Gedankensudelei 10/19

Was ist denn nur los momentan? Die eine Seite progagiert im hysterischen Duktus den baldigen Wirtschafts- und Währungscrash (wir werden alle sterben) und die andere Seite kein Stück weniger hysterisch den baldigen Klimakollaps (wir werden alle sterben). Stimmt irgendwas mit den Mondphasen nicht? Strahlung aus dem All? Bei der Fisch sucht Fahrrad-Party nicht mal von einer 40jährigen gammelpullibewehrten Alleinerziehenden mit drei verzogenen Berlin-Mitte-Gören mit nach Hause genommen worden? Wieder nicht befördert worden? Kind spinnt? Auto kaputt? Furz quer? Hämorrhoiden? Bachblüten alle? Wie wär’s denn mal wieder mit Ficken? Ja, Ficken. Penis irgendwo rein. Oder Finger. Dildo. Eine Gurke. Mir egal. Nur fickt bitte endlich mal wieder (aber bitte mit Gummi, es gibt der Menschen zu viel).

Was? Wahl? Wo? Thüring-wie? Mir egal. Ich mag nicht über Wahlen schreiben. Wählen Sie doch was Sie wollen. Oder wählen Sie nicht. Mir auch egal. Politik nervt mich.

Was auch nervt: Die scheiß BVG erhöht wieder die Preise. Ja. Prima. Da ist sicherlich die richtige Taktik, um mehr Leute aus dem bequemen wohltemperierten Auto in eure üblen, verdreckten und mit stinkenden Menschen restlos überfüllten Guantanamokisten zu kriegen.

Just for the record. Der große Philosoph Andres Georgi spricht: “ Ich esse keine Schokolade mehr, ich tu nur noch kalt duschen.“

Das Finanzamt Prenzlauer Berg ist ein dummer Schlumpf. Selber fordern sie mich in wilhelminischem Duktus in einem abstoßenden Bescheid mit dieser widerlichen 70er-Jahre-Courier-Schriftart unter Fristsetzung und Verfristungsdrohungen zu Dingen auf, reagieren aber selbst auf gar nichts, weder per E-Mail noch per Papierpost. Es ist ein schwarzes Loch voller in einer Papierwustmaschine vor sich hin bürokratisierenden Unsympathen, das Anliegen frisst. Und an die Telefone geht keiner ran. Schlümpfe. Alimentierte. Wo bleibt die automatisierte Flat Tax, dann können wir diese Typen in die Produktion schicken. Oder zur Spargelernte. Oder wegen mir an die Kasse von Alnatura. Wenn ich irgendwann auf dem Brandenburger Tor die Anarchie ausrufe, werfe ich die alle raus. Ohne Lohnfortzahlung.

Was ich mir merke ist, dass ich nie wieder in einen von diesen hochglänzenden Liquiddampferladen latsche und nach einem Cannabis- Kräuterverdampfer frage. Herrlich, diese Abscheu im Gesicht: „Sowas verkaufen wir nicht.“ „Können Sie mir sagen wo ich sowas bekomme?“ „Wees ick nich. Bei mir jedenfalls nich.“ Ja. Sehr schön. Danke fürs Gespräch, dummes Berlin. Da kann ich ja gleich Bus fahren.

In meinem Fitnessstudio trainiert ein Blinder. Der ist relativ hilflos mit den Maschinen. Wie verhalte ich mich denn jetzt? Ihm Hilfe anzubieten, ist vermutlich nicht mehr okay. Übergriffig. Nimmt dem Gehandicapten (keine Ahnung ob das momentan der aktuell akzeptierte korrekte Terminus für diesen Zustand ist, das wechselt immer so schnell) die Würde. Die Möglichkeit, seine Angelegenheiten selbst zu leisten. Ich habe mir kürzlich am Ostkreuz den Anschiss meines Lebens von einer Rollstuhlfahrerin eingefangen, weil ich ihr helfen wollte, über die Lücke zwischen Zug und Bahnsteigkante zu kommen. „Das kann ich selbst! Ich brauch‘ dich nicht! Finga weg!“ Tjo. Hier ist Berlin, hier ist es hochproblematisch, wenn Sie helfen wollen. Andererseits wuselt der Blinde so hilflos an den Fitnessmaschinen herum, dass es mich immer juckt, Hilfe anzubieten. Dann fällt mir wieder ein, dass hier Berlin ist und ich lasse es lieber sein.

