Kurz mal Nostalgie tanken

In einem Dorf mit dem martialischen Namen Bayerisch Eisenstein kurz vor der Staatsgrenze steht eine Tankstelle aus den 60ern.

Nüchtern.

Grau.

Kein grelles Licht.

Nur ’ne Neonlampe.

Eine freie Werkstatt mit gleicher 60er-Optik steht daneben.

Eisenlook.

Steinromantik.

Für die Luft im Reifen muss ich noch arbeiten. Nix digital.

Die Blätter-Anzeige an den Zapfsäulen ist kaputt. An beiden. Ich muss mutmaßen wie viel es werden wird.

Sie haben schon E 10. Da kam wohl Michael J. Fox kurz aus der Zukunft vorbei und hat Subventioniertes abgeladen.

Ob hier noch irgendwo Konrad Adenauer an der Wand hängt? Oder Franz Josef Strauß?

60er. Pur.

Ich sehe kein Neongelb.

Kein Neongrün.

Keine Schreiplakate.

Kein Schinken-Käse-Croissant und natürlich schon gar keine Smoothies.

Auch keine Fettfingerriegelarmee an der Kasse.

Ich kriege hier auch keine Fishermans Friend.

Nein. Kein Firlefanz.

Keine Schlandfahnen.

Keine Schiebermützen.

Nicht mal Schnaps.

Eine puristische Tankstelle.

Old-school.

Wie der Opa an der Kasse. Der ist auch old-school. Der sieht aus als habe er als Trainer irgendwann 1954 die Weltmeisterschaft aus Bern geholt.

Irgendwo muss doch auch noch ein Borgward rumstehen. Oder wenigstens ein Kübelwagen.

Hier ist Bayern. Und gleich da drüben Tschechien.