Be stupid – Go shopping

In Berlin haben sie es nicht so mit der Architektur – Hauptsache billig, möglichst rechtwinklig, auf jeden Fall klobig und als Materialien zur Verblendung bitte nur Sichtbeton und Glas. So erreichen die Mumien aus der Senatsbauverwaltung eine lebensfeindliche, todnüchterne Atmosphäre, die einen jeden bemitleiden lässt, der dort zu arbeiten gezwungen werden wird. Bonjour Tristesse. Seid umschlungen, Katakomben. Hässlich. Hässlicher. Berlin.

Manchmal laufen die verantwortlichen Mumien aber auch Amok, werfen sich ein buntes Pillchen ein und genehmigen einen rosa Albtraum wie das Alexa in Sichtweite des schon seit Generationen architektonisch wundgescheuerten Alexanderplatzes.

Der erste Blick auf dieses Ding weckt Assoziationen an einen mutierten Römertopf, verwaschenes Rosa schreit seine schiere Hässlichkeit in eine Stadt, deren wenige Bewohner mit Sinn für Ästhetik und Stil diese Zumutungen inzwischen nur noch stoisch hinnehmen. Es sind einfach zu viele dieser Bunker, die sie hier in das Stadtbild koten.

Dieser Alexaghul ist grotesk. Da wollte mal einer innovativ sein in dieser Billigbaustadt Berlin – jenseits der überall flächendeckend in den öffentlichen Raum erbrochenen grau-weiß blankgeleckten Investorenarchitektur – und schafft dann doch nur Disneyland auf LSD mit dem Charme einer geköpften Barbiepuppe, die zu lange bei Regen in der Pfütze gelegen hat.

Shoppingbunker folgt hier Shoppingbunker. Wenn ich wieder einmal eine dieser hirntoten Konsummalls sehe, von denen Berlin offenbar nie genug haben kann und die sie immer noch lieber bauen als Wohnungen, brechen bei mir Gewaltfantasien Bahn: Ich möchte die Verantwortlichen mit H&M-Gürteln an den Sichtbeton fesseln, ihnen die McDonalds-Hamburger ins Maul stopfen bis sie platzen, sie mit Nanu Nana-Kerzenständern und abgebrochenen Deichmann-Pfennigabsätzen so lange penetrieren bis sie erkennen, dass sie Banausen sind und Berlins historische Mitte auf Generationen ruinieren, ich möchte ihnen ihre ganze Ideenlosigkeit und diese vorsätzliche optische Körperverletzung mit Hilfe von in Esprit-Schals eingewickelten altbackenen Ditsch-Brezeln und mit WMF-Schleifsteinen geschärften Media-Markt-Gutscheinen heimzahlen, ihnen die S.Oliver-Boxershorts und die Hunkemöller-BHs um die nie hören wollenden Ohren hauen und sie danach im Keller bei Rossmann unter vollgekackten Pamperswindeln für immer begraben.

Ist die Bundeswehr noch auf der Suche nach einem neuen Bombenabwurfplatz? Hier wäre einer.

Was sie hier architektonisch betreiben, ist nicht Hauptstadt, es ist Bottrop-Lehmkuhle, Kassel-Süsterfeld oder bestenfalls noch Magdeburg Industriegebiet Nord. Ideenlos, konzeptionslos, ohne Sinn für Geschichte, Traditionen, Umfeld, Mitte und Lebensgefühl. Kein Sinn für nichts. Und in der Chausseestraße unter der Erde rotiert Schinkel in einer Geschwindigkeit, die die Stromversorgung des ganzen Kontinents sicherstellen könnte.

Aber egal, alles egal, was scheren mich Stilfragen, hier bin ich Mensch, hier shoppe ich auf drei Etagen bis mein Kleiderschrank platzt und mir meinen ganzen Lebensinhalt wieder vor die hilfiger-bestrumpften Füße rotzt. Mein Berlin. Be stupid – go shopping.