Ich bin auf einer Party, auf die wieder jemand sinnloserweise eine Blase von Vegetarierinnen eingeladen hat, die wieder ihr Lieblingsthema (ihre Ernährung) in alle möglichen Gesprächsrunden gestreut haben, gefragt worden, warum ich keine Haustiere habe. Meine Antwort hat für kurzes Schweigen und einem Themawechsel zum Wetter geführt: „Ich mag Tiere am Allerliebsten auf dem Teller, sonst eher nicht. Ich würde auch Katzen und Hunde essen, gäbe es die beim Fleischer gehäutet und zerlegt zu kaufen. Als Haustiere mag ich sie nicht, denn ich schlachte nicht mehr selber.“

Ruhe.

Ich musste früher Hasen schlachten. Das hat mir mein polnischer Großvater mit 10 Jahren beigebracht. Ich musste sie an den Ohren an ein Brett halten, von unten nach oben am Bauch aufschneiden, ausweiden, Fell abziehen und in den Kühlschrank für das Sonntagsessen legen. Diese Geschichte erzähle ich bevorzugt Vegetariern, wenn sie mich nerven. Was sie oft tun.

Manche, die ich kenne, sind sowieso themenmäßig sehr limitiert geworden. Die Transen in meinem Freundeskreis haben immer nur ein Thema: Ihre Identität. Und Vegetarier reden nur über Essen. Und Pelze. Oder Leder. Und das nervt halt nach diesen vielen Jahren mit diesen vielen Diskussionen.

Kommt einer an: „Hey, hier, musste mal Rise Against hören. Voll geiler Hardcore.“ „Cool. Kennsch gar nich. Warte, ich check mal Wiki.“ „…“ „Och nee.“ „Was?“ „Hier. Lies mal. Zwei Mitglieder sind Vegetarier und zwei sind Veganer. Außerdem unterstützen sie die Organisation PETA. Lass gut sein. Hör ick nich. Ich kann Veganer nicht leiden.“ „Aber es geht doch um die Musik.“ „Nee, es geht immer auch um Texte. Und ich weigere mich, dass sie mich mit ihrem Scheiß auch noch aus den Kopfhörern zuseiern.“ „Du bist doof.“ „Selber.“ „Immer einmal mehr als du.“ „Blep Blep.“

Die Regierung plakatiert wieder. Wir sind unschuldig. Bis das Gegenteil feststeht. Sagen sie da. Sehr schön. Fragen Sie mal Herrn Kachelmann, was er davon hält, denn Herrn Arnold können Sie nicht mehr fragen.

Kai Thrun hat was geschrieben. Über Phasen. Die vorbeigehen. Hoffentlich vorbeigehen. Der Text drückte einen vergessen geglaubten Knopf bei mir. Ich bin auch zu feige mich umzubringen. Deswegen bin ich auch immer noch da.

Was noch? Hier: Die Fliegenden Bretter nennen die 90er eine Deppendekade. Das ist weitgehend richtig, aber es war damals lockerer, habe ich den Eindruck. Unbekümmerter. Nicht so stier, stur, stumpf wie heute. Und ohne dieses Internet voller blasierter Haltungspolizisten, die ihren eigenen Leuten, wenn sie eine nicht ganz konform gehende Meinung zu irgendwelchen Dingen haben, mit der Guillotine zuwinken. Ich kann mir nicht helfen, aber ich kann mich nicht erinnern, dass seinerzeit standardmäßig und reflexartig mit solchen Bandagen diskutiert wurde wie das heute im Internet und dort vor allem in der Cholerikerkloake Twitter stattfindet. Vielleicht war ich auch einfach zu klein und habe die 90er nicht mit beiden Beinen auf dem Boden stehend erfasst, kann sein.

