen keiner zuhört.

Politschranzen: Die Schlimmsten von allen, im Prinzip sind sie die Virusbrüller von der Stehtonne, nur im Internet. Ein Typ aus meiner Straße ist einer dieser Internetvollschreiber. Und er hat es immer gewusst. Wie sie alle immer alles gewusst haben. Merkel ist schuld. Und der Spahn. Weil die nix können. Oder die Nazis sind schuld. Die Antifa. Der Klimawandel. SUVs. Fleischfresser. Es ist schlicht der Welten große Rache an uns, den Parasiten. Kein Wunder, dass wir jetzt alle die neue Pest bekommen. Das war ja mit Ansage. Sie haben es immer gesagt. Jahrelang schon. Und jetzt kommt halt die Strafe. Endlich Apokalypse. Endlich Ausnahmezustand. Zeiten wie diese sind Zeiten für sonst üblicherweise Randständige. Jetzt haben sie die Bühne. Und sie haben es immer gewusst. Und gesagt. Und geschrieben. Also abonnieren Sie jetzt. Spenden Sie jetzt. Klicken Sie unter allen Umständen. Hier mein Patreonlink.

Instagramaffen: Eine Mutation von denen stand unter meinem Balkon. Eine dieser Influencerinnen, von denen alle sagen, dass es so etwas jetzt gibt. Hat sich selbst gefilmt. Mit Selfiestick. Und sich eitel gedreht dabei, damit das Smartphone möglichst viel Atmo einfängt. Prenzlauer Berg. Wie ausgestorben. Awesome. Sagt sie. Etwas lauter. Awesome! Und dreht sich nochmal drollig. Yeah. Just fuck your fucking Awesome. Freakkind.

Aus dem Borgwürfel, dem visionärsten aller Superspezialarbeitgeber, erreicht mich die Nachricht, dass der Rest der Notbelegschaft das Klopapier von den Toiletten geklaut hat. Und die Fläschlein mit dem Desinfektionsmittel, die ein unverdrossen optimistischer Hausmeister dort für die Allgemeinheit deponiert hat. Weg. Fuck Allgemeinheit, denkt sich der Diederich, denn was ich hab‘, hab‘ ich. Wees ick denn, wannet wieder wat jibt?

Der Rest, der wie ich Zuhause sitzt, übt sich in sinnlosen Videokonferenzen. Und die sind grauenhaft. Ich weiß schon, warum ich so gerne Außentermine ohne diese Leute, mit denen ich leider den Arbeitgeber teile, mache. Damit ich mir deren dummes Teeküchengeschnatter nicht einwerfen muss, Geschnatter, das die Labertaschen jetzt in die Videokonferenzen via Tablet verschoben haben. Denn zu berichten gibt es nichts. Oder zumindest nichts von Relevanz. Jeder in meinem Team sitzt Zuhause und spielt an sich selber herum, was die Informationen, die jeden Tag in diesen zwei verschwendeten Stunden geteilt werden, völlig nutzlos werden lässt. Und ich kann nicht mal nebenher Netflix oder einen Porno schauen, weil man mich ja sieht. Also mache ich ein maximal uninteressiertes Gesicht (was mir gut gelingt, weil ich um 11 Uhr oft schon hinreichend besoffen bin) und sauge die sinnvollen Informationen der in der Konferenz zu meinem Unglück zahlreich vetretenen Mütter über die Fortschritte des Kindes beim Klötzchenstapeln ein. Und die irre interessante Tatsache, dass es heute Mittag vegane Spaghetti Carbonara geben wird. Mit Seitanpopel, die aussehen wie Speck. Und das alles interessiert mich einen Scheiß, ich muss es mir aber trotzdem anhören. Mit Gegacker. Und ergänzenden Geschichten über Sabberlätze, Gehversuche und dem Schuljahr, das in den Arsch geht. Zwei Stunden lang. Wenn es dumm läuft länger. Lennart. Saskia. Rouven. Marie-Olivetta. Ich kenne jetzt alle Kindernamen, die ich nie wissen wollte.

