Mein WiFi heißt „Fickt euch alle“

Warum wird der gute alte Hass so sehr verpönt? Niemanden darf man mehr hassen. Warum? Wem nutzt das? Wieso muss ich plötzlich alle möglichen Vollidioten, finalneurotischen Schneeflöckchen und durchgeknallten Sozialkrüppel lieb haben? Ich will das nicht. Ich kann die meisten Menschen gar nicht leiden. Eigentlich kann ich alle Menschen nicht leiden. Sprechen mich Menschen unverlangt an, empfinde ich als erste Reaktion unwillkürlichen Widerwillen. Ich will nicht, dass die mich ansprechen. Ich will nicht so tun müssen als wäre meine nur aus Gründen des gesellschaftlichen Zwanges antrainierte und unfassbar routiniert geheuchelte Freundlichkeit ernst gemeint, denn das ist sie nicht. Ist sie nie. Ich mag keine Menschen.

Ich möchte zum Beispiel Fahrradfahrer nicht mögen müssen. Ich möchte die hassen dürfen. Fahrradfahrer sind die Geschwüre der Stadt. Widerlich. Überflüssig. Ekelhaft. Ich kann sie nicht leiden. Sie fahren mein Kind auf dem Zebrastreifen über den Haufen, sie fällen mich beim Laufsport auf dem Bürgersteig an Häuserecken, verursachen auf der Straße meine Vollbremsung, wenn sie zwischen parkenden Autos auf die Fahrbahn hechten. Seltsamerweise haben sie auch dann nicht Schuld, wenn sie Schuld haben. Fahrradfahrer sind die neuen Mercedes. Eingebaute Vorfahrt. Immer im Recht. Asoziale. Ich hasse sie. Die Schlimmsten sind diese Prenzlauer Berg-Kindercafé-meine-Manufactum-Vitrine-war-teurer-als-deine-von-Poco-Domäne-Schwachköpfe mit ihren Christiania-Bikes. Das sind diese SUV-Dinger, die vorne gerne so eine rabiate Kiste dranmontiert haben, auf denen sie entweder Unrat oder ihre Kinder transportieren und mit denen sie in einer Rigorisität auf die Fußgänger auf dem Bürgersteig zurasen, die mir so nicht einmal in den studentischen Fahrradhöllen von Münster oder Göttingen begegnet ist. Hey, holla, hier komm‘ ich. Ich. Ich. Nur ich. Mit meinem Unrat in der Kiste. Weg da. Weil Ich. Ich. Ich hab‘ Vorfahrt. Überall.

Manchmal fährt einer von den Egoratten vor einen Laster. Ich kann sehr glaubhaft so tun als würde ich das traurig finden. Ehrlich.

Wie bitte? Oh, Sie sind Fahrradfahrer und sind nicht so wie alle anderen? Mir egal. Ich finde schon andere Gründe, warum ich Sie nicht mag. Vielleicht wählen Sie grün, finden Anton Hofreiter ganz toll und möchten anderen Leuten gerne Dinge verbieten. Fleisch. Den Heizpilz. Verbrennungsmotoren. Holzkohlegrillen auf dem Balkon. Silvesterböller. Reklame mit geilen braungebrannten Typen mit Sixpack, deren Penis ich gerne bis hinten zum Zäpfchen in meinen Mund hätte. Darf ich nicht mehr sehen. Weil nackte Haut wegen der beschissenen Grünen in Berlin nicht mehr auf Plakaten sein darf. Taliban Taliban Schalala. Na? Und Sie? Mögen Sie das? Dinge verbieten? Weil es so schön korrekt ist? Mögen Sie es bräsig? Wählen Sie grün? Ja? Gut. Ich hasse Sie. Ich sabotiere Sie und Ihre ganze aufgeblasene heilige Mission wo ich kann. Sie glauben wirklich, dass sie keine Opposition haben? Haben Sie. Zumindest mich. Ich hasse Sie.

Vielleicht handeln Sie aber auch mit Immobilien. Sind einer von diesen Geiern, die mit Wohnraum dealen. Investments entmieten. Einer, der dafür sorgt, dass hier kaum noch Normalverdiener wohnen, sondern nur noch diese hässliche filzklamottentragende Millennium-Bioladen-Erbenbrut, die abgehobenen Parteipolitschranzen aus Mitte oder irgendwelche Oligarchen mit eigenem Fussballclub. Na? Sind Sie so einer? Ich hasse Sie. Banker? Ich hasse Sie. Aus Prinzip. Weil Banker widerlich sind. Berliner Hundehalter? Der es nicht kann? Dessen Hund alles darf? Dessen Hund mich anspringt? Überall hinkackt? An meine Haustüre pisst? Sie sind die Pest. Und Ihr Köter nicht weniger. Ich würde Ihren Flohzirkus in Sojasoße einlegen, auf den Grill werfen und essen, wenn das legal wäre.

