Es braucht zwei, drei, viele Heizpilze

Ich glaube, ich werde mir jetzt einen Diesel kaufen. So einen richtig schönen alten Diesel. Es ist genau die richtige Zeit dafür. Tucker tucker. Am besten kaufe ich mir gleich einen Traktor. Und gurke damit in Prenzlauer Berg umher und puste Feinstaub in die Luft. Einfach so. Aus Prinzip. Um meine Nachbarn zu ärgern, die jetzt eines dieser blöden ökohysterischen „Fridays for future“-Plakate ins Treppenhaus gehängt haben, eines von denen, mit denen sie sowieso schon den halben Bezirk vollpflastern, keine Straßenlaterne, keine Mauerwand, kein Bioladenschaufenster ohne Plakat. Und auf allen Kommunikationskanälen überall hoch und runter blökt es: Fridays for future fordert, Fridays for future schlägt Alarm, Fridays for future macht Druck an den Schulen, Fridays for future klagt an, mit 3.000 herangekarrten Schülern am Brandenburger Tor, jede Woche mit einer neuen Petition, mit Zettelverteilern vor unserer Grundschule und einem Tapeziertisch am S-Bahnhof auf meinem Nachhauseweg von Arbeit. Ballyho Ballyho. Tröt Tröt. It’s the climate, stupid. Sagen sie.

Huhu, just go fuck yourself, Ökodödel. Sage ich.

Ganz klar: Es braucht mehr Heizpilze. Ich werde mir jetzt ganze drei davon auf den Balkon stellen. Und die Strahlerhitze mit zwei überdimensionalen Hochleistungsventilatoren, die alleine schon die Klimaziele meines vertrottelten Birkenstockbezirks in die komplette Unerfüllbarkeit rocken werden, rüberblasen auf die Balkone dieser Greta-Thunberg-Fanclub-Honks neben mir, damit sie ihren Klimawandel so richtig schön doppelt genießen können. Das nächste ist dann eine mobile Klimaanlage in jedem Raum. Die ich bei offenen Fenstern betreibe. Einfach so. Um sie zu stressen. Eat this, Biohansel.

Ich kann nichts dafür. Ich bin eigentlich ein netter Kerl, aber diese stalinorgeleske Medienmaschine, die mich aus allen Rohren mit den Klimaschutzliturgien kleiner blöder Schulschwänzer beschallt und das auf sämtlichen Kanälen, die ihnen zur Verfügung stehen, weckt meinen prinzipiellen Widerwillen. Ich möchte dann gerne trollen. Genau das Gegenteil machen. Ich überlege mir sogar, mit dem Rauchen anzufangen. Einfach aus Prinzip. Nur weil sie es fast ausgerottet haben. Ich muss ja gar nicht selber rauchen, ich könnte ja auch den Tabak einfach so auf dem Balkon verbrennen wie der Kiffer aus dem vierten Stock seine indischen Räucherstäbchen. Oder hey, je mehr vegane Kackbuden sie in meiner Nachbarschaft aufmachen, desto öfter möchte ich mir zentimeterdicke Scheiben Côte de Boeuf auf meinen natürlich kohlebefeuerten Smokergrill hauen, auf dass ich die Straße mit Schwaden gegrillter Tierleichen einnebele. Als Fickfinger. Nur für sie. Denn je mehr sie brüllen, desto lieber mag ich einfach das Gegenteil dessen machen was sie von mir wollen. Da geht noch was: Im nächsten Urlaub werde ich die Klimaanlage den ganzen Tag voll Pulle laufen lassen, obwohl ich gar nicht im Zimmer sein werde. Ich wähle auch ab jetzt meinen Einkauf bei Lidl danach aus, was mit dem meisten sinnlosen Plastik verpackt ist. Und ich spiele an der Ampel völlig debil mit dem Gaspedal herum, damit die Scheißkarre ja nicht ausgeht, so wie sie es haben wollen. Denn scheiß doch darauf was sie so alles wollen, die Gängler, die Klugscheißer, Quengler, Nöler, Nervbacken, ich lese ja auch ihre ganzen Medien, die in ihr Horn tröten, gar nicht mehr. Schon lange nicht mehr. Erst zeit.de nicht mehr, dann spiegel.de nicht mehr, selbst faz.net kaut inzwischen den Zeitgeist so penetrant wider, dass ich maximal noch tagesspiegel.de lese, wenn auch nur wegen des Pankow-Regional-Teils, weil da garantiert nichts über die ganze Klimablase und ihre kreischenden kunterbunten Ökoschmocks steht.

