Psycho-Kid goes shopping

Psycho-Kid goes shopping. Und jeden Tag grüßt der Treuepunkt aus der Gruft.

Montag. Salatkopf, ein Brötchen, zwei Müllermilch Schoko, etwas Käse.

„Sammeln Sie die Treuepunkte?“

„Nein, danke.“

„Brauchen Sie den Bon?“

„Nein, danke.“

Dienstag. Spaghetti, Tomatensoße, Knoblauch, Karotten, etwas Aufschnitt.

„Sammeln Sie die Treuepunkte?“

„Nein.“

„Brauchen Sie den Bon?“

„Nein.“

Mittwoch. Klopapier, Deo, Müsliriegel, Melone, etwas Milch.

„Sammeln Sie die Treuepunkte?“

„Grmpf.“

„Brauchen Sie den Bon?“

„Mopf Mopf.“

Donnerstag. Rucola, Pizzaboden, Champignons, Parmaschinken, etwas Fleischsalat.

„Sammeln Sie die Treuepunkte?“

„Allanabawambala. Nix versteh. Morgen andere Baustelle.“

„Brauchen Sie den Bon?“

„Ugga Ugga. Cheetah will poppen.“

Freitag. Brötchen, Hackfleisch, Zwiebeln, Ketchup, Müllermilch Schoko, etwas Baldrian.

„Sammeln Sie die Treue…“

„Sagen Sie mal, wollen Sie leiden? Was soll das? Beabsichtigen Sie in der Tat, mir den Rest meines verschissenen Kacklebens jeden Tag aufs Neue die beiden gleichen Fragen zu fragen, die jeden Tag aufs Neue mit der gleichen Antwort, nämlich Nein! Und nochmal Nein!, beantwortet werden? Werde ich beginnen, nachts von Treuepunkten und sinnlosen Zahlen auf ranzigem Thermopapier zu träumen oder mir in einem plötzlich über mich hereinbrechenden Wahnsinn ein aus alten Amazonverpackungen bestehendes Pappschild zu basteln, auf dem genau zwei Mal ganz groß „NEIN!“ stehen wird und das ich Ihnen jedesmal bevor ich bezahlen darf genau zwei Zentimeter vor Ihr Gesicht halten werde, auf dass Sie und vor allem diese dumme Führungskraft, die Ihnen solche dummen Anweisungen gibt, verstehen, dass ICH SIE frage, wenn ich etwas will und Sie mich bitte nicht jeden Tag wieder in der irrigen Mutmaßung fragen, ob ich etwas will, was ich nicht will, nie wollte und auch nie haben wollen werde, und was ich auch jeden Tag immer wieder mit einem zunehmend dünnhäutiger werdenden Nein deutlichst kundtue in der völlig verblödeten Hoffnung, dass irgendwann mal alle diese Fragen final beantwortet sind, wenn man sie fünfzig Mal beantwortet hat? Glauben Sie, ich brauche den verdammten Einkaufsbon ausgerechnet heute, um den hässlichen Mettigel, den ich mir basteln, und die dümmliche Müllermilch, die ich in einem Zug aussaufen werde, beim Lohnsteuerjahresausgleich als Sonderausgaben für verfressene Arbeitnehmer abzusetzen? Denken Sie eigentlich, ich sitze ganz gespannt zu Hause auf dem Sofa, pfeife mir Cannabis-Liquids direkt intravenös rein, schaue dabei ganz verträumt in mein Treuepunkt-Sammelheftchen und frage mich mit überbordender Vorfreude, wann ich es voll haben werde, damit ich endlich den tollen Pfannenwender für Dreifuffzig bekomme, den es bei Ihnen dafür gibt? Ja? Nein? Nee, mach ich nicht. Natürlich nicht. Ich will nur einfach bei Ihnen einkaufen, die Ware auf das Fließband legen, den Warentrenner korrekt dahinterlegen, bezahlen und dann gehen. Still. Ohne Fragestunde, ohne Quiz, ohne geheucheltes Interesse an einer Sammelleidenschaft, die sich alle Supermärkte dieses erbärmlichen Landes dorthin stecken können wo nie die Sonne scheint, nämlich ganz tief in die Kimme.“

„Brauchen Sie den Bon?“

(…)

Hallo Oma, schön, dass du anrufst. Hier in der Anstalt ist es eigentlich gar nicht so schlimm. Ich bekomme jeden Tag zu essen, drollige kleine Pillchen und eine Plastikkappe mit einer gelartigen Flüssigkeit drin. Und jeder achtet darauf, dass ich das auch schön austrinke. Einen Fernseher habe ich auch, da läuft den ganzen Tag RTL 2, und niemand, auch nicht Falk, der Wärter, mit dem ich durch die Essensklappe ab und zu eine Runde Rommé spiele, fragt mich, ob ich Treuepunkte oder einen Bon haben möchte. Ich bin sehr glücklich.