Gedankensudelei 08/19

Willkommen in Schnöselhausen: Craft Beer reicht nicht mehr. Jetzt neu: Craft Wine. Demnächst: Craft Gin. Craft Karottenkuchen. Craft Haircut. Craft Apfelchip. Craft Osterei. Craft Fickdichselberhipsterhurensohn.

Es ist ja oft so, dass einfach gestrickte Menschen einen Guru brauchen, den sie anhimmeln können. Im Moment ist es ein apokalyptisches Weltuntergangskind aus Skandinavien, mit dem sie sich bis hoch in die europäischen Parlamente lächerlich machen und dessen Agenda niemand kritisieren darf ohne als Kinderfeind, Gehandicaptenfeind oder gleich als Nazi dazustehen und noch bevor er ausgeredet hat gemeinsam mit unappetitlichen Menschen in einer Kiste zu landen, mit denen niemand von Verstand in einer Kiste landen will. Und das ist natürlich Absicht. Diese Ad Hominem-from-Morals-Scheiße („Wer unseren Meister kritisiert, ist unmoralisch/Menschenfeind/Nazi“) ist ein sehr übler taktischer Move aus der untersten rabulistischen Schublade. Aber natürlich wirkungsvoll. Weil giftig. Sie werden doch nicht etwa das Wort gegen das Kind erheben? Werden Sie doch wohl nicht, oder? Sie sind doch keiner von denen, die ihr Wort gegen ein Kind erheben, oder?

Und die Medien sind wieder volles Rohr dabei. Baller Baller. Schreib Schreib. Jeden Tag fünf Artikel pro Portal. Bis die Griffel abfaulen. Und alle mal wieder in ein Horn. Früher neoliberal, dann antiputin, jetzt öko. Der bekannte Umstand, dass die Mehrzahl der Journalisten inzwischen nicht mehr wirtschaftsliberal sondern bündnisgrün ist, tropft inzwischen aus jeder Zeile. Und es ist so öde wie damals als sie wie entfesselt für Hartz IV getrommelt haben.

Auf eine Wand in des Prenzlauer Bergs Danziger Straße hat jemand getaggt „What would Greta do?“ Was? Oh nein, ich kritisiere das nicht. Würde ich nie tun. Kein Kind. Nicht.

Oh. Gugge. Die Twitter-Empörungskloake ist mal wieder empört. Es geht um einen aufgemalten Penis. Huhu.

Wo bleibt eigentlich die Rezession? Ah. Hier. Endlich.

Die SPD, dieser Autounfall unter den Parteien, stirbt, wie ich lese, gerade sehr erbärmlich und in einem hohen Maße unwürdig. Ich finde das gut und schaue dabei gerne zu. Als ich noch gewählt habe, habe ich SPD gewählt. Die beiden Male. Als sie dann eine Kombination aus eiskaltem Neoliberalismus, den sich nicht mal die CDU getraut hätte, und dieser neuen absurden Identitätspolitik, die sich so nicht einmal die Grünen getraut hätten, betrieben und zu einem guten Teil auch in verantwortlicher Stellung durchgesetzt haben, habe ich aufgehört zu wählen. Nein, kein Mitleid. Sie hatten mit mir auch keins. Sozialabbau. Hartz IV. NetzDG. Genderkrebs. Bankenbailout. Ewiger Appendix der blöden CDU. Und dann dieser Heiko Maas. Bah. Bitte stirb möglichst elend, schmerzhaft und blutig, SPD, du hast für alle Ewigkeit verkackt.

Ich habe tagesschau.de aus meinen Lesezeichen gelöscht. Das nicht einmal anstandshalber ein wenig verbrämte Ausmaß der Merkelhuldigung war immer schon schlimm, aber inzwischen verursachen die völlig abgedrehten Lobpreisungen bei mir ganz realen Brechreiz. Klick. Weg. Papierkorb. Den Brechreiz habe ich jetzt nur noch einmal im Quartal. Wenn sie ihre 52,50 bei mir einziehen.

Yo fuck. Politik. Brechreiz. Schnell weg. Auf der Fahrt mit der S-Bahn zum diesjährigen CSD wurde ich insgesamt drei Mal kontrolliert. Super, Berliner S-Bahn, ich weiß ja, dass Ihr an solchen Großveranstaltungen gerne allen Kontrolleuren die dicken Wochenendzuschläge bezahlt, um möglichst viele unwissende auswärtige Tagesgäste abzurippen, aber echt, drei Mal, innerhalb von dreißig Minuten, für eure rollenden Guantanamozellen? Geht es auch eine Nummer kleiner?