Und dann noch …

…Zähne. Ich kenne auch einen, der mit einer kapitalen Zahnlücke herumläuft, weil er das Geld für das Komplettimplantat nicht beisammen hat, das die Krankenkasse nicht zahlt.

Kink des Monats: Ich habe einen Typen kennengelernt, der sich vor dem Sex Tabasco auf die Eichel schmiert. Weil sonst bei ihm nichts geht. Klar, Junge, kein Ding. Wenn es gefällt, mach. Aber dein Schwanz kommt mir danach nicht in die Nähe meines Arschs.

Scheißgelaber des Monats: Eines dieser jungen superawaren Schneeflöckchen, die wir aus Verzweiflung gerade reihenweise im Borgwürfel einstellen, weil die guten Leute so kurz vor der Rezession lieber zu guten Firmen gehen, die diese überleben werden, teilte mir in vollem Ernst mit, dass es frauenfeindlich sei, wenn man hinter einer Frau die Treppe hoch gehen würde. Weil ich könnte ihr dabei direkt auf den Arsch schauen. Aha. Ja sicher. Weil ich auch sonst nichts lieber anglotze als eure dickgefressenen Wohlstandsärsche. Weil ihr Tulpen auf jeden Fall das Zentrum meiner Welt seid. Grundgütiger, Rezession, leg los. Du wirst gebraucht.

Kennen Sie das, wenn Sie in einem Restaurant sitzen und neben Sie setzt sich einer mit diesem stechendem Ammonniak-Schweißgeruch, der Ihnen jedes Essen verleidet? Und kennen Sie das auch, wenn das Restaurant dabei voll besetzt ist und Sie nicht weg können? Kennen Sie das, dass die Leute nur stumpf glotzen wie Kühe, nur weil Sie sie fragen, warum sie sich im Sommer eigentlich ungeduscht in ein Restaurant setzen müssen?

Wenn Sie übrigens glauben, das Reservieren eines Sitzes im Ruhebereich der Ersten Klasse im ICE nach Frankfurt brächte Ihnen Erste Klasse und Ruhe, dann ist das oft nicht so. Wenn es Ihnen geht wie mir, sitzen da dann vierköpfige Familien mit Kindern drin und marodieren lärmend im Wagen herum. Wenn ich daraufhin meine Musik im Kopfhörer auf Anschlag drehe, kann es sein, dass mich solch marodierenden Familien antippen und auf den Ruhebereich hinweisen. Irrenanstalt.

So. Wie Sie sehen, stehen die Dinge wie immer. Alles Wichser. Nur Vollidioten überall. Was tun? Genau. Mehr Musik. Fucking Deutschpoeten. Die Pest. Sie haben es wieder getan. Ich finde ein Ding von ihnen gut. Sieben Jahre. Was stimmt mit mir nicht? Ich werde weich.

Buh. Konsum Kutte in der Eberswalder macht zu. And there are my memories going down the drain. Again. Nächsten Monat hier für Sie: Ihr neuer Bioladen. Mit Dinkel. Und Hirse. Hurra.

Musik empfohlen bekommen: Eisbrecher. Höhöhö, wie Rammstein. Höhöhö, nur geiler. Nee, Pleppo, nicht wie Rammstein, nicht ein Stück, nur ganz schlecht gemachter Fake. Null Lyrik, null Charakter, dafür viel aufgedunsenes Pathos. Rammstein lebt vom phänomenalen Ruf, weltweit und voll zu Recht, das hier ist nur Abklatsch und nicht mal ein guter. Jede Brandenburger Coverband begeistert mich mehr.

