Quotenfußball

Aufregung im Borgwürfel: Für das diesjährige Fußballturnier, bei dem verschiedene Drohnen aus verschiedenen Borgwürfeln aus dem Bundesgebiet gegeneinander antreten, wurde vorgeschlagen, dass ab diesem Jahr pro Team ein Spieler weiblich sein muss. Sonst soll man nicht teilnehmen dürfen. Keine Ahnung, wer diese Idee in den Raum geworfen hat (obwohl, doch, ich habe eine Ahnung), doch ich wette, man kann dafür wieder Fördermittel aus irgendeinem zum Bersten gefüllten Subventionstopf für super Innovationen abmelken. Ich für meinen Teil spiele zwar nicht mit, weil mich die rülpsenden, kotzenden und stinkenden BFC-Hools alle zwei Wochen im Jahn-Sportpark gegen Fußball für den Rest meines Lebens immun gemacht haben, dennoch interessiert mich der Grund für die avisierte Modifikation. Was soll das bringen? Empowerment? Inklusion? Schikane? Vermutlich ist es doch wieder nur das alte Leid: Die Freude an der Regelungswut. Die gute alte Gängelei aus einer Weltanschauung heraus, die gerade Oberwasser hat.

Die Diskussion über das mögliche neue Reglement zeigt erste Auswirkungen: Es hagelt schon erste Absagen. Prophylaktisch. Aus Prinzip. Ob Spesenritter, Buchhaltungsbürokrat oder Betriebsrat: Es gibt kein anderes Thema mehr. Syrienkrieg. Deutsche Bank. Red Bull Leipzig. Alles uninteressant. Kaffeeküche. Mittagspause. Raucherecke. Ein Thema. Die Quote steht im Raum. Normalerweise stellt Berlin in guten Jahren bis zu drei Mannschaften. Ob es dieses Jahr für eine reicht, ist unwahrscheinlich. So die Befürchtungen.

Die Pickelgesichter von der IT, die sich letztes Jahr noch mit den via Zeitverträgen eingekauften Trainees zusammengetan haben, haben eine ihrer berühmten semiironischen Anzeigen im firmeneigenen Intranet geschaltet, um schon frühzeitig irgendeine Frau aus Verwaltung oder Buchhaltung zu werben, weil es bei ihnen keine gibt. Gemeldet hat sich bisher keine.

Zwei der Trainees haben hingegen schon mal den alten gammligen Genderverarschegag aus den Kommentarspalten der feministischen Kolumnen bei Spiegel Online exhumiert. Sie geben bei jeder sich bietenden Gelegenheit lautstark vor, sich ihres Geschlechts nicht sicher zu sein, aber sich im Moment sehr weiblich zu fühlen, womit sie ihrer Ansicht nach die Kriterien erfüllen. Döp Döp Doing Gender. Damit werden sie jedoch nicht durchkommen, denn man wird ihre Ernsthaftigkeit in Frage stellen. Und Ernsthaftigkeit wird in dieser Sache sehr ernst genommen. Und das heißt: Keine Frau. Keine Teilnahme. Da unten hängt ein Penis? No way.

Die koksnasigen Bommelslipperchauvis aus Marketing und Vertrieb gehören zu denen, die aus Protest gegen die im Raum stehende Gängelung (und weil sowieso keine Frau von Stolz und Verstand mit ihnen zusammenspielen würde) schon mal vorsorglich für dieses Jahr zurück gezogen haben. Sie wollen stattdessen gemeinsam in die Kneipe zum Wettsaufen. Hierfür wird vermutlich auf absehbare Zeit keine Quote vorgesehen sein, tönen sie. Für das Frühjahr wollen sie sich aus Protest bei einem Turnier in Brandenburg anmelden. Brandenburg ist noch archaisch. Kickende Männer. Anfeuernde Mädchen. Ein Albtraum. Tiefstes Mittelalter. Nichts zu reißen für Aktivisten. Wenn Sie Brandenburg mit Gender kommen, holen die die Forken und Mistgabeln aus dem Stall. (Mistgabeln, Mistgabeln, da war doch was, ich hätte da Verwendung, was war das noch…)

Das Lager wäre theoretisch in der Position, eine Frau aufzubieten, und zwar die minderjährige Tochter des Disponenten, die dort gerade ein Praktikum macht. Doch auch sie sieht so aus, als könnte sie nicht mal die Drohung mit dem Entzug von Taschengeld, Smartphone und PS4 dazu bewegen, dass sie sich eine Jogginghose anzieht und über Stunden hinweg versucht, in der stinkenden Turnhalle einer stinkenden Schule einen gammligen Ball zwischen zwei Latten zu treten.

Verwaltung und Buchhaltung bestehen zwar wie in allen Borgwürfeln fast ausschließlich aus Frauen, doch Fußball ist bei denen so beliebt wie der Zwiebelmett-Maulgünther vom alkoholkranken Hausmeister. Ich erinnere mich an die Kopfgeburt eines Frauenfußballturniers vor Jahren. Es war ein legendärer Rohrkrepierer. Am Desinteresse der weiblichen Belegschaft konnten auch die holprigen Rundmails eines armseligen Nachwuchsführungskretins aus dem mittleren Management nichts ändern. Oh zeter oh mordillo, die Quotenhürde wird wirklich schwer zu knacken sein.

Bleiben die Azubis. Die Jugend. Die Hoffnung. Die kommen schon aus der Schule gehirngegendert bis über die Ohren bei uns an. Da müssen sich doch Frauen finden, die nicht in den patriarchalen Geschlechterrollen aus dem Paläozän gefangen sind. Ich habe mal spaßhalber rundgefragt: Nix. Niemand möchte. Ich sehe es kommen: Keine Frau, keine Anmeldung. Präsent wäre dieser Puff von Berliner Niederlassung damit nur noch beim Volleyball. Hierfür werden wir wie jedes Jahr zwei reine Frauenteams entsenden. Ohne Männer. Männer hassen Volleyball. Gut, dass hierfür niemand eine Quote diskutiert.

Es wäre schon schade um die Azubis. Jetzt wo dank chronischen Bewerbermangels (Hölle friere zu, wir mussten die Anforderungen senken) endlich mal wieder ein paar junge Männer am Start sind. Für die wäre es endlich mal eine Chance auf zumindest einen Erfolg. Ich würde sie ja anfeuern. Mit Rassel und Fanfare. Winken doch bei uns sonst nur Nichtübernahme, unentgeltliche Anschlusspraktika, Kettenzeitverträge, Freelancerscheiße und das Jobcenter. Mehr haben wir nicht zu bieten. Außer Gender. Gender reitet ein. Ballyho.