Pfister my Hof, Darling

Auf des Prenzlauer Bergs Schönhauser Allee gibt es einen Bäcker, bei dem Sie 5,85 Euro für einen halben Laib Brot ausgeben können. Seit zehn Jahren gibt es den da. Und der hält sich nicht nur, sondern es ist immer, wenn ich dort vorbeilaufe, jemand drin. Zwei, drei, vier Leute. Das Ding läuft. Sie kaufen das hier für den Preis. Seit vielen Jahren.

5,85 € für einen halben Laib Brot.

Es will mir nicht in den Kopf. Was ist hier los? Ist das so ein Statussymbolding in Prenzlauer Berg, weil man sich keinen Mercedes vor das ausgebaute Dachgeschoß stellen kann, ohne dass der des Nachts von Alkoholikern mit Bier überschüttet, von Touristen bepinkelt und von Politaktivisten angezündet wird? Braucht man unbedingt ein Ersatz-Statussymbol? Trägt man jetzt so ein irrwitzig überteuertes Laib Brot zur Prada-Handtasche und den Louboutin-Pumps? Wem bringt das was?

5,85 € für einen halben Laib Brot.

Wie kann ich mir das vorstellen? Flanieren die Biovetteln ganz stolz mit ihrem ganzen Laib „Pfister Öko Sonne“ für 11,70 die Schönhauser Allee auf und ab in der Annahme, dass die alten Ost-Nachbarn hinter den Gardinen lauern und sich ärgern, weil sie sich nur das minderwertige Industriebrot von der fürchterlichen Back Factory für 1,49 € um die Ecke leisten können?

5,85 € für einen halben Laib Brot.

Oder lädt man sich abends Freunde ein und reicht statt Antipasti ein paar zusammengeknödelte Brotkrumen „Pfister Öko-Schwabenlaib“ auf Zahnstochern, die man dann langsam im Mund zergehen lässt wie Stücke eines Angus-Entrecôtes oder Carpaccio vom Kobe-Rind, das von jungfräulichen Bäuerinnen aus Davos jeden Tag eigens fünf Stunden mit den Arschbacken massiert wurde?

5,85 € für einen halben Laib Brot.

Ich habe Goldnuggets gesucht, Lithium, Seltene Erden. Nix davon drin. Es ist auch keine Schatzkarte eingebacken oder eine versteckte Botschaft von Außerirdischen, die man teuer an die NASA verkaufen könnte. Nix.

5,85 € für einen halben Laib Brot.

Es ist letztlich: Nur Brot. Kein schlechtes – zugegeben, doch nur Brot. Ich habe es auch einmal gekauft. Es wird genauso schnell trocken und hart und es bildet eine genauso gute Grundlage für Wurst, Käse und Nutella wie das normale günstige Brot vom ganz normalen Bäcker, der keine Sauerteige mit dem Laster aus München herankarrt, um sie den Bekloppten hier trotz der katastrophalen CO2-Bilanz eines Flugzeugsträgers oder eines durchschnittlichen Grünenpolitikers als Öko zu verkaufen.

Nur eben: 5,85 € für einen halben Laib Brot.

Nein, ich kaufe das nicht, lieber fahre ich hoch zu Siebert oder Kroll und würde den Bonzenkram von der Schönhauser Allee auch dann nicht kaufen, wenn es sich um von behinderten lesbischen und darüber hinaus einäugigen ADHS-Kindern aus einem Waisenheim in Tadschikistan mit den Füßen gebackenes Brot handeln würde, für das von geweihten Hohepriesterinnen besungene Sonnenblumenkerne und von einer drallen heilsteinbehangenen Sennerin auf einem Alpenabhang kurz vor der österreichischen Grenze in uralten von Sri Chinmoy persönlich gesegneten Biobottichen handgemörsertes Roggenmehl verwendet würde – nein nein und nein. Nix. Bei dem letzten Rest Würde in mir. Ich kaufe das nicht.