Die beste Kneipe der Welt ist und bleibt das Offside im Wedding. Wenn Ihr Immobiliensäcke die irgendwann auch noch weggentrifiziert und da einen Bioladen reinschmockt, schmeiße ich irgendwas in die Panke. So ein Invasorenpanzerhollandfahrrad. Samt Scheißkiste vorne dran. Oder die dämliche Dekoration eurer spießigen Blumenrabatte in den Baumscheiben.

Seit die bräsigen Zipfelmützen meines dummen Heimatbezirks Prenzlauer Berg auf prominenten Hauptstraßen eine nächtliche 30 km/h-Geschwindigkeitsbegrenzung durchgeklagt haben, fahre ich nachts mit 30 km/h hupend und laut Metallica bei offenem Fenster hörend durch meinen Bezirk. Ihr Ficker. Springt doch einfach alle von euren fassadenbegrünten Balkons.

Pappestrohhalme sind der letzte Scheiß. Sie haben einen Pappegeschmack zusätzlich zum Getränkegeschmack im Mund und das Scheißding löst sich auf und die Bestandteile bleiben an den Lippen hängen. Super, diese Ökosprallos, die jetzt Plastikstrohhalme verbieten wollen, aber keinen adäquaten Ersatz auf die Reihe kriegen. Das ist wie diese Papptüten, die sie jetzt statt der Plastiktüten bei Rewe haben. Super, wenn mir mitten auf dem Fußgängerüberweg der sechsspurigen Danziger Straße die Scheißpapptüte reißt und der ganze Mist über den Asphalt kullert. Ich hasse die alle und ihren ganzen nutzlosen Kram, den sie nach Lust, Laune und Gesinnung in die Gesellschaft drücken.

Gewaltfantasien habe ich entwickelt beim Anblick von einem der asozialen Berlinsaufkloakentouristen, die nix vertragen und den ich, mein Kind dabei, das zu diesen Dingen inzwischen sehr viele Fragen stellt, mittags mit heraushängendem Puller einen hohen Bogen Strahl an eine Straßenlaterne habe pissen sehen. Ich habe einen befreundeten Juristen gefragt, ob es Körperverletzung ist, wenn ich das Gesicht von einem dieser Easyjetpestbeulen in seine eigene frische Pisse drücke bis er die Laterne trocken geleckt hat. Die Antwort ist Ja. Leider ja. Leider ist es Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung, insoweit also strafbar. So bleibt: Sie bepissen und bekoten die Stadt und niemand kann wieder einmal irgendetwas Wirksames gegen mit Billigfliegern in diese Stadt geschissene Brut tun. Sie müssen hinnehmen. Jeden. Alles. Immer. Immer. Denn hier ist Berlin. Wir setzen keine Grenzen. Bei nix.

Deutschland. Ein Bekannter von mir ist Steuerfahnder. Als ich ihn beim Bier frug, woher Seinesgleichen die Inspiration für die Vorgänge her nimmt, sagte er mir, dass das zu über 90% aus direkten Denunziationen stammt. Nachbarn. Brüder. Arbeitskollegen. Glückwunsch.

Berlin-Prenzlauer Berg. Mitten auf der Straße, in der ich wohne, läuft eine Frau mit Hund an der Leine. Hinter ihr in Schritttempo fährt ein Auto, das nicht vorbeikommt, weil auf der Straße die Frau mit ihrem Hund an der Leine läuft. Dann hupt der Fahrer einmal und die Frau beginnt zu brüllen. Sie wedelt mit den Armen, schreit wie angestochen und wedelt mit dem üblichen Stinkefinger. Fühlt sich vermutlich oppressed und der Autofahrer war nicht aware genug. Mein Berlin. Nur Irre.

Berlin-Mitte. Einer dieser geistesgestörten E-Rollerfahrer mäht mich auf dem Bürgersteig von hinten um. „Oh…“ Sagt er. „Ja. Oh.“ Antworte ich zuckersüß. „Fahren Sie bitte Ihr Idiotengefährt das nächste Mal frontal gegen einen Laster bitte.“ „English please?“ „Next time drive your stupid idiot vehicle directly in front of a moving truck. Please.“ Berlin ist eben Berlin. Fünf Millionen Regeln, deren Einhaltung mit Ausnahme der Parkraumbewirtschaftung keiner kontrolliert, so dass Sie sich in allem selber helfen müssen. Und wenn es Vollidioten mit ihren Dutthipsterspielzeugen auf dem Bürgersteig sind, über die sie die Kontrolle verloren haben, weil sie es wieder nicht können. Wobei Sie aufpassen müssen mit der Selbsthilfe. Sie dürfen so einen bärtigen Volldeppen, wenn er Sie an einem Ort, an dem er nicht fahren darf, über den Haufen fährt, nicht einfach vor den nächsten Laster werfen, auch wenn es nahe liegt und sehr in den Fingern juckt. Auch das ist verboten.