Oder hey, sind Sie vielleicht ein Arschloch, das in der S-Bahn einen Döner frisst? Sie abstoßend stinkender Hurensohn. Ich möchte Ihnen den ganzen Döner in einem Stück in Ihr verfaultes Maul stopfen. Und einen Dürüm hinterher. Dann einen abgelaufenen Käse. Fliegenpilze. Arsen. Die Kotze von dem Penner, der sich hinten in der S-Bahn eingeschissen hat. Und die ganze kulinarische Leckerei möchte Ihnen mit einem Besenstiel bis ganz unten in den Magen rammen, weil Ihr Fraß stinkt, Sie dämlicher S-Bahn-Fresser. Was? Sie sind Journalist? Wie traurig. Kein Stolz mehr. Keine Würde. Nur noch ein Eiterpickel am Arsch von Berlin-Mitte, der schreibt was Berlin-Mitte hören will. Vermutlich hasst Sie sogar Ihre Mutter. Wie? Politiker? Glückwunsch. Sie sind der Arsch von Berlin-Mitte. Der mit den vielen Eiterpickeln. Taxifahrer? Fahr doch gegen eine Betonwand, Labersack. Oder in die Spree. Ich will nicht mit dir reden, dein Leben interessiert mich nicht, deine Meinung interessiert mich nicht, deine Mutter interessiert mich nicht, du sollst mich fahren, nicht ins Koma labern. Huh? Sie sind Führungskraft bei der grottigen S-Bahn? Prima, am Besten den ganzen Laden sprengen und die Verantwortlichen für das Nahverkehrsdesaster geteert, gefedert und mit Taubenkot beworfen auf einer Eisenbahnschiene aus der Stadt tragen. Direkt hinter den Flughafenversagern. Und dem ganzen pockigen Rest von Berlin-Mitte.

Kann ja auch sein, dass Sie auch nur einer dieser immer viel zu angestrengt gut gelaunten WWF-Spendendrücker vor den Schönhauser Allee Arcaden sind, die mir in den Weg hüpfen, um mir Otterwelpenbildchen in die Fresse zu halten, damit ich ein Abo für irgendeine drecks Otterwelpenaufzuchtstation in irgendeiner Scheißstadt an der Havel unterschreibe? Ja? Hüpf Hüpf Wink Wink Halloooo-ho Duu-huuu? Ihr studentischen Gutlaunescheißer. Zu dämlich, einen vernünftigen Job wie Bärchenmaskottchen bei der Tourismusmesse auf der Idiotenarbeitskräftevermittlung der Humboldt-Uni abzugreifen. Stattdessen Huhuuu. Du-huuu. Wink Wink. Hüpf. Hüpf. Gehen Sie weg. Ich möchte, dass Sie die Spree runtertreiben. Mit einem Umschnallknebel im Maul und festgeschnallt auf einem dieser lächerlichen Touristen-Vollsauf-Piss-in-die-Spree-Kackflößen, auf die ich gerne Boden-Luft-Raketen abfeuern würde, wenn das legal wäre. Ihr Arschlöcher. Ich möchte nicht mit euch reden. Ich möchte euch nicht mögen. Eure Otter interessieren mich einen Scheiß. Fallt doch alle tot um.

Huhu. Palim Palim. Aber nein, versuchen Sie es bitte nicht. Sie kriegen mich nicht befriedet in Ihrer lauwarmen Mehltauwelt, in der keiner mehr böse auf irgendwen sein darf. Bullerbü. Heititei. Einhornbadeseeregenbogenfick. Voller Hab-mich-lieb-Bärchis, die sich alle jeden Tag ganz doll liken. Bussi Bussi Schnuller Schnuller. Und immer voll schnafte aware. Nix. Weg. Bah. Pest. Vergessen Sie das. Sie kriegen mich nicht eingefangen, Sie kriegen mich nicht integriert, Sie kriegen mich nicht dazu, Sie zu mögen. Ich will nicht jeden dahergelaufenen Schmock mögen müssen. Ich will überhaupt niemanden mögen müssen. Ich hasse alle möglichen Vollidioten, finalneurotischen Schneeflöckchen und durchgeknallten Sozialkrüppel ausgesprochen gerne. Hass ist frisch, Hass ist rein, Hass ist frei, Hass rockt. Und mein WiFi heißt „Fickt euch alle.“ Wenn Sie den Namen irgendwo unterwegs in Prenzlauer Berg auf Ihrem Smartphone finden, kommen Sie doch vorbei. Ich habe noch einen Ring abgelaufene Schlackwurst da. Die ist schön angeschimmelt. Und fett. Ein dicker fetter fleischiger Wurstschwanz. Den steck ich Ihnen in den Arsch, wenn Sie mögen. Ohne Gleitcreme. Au. Nur wenn Sie mögen. Au au. Was? Mögen Sie nicht? Dann kommen Sie nicht, dann bleiben Sie weg, denn ich mag Sie nicht, ich will nicht mit Ihnen reden, ich will Sie nicht sehen, ich will nicht wissen wer Sie sind, ich will nicht wissen was Sie wollen, ich will nicht wissen was Ihre Mutter dazu sagt, ich will nur dass Sie wegbleiben. Oder die Spree runtertreiben. Festgeschnallt. Mit einem Umschnallknebel im Maul.