Im Theater war ich nach zweihundert Millionen Jahren mal wieder. Rio Reiser – mein Name ist Mensch. Das Publikum. Museal! Meine Güte. Eine 68er-Westberlin-Mumienversammlung. Fünfzigtausend Jahre Muff ohne Talare. Kaum zu glauben dass die noch leben. Tun sie aber und sie gehen mit Ton Steine Scherben-Fanshirt ins Schillertheater und feiern einen ihrer alten Helden. Und das ging mal nur eben so. So richtig der Funke über sprang mir nicht. Das Schauspiel war mau, jedoch die Musik wenigstens gut. Da fehlte eine große Schippe Charisma bei den Darstellern. Die ganze Aufführung will zu viel und wirkt deshalb ein wenig fahrig, willkürlich, unstringent. Gut, okay, wer Rio Reiser würdigen will, muss scheitern. Den angemessen darzustellen ist kaum vernünftig möglich.

Ich muss auch mal wieder ins Kino. Nach dieser fulminanten Filmkritik auf jeden Fall.

Ich war auch noch im Tempodrom, bei der Aufzeichnung von SchleFaZ 100. Großartig, Kalkofe und Rütten, wenngleich es mal wieder ein absoluter Spitzenkackfilm war, den sie da vorgestellt haben. Drei Engel auf der Todesinsel. Schlimm. Sehr schlimm. So schlimm wie die Klimabelehrungsanmoderation von Lotto King Karl und die erste Band, irgendeine vulgärfeministische Combo, die erstmal den üblichen seit Jahren gleichen Gendersermon abgespult und am Schluss mehr Geld für Frauen gefordert hat. Pay Gap und so. Gähn. Geld Geld Geld. Immer mehr Geld. Ich will ja kein Klischee bemühen, aber das mit den Frauen, die Geld wollen, ist Klischee. Seit Al Bundy schon. Schlimm. Sehr schlimm. Wie der 180 Kilo-Typ auf dem Platz neben mir. Ehrlich, ich habe nichts gegen Fette, null, essen Sie was Sie wollen und so viel Sie wollen, nehmen Sie Umfang auf und kaufen Sie Zeltplanen statt Jacken, kein Problem, alles okay, aber wenn Sie dabei ein Drittel meines Platzes und ein Drittel des Platzes des Typen rechts von Ihnen mit einnehmen, dann stört das. Nervt ab. Und wenn Sie dann auch noch alle halbe Stunde aufstehen, um sich Nachschub an Bier, Nachos, Popcorn und irgendwelchen Schokoladenriegeln zu holen, dann hoffe ich, dass Sie nächstes Mal einen anderen Nebensitzer als mich mit ihrem mutwillig angefressenen Umfang nerven. Oder bis dahin weniger fressen. Oder einfach zwei Sitze buchen.

Lustig waren auch die beiden aufgepimpten Frauen draußen an der Bratwurstbude, die an der Warteschlange hierfür vorbeiliefen, ihre Titten auf die Theke legten und priorisierte Bedienung erwarteten. Als sie das taten, dachte ich noch: „Klar, wie immer, das sind die Titten und hinter der Theke steht der Schwanz, er wird sie vorziehen.“ Doch tat er nicht. Er ließ sie stehen und nahm konsequent immer wieder die Wartenden aus der Schlange dran. In einer Stringenz, die schön anzusehen war. Einmal, zweimal, nochmal. Nicht einen Blickkontakt. Half nix. Kein Vorbeugen. Kein Haupthaarschütteln. Er nahm sie nicht dran, so dass sie sich nach vollen fünf, für sie sicherlich ungewohnt quälenden Minuten ganz hinten anstellen gingen. Ganz hinten an die Warteschlange, deren Länge sich bis dahin verdoppelt hatte. Meinen Respekt, Bratwurstmann, du Mann mit Würde.

