Der Praktikant und die chronische Verstopfung

Werbung in der M10. Schau an, der Praktikant hat also wieder eine neue Aufgabe bekommen: Finde eine originelle Illustration für Verstopfung. Vielleicht was mit Kunst. Etwas, das die ganze Scheiße, Darm, Tod und Teufel etwas auflockert.

Und der Praktikant denkt und denkt und denkt nach. Wie soll ich nur Verstopfung illustrieren? Eine Schlinge? Symbolisch für Darmschlinge? Ekelhaft, das ist doch ekelhaft und will doch keiner sehen. Den Leuten krampft sich doch die Bauchdecke zusammen, wenn sie die Assoziationskette begreifen.

Ein Korken vielleicht? Einer, der symbolisch in einem Arsch stecken kann, damit da nichts raus kann was raus soll? Ach was, viel zu offensichtlich. Außerdem zu primitiv. Wir sind eine Werbeagentur mit Anspruch. Nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Um die Ecke denken. Was zum Knobeln, was zum Dranrumkauen. Schließlich fällt sein Blick auf den Schmöker, den irgendwer, der tatsächlich hier in der Werbeagentur noch Bücher lesen kann (verrückt, nicht?) auf dem Fensterbrett vergessen haben muss:

Das ist es! Zeit! Heureka! Was verliert man, wenn man stundenlang auf dem Kackethron sitzt und sich die Hämorrhoiden aus der Rosette drückt, wobei außer heißer Luft nix kommt? Zeit! Aber hallo! Man hat so viel Zeit auf der Hütte, dass man diese ganze Bleiwüste von Buch in einem Rutsch durchlesen kann. Das ist es. Kacke und Kunst. Verstopfung und Verse. Literatur und Latrine. Herrlich! Das ideale Symbolbild für Bildungsbürger mit Darmproblemen. Französische Literatur des angehenden 20. Jahrhunderts. Wenn das mal nicht Kultur ist!

Chef. Chef! Ich hab’s. Verstopfung – Verlorene Zeit. Kuckense mal. So würde das aussehen. Krieg ich jetzt ne Festanstellung?

Natürlich nicht. Aber die Idee ist cool. Die nehmen wir. Für die M10 reicht’s, die zugekoksten Hipster da drin sind alle so verstrahlt, dass die das wahrscheinlich sogar kapieren. Hier, was neues: Ein Mundspray für Pitbulls. Lassen sie sich mal ein Symbolbild dazu einfallen, aber bloß nix mit Kunst, die Zielgruppe dafür hält Rembrandt für einen Wodka-Energy-Shot und Carmina Burana für den neuen Hausfrauenpuff nebenan.

 

 

 

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