Das Fick-mich-Croissant

Le-Fucking-Crobag. Da liegt es lasziv in der Auslage, das Miststück von Schinken-Käse-Croissant für 2,35 € und grinst mir ins Gesicht: „Na du hast Hunger, nicht? Jaja, und ich bin fettig, speckig und zugeballert mit Kohlehydraten – so wie du es gern hast, wenn du besoffen bist. Ich weiß, du brauchst es jetzt schmutzig und eklig, du musst mich jetzt haben, du und dein chronischer alkoholbedingter Heißhunger.

Aber du weißt, ich habe meinen Preis – billig ist mit mir nicht drin. Es ist sechs Uhr am Sonntagmorgen, du kommst hackedicht aus der Kneipe und niemand hier in der Gegend wird dich um diese Zeit so glücklich machen wie ich. Nicht der Dönermann, der den letzten verkohlten Fetzen Hackfleischabfall mit dem eingefallenen Gemüse in das knallharte Stück Fladenbrot matscht und auch nicht der Süßigkeitenautomat oben auf dem S-Bahnhof, der dir für eine winzige Tüte uralter harter Gummibärchen noch viel mehr abknöpft als ich.
Ja doch, ich weiß was du denkst: 2,35 € sind eine Frechheit, glaubst du, das weiß ich nicht? Aber du brauchst mich jetzt und du würdest im Augenblick auch 3,35 €, ach was sag ich 4,35 € für mich bezahlen, denn ich bin das Angebot und du die unterzuckerte Nachfrage, ich bin sogar das einzige ernstzunehmende Angebot hier und wenn du mich nicht nimmst, nimmt mich gleich ein anderer, so läuft das Spiel, mir ist das gleich, ich gehe heute jedenfalls nicht alleine hier weg. Du allerdings schon, wenn du hier noch länger blöd rumstehst.
Im Übrigen hast du Spucke am Mundwinkel. Mach das mal weg, das törnt mich ab.
Also was ist? Wird das heute noch mal was oder willst du mich weiter nur angaffen? Du hast doch schon verloren und du weißt es. Du wirst gleich 2,35 € deines sauer verdienten Geldes für ein fettiges, ernährungsphysiologisch völlig unvernünftiges und sinnloses Schinken-Käse-Croissant voller Fett und Zucker bezahlen, das dich noch nicht einmal satt machen wird. Danach wird es sein wie nach schlechtem Sex mit jemandem, dessen Namen du mal wieder nicht kennst: Ein brackiger abgestandener Nachgeschmack garniert mit Schuldgefühlen, doch das ist egal: Im Moment bin ich heiß, fettig und feucht und du willst mich, du brauchst mich jetzt, riech doch wie ich dufte, los riech, riech…“
„Morjen, ick hätte jerne ein Schinken-Käse-Croissant. Nee nich dette, dit andere, wat so dämlich grinst.“