Musik. Ich verabscheue ja diese ganze schmierige Deutschpoetengrütze, von deren Gejammer mir Peniswarzen vorne an der Eichel wachsen, fast als würden diese wachsweichen vollbärtigen Heulbojen ihren Nachwuchs ausgerechnet an meinem Schwanz produzieren. Doch jetzt haben sie mich gekriegt. Ein Brett produziert. Zehnmal gehört. Durchleuchtet gefühlt. Erkannt. Mich betrunken. Noch zehnmal gehört. Dabei noch mehr getrunken. Scheiß Deutschpoeten. Und ein scheißguter Song. Und dabei hasse ich Peniswarzen.

Feststellung: Die ideale Musik für ein Runners High auf einer Laufrunde ist und bleibt Cavalera Conspiracy. Gänsehaut bis auf die Arschbacken.

Einziges Konzert heuer: Feine Sahne Fischfilet in der Zitadelle Spandau, wobei man die eigentlich nicht mehr hören kann, wenn sogar der bräsige Bundespräsident und dieser aalglatte Außenminister auf Twitter Werbung für die Band machen. Damit sind die eigentlich raus. Reputation im Arsch. Punkrock tot. Eingemeindet. Es würde mich ganz schön ankotzen, wäre ich Punkrocker und ausgerechnet die Staatsorgane würden mich supporten. Keine Ahnung, das fühlt sich auf so vielen Ebenen falsch an, sichert aber bestimmt das Auskommen. Aber egal. Es ist eine großartige Liveband, schmierige Politikerfanboys hin oder her. Nur das Publikum, übel, inzwischen: Speckige Soziologengesichter, bebrillte Sekretärinnenlookalikes und behighheelte Schnepfen mit Antifapatch, die mit blasierter Miene vor sich hin laufstegen. Und dann ganz laut „Niemand muss Bulle sein“ mitbrüllen, um dann nach dem Konzert ganz zahm am Spalier der Berliner Robocops vorbei zu schleichen. Wohlstandspunks. Wellnessrevolutionäre. Trittbrettsurfer. Bundesministeriumsgefördert. Zum Wegrennen, so ein Hype. Aber wenigstens können ein paar von denen noch ordentlich Pogo. Das war schön brutal. Nur das ständige Entschuldigen, wenn mal wieder einer mein Gesicht mit dem Ellenbogen traf, nervt. Geht doch das nächste Mal zu Beyonce bitte. Moshpit ist eben Moshpit. Wer das nicht abkann sollte da nicht rein.

Dann doch lieber ein wenig Oldschool. Ihr seid nichts, ihr könnt nichts, also tragt ihr Uniform. Zu dem Bullenbeat haben wir ums Millennium herum Steine im Mauerpark geworfen, ungefähr dort wo ihr heute mit euren Angusbeefbagels mit Brunnenkressenest und dem BioZisch Ingwer-Limone durch die Gegend instagramt, liebe Kinder.

Nice try des Monats: An der ellenlangen Bierstandschlange in der Zitadelle grätscht mir eine Frau in die Seite. „Du-huu? Lässt du mich vo-hor?“ Kuller Kuller Klimper Klimper. Subtext der Einlage: Ich bin die Titten und du bist der Schwanz, also musst du mich vorlassen, weil ich die Titten bin und du der Schwanz bist. „Nein“, sage ich. „Stell dich da hinten an wie alle anderen.“, worauf der Gesichtsausdruck schlagartig von Kulleraugen in Hasskappe umschlägt. Ja. Bedaure. Keine Tittenboni mehr. Kann ich nicht mehr sehen. Ödet mich an. Würdelos wie sie ist, fragt sie den Typen hinter mir. Der tut was er soll und lässt sie vor. Würdelos wie er ist.

Netflixscheißdreck des Monats: Staffel 3 von Marvels Jessica Jones. Sterbenslangweiliges Befindlichkeitsgewälze. Zwei Frauen bewältigen ihre Dämonen in endlosen Dialogen. Und dreizehn quälenden Folgen. Ich schrieb nebenher sinnlosen Mist ins Internet.

