Der Fallrohraffe

Mein Fallrohr ist kaputt, es muss ersetzt werden. Das sagt die Hausverwaltung. Und die muss es wissen, weil die alles weiß, auch den Grund für die Notwendigkeit, die Kosten für den Aufzug direkt nach oben in das neu gebaute energetisch korrekte Dachgeschoss, in dem die Leute mit viel Geld wohnen, auf alle diejenigen Hausbewohner umzulegen, die den gar nicht nutzen können, weil er gar nicht bei ihnen hält.

Ding Dong. Kurz vor Mittag kommt ein Installateur. Gas. Wasser. Scheiße. Wie immer wird der aus dem Dunstkreis der Verwaltung ausgeworfen, die ihre angeschlossenen Monopolhandwerkersatelliten wie ein Mäzen bedient, nie Preisvergleiche macht und so dafür sorgt, dass ich jedes Jahr bei der Betriebsabrechnung draufzahle. Es ist ja auch vollkommen richtig, dass ich draufzahle. Ein Guthaben zur Rückzahlung an mich, von dem ich mir gar nicht vorstellen kann ob sie so etwas überhaupt technisch abwickeln können, wäre ja systemwidrig, darum geht es ja bei dem Spiel nicht. Also bitte, pressen Sie mich aus. Geben Sie es mir richtig. Zecken Sie von mir. Bluten muss ich. Nehmen Sie jetzt endlich noch mehr Geld von mir.

Der Installateur beginnt die Arbeit, schnell ist meine Rigipswand eingerissen und das Fallrohr lugt abmontiert oben als abgesägter Stumpf schräg aus der Decke heraus. Es ist Mittag. Der Handwerker möchte jetzt Pause machen. Ich frage:

„Sagen Sie, was ist, wenn jetzt da oben jemand scheißt?“

„Ja dann kommt dit hier raus.“

„Wollen Sie nicht was Provisorisches ranmachen? Falls jemand scheißt?“

„Ick saje denen oben Bescheid, dass se nich scheißen sollen. Oder zumindest nich spülen.“

„Sie wollen das wirklich so lassen?“

„Junge, ick hab‘ Mittagspause. Kiek ma uffe Uhr.“

Und geht.

Ich putze Zähne. Es donnert. Und bevor ich das Wort Gewitter denken kann, pladdert ein Scheißeregen auf meine Fliesen. Kacke und Klopapier meets Tampon und Blut. Ah, sieh an, hat die Technoschnepfe aus dem Vierten gerade ihre Regel. Dann kann der dürre devote Hipstermacker mit dem Idiotenvollbart, den sie ab und zu vögelt und der dafür mit hängendem Kopf ihre Einkäufe in den vierten Stock tragen darf, momentan nicht ran, wie schade.

So kreuzen sich unsere Lebenswege am Fallrohr: Er dient als fickbarer Hausbutler und ich habe ihre Scheiße am Schienbein. Herzlichen Glückwunsch zur Schnepfenscheiße aus dem Vierten. Doch ich wundere mich, ich hätte gewettet, dass ihre Scheiße nach Vanille riecht. Oder Erdbeerblütenwasser mit Mangoeinlage. Tut sie aber nicht. Das Zeug ist so dünn wie bei mir nach einer Saufnacht. Und riecht auch so. Wie Suffschiss. Oder Babydünnes nach Rindfleischknoblauchbrei mit Süßkartoffeln. Leicht säuerlich. Vergoren. Und schmiert wie ein Ölteppich als ich mit Klopapier versuche, das Gröbste von meinem Hosenbein zu wischen. Das blutige Tampon liegt neben meinem Waschbecken. Braun eingefärbte Klopapierklumpen sind auch dabei. Ich lasse alles so liegen.

Nach zwei Stunden kommt der Profi aus der Mittagspause.

„Oh, aua aua, haha, hat sich wohl jemand nich an die Anweisung gehalten, jetze ma nich zu kacken. Oh aua aua…“

„Ja. Großes Aua. Papiertücher finden Sie in der Küche. Wischmop und Eimer in der Abstellkammer. Viel Freude.“

(Repost 2012)