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Dann war ich noch bei The sisters of mercy in der Columbiahalle. Auch wieder so ein Veteranending. Die Sisters haben mich mit ihrem phänomenalen, von kurz nach dem zweiten Weltkrieg stammenden Album First and last and always in den 90ern verspätet zu einem Emo gemacht, ohne dass ich das oft theatralische Emogehabe, mit dem sich Emos heute ausstellen, adaptiert habe. Das Album lief im Discman, als ich zum ersten Mal von zuhause abgehauen bin. Es war der perfekte Soundtrack für die ersten frühpubertären Depressionen und sollte die Hauptlinie meines meistens randständigen Musikgeschmacks felsenfest prägen: Bevorzugt depressiv.

Ich bin nach dem Konzert noch stundenlang bekifft im Regen zurück nach Prenzlauer Berg gelaufen. Sisters of mercy im Ohr. Nicht auf dem Discman, sondern via Smartphone und Bluetooth. Warum ich gerne musikhörend durch den Regen laufe und es mir dabei so gut geht, versteht wieder niemand, ist mir aber auch egal.

(ganz objektiv und ohne Schleier der Nostalgie betrachtet war das Konzert grauenhaft. Unharmonisch. Schief. Als würde eine Schülerband den ganzen alten Kram mit einem mittelmäßigen Drumcomputer covern. Und dann diese beiden Bumsrockposer, die Andrew Eldritch als Gitarristen gecastet hat, die tatsächlich Fingerzeige und Luftküsschen an dicke überschminkte Emos verteilt haben, echt mal. Keine Ahnung, ob die ganzen Tantiemen fürs Koks draufgegangen sind oder welcher Grund auch immer sie nach so vielen Jahren wieder auf die Bühne treibt, allein: Sie hätten es lassen sollen. Es ist eines der wenigen Konzerte gewesen, bei denen die Vorband um Äonen besser war als der Hauptact. A.A.Williams. Großartiges Flair, faszinierende Sängerin, die so singt wie ich mich die meiste Zeit fühle. Stark. Und ausgerechnet der schlumpfige RBB bringt den Abend auf den Punkt.)

Zuletzt war ich noch irgendwo in Tegel bei Desperado 5 und den Tornado Roosters. Good old Rockabilly. Viele uralte Berufsjugendliche da, aber gut, Rock and Roll. Ist halt alt. Älter. Superalte Leute. In zwanzig Jahren sind die alle tot oder dement. Dann war es das mit dem Rockabilly in Berlin. Aber bis dahin haben sie Spaß. Ja, nyce war’s. Wirklich nyce. Desperado 5 ist eine von den langsam alt werdenden guten Berliner Bands, die jetzt auch nicht mehr den Durchbruch hinkriegen werden. Gleiches gilt für die Tornado Roosters, nur für Frankfurt statt Berlin. Ein großer Abend war das. Ich war vor lauter Johnny Walker so besoffen, dass ich irgendwann um 3 nachts fast in den Tegeler See gefallen wäre.

Netflix-Serie des Monats: Criminal. Vier Staaten für je drei sensationelle Kurzkrimis. Sie finden alle in der selben Etage des selben Gebäudes statt und schaffen es jede für sich, die Spannung allein mit Dialogen aufrecht zu erhalten. Hut ab. Vergessen Sie den superkorrekten Tatort im Ersten, das ist bräsiger altbackener Mist dagegen. Starke Auftritte, starke Schauspieler, starke Drehbücher. Voll in mein Bulls Eye.

Sehr gut schauen kann man auch zu meiner Überraschung die Hip Hopper-Miniserie Skylines. Viel Liebe zum Detail, sehr viel Richtiges, gut gespielt, ausgezeichneter Plot, Musik passt. Geht gut.

Durchgezockt: Call of Duty: WWII: Kurzweilig. Ungefähr 3.000 Nazis abgeknallt (also die echten Nazis, nicht diejenigen, die sie heute kreuz und quer so alles als Nazis bezeichnen), in Aachen einmarschiert und den Zweiten Weltkrieg gewonnen. Gimme more Nazi scalps.

