Q wie Quarantäne (IV)

Alles, was man in dieser Zeit für seinen Charakter tun kann, ist zu dokumentieren, dass man nicht zur Zeit gehört.

Johann Gottfried Seume (keine Ahnung wer das ist und was er will. Das Zitat ist von jemandem geklaut, den ich auch schon wieder vergessen habe, sorry)


Tag Achtzehn in der Irrenanstalt, die meine Wohnung geworden ist. Auf dem Boden im Flur klebt ein Fleck, dessen Existenz ich mir nicht erklären kann. Für Wichse zu dunkel, für Tomatensoße zu hell. Bier könnte es sein. Getrocknetes Bier. Lidl verkauft momentan ein französisches Starkbier mit Koriander und Orangenschalen. Unfassbar ekelhaft. Möglicherweise habe ich etwas davon im Rausch in den Flur gekotzt, nur erinnere ich mich nicht mehr, was nicht schlimm ist, ich erinnere mich an wenig, was in dieser Wohnung den ganzen Tag passiert. Weil das alles egal geworden ist. Möglicherweise immer egal war. Netflix schimmert in Serie an meinen Augen vorbei, die mit einem Gehirn verbunden sind, das nur noch selten einer der Geschichten folgt. Ich versuche die letzten noch nicht erledigten Missionen von Gran Turismo Sport abzuschließen, was ich nicht hinkriege und das scheiß Spiel ausmache, nur um es eine Stunde später wieder zu laden und die Mission von Neuem zu versuchen, wie so ein Idiot mit Stein, den er immer wieder einen Berg hinaufrollt. Weil er nicht weiß was er sonst machen soll.

Und weil es der Gülle nie genug sein kann, ruft ab und zu ein Affe von Arbeit an und will reden. Fragt was ich mache und erzählt, bevor ich überhaupt irgendwas antworten kann, selber was er so den ganzen Tag macht. Was ich nie wissen wollte. Extrovertierte. Ehrlich. Ich bringe so etwas nicht. Jemanden anzurufen, nur um ihn mit meinem Schund vollzuschwallen. Aber stimmt, ich habe ja auch das Internet. Dort kippe ich Schund hinein. Das spart Anrufe. Bei Leuten, mit denen ich nicht reden will.

Ich war am Rosenthaler Platz unterwegs. Unterwegs sind dieser Tage sobald es dunkel wird nur noch Sprallos. Hängengebliebene. Irgendwelche alleinstehenden Drogenfreaks auf der Suche nach Zerstreuung. Und ironisch giggelnde 18jährige, die schauen wollen wie weit sie gehen können bis die Bullen ihr lustiges kleines Happening mit billigem Rotkäppchensekt auflösen.

Was generell auffällt: Berlins Irre haben umgeschult. Unsere Irren. Die den ganzen Tag wie Zombies durch die Stadt gurken und Menschen ankacken, die nicht von ihnen angekackt werden wollen. Diese Irren haben jetzt ihr Thema gewechselt. Sie blöken jetzt in der S-Bahn nicht mehr über Angela Merkel, das drecks Jobcenter oder scheißgeizige Fahrgäste, sondern über Corona: „MAAAAAAAAANN! JAAAAAAAA! HABTA SCHISS WA! ICK FASS EUCH SCHONNI AN! WICHSA! FICKT EUCH ALLEEEEEE!“ Dann der nächste. Rennt wie in den Arsch gestochen über den U-Bahnhof Westhafen: „CORONAAAAAAAA! ICK HAB COROOOOOONAAAAAA!“

Auch der Säufer, der in den Nächten zu Sonntag gerne vor meinem Schlafzimmerfenster auf einer leider zu großzügigen straßenseitigen Fensterbank Platz nimmt und 60er-Jahre-Schlager brüllt, hat seine Texte dem Hype angepasst: Corona! Geboren um Fieber zu geben! Du Hure! Ja. Megawitzig, der Typ. Mega. Supermega. Hat sich wohl Twitter eingetreten.

