Blep Blep Treuepunkte

Ritsch.

Piep.

Ritsch.

Piep.

Ritsch.

Piep.

Klack.

„Vier Euro Zwoundsiebzig büdde.“

„…“

„Und 28 Cent retoure. Schönen Tag noch. Auf Wiedersehen.“

„Gulp?“

„Geht es Ihnen gut? Sie sehen nicht so aus.“

„Ja. Nein. Ich bin irritiert. Sie haben vergessen, mich zu nerven. Sie müssen mich nach Treuepunkten fragen, die ich nicht sammele. Ich bin heute noch gar nicht von irgendwem nach Treuepunkten gefragt worden. Ich bin auf Cold Turkey. Da, schauen Sie, ich zittere schon, ungefragt wie ich bin. Fragen Sie mich doch bitte.“

„Sie haben aber keine fünf Euro voll. Erst dann gibt es die Punkte.“

„Stimmt, es kommt eigentlich nie vor, dass ich bei euch unter fünf Euro bleibe, teuer wie ihr seid. Jetzt im Ernst: Das ist also die magische Grenze der Ruhe vor den Fragen nach den Idiotenpunkten für Kleingeister? Bei fünf Euro?“

„Haha, ja, da sehen Sie mal.“

„Soll das heißen, dass ich endlich nach so vielen Jahren stoischen Verneinens Ihrer immergleichen Frage meine selige Ruhe an der Kasse haben werde, wenn ich alle meine Einkäufe in Unter-Fünf-Euro-Einheiten aufteile?“

„Öhm, ja, so kann man das sehen. Sind ja dann separate Kassenvorgänge. 5 Euro, keine Treuepunkte, also auch keine Frage danach.“

„Danke, eine gute Sache. Das mache ich ab jetzt. Sie haben mich übrigens auch noch nicht gefragt, ob ich den Bon für das Snickers, die Müllermilch und die Fishermans haben will. Der Bon, der Bon, der ewige Bon für jeden noch so kümmerlichen Einkauf. Dieses sinnlose Stück Zettel mit Zahlen drauf. Für wen auch immer. Finanzamt. Haushaltsplan. Die Buchhaltung. Panini-Kassenbon-Sammelheft. Horst Seehofer. Ich möchte heute wenigstens irgendwas verneinen bei Ihnen, fragen Sie mich jetzt bitte nach dem Bon?“

„Sie sehen nicht so aus als würden Sie den haben wollen.“

„Bitte…“

„Na gut. Wollen Sie den Bon?“

„Nein, danke.“

Ich hasse Leute, die mich Dinge fragen. Alle. Immer. Vor allem beim Einkaufen. Nein, ich sammle keine Treuepunkte. Ich habe auch keine Paybackkarte. Deutschlandkarte. Arschlochkarte. Und fick den Bon. Ich betreibe jetzt Guerilla Warfare. Ich rasiere mich nicht mehr, damit ich aussehe wie ein Schlumpf, der nicht nach Kassenbon aussieht, teile meine Einkäufe in Fast-Fünf-Euro-Einheiten auf und konterkariere das Nervensträngezersägesystem der deutschen Supermarktoligarchen und ihren angeschlossenen Einkaufsverhaltenstrackernazis. Nix. Nicht mehr mit mir. Ich mache jetzt Untergrundtaktik. Zermürbung des Gegners. Call me Partisan. Commandante Che. Alleine gegen die Supermarktkassenfragesalafisten. Venceremos.