Kamminke / 2019

Herbst. Ich bin auf dem Weg nach Usedom. Nach Kamminke im Speziellen. Es ist ein vollkommen unprominentes Nest am Stettiner Haff und ein erfrischend abgelegener Ort abseits der hochglanzgeleckten und so unfassbar öden Dreikaiserbäder, die ich in ihrer Borniertheit nicht mehr sehen kann.

Auf der Landstraße kurz vor der Insel tuckere ich hinter einem Trekker her ohne ihn überholen zu können. Das regt einen Autofahrer hinter mir sehr auf. Er fabriziert Schlangenlinien. Fährt dicht auf. Lässt sich wieder zurückfallen. Fährt wieder dicht auf. Dann wieder Schlangenlinien. Es ist ein Psychopath. Ein Gestörter. Ein Kleingeist. Als er irgendwann dann doch an einer vollkommen unübersichtlichen Stelle überholt, sehe ich, dass er aus Berlin kommt. Und es wundert mich nicht.

Willkommen in Polen, kräht das Smartphone, als ich das Ortsschild von Kamminke passiere. Nein. Nicht ganz. Nicht ganz Polen. Kamminke ist das letzte Nest Deutschlands im südlichen Eck von Usedom kurz vor Polen, erreichbar über eine feldwegeske Ruckelpiste via Garz. Hinter Kamminke kommt wirklich nix mehr. Nur ein Graben namens Torfkanal. Schilf. Ein bellender Schäferhund. Dann nur noch Polen. Das da drüben ist das letzte Eck von Polen auf Usedom. Ein Meer aus verwitterten Datschen. Und Schilf. In der Ecke da kurz vor Deutschland.

Wenn ich beginne alt zu werden, möchte ich irgendwo ans Haff ziehen. Auswandern. Auf jeden Fall weg von Berlin. Am Besten in ein abgelegenes Dorf wie Kamminke. Dort würde ich dann sitzen, auf das Haff schauen, essen, trinken, scheißen, wichsen und irgendwann sterben. Das wäre ein guter Abschluss des Auftritts. Keine Menschen. Bitte bloß keine Menschen. Es werden genug bis dahin gewesen sein. Es sind jetzt schon genug.

Ich kann hier in Kamminke sehr viel Laufsport betreiben. Ich laufe den ganzen blöden Torfkanal hoch und wieder runter. Die Laufluft ist natürlich sensationell und fegt mir den Berliner Grind aus den Lungen. Wer hier lebt wird vermutlich 100 Jahre alt. Wenn er sich nicht vorher totsäuft. Wie ich das machen würde.

Auf der Laufrunde begegnen mir Walker. Walking ist der sinnloseste Sport der Welt, zumindest wenn er so betrieben wird wie es die dicken Schnepfen in ihren quietschbunten Plastikjogginganzügen tun, die sinnlos durch die Gegend watscheln und ihre Stöcke hinter sich her ziehen, so dass ich vor Lachen Seitenstechen bekomme. Wirklich, das ist lächerlich, dann lieber sein lassen und einfach weiter fressen. Diese Stöcke bringen euch nicht weiter, ihr Eulen, sie sind nur teuer. Zu teuer für simples Schaulaufen. Und auf jeden Fall zu bunt.

Ich verstehe nicht, warum die Staatsgrenze kurz hinter dem letzten Kamminker Fischerhaus nach dem zweiten Weltkrieg so gezogen wurde wie sie nun ist. Sie ergibt keinen Sinn. Wäre ich ein polnischer Verantwortlicher gewesen, hätte ich mir als Schopfe der Gelegenheit gleich ganz Usedom gekrallt und nicht nur diesen Teil da um Świnoujście. Aber gut, wenn die Deutschen irgendwann noch einmal einen Krieg an die Startlöcher bringen werden, dann war es das. Dann wird Usedom auf jeden Fall polnisch. Und ganz Mecklenburg gleich mit. Und Berlin sowieso.

