non erotic

Ja. Sehr gut. Endlich hängt mal ein Zettel an einer Laterne meiner Nachbarschaft, der nichts mit Yoga zu tun hat. Oder Coaching. Beratung. Ernährung. Reichenseelchenbetreuung. Oberschichtencrap. Was will der denn? Ah, Thai Massage.

Aber non erotic. Steht da. Und ist wichtig. Das muss man in Berlin dazu schreiben. Denn es ist völlig klar, was passiert, wenn Sie das nicht tun. Dann wird sich ein ralliger Opa Kowalke auf Ihrer puffrotfarbenen Liege fläzen, der sich wundert, dass er nach der fettigen öligen Ganzkörpermassage, die ihn so richtig schön bumsgeil gemacht hat, für seine 40 Euro keinen Blowjob mit Schlucken bekommt. Und dann muss er mit prallgefüllten Klöten wieder gehen und wird so ausfällig wie sonst bei seiner Alten zuhause, die ihn dann doch nur wieder rausschmeißt, wonach er die Reste seiner Kackrente irgendwo zu verficken sucht.

So ist das hier. Klischeeautomatismen. Eine Menge Projektion. Blöde Erwartungen. Hässliche Stereotype meinetwegen. Liest der normale Berliner was von Thai und Massage, denkt er automatisch ans Ficken. Puff. Handjob. Handentspannung. Penisring. Analpenetration. Ladyboy. Bumsbomber. Bangkok. Eine logische Linie. Mopf Mopf Blök Blök. Höhö. Wenn die da doch Massage schreiben, meinen die natürlich eine Penismassage, diese versauten kleinen Thaigören. Wollen die ja. Sind ja so. Kennze ja. Alle.

Ja. Thaimasssgen sind toll, ich mag es sehr, wenn eine winzige Frau, die maximal halb so groß ist wie ich, in ihrem nicht wirklich verhehlten Sadismus unter vollem Gewicht unter Einsatz von Knien, Ellbogen und vermutlich sogar Kinn und Zähnen an mir herumdreht, Dinge dehnt, Zeug verbiegt, so lange bis das Gelenk dann doch endlich knackt, wonach sie sich zufrieden zurücklehnt und sich den nächsten Körperteil vornimmt, und ich mag es noch mehr, wenn ich beim Warten vor dem schweren Vorhang mitbekomme, wie einer, der die Dinge partout nicht begreift, rumdruckst wie so ein immer viel zu nervöser Heranwachsender im Stripclub und mit zu hoher Stimme vermitteln will, dass er es gerne hätte, dass jemand beim Massieren seinen Penis deep-throat-alike in den Mund nimmt, so wie er es gestern abend erst unter der wanzigen Bettdecke bei Pornhub gesehen hat, und dann bitte zum Abschluss gurgelt als sei das nicht monatealte muffige Jurastudentenwichse, sondern mindestens Veuve Clicquot.

Aber kein Ding. Alles kein Ding. Sie kennen solche Gestalten hier, sie bügeln es ganz routiniert ab, wenn wieder einer nicht weiter lesen kann als „Thai Massage“ und zu „non erotic“ vor lauter Hirntotblutimschwanzkopfkino gar nicht mehr kommt.

Sowas kommt von sowas. Irgendwo muss das Zeug ja hin und wir haben inzwischen kaum noch Puffs in Prenzlauer Berg, in denen die Leute das Zeug versenken können, wenn sie doch mal etwas mehr als immer nur Taschentuch oder Socke spüren wollen. Auf der Danziger sind noch zwei letzte verbliebene größere halbseidene Ranzläden, in die Sie sich an der Theke erstmal mit Champagner einkaufen müssen, und diese Parterrehausfrauenwohnungsdinger mit den roten Lämpchen im Fenster, von denen früher jede Straße locker zwei bis drei hatte, sind bis auf ein paar letzte wackere Reste in die ewigen Jagdgründe gentrifiziert. Lohnt nicht mehr. Miete zu hoch. Und sowieso nur noch enteierte Bioväter überall. Sie müssen, wenn Sie das Angebot von Prenzlauer Berg traurig macht, hoch nach Pankow. Mühlenstraße. Oder Weißensee. Roelckestraße. Langhansstraße. Egalstraße. Oder Sie bestellen sich irgendwen nach Hause. Jemanden mit Penisring. Analdings. Ladyboy. Drei Titten mit fünf Brustwarzen. Mir wumpe. Machen Sie doch. Nur lassen Sie bitte meine armen Thaimassagenfrauen in Frieden. Die massieren nämlich alles, wirklich. Alles. Nur nicht Ihren Schwanz.