Die perfekte Serie auf Netflix finde ich derzeit Haus des Geldes, obwohl sie es auch hier schaffen, zwischen die großartige Story, die fein austarierten Charaktere und die gekonnt dosierte Action entvervende Sexismusproblemdialoge zu packen. Ist so momentan. Geht nicht ohne. Muss unbedingt überall rein. Wegen ist so.

Bella Ciao.

Clickelifuck. Am meisten hier geklickt wurde in den letzten Wochen mein eruptiver Hassausbruch über die rasenden Fahrradnazis meines Bezirks mit irgendwas um die 50 Mal so vielen Klicks als normal. Natürlich ist das ultimativer Rekord und einem sehr potenten Reichweitenkevin zuzuschreiben, der diesen depressiven Bloggolem hier einmal auf eine große Hafenrundfahrt durch Facebook genudelt hat. Womit die schöne Ruhe plötzlich vorbei war. Bitte. Sie müssen das nicht tun. Ich habe es gerne ruhig.

Das ist dann auch der Moment, nach dem ich keine Klickzahlen mehr hier notieren werde, weil das bei 10 Klicks für ein Ding noch Charme hat, aber ab dreistellig nur hässlich eitel wirkt.

Zum Hunger: Die besten Fried Chicken des Bezirks, wenn nicht gar in der Stadt, gibt es oben in der Schönhauser Allee auf Höhe Colosseumkino unter dem Viadukt. Ja, genau, in der Tonne der Verdammnis. Das Ding heißt Guten Dag und hat sich in diesem einsamen laufkundschaftslosen Rondell eingemietet, in dem schon zahlreiche kulinarische Versuche komplett schief gegangen sind. Aber die gastronomisch tätigen Asiaten in dieser Stadt können ja bekanntermaßen einen langen Atem haben. Krasses Zeug. Kostet mich wegen Fett, Zucker und Chemie locker zwei Jahre Lebenszeit nach hinten raus und wird mir mit tödlicher Sicherheit irgendwann Diabetes einbringen, aber egal.

Was noch? Hier, dieser abartige Pizzalieferant Freddy Fresh packt tatsächlich Würstchen in den Rand seiner Pizzen, wenn man so honkig ist wie ich und das bestellt. Pulled Turkey haben sie auch für den Rand, wer mag. Und Käse natürlich. Next munchies can come.

Gesoffen habe ich heuer im Kaputten Heinrich in Moabit, um mir nach einer Reise durch Westdeutschland, bei der ich zu vielen nervigen Leuten die Hände schütteln, ihren Maulgünther ertragen und wie immer jede Menge Businessmüll reden musste, den Mund auszuspülen. Großartige Kneipe. Das gute alte Moabit mit guten alten kaputten Moabitern. Sowieso: Support your local Bierschwemme und Fuck Craftbeerschnösel.

Gegessen habe ich wie folgt:

Mayflower, chinesisch, Prenzlauer Berg: Ein bisschen weg vom Schuss gelegen, aber seit die Gewerbemieten hier durch die Decke gehen, finden sich gute Restaurants auch mal in abseitigen Ecken des Bezirks. Einen großartigen Koch haben die hier, der eine sehr gute Karte fabriziert hat, auf der Sie auch Mägen, Quallen und vergorene Eier finden. Leider keinen Schweinedarm, aber vielleicht kommt der ja noch. Nein, nochmal: Guter Laden. Sehr gutes Essen. Gute Preise. Und keine Schnösel, Wichtigtuer, debile Immobilienerben oder laute Mütter mit zu viel Tagesfreizeit. Ungewöhnlich für meinen Bezirk.

Käseinsel, Mittagstisch, Mitte: Noch einmal ein guter Laden. Ich bin oft borgwürfelig in der Gegend unterwegs und benötige dann etwas zu essen. Gute Preise. Riesige Mittagsportionen. Gut gekocht. Käse habe ich abseits der Parmesansplitter auf dem Ragout keinen gesehen, aber das heißt nichts. Möglicherweise war ich vor Hunger blind.

Hodori, koreanisch, Schöneberg: Ein Borgwürfelgespräch. „Koreanisch mag ich nicht so gerne. Geschmacklich nicht prall, oft versoßt, völlig überbewertet.“ „Dann musst du ins Hodori anner Yorckstraße. Besser geht nicht.“ Yo, war ich dann eben. Und war nicht gut. Wenn es also besser nicht geht, dann tut mir das leid, dann mag ich das nicht mehr essen. Das Bibimbap belanglos, das Fried Chicken unessbar verketchupt und die Teigtaschen mau. Dazu schlumpfiger Service, der Sie eine halbe Stunde vor leergefressenen Tellern sitzen lässt, so dass Sie keine Getränke nachbestellen können, um den laborbedingten Brand im Hals löschen zu können. Keine Ahnung was die Leute alle hier wollen. Überbewertet. Eher sogar schwach. Gugge, oben, Guden Dag. So bitte.