Ich werde sehr schnell sehr ruhig. Berlin-Mitte schält sich schnell aus meinem Hirn. Löst sich auf. Pulverisiert sich weg. So ein Dorf am absoluten Ende Deutschlands ist gut zum Runterkommen. Ich brauche das. Stundenlanges Schauen auf das Haff. Das Nichtspassieren. Wellen. Wind. Möwen. Zwei Kitesurfer.

Als ich da am Strand sitze, Flasche Wein in der Hand, mit den Gedanken irgendwo, kommt eine Polin vom Kitesurfen ans Land. Sie strahlt mich an. Glücklich. Ich strahle zurück. Glücklich weil sie es ist. Mehr passiert nicht. Normalität. Einfach mal nett sein. Polnische Frauen wirken auf mich immer wieder so erfrischend normal. So unaufgeregt. Ausgeglichen. Kaum mal eine so degeneriert aufgedreht, hysterisch und laut wie mir das in Deutschland so oft begegnet. Ob das deutsche Ost oder West ist dabei egal. Viele, denen ich begegnen muss, waren und sind immer noch oft so irritierend gestört. Hochgradig neurotisch auch. Und so sympathisch wie ein Stromkasten. Ein Freund von mir nennt sie Strandgut. Kaputtes. Kommt mit dem zunehmenden Alter häufiger an seinen Strand geschwemmt. Und meinen. Doch ich mag keines davon mehr aufsammeln und die Reparatur wagen. Weil es nicht lohnt. Und nie gut endet.

Ich hatte immer schon eine seltsame Affinität zur Ostsee. Die Scheißfamilie meiner Scheißmutter lebte hier. Immer wenn die Alte wieder am Durchdrehen war, packte sie mich ins Auto und floh vor dem Scherbenhaufen, den sie in dem Misthaufen, den ich Zuhause nennen musste, fabrizierte, hoch an die Ostsee. Oft mitten in der Nacht. Ich wurde geweckt, musste mich anziehen und wir fuhren los. Ob Schule war oder nicht war egal. Sie floh wenn sie fliehen wollte. Und ich musste immer mit. Ihr Kind als Pfand. Und Druckmittel in einem nie zu Ende gehenden Krieg.

Ich blieb oft für Wochen hier oben. Spielte mit Kindern, die ich nicht kannte und die mich nicht mochten, versuchte, die kaputte Mutter am Überkochen zu hindern und arrangierte mich mit den Dingen so wie sich Kinder immer mit den Dingen arrangieren. Irgendwann ging es wieder zurück in das alte kaputte Zuhause. Dann bald wieder Ostsee. Zuhause. Ostsee. Zuhause. Eine Zeitschleife aus Scheiße.

In der Schule sollte ich erzählen, dass ich krank war. Ich wusste schon früh, wie man Magen-Darm glaubwürdig ausschmückt. Nachvollziehbar rüberbringt. Zwei Wochen. Die ich nie nachgeholt bekam. Ich war ein schlechter Schüler. Der irgendwann ganz aufsteckte. Aus dem Unterricht geworfen wurde. Sich bei den anderen schlechten Schülern hinter der Turnhalle einreihte. Kiffte. Rauchte. Soff. Abgezogen wurde. Dann selber abzog. Und der dann von der Schule flog.

Als sich die Gedanken für einen Augenblick lichten, mache ich rüber. Über den Torfkanal nach Polen. Doch auch wenn Sie an die polnische Ostseeküste flüchten, begegnen Sie dort alle paar Meter keifenden deutschen Müttern. Einer nach der anderen. Zieh dir die Jacke an! Jonaaaas! Komm da raus! Torbeeeeen! Nicht in die Pfütze! Leandeeeer! Mütze aufsetzen! Emeliiiiiiiie! Neppomuuuk! Mia. Noah. Luitgard. Annemarie. Eine nie endende Reihe blöder Kinder, deren blöde Mütter sie durch die Öffentlichkeit bugsieren.

