Tauben abknallen

Was ich auch nicht leiden kann, sind Tauben. Ich hasse die. Der ganze S- Bahnhof Schönhauser Allee ist voll davon. Vollgeschissen. Guano. Taubenkacke. Weiß. Klebend. Sich zu Türmen aufschichtend. Ekelhaft. Weil das in Berlin ja auch keiner saubermacht. Weil wieder keiner dafür zuständig ist. Oder weil kein Geld dafür da ist.

Es gibt auch immer noch dämliche Rentner, die füttern Tauben. Stehen mit dümmlich grinsendem Gesichtsausdruck auf dem S-Bahnhof und werfen mit Brot um sich. Leeren selig in sich gekehrt eine ganze Plastiktüte mit Krümeln unter dem Viadukt der Schönhauser Allee aus. Was reitet die? Was bezwecken die? Wollen die noch mehr Kacke in der Stadt verteilt sehen? Ist das ein Experiment, wie viel Kot eine Stadt verträgt, bevor die Verhältnisse kippen? Oder sind die einfach dumm? Ja. Natürlich ist es das. Der Anteil der Vollidioten ist hier so hoch wie in keiner anderen Stadt. Sehen Sie irgendwo in der Welt einen Vollidioten, der Vollidiotendinge tut, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich um einen Berliner handelt, der gerade im Urlaub ist. Und weil das so ist, sieht es nirgendwo so aus wie hier. Budapest. Bydgoszcz. Grosny. Aleppo. Überall würden sie sich schämen für so einen Zustand. Für den Müll, den Kot, die Kotze, den Sperrmüll, den die Gestörten gemeinsam mit Hunden und Tauben überall hinkoten. Nur Kairo ist dreckiger. Ich weiß das. Ich war da. Und war froh. Dass ich doch nicht in der dreckigsten Stadt der Welt lebe. Das ist eindeutig Kairo. Aber kurz dahinter kommt schon Berlin. Und wir holen auf. Jeden Tag um einen Scheißhaufen mehr.

Ich würde die ja abknallen. Die Tauben. Einfach abknallen. Zack. Weg. Wenn es nach mir gehen würde. Ich würde sogar eine Abschussprämie ausloben. Für jede sachgemäß abgeknallte Taube. Aber das geht natürlich wieder nicht. Weil auch diese dümmlich gurrenden Massenkotschleudern vom superheiligen Tierschutz sankrosankt gesprochen sind. Wie wahrscheinlich auch die Ratten. Die darf ich vermutlich auch dann nicht töten, wenn mir eine von denen aus meiner Kloschüssel heraus einen guten Tag wünscht oder mich wie kürzlich aus der stinkenden Restmülltonne im Hof anfaucht, weil ich so vermessen war, meinen Müll in ihrer Wohnung entsorgen zu wollen. Aber Ratten sind okay. Besser als Tauben. Wir haben zwar massenhaft Ratten im Keller, um die sich die Hausverwaltung nicht kümmert, weil die sich außer um das Zählen meines umgelegten Verwaltungsgebührengelds um gar nichts kümmert, aber die stören mich gar nicht mal so, weil ich aus irgendeinem Grund nirgendwo Rattenscheiße sehe. Wahrscheinlich löst die sich bei Sauerstoffkontakt in Luft auf oder die Ratten fressen ihre eigene Scheiße selber wieder auf, keine Ahnung, aber ich sehe nirgendwo Rattenscheiße, dafür haufenweise Taubenscheiße. Laufen Sie doch einmal das Viadukt unter der Schönhauser Allee entlang. Also da wo es so schön beißend nach Pisse stinkt, weil dort im Moment wieder eine Favela aus Europas Wohnungslosen entsteht, um die sich wie um jedes andere Elend auch kein Verantwortlicher kümmert. Laufen Sie da doch mal mit Wäscheklammer auf der Nase von Bornholmer bis Eberswalder Straße runter. Vollgeschissen. Weißgrau. Boden. Poller. Säulen. Alles. Wenn Sie Ihren superkorrekten E-Roller dort mehr als eine Nacht stehenlassen, ist er entweder geklaut oder komplett vollgeschissen. Ja. Ich weiß doch. Ich weiß das alles. Ich weiß doch, dass Berlin eine verwahrloste Stadt ist, die zwischen Ärmelkanal und dem Vorderorient ihresgleichen sucht und nicht findet, das weiß ich. Das sehe ich jeden Tag. Ich wohne hier. Wir kennen inzwischen nur noch totale Verwahrlosung oder Oberklassenneubaubonzenghettos, in denen sich die zugezogenen Neu- und Altreichen Leute halten, die dafür sorgen, dass es bei ihnen nicht so aussieht wie im Rest der Stadt außer dem Regierungsviertel, in dem Sie keine Eiswaffel länger als fünf Minuten auf dem Boden liegen sehen ohne dass die von der Stadtreinigung umgehend weggeräumt wird.

Tauben abknallen geht aber nicht.

Tierschutz.

Des Tierschutzes wegen. Sie können in den Knast kommen, wenn Sie so eine fliegende Kackeschleuder töten. Drei Jahre sind drin. Oder sie kriegen eine Geldstrafe zugunsten eines Tierschutzvereins, der sich um verwahrloste Taubenwaisen kümmert. Wahrscheinlich kommt die Idee wieder von den Grünen. Immer wenn irgendeine Vorschrift den Tieren jeden Vorrang vor Menschen einräumt, kommt das von den Grünen. Hier können keine Häuser gebaut werden, weil irgendein Lurchweibchen gefickt hat und nun schwanger ist. Die Verlängerung von S-Bahn-Linien geht nicht, weil da eine geschützte Platane steht, in der eine Eule ihr Klo hat, und wir bekommen ein Böllerverbot, weil irgendwelche blöden überzüchteten Köter, die aus irgendeinem Grund mitten in der Stadt gehalten werden müssen, sich wie bei einem profanen Gewitter vor Angst einscheißen.

Nein, ehrlich. Ich würde eine Abschussprämie ausloben. Da reichen zwei Euro pro Taube und die Dinger wären in einem Monat weg. Dann würde ich die Stadtreinigung einmal mit dem Kärcher durch die Stadt gehen lassen und wir hätten in Berlin plötzlich etwas, das wir gar nicht mehr kennen: Lebensqualität. Wenigstens einen Ansatz von Hygiene. Keine Guanostalagmiten mehr in der Stadt. Nein? Geht nicht? Natürlich geht das nicht. Wir sind immerhin Berlin. Hier lassen wir alle Dinge einfach laufen. Und wären wir nicht versifft, wäre es, als würde man uns unsere Seele nehmen. Unser Selbstverständnis. Das was uns ausmacht. Das was den Easyjet-Touristen anlockt, der seine halbe Flasche Jägermeister vor meine Haustüre kotzt, in deren Ecke er gerade gepisst hat. Dann wären wir nicht mehr so supercool. Dann wären wir nicht mehr verlaust. Dann wären wir nicht mehr Berlin.