Dann habe ich mit dem Kind in den letzten zwei Jahren alle möglichen Indoor- und Outdoorkartbahnen Berlins und Brandenburg ausgetestet und das Ergebnis ist einstimmig: Die beste Indoorbahn ist in Reinickendorf, hochanständige Karts, sehr guter Track, freundlich zu Kindern und sie haben das mich sonst nervende Indoorabgasproblem im Griff. Die beste Outdoorbahn ist bei Jüterbog. Starke Strecke, starke Karts. Wobei die Performance bei angeblich gleichstarken Karts deutlich voneinander abweichen kann, es braucht somit auch ein wenig Glück für eine gute Zeit. Drei Dreher mit Graslandung habe ich fabriziert. Ein großer Spaß.

Diesen Monat gesoffen habe ich endlich wieder einmal in Moabit. Im Walhalla. Man kann dort angeblich auch gut essen, was ich nicht tat, sondern mir stattdessen lieber literweise das Imperialistenbier Tannenzäpfle vom Fass und wechselnde Ziegler Spirituosen in den Hals gegossen habe.

Zuletzt wieder Essen, etwas weniger diesen Monat, weil mir ich diesen Sommer fünf dicke fette und vollkommen inakzeptable Kilo nutzlosen Ballast auf den Körper geschaufelt habe, ekelhaft, das muss erst mal wieder weg.

Das beste der von mir verkochten Rezepte zuerst. Es heißt Dal Makhani. Schmeckt gut, macht satt und Sie werden nicht fett davon. Ballaststoff-o-rama. Den ganzen Hülsenkram kacken Sie einfach wieder aus. Ich feiere dieses Gericht. (Nur lassen Sie die Sahne weg. Die braucht kein Mensch.)

Die Lokale diesen Monat:

mogg, Deli, Mitte: Nein. Nein. Nein. Genau so etwas kann ich nicht ausstehen. Ich werde vom Personal, das eben noch hinter der Theke auf Deutsch miteinander gesprochen hat, auf Englisch angesprochen und sie händigen mir eine englische Menükarte aus. Als ich auf Deutsch Fragen stelle, antworten sie mir auf Englisch und wiederholen zuletzt auf Englisch meine Bestellung, die ich auf Deutsch gemacht habe. Meine Güte nein, ich habe nichts gegen Englisch, spreche ich, kein Problem, gerne auch in der deutschen Hauptstadt, wenn es nicht anders möglich ist, aber das hier ist jetzt wirklich affig. Ihr könnt es ja und Ihr seht, dass ich es kann, also sprecht mit mir doch auf Deutsch. Alles andere ist aufgesetzte affektierte Scheiße, die keiner braucht. Das Essen in dem Mittepuff ist in Ordnung, aber nichts, weswegen ich mir so ein beknacktes Getue noch einmal geben würde. Lächerlich.

Burger Licious, Neukölln: Hätte ich gar nicht erwartet, so einen guten Laden am südlichen Ausgang des S-Bahnhofs Hermannstraße nach den ganzen Dönerläden und Dönerläden. Und Dönerläden. Und noch mehr Dönerläden. Aber mein Kumpel, der Moslem aus dem Borgwürfel, sagt, dass es da gut ist also fahre ich dahin. Der Moslem findet den Laden sogar so gut, dass er zwei doppelte 180g-Cheeseburger mit Chili-Cheese-Fries bestellt und das ganze Zeug auch noch frisst. Alles. Und danach noch arbeiten geht, nach einer Masse an Essen, nach der ich mich für den Nachmittag krank gemeldet hätte. Und für den nächsten Tag dazu. Ja. Guter Laden. Besser als erwartet. Aber nicht ganz so gut wie letzten Monat das Burgerzimmer. Das Gefühl danach ist zu brackig, zu schwer, das Zeug hing mir noch bis weit in den nächsten Tag hinein als Backstein im Darm. Fast so hart wie wie korrespondierenden Blähungen aus der Blähungshölle, von denen ich selber in Ohnmacht gefallen bin und mit denen ich nach dem Lüften mindestens drei Berliner Straßenbäume, fünf Spatzen und ein Wespennest getötet haben dürfte. Was? Halal? Der Laden? Aber sicher. Es war immerhin der Moslem, der wieder für das Mittagessen gesorgt hat.

