Die Wetterfee aus dem Borgwürfel

Auf dem Weg in den Borgwürfel, der Seele von Arbeitsplatz und rettendem Engel in dieser feindlichen Welt:

„Morgeeeen.“

„Morgeeeen.“

„Und was läuft so?“

„Wetter is ja super heute.“

„Ja.“

„Soll wieder wärmer werden.“

Und das war es. So läuft es. Fast jeden verdammten Tag. Wir haben eine Wetterfee im Borgwürfel. Und weil das Schicksal mich hasst, fährt sie morgens meistens mit mir im Fahrstuhl. Sie hat kein anderes Thema als das Wetter, egal wie Sie – weil in so einem Fahrstuhl ja grundsätzlich geredet werden muss – so ein unvermeidlich dröges Fahrstuhlgespräch beginnen.

„Haben Sie gehört? Die Sache mit der Erhöhung vom Jahresbonus ist vom Tisch.“

„Ach, bei dem schönen Wetter lass ich mir nicht die Laune vermiesen. Heute nachmittag soll es hochgehen bis auf 20 Grad.“

Ich habe keine Ahnung, was diese Frau umtreibt. Normale Leute haben dafür eine App, die ihnen sagt wie das Wetter wird. So dass man im Fahrstuhl auch mal über was anderes reden oder auch einfach mal das ewig plappernde Maul halten kann.

Geht aber auch nicht. Ich habe es versucht und nach einem gebrummten „Morgön“ einfach gar nichts mehr gesagt, sondern die Perforierung der Wandverkleidung der Fahrstuhlkabine studiert. Wenn man die Löcher wie bei Malen nach Zahlen verbindet, was kommt dann raus? Kunst vermutlich. Solche Kunst wie der teure Schrott, der bei uns in der Lobby hängt und für den irgendwelche scheintoten Kunstfunktionäre dem Künstler einen von meinen Steuern öffentlich dotierten Preis um den Hals gehängt haben.

„Wetter soll ja super werden heute.“

Häh was? Oh, sie spricht. Na klar, wenn niemand was sagt, fängt sie an. Bricht das Eis. Haut den neuesten Wetterbericht raus. Denn sie ist die Wetterfee.

„Wenn wir Glück haben, erreichen wir heute 20 Grad.“

Ja, und wenn wir noch mehr Glück haben, reißen die Fahrstuhlseile und ich habe es endlich hinter mir. Wetterfee. Ich brauche neue Arbeitszeiten. Oder ich sollte einfach mal in der Fahrstuhlkabine furzen. So ein dickes ekliges „Gestern gab es polnisches Zwiebelfleisch mit Bier“-Ding. Dann fährt sie nie wieder mit mir, sondern hasst mich und nervt endlich andere. Den Vorstand. Den Buchhalter. Oder die Affen vom Marketing. Egal. Alle. Nur nicht mich. Ich hab‘ ne App.