Die bis zur Stufe ihrer Unfähigkeit beförderte Gestalt, die sie in der Diversityeuphorie der Zehnerjahre in ihre absurd hoch dotierte Führungsposition gegendert haben, sagt, dass wir uns alle in der Zeit der Quarantäne selbstständig fortbilden sollen. Wir könnten zum Beispiel eine neue Sprache erlernen. Da gäbe es Apps, mit denen man das könne. So könne man in Zukunft mit den ausländischen Kunden (wenn wir solche nach der ganzen Scheiße überhaupt noch haben oder es uns überhaupt noch gibt) viel besser kommunizieren. Es gäbe auch Online-Teamcoaching. Plattformbasierte Kommunikationsworkshops. Die man bezahlen muss. Die wir selber bezahlen müssen. Weil es dafür gar kein Budget gibt. Nie gab. Und auf gar keinen Fall geben wird. Selbstfortbildung also. Wollen sie. Ja. Sicher. Blep Blep. Na klar mache ich das nicht. Wenn ich die Wahl habe zwischen Herumsitzen, Drogen nehmen, Alkohol missbrauchen oder mich selbst auf meine Kosten fortzubilden, damit ich für meinen Arbeitgeber, dem ich an allen Tagen des Jahres am Arsch vorbei gehe, bald noch besser von Nutzen sein kann, ist die Sache klar: Bitte leckt mich sehr intensiv. Vorne und hinten. Reinigend und sexuell stimulierend. Nein. Niemand von Verstand wird das tun. Die Mütter nicht. Der Zablonski nicht. Und ich sowieso nicht.

Das Wichtigste bei solchen Videokonferenzen ist, bei passender Gelegenheit einen Auftrag zu beschreiben, an dem man gerade arbeitet. Denn wer nix zu tun hat, bekommt den Scheiß, der momentan aufläuft. Was immer nur Scheiß ist. Konzept erstellen. Eine idiotische Präsentation. Oder fucking Rückakquise von denen, die uns gerade virusbedingt von der Stange gegangen sind. Alles was keiner machen will. Also erzählen alle was sie gerade wichtiges machen, auch wenn sie nichts machen. Wie ich. Ich kann sehr gut blenden. Alte Technik. Gelernt ist gelernt. Die Mütter können das auch. Wirken glaubhaft arbeitsam. Ich merke das, weil Blender immer schnell andere Blender erkennen. Was bedeutet, dass die Blendermütter mich auch identifiziert haben dürften, was nur heißt, dass ich bald, wenn die Dinge wieder anlaufen, vorsichtiger sein muss. Das wird ein Patt. Sie werden mich mein Ding machen lassen und ich sie. Quasi ein klassischer Burgfrieden.

Ich habe eine Allianz geschmiedet mit einem anderen Runtergerockten, der die Dinge durchschaut hat, einem der wenigen sehr coolen Bastarde, die wissen, wie die Lage läuft und der Hase steht, was zu tun und vor allem wie das zu verkaufen ist. Wir haben ein gemeinsames Projekt geboren und bestätigen uns gegenseitig, welchen wirklich großen Aufwand der jeweils andere dafür hat. Das macht es glaubwürdiger als würde jeder wie sonst sich selbst alleine darstellen.

Es ist eine Webseite. Was wir da als Aufwand verkaufen. Eine Relaunchwebseite. Die wir nicht mal selbst programmieren müssen, weil wir Leute bezahlen, die das können. Und deren Inhalt auch schon längst fertig ist. Die mal irgendein Praktikant gemacht hat, den es schon lange nicht mehr gibt. Ergänzt um Versatzstücke, die er auch irgendwo geklaut hat. Nix Neues. Der letzte Scheiß. Alt und beknackt. Bonduelle. Das famose. Frischgemüse aus der Dose. Ich. Der andere. Die machen wir zusammen. Die Webseite. Nein. Machen wir nicht, aber wir sagen es. Und diese Webseite wird, wenn doch mal jemand fragt, irgendwann aus dem Hut gezogen. Oder auch nicht. Weil sich an so einen Scheiß, wenn die Maschine wieder hochgefahren wird, sowieso niemand erinnern wird. Weil es egal ist. Weil es gerade nur darum geht, eben nicht den wöchentlichen dummen Affenauftrag zu fangen, den jemand generiert, der der Meinung ist, dass momentan unbedingt dumme Aufträge generiert werden müssen, damit er zeigen kann, dass er auch in diesen Zeiten instande ist, dumme Aufträge zu generieren. Mir unverständlich. So eine Existenz. Diese Typen. Die glauben, ihre Leute warteten sehnsüchtig auf ihre Hirngeburt. Management. Sie müssen gegen diese Leute die passenden Konterwaffen einsetzen. Guerillataktiken fahren. Sonst verheizen die Sie selbst in so einer unheiligen Zeit. Da kennen die nix.

