50 shades of Hauptstadtsex

Nachts um 2 am Nolli. Ein schwules Cabaretcafé. Eine Transe klampft an der Klampfe. Ihre Lieder handeln vom Ficken. Es gibt Bier. Prosecco. Hugo. Ein wenig Koks vom Waschbeckenrand. Und den dummen Höhepunkt eines schon viele Minuten zu lang andauernden Gesprächs:

„Du bist der Typ für Schwule. Die fahren auf dich ab. Verständlich. Ich tu’s auch.“

„Yo.“

„Du könntest mich jetzt überwältigen. Hier. Sofort. Über mich herfallen.“

„Mmh.“

„Mich rannehmen. Ganz wie du willst.“

„Schon klar.“

„Du hast diesen Ich-nehm-mir-einfach-was-ich-will-Blick. Und der is eben geil. Weißte selbst?“

„Ja. Ich weiß. Egal ob Mann oder Frau. Sie wollen alle immer dominiert werden. Es langweilt hart.“

Oh wie es anödet. Ich kenne euch so gut inzwischen. Und ihr nervt mich furchtbar damit. Alle sind jetzt plötzlich so blöd devot. Kaum eine Frau in den letzten Jahren, die nicht mit dem Kram angeschissen kam. Wunschzettelfrauen nenne ich die. Die haben alle ’50 shades of grey‘ gelesen und jetzt wollen sie alle überwältigt werden. Ich kann das nicht mehr hören. Dieser dumme vorhersehbare Rollenspielkack. Dummbräsige Drehbuchfantasien. Die sie am besten noch per E-Mail vorab übermitteln. Lieber zukünftig mich Fickender, es soll ablaufen wie folgt: Behalte deine Klamotten an. Reiße mir meine vom Körper. Aber passe auf den BH auf, der war teuer. Werfe mich sodann über den Küchentisch. Packe mich an den Haaren. Nenne mich Hure, aber bitte nicht Schlampe, da bin ich empfindlich. Kleine Drecksau kannst du mich auch nennen. Und ficke mich hart. Von hinten. Wie eine Hündin.

Gähn. Da sitzt sie dann erwartungsvoll in ihrem schlumpfigen Berlinerfrauenoutfit, mit dem ganzen Blech im Gesicht, ihren Wollsocken, dem ausgebleichten weißen Männerschlüpper um die Hüften und dem kunterbunten Strickpulli, unter dem garantiert wieder ein BH steckt, aus dem beim Öffnen diese berühmten falsche Tatsachen simulierenden zentimeterdicken Tittenfakepolster rausfallen, und erwartet frohgemut, dass ich jetzt ausflippe vor Geilheit. Und sie über den Küchentisch werfe. Echt jetzt? So? Null Optik. Null Aura. Null Aktion. Aber Erwartungen bis über jeden Horizont. Fast jede macht das so. Immer wieder der gleiche Kack. „Hallo Mann, du hast das Privileg, mich ficken zu dürfen. Ich bin die Frau und muss nichts anderes tun als dich zu erwählen und hier ist auch schon meine Wunschliste, in der genau steht wie du zu funktionieren hast: Ziehe dir einen Anzug an, führe mich aus, lade mich ein, mache mich sodann betrunken und dann sei mein Millionär, der mich benutzt. Du hast doch ’50 Shades of grey‘ gelesen?“

Ich habe darauf keine Lust mehr. Bei Frauen komme ich mir inzwischen nur noch vor wie ein zu dressierender Affe, ein Funktionsautomat, der irgendeine dumme angelesene Hausfrauenfantasie erfüllen soll. Handschellen. Küchentisch. Ficken durch den Hosenschlitz. Benutzen. Objektifizieren. Nein, doof, ich habe zum einen keine Lust drauf und weiß ich denn zum zweiten überhaupt, ob ihr den Scheiß nicht bei einem der nächsten zwölftausend MeeToo-Aufschrei-Sifftwitter-Medienhysteriehypes ausgrabt und mir als unzulässigen Übergriff um die Ohren haut? Weiß ich das? Kann ich das ausschließen inzwischen? Kann ich nicht. Sie können dir in 30 Jahren noch irgendeinen alten Hörensagenscheiß an den Arsch tackern und du bist sofort schuldig. Kachelmannisiert quasi. Deswegen mache ich das nicht. Ich lehne das ab. Ich erfülle euch eure blöden kleinen Träumchen nicht. Holt euch doch einen Callboy, der gegen Cash eure Wunschzettel abarbeitet. Ich stehe nicht zur Verfügung. Ich will nicht mehr. Frauen sind sexuell gesehen sowieso ein Risiko geworden. Was passiert denn klassischerweise, wenn sich eine von denen verliebt und Sie leider gar nicht? Klar, Sie kennen das sicher so wie ich: Dann kommt die Kotwerferei. Weil sie mit so etwas wie Zurückweisung nicht umgehen können und dann werfen als Substitut sinnlos mit Zeug um sich. Behauptungen. Anwürfe. Drohungen. Intrigen. Gerüchte. Frauen können selten in Würde abtreten, sondern müssen ein Spektakel abbrennen. Erde verbrennen. Selten mal eine ohne anschließendes hysterisches Feuerwerk da gewesen. Bis auf zwei, drei bemerkenswert souveräne Ausnahmen hat jede gefühlsverletzte Frau in meinem Leben im Anschluss mit Eimern voller Kot geworfen. Völlig egal welcher Bildungsgrad und welche Bevölkerungsschicht. Damit können sie einfach nicht umgehen. Werden sie zurückgewiesen oder weggeschickt, starten die meisten regelrechte Feldzüge. Mit willigen Sekundanten, die das Zeug nicht nur glauben, sondern aufgreifen. Streuen. Verbreiten. Verstärken. Dagegen haben Sie keine Chance. Sie sind der Mann. Ihnen glaubt keiner. Da hilft nur Zelte abbrechen und Neuanfang.

