Mayday Mayday Medimax

Achtung, Achtung, Mayday, Mayday, dies ist ein Notruf. Ich habe mich verlaufen in der gelb-roten Service-Wüste. Der letzte mir bekannte Checkpoint war zwischen elektrischen Bilderrahmen und Dampfbügeleisen. Ich weiß nicht mehr wie ich hier hergekommen bin, denn eigentlich wollte ich mich nur über ein Lautsprechersystem für den Flatscreen informieren, ging auf das grelle rot-gelbe Licht zu wie eine dümmliche Motte auf die Neonlampe und jetzt sitze ich hier fest.

Vor zwei Tagen traf ich einen Bewohner dieser Wüste, den ich um Rat fragte, aber er las nur stoisch die Inschriften einer Packung Stereo-Subwoofer vor, immer wieder von vorne – in einer Sprache die mir fremd war. Ich ließ ihn stehen, denn er war offensichtlich verwirrt und konnte mir nicht den Weg weisen.

Gestern dann rannte einer dieser seltsamen Wüstennomaden in gelb-roter Kampfmontur in irrwitzig hoher Geschwindigkeit an mir vorbei. Ähnlich wie diese orangen Männchen in der Wüste Obi murmelte er nur „Keine Zeit, keine Zeit, ich muss weg…“ und rannte vor mir davon in Richtung turmhoher Stalagmiten, auf denen kryptisch Hifi stand. Als ich dort ankam, war er weg, entschwunden zwischen den Stalagmiten. Ich sah ihn nicht wieder.
Heute morgen, in völlig dehydriertem Dämmerzustand, sah ich einen gelb-roten Guru an mir vorbeieilen, dem sechs oder sieben Jünger selig entrückt hinterherliefen, wahrscheinlich wie ich auf der Suche nach Weisheit, nur hatte ich keine Kraft mehr aufzustehen und mich ihnen anzuschließen.
Bitte schickt einen Hubschrauber, Cessna, fliegenden Teppich, Horst Seehofer, irgendwas, ich bin völlig orientierungslos, am Horiziont kann ich Tintenpatronen an einer Wand entdecken, teurer als ein ganz neuer Drucker, das geht doch gar nicht, das ist unlogisch, es muss das Fieber sein, ich phantasiere schon, die Welt schwimmt vor meinen Augen, Hunger, Durst, warum immer ich?
Holt mich bloß hier raus. Rechts von mir befindet sich ein völlig verödeter Infopunkt, in dessen Winkeln schon Wüstenspinnen und Skorpione nisten, diesen Ort muss seit Jahren kein menschliches Wesen mehr betreten haben; links ein grellroter Vodafone-Stand, von dem aus mich ein grinsender Geier fixiert, auf den unausweichlichen Moment der Schwäche lauernd, der mich für zwei Jahre knebeln und knechten wird.

Ah, es geht nicht, keine Kraft mehr, das Neonlicht brennt so sehr, ich vergrab mich jetzt unter elektrischen Zahnbürsten bis mich jemand hier raus holt. Sagt meinen Bettwanzen, dass ich sie liebe. Das hab ich alles nicht gewollt, das war so nicht gepl….. krrrk….. -.-.-statisches Rauschen-.-.-

-.-.-Verbindung unterbrochen-.-.-