Aber dass ich ihre Portale nicht mehr lese und ihre Sendungen nicht mehr schaue, bedeutet nicht, dass sie mich nicht erreichen. Sie nerven mich ganz einfach mit anderen Mitteln. Sie kriegen mich nämlich doch erreicht mit ihrem Wahn. Ich habe hier in Berlin-Prenzlauer Berg ökomissionarische Werberollbanner in den Straßen, Flaggen mit wohligen Glückskekssprüchen von den Balkonen hängen, gesprühte Klimaschutzparolen auf den Bürgersteigen, Vollidioten mit dem Tapeziertisch voller Flugblätter vor den Schönhauser Allee Arcaden und jetzt sogar Gretas Scheißplakate in meinem Treppenhaus. Huhu. I bims, deine Klimatröte. Wahrscheinlich klettert demnächst jemand auf meinen Balkon und installiert ein Bündnis 90/Die Grünen-Fähnchen in meinem unkrautbewehrten Blumenkübel. Damit auch ich weiß was ich wählen soll.

Sie erziehen mal wieder mit dem Holzhammer. Vielen verschiedenen Holzhammern. Den ganzen Tag. Als Trommelfeuer.

Diese Arschgeigen.

Das neueste Blep Blep heißt Flugscham. Nachdem ich mich schon seit Jahren für alle möglichen Dinge schämen soll, imaginäre Privilegien, Mannsein, Hautfarbe, Fleisch, tiefgekühlter Alaska-Seelachs, den Feierabendwhisky, Foie Gras auf Toast, kommt jetzt das Fliegen dazu. Ich erkenne also: Sie hören nicht auf, gar nie hören sie auf, es kommen immer mehr Dinge, immer mehr Verhaltensanweisungen, und immer geblasen aus allen bekannten üblich verdächtigen Kanälen und in der Mehrheit tatsächlich aus den öffentlich-rechtlichen, die sie mich wie um mich zu verhöhnen auch noch mitbezahlen lassen. Irgendwas um die 50 Euro im Quartal sagt der Kontoauszug. Für etwas, das ich seit Jahre wegen akuter neunmalkluger Nervtöterei gar nicht mehr sehen mag. Was? Was jetzt wieder? Flugscham? Leckt mich doch mal bitte.

Aus.

Ende.

Fahnenstange tot. Ich bin wundgenölt und mag jetzt sabotieren. Ich habe meine Reisestelle im Borgwürfel, dem schönsten, schnellsten und tollsten Arbeitsplatz der Welt, bisher immer gebeten, mir für die Reisen in Deutschland eine Zugverbindung zu buchen, weil ich Fliegen hasse, wenn auch nur wegen des ekligen hysterischen Securitygehabes, dieses Popanzes aus Eiergrabschern und Schuhschnüfflern, die mich wegen meines polnischen Namens immer zur Sondersicherheitskontrolle rausziehen, weil der Pole ja bestimmt wieder ein Auto geklaut hat und deswegen auch bestimmt Sprengmittel in den Flieger schmuggeln will. Nee, kein Bock auf Inlandsflüge, dachte ich bis heute. Doch jetzt? Bitte sehr: Leckt mich doch. Ich fliege jetzt. Immer. Und wenn es nur von Berlin nach Frankfurt ist. Oder Köln-Bonn. Die Dreiviertelstunde. Flieg‘ ich doch. Jeden Monat locker drei Mal. Hin und zurück. Fuck the fuck. And fuck you. Macht sechs Mal. Und rüber nach Katowice ab jetzt auch nur noch per Flieger. Zur Not über Istanbul wenn es sein muss. Oder Doha. Singapur. Chisibubikaio. Ich fliege von Berlin nach München. Stuttgart. Zweibrücken. Egal. Alles mit dem Flieger ab jetzt. Ich ficke eure Klimabilanz hoch bis zum Zäpfchen, ihr Stricher. Weil Ihr mich so nervt.

