Hirntote Zombies

Ich habe das Gefühl, dass sie immer mehr werden. Die Zombies. Die mit den Bildschirmen. Auf dem Bürgersteig. Über die Zebrastreifen. Über öffentliche Plätze. Durch die S-Bahn. Tipper Tipper. Glotzen sie in die Dinger und nirgendwohin sonst. Sie können diese Gestalten schon von Weitem erkennen. Und zwar an den Schlangenlinien. Ja. Sie laufen Schlangenlinien wie besoffen und tippen dabei Nachrichten. Wie Blinde. Oder Gestörte. Pleppos. Gehandicapte. Nicht mehr ganz Dichte. Von allen Sinnen abgekapselt laufen sie zwischen die Leute wie außer Kontrolle geratene Seeminen. Mölb mölb ugga ugga ich seh‘ nix mölb mölb ugga – bonk! – oh, das war eine Straßenlaterne. Oder ein Poller. Autospiegel. Meine Brust.

Ich laufe die inzwischen über den Haufen. Konsequent. Eigentlich vorsätzlich. Ich sehe die zwar schon von weitem, doch ich lasse es darauf ankommen. Laufe auf sie zu. Weiche eben nicht aus. Und sie bemerken mich nicht. Tipper Tipper. Ich muss chatten. Tipper Tipper. Wo ich hinlaufe weiß ich nicht, aber ist auch egal, denn ich chatte. Tipper Tipper. Chat Chat Tipper Tipper. Bonk! Glortz! Das war das Smartphone. Es fällt zu Boden. Weil ich wieder dem behinderten Kind und seinem bildschirmgewordenen letzten verbliebenen Sinnesorgan nicht ausgewichen bin. Sekunden der Irritation beim Gegenüber. Wo bin ich? Was mache ich jetzt? Wer ist dieser Mensch? Wo ist mein Bildschirm? Was soll ich jetzt tun?

Ich freue mich. Über jeden dieser Pleppos, der in mich reinläuft. Und nein, das ist keine Erziehung. Erziehung hat den Zweck, eine Verhaltensänderung herbei zu führen. Diesen Zweck verfolge ich nicht. Weil ich weiß, dass sie genau so weiter machen werden, dass sie weiter blind wie Maulwürfe und taub wie eine Glasmurmel durch die Straßen laufen und gegen Dinge, Menschen, in Hundehaufen oder hoffentlich endlich mal vor eine Straßenbahn laufen werden. Nee. Lass stecken. Kollisionen ändern nichts und ich will gar nicht erziehen. Ich will nichts weniger als diese Blindfische leiden sehen. Vielleicht tut sich einer weh. Oder das verdammte iPhone 23 geht kaputt, wofür ich nichts kann, weil der behinderte Smartphonezombie schlangenlinientaumeln in mich reinlief. So mache ich das jetzt. Ich bin Pacman. Kennt keiner mehr, aber Pacman schießt Smartphonehonks auf dem Bürgersteig ab, in dem er ihnen nicht ausweicht anstatt sie mit Rücksicht in ihrem Verhalten zu bestärken. Weil die alle blöd sind. Weil die es alle nicht besser verdient haben. Weil es einfach nur Spaß macht. Plonk! Wieder einer. Was kuckt der blöd. Rückt seine Brille zurecht. Konnte sein Smartphone gerade noch auffangen. Wie blöd die immer kucken. Irritiert. Verwirrt. Vollkommen desorientiert. Hirntot. Dass sie sich nicht entschuldigen, geschenkt, das macht keiner in Berlin, für gar nix, nicht mal für Hupsa reicht die Sozialkompetenz bei den Flachköpfen aus, sie glotzen nur wie Kühe, die blind gegen einen Poller gelaufen sind und plötzlich versuchen müssen, in der Realität zu bestehen. Völlig überfordert. Und ich sage nicht mal was, schimpfe nicht, nöle nicht, nerve nicht, sondern schaue nur mitleidig wie ich einen Frosch anschauen würde, der versucht, eine glatte Wand hochzuspringen und immer wieder runter auf die Schnauze fällt, nur um genau so weiter zu machen. Lebensunfähig. Der Sinne entledigt. Verkrüppelt. Behindert. Kastriert. Ein ganz trauriger Haufen Mensch, der da durch Berlins Straßen schlurft und … oh … da … wieder einer … tippt wie vom Teufel besessen … der wird mich doch … nein … wird er nicht … Plonk! Glortz! Ach je…