Harapeco, japanisch, Friedrichshain: Schlimm. Ich muss jeden neuen superhippen Scheiß probieren, den sie durch Friedrichshain jagen. Auch japanisches Omelette. Schlimm. Das Omelette. Nie nie wieder werde ich diesen Mist essen. Brackig. Fettig. In komischen Soßen ersoffen. Und völlig zurecht beginnt bereits oben am Bahnsteig vom Ostkreuz das folgerichtige Sodbrennen, das ich nur bei sehr üblen Dingen bekomme. Der Körper wehrt sich gegen das, was ich ihm gab. Ich kann viel vertragen, viel Scheiß, viel Gülle, Junk bis zur Hutkrempe, allein das hier war zu viel. Furchtbar. Auch furchtbar teuer. Einen Zehner für einen Teller von dem Kram. Wenn Sie so einer sind wie ich, dann probieren Sie das und zahlen Lehrgeld. Wenn nicht, lassen Sie es sein und gehen Sie bitte was vernünftiges essen.

Zhou’s Five, chinesisch, Lichtenberg: Ja, so geht es, so macht man ein dickes fettes hochanständiges Buffet. Wenn Sie in der Lage sind, die zonalen Buffetfräsen auszublenden, die hier auf Gutschein fressen und sich die Teller irrwitzig vollladen mit Zeug, von dem sie immer die Hälfte zurückgehen lassen, dann ist das hier richtig gut. Die Leute hier sind schlimm, das Buffet perfekt. Sie können eben nicht alles haben, irgendwas ist immer.

Moms Creation, vegan und Sushi, Treptow: Yo, vegan, eigentlich klar: In Grund und Boden schreiben. Warum? Vegan. Muss scheiße sein. Stimmt hier aber nicht. Ein beängstigend perfekt organisiertes Lokal. Schnell, präzise, und das vegane Essen schlicht, tatsächlich und unter allen Aspekten überraschend sehr gut. Nur auf die zwei dümmlichen Frauen hätte ich verzichten können, die mit den Worten „Oh kuck mal, da hinten ist es schön ruhig“ nach hinten in meine Ecke kamen und noch bevor sie saßen lossabbelten als wäre Sabbeln morgen schon verboten. Blablablablabla. Hörste hier. Hörste dort. Und da die Sandra. Wobei Heike doch sagte dass sie das ganz anders gemacht hat. Und der Hund von Marysa ist soooo sweeeeet. Irgendwann kam der Kellner und bat mich, damit aufzuhören, immer mit dem Kopf auf die Tischplatte zu knallen, sonst müssten sie wieder die Anstalt rufen.

Und dann war ich noch im Prater. Essen furchtbar, übler Imbissrotz, aber hier geht man ja auch nicht zum Essen sind, sondern zum Sehen und Gesehenwerden. Der Prater, Hofgarten der Prenzlschickeria. Hierhin führen die Eigenheimbewohner ihre Erblasser aus. Schlimm anzusehen. Zumindest haben sie gutes Bier.

Nett wie ich manchmal bin, habe ich mein Geschirr weggetragen. Zurück zur Buchte, aus der sie das Zeug verkaufen. Daraufhin wurde ich angemault, ich solle es auf meinem Platz stehenlassen. Also habe ich es zurück zum Platz getragen, worauf mich der Geschirrwegträger anmaulte, warum ich mein dreckiges Geschirr wieder an den Tisch trage anstatt es abzuräumen. Ich habe das nicht beantwortet, sondern mir noch ein, zwei, später drei und vier Bier geholt und dem Wachsen des Geschirrbergs auf meinem Platz zugeschaut. Als ich ging, stand das ganze Zeug immer noch da. Versteh ick nich.

Zuletzt noch ein Verbraucherhinweis. Die besten Landjäger bisher erwarb ich ausgerechnet in der Kreuzberger Oranienstraße und zwar hier. Die besten Schweinebrätmaultaschen auch. Und ich dachte immer dieser Kiez sei so ein militanter Veganerparadiespuff. Stimmt nicht.

Das war der August. Mehr war nicht.