Weiter nach Osten flüchten hilft indes auch nicht. Dort begegnen mir nur Gruppen deutscher Omas, die sich über die Zustände in Polen beschweren. Das Stattfinden von Umrechnungskursen. Fehlende Deutschkenntnisse der Polen. Die Straße. Ich möchte ihnen zurufen: Hey! Ich bin aus Berlin. Schaut euch erst mal unsere Straßen an. Und zahlt doch einfach mit Karte, wenn ihr zu blöd zum Rechnen seid, ihr Pleppos. Und überhaupt: Wie ist es eigentlich um euer Polnisch bestellt? Reicht es für mehr als nur Dziękuję und Dzień Dobry? Oder nicht mal für das?

Vertrocknete Schabracken.

Und Panflötenindianer.

Tüddeldü.

Sie sind auch hier. In Polen. In Świnoujście. Die Panflötenindianer. Mit ihrem Teppich voller Compact Discs, auch wenn wohl kaum einer die Dinger noch irgendwo einlegen können dürfte. Sie haben vom Alexanderplatz rüber gemacht. Großartig. Was exportiert Deutschland als nächstes hier hin? Prenzlauer Berg-Mütter? Yoga? Birkenstock? Aktivisten? Einen Dinkelkeks?

Vor lauter Deutschen wundgenölt gefällt mir fast der rotzbesoffene pockengesichtige Pole, der mir an einer Räucherfischbude gegenüber steht, plärrende Boombox in der Hand, aus der irgendein blöder polnischer Rap quäkt, räudige Jogginghose um die Hüften, fleckiger Hoodie, der mich für ganze Minuten schief und unterschwellig aggressiv anglotzt, so dass ich auf den ersten Schwinger warte, der aber nicht kommt.

Dann ist wieder Kamminke. Vom Westen her zieht Sturm auf. Ich sitze mit einer freundlichen Polin, die für ihr Alter zu jugendlich geschminkt ist, in der Fischräucherei des kleinen Hafens herum und trinke. Niemand ist hier um diese Jahreszeit. Nur ich. Und sie. Auch noch ein Lakai in der Küche. Und jede Menge stark aufgerumter weißer Glühwein, der sie schon nach einem Becher sehr besoffen gemacht hat. Was sie hier drüben auf der deutschen Seite macht, habe ich auch nach einer Stunde nicht so ganz durchschaut, auch nicht nachdem ich den zweiten, dritten, dann den vierten Becher der warmen schwer alkoholischen Brühe hintergekippt habe. Eine Binse ist, dass die Gespräche ab so einem Level konstant besser werden. Das Leben. Die Wege. Wo es einen so hinschwemmt. Welche der Konstellationen uns hier zusammengeführt hat. Wir verstehen uns gut. Hier in Kamminke. Dem Nest aller Nester.

Als die Wolkenfront die Sonne beginnt zu verdecken bleibt die Frage, ob ich heute noch einmal mit rüber fahre nach Polen. Sie hat ein großes Bett. Sagt sie. Und ich suche Wege abzulehnen ohne sie zu kränken. Sie ist mir zu alt. Außerdem möchte ich gerne am Ufer sitzen und mir selbst genug sein. Ich mache oft Urlaub, um Menschen zu vermeiden. Weil mir Menschen oft zu viel sind.

Das ist neurotisch.

Und es versteht niemand.

Immer war das schon so.

Sie versteht mich auch nicht. Kurz dachte ich sie täte es, doch nein.

Kamminke. Kein Internet. Nirgends. Hier ist nicht einmal Brandenburg. Hier ist Wald.

Ich schreibe meine Notizen in ein Smartphone ohne Netz. Inzwischen könnte ich auch mit Spracherkennung diktieren. Google hat die Funktion vernünftig verwendbar gemacht. Doch ich sträube mich, mit Technik zu reden. Dann tippe ich lieber die SD-Karte der Technik voll. Die Dinge gleich festhalten. Den Moment fühlen. Das Jucken in den Fingern. Dann aufschreiben. Herr Glumm schrieb vor langer Zeit mal was über sein Notizheft, das immer dabei sein muss. Für den Fall, dass etwas aufgeschrieben werden muss. Dem kann ich stark nachfühlen. Nur dass ich mit Papier nicht zurecht komme. Ich habe für das Festhalten der Empfindungen und Eindrücke das Smartphone. Ich mag das Ding. Und gnade mir Gott, wenn der Akku leer geht. Jedoch mein Vorteil gegenüber dem Notizbuch: Ich kann am stockdunklen Ufer schreiben. Die stockdunklen Gedanken festhalten. Die nur kommen, wenn es so stockdunkel ist wie nachts in Kamminke.

