Der geplatzte Traum (fragment)

Ich bin von Minsk.

Schöne Stadt. Minsk. Sage ich.

Ich war noch nie da. Und Minsk ist auch nicht schön. Zumindest nicht auf Fotos. Aber das ist egal. Ich bin nur freundlich.

Vier Jahre schon.

Antwortet sie auf meine Frage wie lange sie schon hier ist.

In Pankow arbeitet sie nur gelegentlich. Die meiste Zeit inseriert sie. Es läuft nicht. Zu viel Angebot. Zu wenig Nachfrage. Das verdirbt die Preise.

Ich habe mir vorgestellt anders.

Sie zieht an ihrer Zigarette. Dass sie ihren Körper pflegt kann ich sehen. Makellos ist ein Wort, das für sie erfunden wurde. Vier Jahre. Und immer noch B.Z. Und immer noch Pankow. Zweiter Hinterhof. Zwei Mal klingeln zum Einlass.

Möchtest du? Kommst du mit?

Ich kann nicht. Sage ich. Ich bin nicht in der Position, Hoffnungen zu erfüllen. Auf sie wartet nicht mehr viel davon. Vier lange Jahre. Und immer noch 50 für die halbe Stunde. Dort im zweiten Hinterhof. Bald ist sie 30. Dann wird es schnell gehen. Dann ist sie nicht mehr die Nummer Eins derer, die im roten Zimmer vor dicken alten Männern auflaufen und darauf hoffen, ausgewählt zu werden. Dann ist sie Nummer zwei. Nummer drei. Dann irgendwann keine Nummer mehr.

Schade.

Sagt sie.

Ja.

Sage ich. Schade.