So. Und denen soll ich so eine Neutronenbombe in die Hand geben? Überwältigt auf dem Küchentisch? Mit Haare ziehen? Und Klamotten runter reißen? Nee klar. Vergesst das mal. Mach ich nicht. Könnt ihr knicken. Holt euch einen Callboy. Ich will nicht.

Bitte? Sie glauben, Männer sind besser? Kein Stück. Auch hier überall die gleiche Scheiße. Schwule Männer sind nicht weniger eine Plage. Entweder hirnlos schwülstig „Wer ist der Boss? Na? Wer ist dein Daddy?“-übergriffig oder – auch hier wieder die Mehrheit – stinkend langweilig devot und zwar völlig egal, ob zierlicher kleiner Androgyner, durchtrainierter Bizepslederklops oder knuffige Fummeltriene, immer öfter der gleiche Mist: Hey, du, ganzer Kerl, überwältige mich, nimm mich ran, wirf mich auf den Küchentisch, reiß mir die Klamotten …bla bla bla bla und so weiter. Sie kennen das. Das ganze bescheuerte „50 shades of grey“-Drehbuch. Sei mein Millionär. Dominier mich. Mach mich zu deinem Objekt. Hier, bitte, ich habe sogar ein Halsband mitgebracht. Mit Leine. Kannst mich vor dem Ficken ausführen.

So ist die Lage. Alle doof. Völlig degeneriert. Je freier dieses Land wird, je besser es den Leuten geht, je mehr sie aus sich machen können, desto bescheuerter werden sie. Wollen gerne wieder eingeengt werden, eingepfercht, Befehle empfangen, zu etwas gezwungen werden, los, runter auf die Knie, nimm ihn ihn den Mund, los, du Wurm. Der Klopper war einer, der eine Windel mitbrachte. Die wollte er anziehen. Und ich könne ja hinten ein Loch in die Windel machen. Da könne ich dann durchficken. Nein. Kann ich nicht. Du kannst bitte gehen. Kein Bock auf deinen Windelmist. Meine Güte. Ich möchte kiffen und mir dann deine degenerierte Windelfantasie aus meinem Kopf wichsen, mit der du mich penetriert hast, du Honk.

Wahrscheinlich könnte ich einen von diesen Freaks zu meinem Haushaltssklaven machen. Der macht dann meine Wäsche, putzt mein Bad, kocht für mich und möchte dafür nur ab und zu mal als räudiger Hund über dem Küchentisch geknallt werden, bevor er wieder mit Gummimaske in den Käfig im Keller kommt. Oder im Winter auf den Balkon, keine Ahnung.

Soweit der sexuelle Armutsbericht aus der Hauptstadt. Und wenn Sie da nicht mitmachen wollen, sind Sie im Moment total unmodern. Normal ficken geht nicht mehr. Die Leute zelebrieren das Gegenteil dessen, was sie in der Gesellschaft propagieren. Dort die totale Freiheit. Jeder darf alles und niemand darf mehr irgendwen mit irgendwas einschränken. Und wenn die Haustüre geschlossen ist, mögen sie gerne dienen. Gefügig sein. Devot. Aber mit detailliertem Skript direkt aus ihrem satten, dekadenten, entzündeten Hirn, das der Dienstleister, den sie gerade im Club abgeschleppt haben, mit Leben füllen soll.

Bleibt eigentlich nur noch wichsen. Handbetrieb bleibt Handbetrieb. Poppers, Pornhub auf den Flatscreen streamen und Feuer frei ins Taschentuch. Und danach gleich rüber zu Netflix. Sie haben jetzt „Trainspotting 2“ im Programm. Mark Renton wusste schon in den 90ern, wo die Reise hingeht:

Diane hatte recht, die Zeiten hatten sich geändert. Die Musik hatte sich geändert, die Drogen hatten sich geändert, sogar die Männer und Frauen hatten sich geändert. In tausend Jahren gibt es keine Männer und Frauen mehr, sondern bloß noch Wichser – und ich finde das super…