Dann brüllt einer im Lidl rum: „Bekloppt seid iha! Alle bekloppt! Dredo alle duach! Duaaaach!“ bis ihn die Security zum Laden rausschubst. Er hat ja grundsätzlich Recht mit seiner Suada, das Land steckt in einer doch schwer nachzuvollziehenden Kollektivparalyse, aber dennoch: Auch die Irren vertragen so einen Shutdown nicht gut. Sie haben Koller. Auch sie.

Und als ich abends noch einmal unschuldig vor mich hin kiffend um meinen Block ziehe, um mir meine menschenleere Straße reinzutun, die noch nie, zu keiner Uhrzeit, menschenleer war, brüllt einer vom Balkon: „Bleib zuhause, du Affenarsch!“ Ja, danke, Berlin. Go fuck yourself. Ein Berliner Balkonblöker. Aber nein. Man darf solche Leute nicht von ihren Balkonen snipern. Das ist nicht legal und deswegen lehne ich das natürlich ab.

Ihr seid so Deutschland. Meinen Glückwunsch.

Einmal die Rebellen dazu.

Und nochmal, weil die gut sind.

Wer jetzt erwartungsgemäß aus den Löchern kriecht und wortschwallt, sind die Soziologen. Entschleunigung. Chance. Neuausrichtung. Neues Gemeinschaftsgefühl. Demu-hut. Hut. Blubbub. Und keiner glaubt was sie reden. Und niemanden interessiert das. Sie selber vermutlich auch nicht. Denn es geht wie immer nur um die berühmten 15 Minuten Fame. Einmal Rampenlampenlicht bitte. Jeder will mal kurz. Auch mal auf den Plan treten. Ein wenig Senf auf die Bratwürste verteilen. Auch Soziologen. Gerade die. War nur eine Frage der Zeit. Und ist auch okay. Denn die sind die ersten, die in der Rezession über Bord gehen. Lange haben die nicht mehr. Geht bald los. Also schnell mal noch ein paar Aphorismen zur Lebensweisheit ins Feuilleton pumpen, weil die Leute bald ganz andere Sorgen haben werden.

Wer auch aus den Löchern kriecht, sind die Produzenten von Verschwörungstheorien. Die Neueste: Sie wundern sich, dass sich die Regierung plötzlich Sorgen um Ihre Gesundheit macht und einfach so das ganze Land runterfährt? Die Wirtschaft aber mal so richtig mit dem Doppeldildo in den Arsch fickt? Pleiten, Pech und Pannen sowie ein Konjunkturinferno provoziert? Ist doch klar warum die das machen, schreibt poperze79 im Internet: Die Regierung will die turnusmäßige Konjunkturdelle verbrämen, die sowieso gekommen wäre und die schlimmer ausgefallen wäre als jemals, weil es jetzt zu lange, zehn lange Jahre, bergauf ging. Das muss ja knallen, also nehmen sie das Virus zum Anlass, um darauf die kommende Massenarbeitslosigkeit, die zwangsläufige Inflation, Insolvenzen, reihenweisen Suizide sowie Not, Elend, Tod und Teufel zu schieben.

Und nebenher kann man ein paar Sauereien testen und natürlich beibehalten. Handyortung. Ausgangssperren. Ausweispflicht. Wird eingebracht und nie mehr aufgehoben. Ein snowdener Traum. Na wie klingt das? Paranoid oder nachvollziehbar? Irrsinnig oder logisch? Wo stehen Sie? Gibt zwei mögliche Positionen. In or out. Wie immer in den letzten Jahren. Nur zwei. Dafür oder dagegen. Bundespressekonferenz oder Verschwörungstheorie. Na, wo stehen Sie?

