Fuck you fucking Fleischwarenfachverkäuferin

An des Supermarkts Frischtheke sprach ich zu einer Frau:

„Guten Tag, ich hätte gerne 300 Gramm Rinderfilet. Durch den Fleischwolf gedreht bitte.“

„…“

„Nein, bitte nicht einpacken. Durch den Fleischwolf drehen bitte.“

„Durch den Fleischwolf?“

„Durch den Fleischwolf.“

„Das ist nicht Ihr Ernst!“

„Doch.“

„Was wollen Sie denn damit machen?“

„Ich werde es roh essen, zusammen mit einem rohen Eigelb, ein wenig Tabasco, einer kleingehackten Spreewald-Gurke, gehackten Schalotten und einem leicht angewärmten französischen Baguette. Dazu mache ich einen schönen alten Primitivo auf und freue mich über die Tatsache, dass ich immer noch lebe.“

„Aber dafür können Sie doch Tatar aus dem Fach hier nehmen.“

„Ich möchte aber kein Tatar aus dem Fach hier, ich möchte Filet. Ganz frisch aus Ihrem Fleischwolf.“

„Tatar geht aber auch.“

„Puh. Ja, ich weiß, dass Tartar auch geht, aber ich mag gerne frisches Filet haben.“

„Ich kann doch das gute Filet nicht durch den Fleischwolf drehen.“

„Warum denn nicht?“

„Das ist doch viel zu schade dafür.“

(… ich geh kaputt …)

„Nein, ist es nicht und ich weiß das. Ich werde es essen und ich werde es sehr mögen.“

„Also… bitte, ich mache das wirklich nicht gerne. Das schöne Filet.“

„Jetzt drehen sie doch bitte dieses Filet durch den Fleischwolf. Bitte. Ich möchte es genau so. Ehrlich. Vertrauen Sie mir.“

„Das tut mir in der Seele weh. Das gute Filet…“

„Bitte! Fleischwolf. Jetzt. Sie schaffen das.“

„Aber Ihnen ist klar, dass ich Ihnen das Gewicht vor dem Fleischwolf berechnen muss, weil da bleibt ja immer viel hängen. Da geht Ihnen dann was verloren.“

„Ja ich weiß, ich kenne das, zahle das und ärgere mich jedesmal nur über diesen sinnlosen Kampf an Ihrer Theke, bis ich endlich mein Filet in einen Ihrer Fleischwölfe bekomme. Ich habe schon überlegt, mir selber einen Fleischwolf anzuschaffen, nur damit ich mir für dieses eine Mal im Jahr, an dem ich mir mal was Besonderes gönnen möchte, nicht furchtbar mühsame Diskussionen an Theken reinziehen muss, an denen ich sowieso ungerne bin, weil alle dort generell zu viel reden und meist sogar ungefragt.“

„Wie Sie meinen, es ist ja Ihr Geld.“

Raaaaaaaaah! Nein, nein und wieder einmal nein. Ich reite ungerne darauf herum und es ist überhaupt nicht meine Art, mit dieser Tatsache direkt mit der Tür ins Haus zu fallen, aber ich bin König. König Kunde der Erste, um ganz exakt zu sein. Und wenn ich ein Filet im Fleischwolf will, dann will ich ein Filet im Fleischwolf und keine Diskussion mit einem Menschen, der mit rohem Fleisch sowieso schon qua Geschlecht nichts anfangen kann. Ich bin König und wenn ich das genau so kaufen will, dann möchte ich nicht, dass man an eurer Theke so tut als sei ich ein frisch aus der Bonhoeffer-Nervenklinik ausgebrochener Irrer, hätte auf dem Weg zu Edeka ein Baby, zwei Schafe und einen Dackelwelpen gerissen, roh gefressen und verlangte jetzt vor Blut triefend mit einer Machete in der Hand noch mehr rohes Fleisch, wobei man mir zu allem Überfluss nicht einmal zutraut, zwischen halb grau angelaufenen Tartar-Fleischresten aus der Schale und frisch durchgedrehtem leuchtend rotem Filet zu unterscheiden.

Frauen! Auf ein Wort: Ich werde mich nie einmischen in eine Diskussion über die Unterschiede zwischen einem Lollorosso-Salatblatt und einem Chicoree, niemals nicht werden mich die feinen Unterschiede von Laura Biagotti und Coco Chanel interessieren, zu den Hochzeitskleidern irgendwelcher Adeliger werdet Ihr von mir nie einen Pieps zu hören bekommen und niemals gar nicht werde ich meinen unqualifizierten Kommentar zu den Vor- und Nachteilen stoßgedämpfter Keilabsätze bei der diesjährigen Herbst-Winter-Kollektion von Xanaka, Mango oder fucking Pimkie abgeben.

Im Gegenzug verlange ich nur eins: Ich will keine Kommentare zu rohem Fleisch. Keine Argumente. Keine Diskussion. Keine Gegenrede. Keinen Pieps. Rohes Fleisch ist Männersache, das war so, ist so und wird auch immer so bleiben. Von rohem Fleisch habt ihr keine Ahnung. Es gibt nämlich sehr wohl einen Unterschied zwischen rohem Fleisch und rohem Fleisch. Ist so. Ehrlich. Daher nochmal: Ihr habt keine Ahnung. Von allem anderen ja. Immer. Viel sogar. Aber davon nicht. Also bitte, bitte, bitte mit extra Ahornsirup oben drauf: Ich will keine Diskussionen, keine im Taxi, keine im Fahrstuhl, keine auf dem Scheißhaus und absolut keine an der Fleischtheke.

Dringt das so durch? Ja? Nächstes Jahr dann bitte einfach so mein Filet. Im Fleischwolf. Ohne Reden. Einfach Fresse zu. Filet nehmen. Verfleischwolfen. Mir geben. Bitte. Danke.