Chill Chinchilla. Es ist doch im Moment so: Wer nicht mitwippt beim neuen Hype, ist raus. Wird verhöhnt. Beschimpft. Niedergebrüllt. In den Boden geschrien. Und geschrieben. Gesabbelt. Gesendet. Typischer gruppendynamischer Prozess. Abgrenzen. Separieren. Aussortieren. Draufhauen. Und so ist, wer jetzt noch Fleisch ist, mindestens ein Nazi, wer jetzt noch Auto fährt, ein Schänder künftiger Generationen und wer immer noch nicht regional doppelt so teuer bei einem Konzern wie Alnatura, sondern bei Netto einkauft, der steht auf einer Stufe mit einem, der nachts bei Mondschein Giftmüllfässer irgendwo im Harz in einem Stollen verklappt. Ein Menschenfeind. Ein Sünder. Umweltsünder. Klima Klima Klima. Es gibt nur noch eine Meinung dazu und sie ziehen das durch. Ding ding ding. Wer nicht hüpft der ist ein Nazi. Hey. Hey.

Und ich? Mache nicht mit. Ich hüpfe nicht. Schon gar nicht über Stöckchen. Ich trenne keinen Müll, kaufe keinen Ökostrom und gebe inzwischen nicht mal mehr ihren dummen Pfandmüll zurück. Mir auch egal inzwischen. Schmeiß ich weg, die Flasche. Ihr könnt mich mal. Eine Weile habe ich es probiert, habe mich von ein, zwei, drei Spätiverkäufern mit meiner lausigen Tyskie-Flasche abweisen lassen – „Verkauf isch nisch, muss isch kein Pfand rückgebn“ – bis ich es einfach sein gelassen habe, mich für die 8 oder wegen mir 25 Cent von irgendwelchen dümmlichen Halbhirnköpfen oder einem nie richtig funktionierenden Pfandautomaten demütigen zu lassen. Ich scheiß auf euer Pfand, das ist für mich eben nur eine eurer blöden ständigen Preiserhöhungen wie von der GEZ für ihr bräsiges Einheitsblafernsehen, diese wegen eurem ganzen Ökoscheißdreck höchsten Gas- und Strompreise Europas oder die neue CO2-Steuer, die sie durchdrücken werden und die nur diejenigen treffen wird, die sie sich nicht leisten können werden, mir egal, ihr kriegt mich nicht eingenordet, ich zahl‘ das alles, nehmt doch 50 Cent pro Flasche Pfand oder 3 Euro den Liter Benzin, mir auch egal, wie euer ganzer Klimawandel, der ist mir auch egal, wird es eben ein paar Grad wärmer, der Mensch wird sich anpassen, alles ist immer irgendwie Anpassung in der Natur, an die Umstände, die Dinge, Arten sterben, neue kommen hinzu, alles gleicht sich immer irgendwie aus, deshalb kann ich dem hysterischen Bemühungen meiner blöden Nachbarn nur mit Irritation und einem Schmunzeln zuschauen, wie sie sich winden, weil sie glauben, als zwei von acht Milliarden CO2-Produzenten die Entwicklung eines ganzen Planeten steuern zu können und dabei doch nur allen, die von 8 bis 17 Uhr in den miefigen Büros dieser Stadt ihre Subventionen erarbeiten müssen, permanent auf den Sack gehen. Sie können gar nichts. Sie beeinflussen einen Scheiß. Sie können nicht mal mich, ihren Nachbarn, steuern. Sie sind scheißegal. Wie ich. Ich bin auch scheißegal. Uns unterscheidet nur, dass ich das weiß und sie nicht. Wir sind ein Furz im System, bestenfalls schwarzer, weißer, roter und gelber Schimmel auf der Erdoberfläche und Veganer leben vielleicht ein, zwei Jahre länger als ich, aber das Ergebnis ist trotzdem das Gleiche: Der Tod. Huhuhu. Surprise Surprise. Wer hätte das gedacht?

So. Stimmung bitte. Konfetti. Alaaf. Ich muss mal kurz den Kachelofen anwerfen. Ich habe altes lackiertes Kleiderschrankholz zu Verfeuern. Und Laminatplatten. Gibt ordentlich Rauch. Ich schmeiß‘ auch gleich den alten Adventskranz vom Kind samt Kerzen und Perlenverziergedöns mit hinterher, der seit Weihnachten trocken und gammlig werdend auf der Kinderkommode rumliegt. Gibt noch mehr Rauch. Freuen sich meine Nachbarn. Because it’s the climate, Biobitches.