Wer immer noch sein Ding in bemerkenswerter Konsequenz durchzieht, ist die deutsche Presse, die schon seit irgendwas um die vier Jahren jeden Tag wieder versucht, diesen seltsamen Donald Trump in Amerika wegzuschreiben. Und es klappt einfach nicht. Der ist immer noch da. Aktuell soll die doch recht sprunghafte Ausbreitung der Viruserkrankungen sein Ende werden. Darüber wird er scheitern, schreiben sie. Das war es jetzt aber wirklich mit ihm, meinen sie. Jetzt isser fällig.

Ganz ehrlich? Glaube ich nicht. Typen wie der sind der Prototyp für Krisen. Da blühen die auf. Die Macher. Anpacker. Die Sheriffs. Hauptsache keine Routine. Sowieso ist momentan die Zeit der Loyalität mit den Regierungen, vorausgesetzt die Bevölkerung gewinnt den Eindruck, dass sie einen Macher dort oben sitzen hat und keinen Zauderer, keinen Schwafler, Diskutierer, Ausloter, Kompromissler. Die wollen jetzt die Bazooka. Eine Faust auf der Tischplatte. Kein Gerede. Nur die Tat. In München bedienen sie das. Und das wird sich lohnen.

Dem orangen Sheriff gegenüber steht einer, der sich den ganzen Gendertröten in seiner Ecke angebiedert hat, die ihn sowieso eines Tages dolchstoßen würden, würde er gewinnen (was er nicht wird). Ich glaube nicht, dass Trump mit dem Virus erledigt ist, ich glaube vielmehr, dass dem nichts besseres passieren kann. Leute wie der brauchen solche Situationen. Hauptsache. Keine. Routine. Und der Sheriff wird schon dafür sorgen, dass der Krisenmodus mit markigen wohldosierten Lösungen bis zum Herbst anhält. Ich wette. Halten Sie dagegen?

Und hier, Sie haben doch nicht etwa geglaubt, unsere Alte da oben verblasst so langsam in ihrem eigenen Sonnenuntergang zu Staub und wäre dann auch mal wirklich weg? Haha. Nix. Da isse wieder. Ihre CDU steht wieder bei knapp 40 Prozent und die rüstige Rentnerin könnte 2021 noch einmal antreten und irgendwann 2025 als Mumie einbalsamiert noch einmal für noch mehr Jahre da drüben in Mitte sitzen und sie würde trotzdem gewählt. Ja klar, die würden sie alle nochmal wählen. Immer noch eine Extrafahrt mehr. Weil sie nach 276 Jahren einmal eine nicht ganz so farblose Ansprache gehalten hat.

Sie sind wirklich leicht zu begeistern inzwischen. Alle. Ja, Sie auch da hinten mit der Wolldecke auf Ihrem Sofa. Ein bisschen Krisenmodus. Von Zusammenhalt schwafeln. Fehlerlos vom Teleprompter eine Rede ablesen. Während Sie ängstlich zuhause sitzen und sich fragen, wann denn die Atemmasken ausgeteilt werden und ob es morgen noch Pesto Genovese für die Nudeln geben wird. Huhu. Unheimlich sind die ganzen leeren Gassen, spooky das Endzeitgeraune der Hauptstadtpresse. Die geschlossenen Läden. Diese Leute mit allen möglichen Masken in den Supermärkten. Die mit ihren Schals Vollvermummten, die in die Apotheken schleichen. Alles neu. Gab es noch nie. Und hey, der Zweck heiligt alle Mittel. Solche Handydaten sind schon praktisch. Kann man schon brauchen. Und Ausweispflicht sowieso. Was denn? Reih‘ dich jetzt endlich ein. Wieder einmal ist im Moment nicht die Zeit für Zweifel. Die ist nie. Und jetzt gib sie her. Die Handydaten. Fool.

Es wäre mir recht, wenn Sie trotz der ganzen Kopflosigkeit die Obdachlosen nicht vergessen. Es ist eine Risikogruppe, die mal wieder niemand auf dem Schirm hat. Packen Sie was Haltbares zusammen und hängen es an einen der Zäune. Ich hänge da Bier ran. Lieber in Dosen. Eher keine Flaschen. Wollen Sie auch? Oben finden Sie die Adressen.