Einen Satz, den ich aufschreiben muss, bevor er verfliegt, ist „Höhöhö Ölgohöl om Strönd“. Mit dem haben mich vorhin noch an einem fahrlässigen Ausflug nach Bansin ein paar blöde Sachsen mit Radebergerbier und Rotkäppchenpulle in der Hand neben mir am Strand sinnlos und natürlich ungefragt belegt. Haltet doch einfach die Fresse, dachte ich mir, ich trinke auch, aber gehe niemandem auf die Eier damit. Aber klar, was fahre ich auch nach Bansin, das ist ja mit Ansage, dass mich dort sofort schon wieder Leute volllallen, dabei sollte dies ein Urlaub werden, an dem ich möglichst wenig reden muss. Oder besser gar nichts.

An einem Abend öffne ich mir aus Effizienzgründen gleich zwei Flaschen italienischen Rotweins auf einmal und setze mich damit ans Ufer. Das macht mich zufrieden. Alkohol in wirksamen Mengen macht mich immer zufrieden. Ich war nie einer, den Alkohol aggressiv macht. Mich hüllt er ein. Hält mich sicher. Macht mich ruhend in mir selbst. Ein wenig ruhige gitarrenlastige Musik dazu, die Wellen, ein paar Möwen, der Wind, und der Sonnenuntergang vor mir kann nicht mehr besser werden.

Ich werde trinken bis ich sterbe. Ich werde kiffen bis ich sterbe. Und ich werde nie damit aufhören. Ich werde mein ganzes Leben den Rausch suchen wo ich kann und so oft ich es kann. Weil ich den Rausch mag. Weil ein Leben ohne Rausch für mich ein fehlerhaftes Leben ist. Und am Ende sterben alle. Die Nachbarin. Der Hund da drüben. Die Möwe da oben. Meine Freunde. Sie. Doch. Echt. Sie werden auch sterben. Ja, Sie. Die das hier lesen. Sie werden sterben. Ich auch. Alle anderen. Jeder. Deshalb ergibt es überhaupt keinen Sinn, diese ganze Angelegenheit hier auf diesem seine stupiden Runden durch das große schwarze Nichts drehenden Fußball nüchtern hinter sich zu bringen. Was soll der ganze Ehrgeiz. Die Attitüde. Das Rennen. Das Messen. Der Wettbewerb. Immer noch eine Schippe auf die andere. Wozu.

Fragezeichen.

Ich genieße so einen Urlaub. Ich. Alleine. Der Rausch. Menschen nur, wenn ich Menschen zulasse. Wald. Wind. Möwen. Wellen. Holzpflöcke. Sehr seltsame Wolkenformen. Und irgendwo sitze ich dann. Auf einem Felsen. In einer Bucht. Auf einer von einem Philantrophen der örtlichen Fleischerinnung gestifteten Holzbank. Eine Flasche von irgendwas in der Hand und schaue mir das Wasser, die Möwen, die Wolken viele Stunden lang an. Und auch das versteht wieder niemand. Aber das macht mir nix. Denn auch das war immer schon so.

