Wo bleibt eigentlich die Rezession?

Was gibt es denn so Neues?

Oh. Viel. Kürzlich gab es bei Tchibo einen apfelgrünen Kiwibehälter zu kaufen. Und ein bananenförmiges Bananenbehältnis für Bananen. In Bananengelb. Direkt neben dem Eierschneider und dem Strumpfhosen-Notfallset. Ich wiederhole: Strumpfhosen. Notfall. Set.

Doch das ist noch nicht alles. In der Behörde, in der einer meiner Freunde arbeitet, haben sie die Herrentoilette auf seinem Büroflur in eine Unisex-Gendertoilette umgewandelt, auf die keiner kacken geht, sondern wegen der jeder lieber zwei Stockwerke nach oben läuft, um dort zu kacken. Was offenbar als angenehmer empfunden wird als wenn einem die hirnamputierten Giggel-Giggel-Hihihi-Sekretärinnen beim Pullern am Pissbecken ständig auf den Schwanz kucken, um dessen Länge mit der Länge der Schwänze ihrer Ficker zuhause zu vergleichen.

Was noch? Teuer, noch teurer, Berlin. Sie können hier bei mir um die Ecke in einem dieser Bonzenrestaurants inzwischen ein Steak für 79,- Euro essen. Mit ein wenig Salat als Beilage. Dummer gnomiger Eisbergsalat mit Kohlschnitzen. Möglicherweise auch mit handgezogener Kresse und frittierten Holunderblüten. Nein, es ist nicht Sylt. Nur Prenzlauer Berg. Der vergoldete arschlochgrünalternative Premiumbezirk der Idiotenhauptstadt. Teurer als Sylt. Und Szene war gestern. Hier wohnt jetzt die Oberklasse. Mietfrei.

Doch auch anderswo riecht es nach Premium. Für eine Wohnung in einer dieser fürchterlichen Neun-Geschosser-DDR-Plattenbauten auf der Landsberger Allee stadtauswärts kurz vor Marzahn, auch gar nicht so weit weg von mir, treten sich inzwischen bei Wohnungsbesichtigungen 50 Leute gegenseitig auf die Füße und den Zuschlag in dieser Betonschluchtwüste, in der noch vor zehn Jahren kein Schwein freiwillig wohnen wollte, bekommt der, der das aussagekräftigste Motivationsschreiben vorlegt. Mit Kontoauszug. Und Führungszeugnis. Oder der den Vormieter mit dem höchsten Abstand für dessen heruntergerockte ockerfarbene Schlonzküche aus den 90ern besticht.

Aber auch direkt um mich herum tobt die Preisspirale in immer wilderen Drehungen. Der stinkreiche Hurensohnerbenschnösel über mir hat sich jetzt die dritte Wohnung gekauft und konnte endlich den Durchbruch auf 240 Quadratmeter realisieren, nachdem er den drittletzten Altmieter aus seiner Kackbutze raus Richtung Werneuchen, Brandenburg, gemobbt hat. Jetzt will er den Hof mit peruanischen Natursteinen bepflastern, deren Anschaffung er auf die Betriebskosten umlegen lassen wird. Sagte er mir nebenbei am Briefkasten, aus dem ich wieder einmal nur Rechnungen, drei beschissene Kauflandprospekte und die Erinnerungspostkarte meines Zahnarztes gefischt habe, bei dem ich schon wieder viel zu lange nicht mehr war.

Und wenn ich vor die Türe gehe, stapeln sich auf der Kreuzung am U-Bahnhof Eberswalder Straße die Touristen aus viel zu vielen zu reichen Ländern dieser Erde in einem Ausmaß, der dringend nach einem zündenden Funken für eine Massenpanik verlangt, um zumindest wieder ein wenig Platz vor meiner Haustüre zu schaffen. Und weil das nicht reicht, empiehlt mir meine hässliche biobewegte Nachbarin, die vor ein paar Jahren als Strafe für die Sünden meines verpfuschten Lebens aus einem gruseligen westdeutschen Provinznest neben mir einzog, als Ergänzung zu meinem Laufsport regelmäßig vegane Ernährung und es sieht nicht danach aus als würde sie jemals damit aufhören, mir immer wieder vegane Ernährung zu empfehlen, weil sie offenbar gerne anderen Leuten immer wieder vegane Ernährung empfiehlt. Und als ich letzte Woche mit einem kleinen Feierabendjoint in der Hand die Schönhauser Allee hochlaufe, erklärt mir ein Bärtiger auf der Höhe Senerfelderplatz mit heiligem Ernst: „Allah sieht dich, Bruder.“