Ansonsten hängen auch immer noch genug von den Jungs in den Straßen ab. Becher. Hut. Geben Sie halt mal mehr als üblicherweise. Macht momentan noch weniger Spaß als sonst, so ein Leben.

Paralyse ist auf jeden Fall das Wort, das mir einfällt, als ich über den menschenleeren S-Bahnhof Schönhauser Allee gehe. Den menschenleeren U-Bahnhof Strausberger Platz. Den menschenleeren Rosenthaler Platz. In der ausgestorbenen Straßenbahn stehe. Mir beim vereinsamten Gewürzhändler in Wedding Schwarzkümmel kaufe. Sie haben das Land wirklich in die Paralyse genölt. Das ist schon irre, wie schnell man Menschen flächendeckend Angst einjagen kann. Ich frage mich immer noch wem das nutzt, ohne dass mir eine passende Verschwörungstheorie dazu einfällt. Nutzen für die Wirtschaft wie sonst immer kann es nicht sein, denn die geht gerade den Bach runter. Ich werde bald sehen, welcher meiner liebgewonnenen mittelständisch bis prekären Läden in der Nachbarschaft dichtmachen wird. Es werden einige sein. Wenn wir bis in den Mai diesen Zustand haben werden. Dann werden es einige sein, die draufgehen. Dann wird meine Nachbarschaft in ein paar Monaten anders aussehen.

Die Schreibwarenfamilie sagt, sie hält fünf Wochen durch. Der Chinamann sagt, bis Mai wäre möglich. Der Kuchenmann, der seinen Kaffeekuchenshit momentan nur zum Mitnehmen verticken kann, sagt, er kann für April schon die Kreditrate nicht mehr bedienen. Nach Stundung wird er fragen. Alles auf Kante genäht hier. Nur der Späti brummt. Er mutiert zur Ersatzfamilie. Der Rest wird nach und nach im Wochentakt beim Jobcenter anheuern. Ich fürchte das kommen.

Ich war bei Rossmann Klopapier kaufen. Meines war alle und offenbar haben die Verrückten jetzt endlich ihre Lagerbestände bis zur Decke voll, so dass ich auch mal was bekommen habe. Stehe ich da mit Klopapier in der Hand. Irre. Diese Blicke. Von den Leuten. Spöttisch. Fast feixend. Ein Schmunzler. Und vorwurfsvolle Kuhaugen wie die Veganer vom Bioladen, wenn ich Ledermantel trage. Hey! Nein. Ich bin keiner von denen! Kein Hamster. Mein Kackpapier ist einfach nur alle und ich brauche neues. Und ich habe eine Packung in der Hand. Eine! Nur eine! Meine Güte.

Mein Vietnamese mit seinem kleinen Rumpelladen hier im Kiez, der jeden Scheiß von japanischem Ghee über selbstfermentiertem Kimchi bis zu zwielichtigen gerstenkörnigen Teesorten verkauft, ist ein cleverer Typ. Hat die Zeichen der Zeit erkannt. Verkauft jetzt Klopapier. Selber zusammengeschnürt. 18 Rollen für 3 Euro. Keine Ahnung wo der die her hat, selbstgebastelt, von den Scheißhäusern der Verwandtschaft zusammengeklaubt oder illegale Transitwege aus Hanoi aktiviert. Kein Plan. Und egal. Klopapier ist jetzt wieder verfügbar in Berlin-Prenzlauer Berg. Mögen sie sich jetzt alle wieder einkriegen.

Sonst passiert nicht viel. Ich mache vor lauter Tigerkäfigumherrirren inzwischen sogar alles, was ich seit Jahren von mir wegschiebe. Neue Filzdinger unter die viel zu lauten Küchenstühle. Schrankwandtüren reparieren. Türscharniere ölen. Badezimmer kärchern. Stuck entspinnweben. Und alles das interessiert kein Schwein.

