Retrospektive: Von Burkina Faso nach Hellersdorf

 

(2003)

(Nokia Klingelton)

„Mark?“

„Alter wo bist du?“

„Zuhause, warum?“

„Kannst du nach Hellersdorf fahren?“

„Es ist erster Mai. Was zum Teufel soll ich in Hellersdorf?“

„Safi ist dort.“

„Safi? Verarsch mich.“

Safi kommt aus Burkina Faso, ist schwarz wie die Nacht, schwärzer geht gar nicht mehr und in Hellersdorf marschiert die NPD.

„Sie ist einfach losgefahren, um sich die Stadt anzuschauen und ist in Hellersdorf gelandet. Jetzt steht sie in einer Telefonzelle irgendwo in der Louis-Lewin-Straße und traut sich nicht mehr raus.“

„Alles klar, ich fahr‘ hin. Meine Güte, wie kommt die nur … scheiße …“

(…)

„Sie können hier nicht durch.“

„Doch, ich muss, bitte. Da hinten steht eine völlig verängstigte Freundin aus Burkina Faso in einer Telefonzelle, an der Menschen vorbeilaufen, die sie hassen.“

„Ich habe gesagt Sie können hier nicht durch.“

„Okay, Ihren Vorgesetzten bitte, ich möchte Ihren Vorgesetzten sprechen.“

„Der hat keine Zeit.“

„Okay, ich versuche es Ihnen noch einmal in Ruhe zu erklären: Eine Freundin aus Burkina Faso wollte sich die Stadt anschauen und ist hier in Hellersdorf gelandet. Sie kennt diese Stadt nicht, sie weiß nicht was der erste Mai ist und sie weiß nicht, wo sie hier reingeraten ist. Sie ist schwarz, pechschwarz, schwärzer geht nicht mehr…“

„Sie ist schwarz?“

„Ja, die dunkelste Haut, die Sie je gesehen haben. Sie ist da drin, steht in einer Telefonzelle und hat …“

„Moment …“

(Er funkt)

„Wir kümmern uns.“

(…)

„What the fuck do you think you are doing here?“

„I was just cruising around. I felt bored. So I just took a day ticket to explore the city.“

„And from all districts in this sick fucking City you found Hellersdorf, the home of the bloody fascists. My dear…“

„Hey. No matter. After all it was an exiting experience.“

„Fuck you.“

„What?“

„Fuck you. And kiss me. Goddammit.“