Dann sind die paar Tage Ruhe vorbei. Die Heimfahrt fordert Vollzug. Und die Bundesstraße ist voller Blockierer. Eine Fahrschule. Mit Tempo 50 vor mir. Bei 100 möglichen. Trekker. Laster. Achtzig Baumschneidewanderbaustellenorangewesten. Dann ein Überholsabotierer. Will ich ihn überholen, gibt er mit seinem sehr viel stärkeren Auto mutwillig Gas. Gebe ich klein bei, drosselt er das Tempo wieder auf ein unerträgliches Maß. Und von vorne. Und von hinten. Ein Psychopath. Ein Gestörter. Ein Kleingeist. Dann ficken mich mutwillige Baustellen. Nazibaustellen. An denen ich ewig an einer roten Ampel stehe und mir niemand entgegen kommt. Und an denen an einem Wochentag keiner arbeitet. Muss auch nicht. Hauptsache absperren. Und eine Kackampel in die Landschaft stellen. Die stundenlang rot ist. Nazis. Ampelnazis. Baustellenampelnazis. Aber ja. Ich bin schon kurz nach dem Ortsausgangsschild von Kamminke wieder voll im Berlin-Mitte-Modus. Morgen schon werden es wieder zu viele Menschen sein. In der S-Bahn. Um den Borgwürfel von Schnösel City herum. Auf der Greifswalder Straße. Puls. Puls. Ruhelos.

Gegessen habe ich bei Lutter & Wegner in Heringsdorf. Na klar, wenn es die schon hier gibt, dann muss ich da hin. Ich mag ja Lutter & Wegner sehr, Sie erinnern sich womöglich. Ich habe oben in Heringsdorf den berühmten und nach wie vor ganz herausragenden Sauerbraten gegessen. Auch hier, ein sehr gutes Lokal. Teuer sicherlich, sehr teuer sogar, aber es passte mir gerade gut in den Tag. Sturm. Wolken. Da hilft Essen und Wein. Und eine gastfreundliche Stube.

In Kamminke können Sie hier gut essen. Das Gasthaus überrascht an diesem Ort mit einer bemerkenswert gut sortierten Whiskysammlung. Bowmore. Talisker. Balvenie. Und noch ein paar mehr, die ich noch nicht kannte. Gut. Sehr gut. Ich habe vermutlich alleine durch meinen Whiskyverzehr die Wirtschaftsleistung des Ortes verdreifacht.

Ansonsten essen Sie in Kamminke nicht weniger gut in der Fischräucherei Klönsnack, in deren Kabuff mit Haffblick bei aufkommendem Sturm manchmal einsame alte Polinnen herumsitzen und die leider keinen Backfisch produziert, aber es tun sollte. Weil ich Backfisch mag.

Und dann gibt es die besten Fischbrötchen bei den Gebrüdern Schwarz recht versteckt in einer Ecke zwischen Heringsdorf und Bansin. Doch wenn ich ehrlich bin, ist mein Urteil nur nostalgiegeprägt. Ich verbinde das Fischbrötchen der Gebrüder mit einem der intensivsten Urlaube jemals. Ich war einer dieser superstolzen Väter geworden und habe Urlaub mit meinem Kind machen dürfen. Wir haben beide vom Fischbrötchen abgebissen und fanden das großartig. Ein Bild wie der ganze Urlaub in einem Brennglas, dieses gemeinsame Abbeißen vom Fischbrötchen. Das Lachen, die Wolken, Spielplatz, Sandburg, eine Fahrradtour mit Kindersitz. Lange her. Das Kind wird groß und ich trete den ersten Schritt zurück. Immer bereit, die Arme auszubreiten, wenn wegen Sturm doch mal der Hafen angefahren werden muss.

Was mir von der Zeit Greifbares bleibt, die Massen an Digitalfotografien, in denen ich manchmal herumwische, beiseite gelassen, ist eigentlich nur das Fischbrötchen von diesem einen Ort, das ich mir jedes Mal hole, wenn ich in der Gegend bin, selbst eingelegt, der Fisch, zugegeben, Zwiebeln, Öl, Gewürze, ja ja ja, aber zuletzt doch nur ein Fischbrötchen. Meine Empfehlungen sind oft nur subjektiv geprägt. Und allzu oft hängen daran nur Erinnerungen an schöne Abende. Intensive Gespräche. Alkoholselige Verbrüderungen. Oder mein Kind. Und ich sage dann immer, dass es schön da ist. So wie hier. Dabei ist es nur ein Brötchen. Mit Fisch drin. Sie werden es dort in der gammeligen Butze der Gebrüder Schwarz möglicherweise profan finden. Aber nur weil meine Erinnerungen nicht Ihre sind.

Das war Kamminke. Mehr war nicht.