Ich möchte bitte eine Rezession und ich möchte sie jetzt. So eine richtig fette Wirtschaftskrise. Einen Black Friday. Plopp. Platz, Blase, platz. Jump, all you fuckers. Dieses Land ist einfach zu reich. Zu fett. Zu satt. Den Leuten, die hier wohnen, geht es zu gut. Berlin-Prenzlauer Berg ist die Königin der Erste-Welt-Probleme und Weltmeister in der Ausblendung dessen, was als Balken im Augenlid klebt. Zeltstädte unter jeder zweiten nach Pisse stinkenden Brücke? Der Penner in seinem Siff krepiert im Schatten der glasbewehrten neuen Luxusappartments in Berlins Mitte? S-Bahn für noch viele weitere Jahre in Grund und Boden gewirtschaftet? Und weil das nicht reicht die BVG gleich hinterher? Öffentliche Verwaltung dysfunktional weil quasi zusammengebrochen? Egal, Hauptsache die ideologisierte Rosa-Einhorn-Takkatukkalandpolitik und die an ihrem Arsch klebenden Reste einer Blase von verwöhnten korrumpierten Hauptstadtjournalisten kämpfen für Fahrradstraßen, einen eigenen Feiertag für die sowieso schon von der Kimme bis zum Zäpfchen gepamperte Hälfte der Bevölkerung, die Umwandlung von vierspurigen Hauptverkehrsstraßen in 30er-Zonen und für das Recht einer bis zur Spitze der Besoldungstabelle durchprivilegierten Berliner Staatssekretärin der traurigen Überreste einer Arbeiterpartei SPD, ihre verschissene Rolex protzig zur Schau stellen zu dürfen. Und natürlich für Unisex-Dapisstsowiesokeiner-Gendertoiletten. Dem wichtigsten aller Probleme der Stadt, an dem sich hunderte von mir im Schweiße meiner räudigen Arbeit mitbezahlte Gleichstellungsbeauftragte samt Assistenten und Vorzimmerkräfte in ihren kuscheligen Bezirksamtsbüros abarbeiten, während ich meinen Termin für meinen inzwischen abgelaufenen Reisepass vor lauter Personalmangel in drei Monaten haben werde.

Ihr Arschlöcher. Ich kann euch nicht mehr sehen. Ich hasse euch alle. Ich möchte bitte eine Rezession und ich möchte sie jetzt. Ich gehe auch gerne mit den Bach runter, mit Freude sogar, Hauptsache die Rezession spült diese ganzen pomadigen Pomeranzen weg, samt meiner satten, fetten Nachbarschaft in ihren schicken pastellfarbenen Drecksaltbauten mit ihren Altanturasupermärkten und ihren Bugaboo-Kinderwagen, an dem immer irgend ein selbstgehäkelter Scheißdreck durch die Gegend baumelt, Hauptsache die Rezession radiert diese hunderttausend blöden Karottenkuchen und Sojalatte-Selberröst-Scheißkaffees in meinem schicken piefigen Scheißbezirk aus, in denen Sie bei irgendwelchen bärtigen Wichsern mit Dutt auf Englisch unter 657 Kombinationen verschiedener Cinnamonmandelgorgonzolamitbirnesirups und Hafermandelsojafickmichdochmilch zum Avaocado-mit-Kresse-und-euren-ewigen-Chiasamen-Bagel bestellen können und zu denen man Ihnen ein Stückchen Karamellpopcorn mit Meersalz reicht, weil Amarettino kann ja jeder. Und vor allen Dingen: Hauptsache meine drecks sauerkrautfrisurige Nachbarin verpisst sich mit ihren debilen veganen Hinweisen zu meiner Ernährung wieder in ihr niedersächsisches Ökodorf, nachdem ihre auf Kante genähte Hypothek geplatzt ist. Platz Platz Hypothek. Bitte platz. Big Black Friday Ballyho. Und du, Rezession, komm. Bitte komm. Du wirst gebraucht.