Die ganze Nutzlosigkeit der identitären Gender Studies-Blase zeigt sich sehr brutal in solchen Zeiten, in denen harter Sachverstand so viel mehr zählt als die verschiedenen geisteswissenschaftlichen Sonnenbalkonsitzerideologien, die wir die ganzen satten Jahre lang so mitgeschleppt und vor allem alimentiert haben.

Das medienpräsente Getöne der Gendertröten hat jetzt ein vorläufiges Ende. Die erwartbare Rezession wird sie alle für hoffentlich lange Zeit aus der Wahrnehmung der Öffentlichkeit schwemmen, in der sie zu lange schon bühnenbeleuchtet hofiert und gepudert wurden. Ja, ich weiß, irgendwann kommen die sicher zurück, wenn es irgendwann doch wieder genug zu verteilen gibt, aber jetzt ist erstmal Schluss mit den blasierten Wohlstandsproblemchen. In der Zwischenzeit ist die meistgedisste Personengruppe der dekadenten Zehnerjahre wieder da und steuert die Lage: Der verdammte alte weiße Mann. Gottseibeiuns.

Nein, keine Sorge. Rechts ist auch nicht besser. Von jungen Klimaaktivisten berichten sie aufgeregt im Internet, die alte Menschen vorsätzlich anhusten (nein, verlinke ich nicht, zu unhygienisch, ehrlich nicht, googeln Sie selber). Und sie schreiben, dass die Aktivisten das mit Absicht machen, weil die Alten den Planeten in die Hölle industrialisiert haben und das jetzt die Rache sei. Ehrlich, ich glaub‘ ja viel, oft auch Blödsinn, und ich mag die kleinen supergrünen Klimahonkis auch nicht, aber das ist zu stumpf. Bescheuert. Einfach nur blöd. Und lächerlich über allem.

Und weil es dieser Tage nie absurd genug sein kann, haben sie ein Gesetz beschlossen, wonach Mieter wegen Mieterrückständen aufgrund des Virushypes nicht gekündigt werden können. Und die ersten, die das nutzen, sind Adidas, Deichmann und H&M für ihre Stores. Und die Immobilienfritzen kotzen. Pest zahlt Cholera kein Geld mehr. Witzig. Habe ich eigentlich Popcorn gehamstert? Ich hätte Bock jetzt.

Ende. Ich habe zuletzt ein paar Gastronomiehinweise und es sind im Moment nur Jubelpersereien. Es ist nicht die Zeit für Verrisse, die Gastronomie leidet. Hier können Sie Ihre Lieblingsorte, Bars, kleinen Läden, Restaurants und was immer auch sonst noch mit Gutscheinen für danach am Leben halten. Oder holen Sie sich zu essen, aber bitte gutes Zeugs, zum Mitnehmen, Fensterverkauf, hier zum Beispiel:

Shalimar, pakistanisch, Wedding: Ein kleines, vollkommen unscheinbares Ding in einem wenig repräsentativen Kiez quasi ohne Laufkundschaft. Und deshalb einer der ersten Kandidaten zum Eingehen dieser Tage, wenn sich nicht ein paar Leute dort was holen. Kleines familiäres Ding. Kocht sensationell gut.

Olivengarten, persisch, Wilmersdorf: Keine Ahnung mehr wo die Empfehlung her war, aber das Zeug ist sehr gut.

Halali, österreichisch, Zehlendorf: Ein besonders guter Österreicher hinter Wannsee. Hinfahren, Schnitzel einpacken und gut. Würde mich freuen, wenn der überlebt.

Anh Thi, vietnamesisch, Prenzlauer Berg: Wenn Sie im Einzugsgebiet vom Humannkiez wohnen und doch mal etwas besser essen wollen als immer nur am U-Bahnhof.

Pho Nguyen 68, vietnamesisch, Charlottenburg: Auch wenn es unwahrscheinlich ist, aber vielleicht gibt es jemanden, der hier liest und dort wohnt. Gutes Lokal.