Was am Ende passiert ist auch klar: Den schäbigen Auftrag, den niemand brauchen kann, bekommt immer der einzige ehrliche Mitarbeiter in der Runde, der treu und auf jeden Fall doof sagt, dass er momentan unterbeschäftigt ist: Der Pawlowski. Der Idiot. Der lernt es nie. Das was er da tut wird keiner honorieren. Denjenigen, der die schäbigsten Aufträge macht, honoriert niemand. Nie. Den verachten sogar die, die diese dreckigen Aufträge verteilen. Das war immer so. Aber das lernt der nicht mehr. Der denkt immer noch, ehrlich und fleißig zu sein zahle sich aus, doch das tut es nicht. Nie.

Einen Vorteil habe ich noch gefunden an dieser ganzen Coronamassenparalyse: Die Bullen kommen nicht mehr wegen Ruhestörung. Die hässliche Vettel von gegenüber kann also so lange den Notruf rufen wie sie will, da kommt keiner, weil die Bullen komplett mit all den lustigen jungen Coronapartycrews in den Parks, Plattenbauschluchten und Parkhäusern der Stadt zu tun haben. Knick Knack. Mir ist langweilig, also spiele ich Musik ab. Womit ich nicht der einzige bin. Von drüben über der Straße höre ich Carlo Cokxxx Nutten IV (Frage: Was ist eine Fotze in ’nem Livestream?), irgendwer schräg umme Ecke spielt echt Bausa vom Balkon (Baby, warum sticht dein Herz wie Louboutin Spikes?), was ich unbedingt aus Prinzip mit den Böhsen Onkelz ergänzen muss, die (Ich hab kein Herz, leihst du mir deins?) auch schon wieder ein neues Album am Start haben. Das ergibt über unserer Straße einen smoothen Kanon, der dieser bullenrufenden Biotröte von gegenüber hoffentlich den Rest geben wird, die sowieso moralisch in der Sackgasse ist inzwischen, denn seit wir alle dumm zuhause sitzen ist es internetgoutiert offiziell cool, Kackmucke vom Balkon zu spielen. Soll nochmal einer was sagen.

Und was habe ich bei meinem letzten Geburtstag noch gekotzt, als mir einer statt der üblichen Single Malt-Flaschen eine monströse und vollkommen absurde Seifensammlung geschenkt hat. So eine Prenzlauer Berg-Wohlstandsmütterchensammlung. Birne-Quinoa-Seife. Avocado-Bachblüten-Himalayaerde-Waschgel. Und jede Menge superbunter Seifenstückchen mit lustigen Kitagruppenverzierungen drauf. Röschen. Kleeblätter. Fischlein. Ein Piratensmiley. Ein überflüssiger douglasparfümstinkender Unsinn, der bisher blöd rumstand und auf das Ablaufen der Karenzzeit wartete, bis ich ihn endlich in die Biotonne (wohin sonst?) werfen kann. Jetzt brauche ich das alles auf. Seife olé. Auch wenn das Zeug mockert wie ein beliebiger Ayurvedaräucherstäbchenhippieladen in meiner Nachbarschaft, die jetzt alle im vor der Türe stehenden Ökonomiearmageddon reihenweise verenden werden.

Aber egal. Hauptsache ich habe Seife. Und das auch noch sehr viel. Denn der Supermarkt hat keine mehr.

Eine Sache zuletzt und dann muss ich dringend wieder zurück an die Playstation, um meine Rundenzeit auf dem Nürburgring zu cracken: Ja, es gibt immer noch ein paar wenige Dinge, die mir wichtig sind, nicht mehr viel, aber doch: Sie können das Yorckschlösschen unterstützen. Es hat geschlossen. Und ich möchte, dass es überlebt (oh shit, ich habe das 2011 sogar mal auf dem untergegangenen Bewertungsportal Qype verbloggt, meine Güte, lesen Sie das nicht, es ist peinlich. Mega. Und danke für den Hinweis mal wieder, Chris).