Rathaus Grill, Döner, Neukölln: Bester Döner der Stadt, behauptet der freundliche Moslem eine Woche später. Also fahren wir hin. Schon nach dem zweiten Bissen rüstet er ab. Tritt den organisierten Rückzug an. Wedelt mit einer weißen Fahne. Verweist auf einen angeblichen Betreiberwechsel. Denn er schmeckt wie ich schlimmes Zeug. Übersalzte Hackfleischgrütze, fades Brot, nichtssagende Soßen. Ein Döner zum Vegetarierwerden (obwohl nein, so schlimm kann Fleisch selbst hier nie schmecken). Egal wie viel Hunger Sie nachts um 2 haben werden: Essen Sie dort nicht. Es ist einfach nicht gut.

Lon Mens Noodle House, taiwanesisch, Charlottenburg-Wilmersdorf: Eine alte Empfehlung von jemandem, der Ahnung von gutem Essen hat. Aber ey, was für eine Chaosbude. Eng, voll, immer voll, egal, ob Sie zu Nachmittags oder am frühen Abend hingehen. Voll. Voller. Platzt bald. Gewusel. Chaos. Hektik. Lärm. Irre. Der Chef des Ladens verteilt Zettel mit Nummern für den Pulk, der auf dem Bürgersteig herumsteht und darauf wartet, hier irgendwann Essen zu dürfen. Lucky me war alleine und wurde zwischen eine Gruppe gackernder Studentinnengesichterinnen gequetscht. Eine Höchststrafe ohne Bewährung. Die Tulpen waren lauter als die Musik in meinen Kopfhörern. Woran ich Studentinnen erkenne? An den affektiert in ihre Sätzen eingewobenen englischen Versatzstücken. „Oh my goodness, das ist ein Nooooou-gooooouu.“ Boar, haltet doch die Fresse und geht in den Hörsaal eure beschissenen Tutoren nerven, ihr Bratzen.

Warum das hier bei Lon Men in Little Asia Kantstraße immer so voll ist? Das ist einfach zu beantworten: Das Essen ist sensationell. Vergessen Sie die gerade so nervig gehypten pseudojapanischen Ramenbuden blöder Kollwitzplatzmütter, die in Wirklichkeit nicht von Japanern, sondern von den immer so emsigen wie flexiblen Vietnamesen betrieben werden, die mit der Ramennummer einen Weg gefunden haben, blöden Kollwitzplatzmüttern das Doppelte für die Hühnersuppe aus dem Arsch zu ziehen. Lon Men lässt sie alt aussehen wie die Heilpraktikerinnenschnepfe aus meiner Nachbarschaft. Die mit den Spaghettihaaren. Ja, die vegane. Mit der Lastenprenzlkiste vor ihrem Scheißfahrrad.

Gut jetzt. Es ist 2019. Niemand liest mehr so viele Buchstaben auf einmal. Das war der Oktober. An dem ein langjähriger Freund begraben wurde, mit dem ich im April noch bei The Bosshoss war und mit dem ich mich dort mit viel Colajack und kleinen miesen Hurensohnshots abgeschossen habe. Ich trinke ab jetzt nur noch auf dich, guter Freund. Dass die Besten immer so jung sterben und die dämlichen Bastarde, die jeder zum Brechen findet, uralt werden, hat wohl Methode. Du reißt eine Riesenlücke.