Discounterkassendemütigung

An der Kasse zu Aldi wartet meine ultimative Demütigung.

Denn ich bin für die Kassen der Discounter zu langsam. Immer. Bei jedem Einkauf. Während ich noch damit beschäftigt bin, Joghurtbecher, Milchtüten, Saftflaschen und diese ganzen kleinen Proteinriegel, die sie jetzt bei Aldi verkaufen, sorgsam wieder in den immer zu tiefen rückentötenden Einkaufswagen zurück zu stapeln, türmt sich auf der – warum auch immer das so ist – viel zu kleinen Warenrampe hinter der Kasse schon ein wackeliges Ungetüm aus Wurst, Käse, Milch, Eiern, Mülltüten und Müller Milchreis auf und ich gerate in Stress, fange an zu schwitzen, wuchte immer schneller immer fragilere Waren in den Wagen, werfe schon Dinge, die geworfen werden können, die Bananen, den Fleischwurstring, das Haarwachs, schnappe von der Seite ein „Fünfundvierzigeurosiebenundneunzig“ seitens der Kassenkraft auf, die natürlich schon fertig mit Scannen ist, zahle mit einer Hand, während ich mit der anderen Hand weiter einräume, und versuche, während die Kassenkraft das Wechselgeld zusammenklaubt, noch ein paar Waren basketballartig in den Wagen zu werfen, damit die Kunden hinter mir nicht mehr so angestrengt schauen, weil sie wissen, dass die Kassenkraft ihre Waren in Kürze in der gleichen Geschwindigkeit scannen wird, so dass sie über die zerkratzte Wechselgeldplastikwand umständlich ihre Einkäufe rüberheben müssen, weil ich es wieder nicht geschafft habe, die verdammte und immer viel zu kleine Warenrampe bis dahin frei zu machen.

Kassenbereichsburnout. Danach wiege ich jedes Mal nach dem Einkauf ein halbes Kilo weniger. Doch das ist nur der Schweiß, den ich verloren habe. Mit drei Bechern Milchreis habe ich das wieder drin.

Demütigend ist es dabei vor allem, dass die Kassenkraft, die in der gleichen Zeit dreimal so viele Waren gescannt hat als ich zurück in den Wagen räumen konnte, mir lächelnd zwischen den Scanvorgängen beim Zurückräumen in den Wagen hilft. Ich komme mir dabei vor wie Oppa Kowalke aus dem Greisenheim, der sein Gebiss verloren hat und dessen Enkel ihm unter Würgeanfällen das schleimige Gebiss mit dem Besenstiel unter dem Sofa hervorklauben müssen. Peinlich. Embarrassing. Ich bin einfach zu langsam. Ich genüge nicht. Ich bringe es nicht mehr. Zeit für den Sarg.

Und so wünsche ich mir eine Entschleunigungskasse bei Aldi und Lidl. Für alte Wichser. Für Oppa Kowalke und mich. Und andere Langsame. Die nicht genügen. Nicht so schnell sein können. Und da stünden wir dann, Opa Kowalke zählt die Pfennige und die Kassenkraft schiebt die Waren zärtlich über den Scanner, der in Zeitlupe piept und ich verliere kein halbes Kilo Gewicht, das ich mit drei Milchreisen (häh?) wieder auffüllen muss.