Juki, koreanisch, Prenzlauer Berg: Oder Sie nehmen bei einem sehr guten Koreaner was zum Mitnehmen.

Kochu Karu, koreanisch, Prenzlauer Berg: Koranisch in sehr fein. Wenn es eine Stufe eleganter als nur normal sein soll.

Standard Pizza, italienisch, Prenzlauer Berg: Komm, echt, nicht immer diese öden, fiesen, brackigen, gezuckerten Lieferpizzen, nimm doch mal ’ne gute, eine Standard zum Beispiel…

Cat Tuong, asiatisch-vegan, Prenzlauer Berg: Sicher kann man auch gut vegan essen, selten zwar, sehr selten, aber doch. Hier zum Beispiel.

Shiso Burger, asiatisch, Mitte: Ja. Totales Touristenhipsterteil. Der Besuch ist schon zu Nicht-Ausnahmezustandszeiten unerträglich. Teure, aber sehr gute asiatische Burger. Der Viruscrap hat auch Vorteile: Keine Touristen. Und auch keine Duttträger mehr. Alle weggeschwemmt. Die ganzen Bratzen.

Schillerburger, Burger, Pankow: Wenn es dann doch mal bodenständiger als die durchgeknallten asiatischen Burger sein soll, dann hier. Ich mag die Filiale in Pankow lieber als die Kastanienallee, die nur noch in Zeiten wie diesen (ohne Publikum) erträglich ist. Oder hier:

Chicago Williams BBQ, amerikanisch, Prenzlauer Berg: „Welcome bitches“ schreiben Sie im Internet ein wenig zu bemüht, allein kochen können sie.

Noch mehr Burger, nicht weniger gut:

Grindhouse Burger, amerikanisch, Prenzlauer Berg: Was ich immer sage: Die Burger hier bei uns im superfreshen Bioghetto sind echt gut, wir essen nicht mehr bei Burger King und erst recht nicht bei McDonalds, wir essen bei den kleinen Nachwuchsbutzen. Weil die es können.

Yumcha Heroes, chinesische Dumplings, Mitte: Ja, Klassiker, die Dinger sind gut und zum Mitnehmen ist das Zeug prädestiniert.

Tony Romas, amerikanisch, Mitte: Die besten Spare Ribs der Stadt, wie ich finde. Jetzt auch zum Mitnehmen. (hat der Chris vor Ewigkeiten mal empfohlen und Recht hat er)

Mandi, syrisch, Wedding: Bei Mandi war ich letztes Jahr schon mal. Sie beschäftigen syrische Flüchtlinge im Lokal und es geschieht das, was ich immer sage: Integration klappt am besten übers Essen. Unterstützen Sie das Lokal. Sie kochen sehr gut und reichlich und es ist möglicherweise geschmacklich etwas, das Sie nicht kennen.

Walid, deutsch, Prenzlauer Berg: Und der freundliche Walid kocht so gut, wirklich, so gut. Ich habe nie einen besseren Sonntagsbraten gegessen, nicht mal meinen eigenen. Nur ich alleine trage das Lokal nicht. Gehen Sie hin, holen Sie sich was.

Manufaktur Cantalupo & Restaino, Feinkost, Friedrichshain: Genau um solche kleinen Läden tut es mir leid. Deswegen mache ich das hier. Die sind schwer am Schwimmen. Kleinkredit, losgelegt, gutes Zeug an die Leute gebracht und dann sowas. Sie kochen zum Liefern oder Abholen, Sie sollten sich auch die ausgezeichneten Oliven beipacken lassen. Die sind großartig.

Reicht jetzt. Fressen Sie das erst mal nach, dann sehen wir weiter.

Soweit der Wasserstand von hier. Prenzlauer Berg. Ich. Die Couch. Die Glotze vor mir. Fressen. Sport. Bildschirm. Dann wieder Fressen. Und immer noch findet die Scheiße kein Ende.