Lass mal netzwerken – Links vom 12. August 2016

Es gibt wieder supertoughe Wortspielladennamen. Und es sind natürlich wieder Friseure. Toll. Her damit. Ich fahr‘ auf so einen Scheiß ab. Trashkulturpflege. Ich kleb‘ das alles hier rein. Check this (danke Simone):

Ist es nicht grauenhaft? Ich würde mir eher die Haare einzeln mit einer Pinzette ausreißen und danach meine Kopfhaut mit Terpentin, Essigsäure und Froschsperma behandeln als zu einem Friseur zu gehen, der sich seine intellektuelle Kapitulationsurkunde für alle sichtbar an eine Fassade hängt. Schnipp Schnapp Lockenwickler. Hier bin ich und habe einen Laden aufgemacht. AtmospHAIR. Schaut mich an. Für mehr hat es leider nicht gereicht. Meine Selbstachtung finden Sie in der Kloake, kurz hinter dem Fallrohr.

Noch was? Ja. Es scheint in letzter Zeit ein Todesurteil zu sein, wenn ich ein Restaurant besuche, was drüber schreiben will, aber den Scheiß zu lange liegen lasse. In der Zwischenzeit machen die zu. Das macht mir Sorgen. Ich bin entweder zu langsam oder eine Gastronomie geht gerne mal den Bach runter, sobald ich da war.

Jetzt hat es Frau Rauscher in Prenzlauer Berg erwischt. Es war ein hessisches Lokal mit hessischem Zeug.

Ich erinnere mich noch an meinen ersten Besuch bei Frau Rauscher, damals noch in Kreuzberg. Lange her. Es war ein Desaster.

Mittags kurz vor eins hatte ich mal Hunger und setzte mich draußen hin. Und saß. Und saß.Und saß.

Und.

Saß.

Irgendwann kam ein alter Mann vorbei, rückte einen Stuhl umher, hielt den Kopf schief und schaute mich fragend an.

„Ich möchte gerne bei Ihnen mittagessen.“ offenbarte ich das Offensichtliche.

„Ei, de Chef is ä bissi spät dro heit. Se gennä abä mol neigehä on frochä obs was gibt. I stell hier nurd Stiel uff.“

Ich übersetze: Da ist also einer, der eine komische Sprache spricht, für das Aufstellen der Stühle zuständig, gehört also offenbar zum Lokal, schafft es aber nicht, mir zu sagen, ob es schon was zu Mittag gibt, sondern erklärt sich für nicht zuständig und empfiehlt mir, selber irgendwo drinnen zu klären, ob ein Lokal, das laut Öffnungszeiten eigentlich auf sein sollte, überhaupt auf ist.

Ich bin gegangen. Kopfschüttelnd. Aber lachend, weil das so schön Klischee ist, dass ich mir so was gar nicht ausdenken könnte. Ein ausgewiesen deutsches Lokal, das sich mit Gästen schwer tut.

Ich hakte die Sache ab.

Irgendwann Jahre später befuhr ich in Prenzlauer Berg die Wichertstraße und sah wieder diese markante Fassadendekoration. Vielleicht wollen sie ja dieses Mal Gäste haben, dachte ich mir und habe das schnitzelfreundliche Kind ins Auto gepackt und bin hingefahren. Leider war der Laden zu. Obwohl er eigentlich laut Aushang und laut Internet auf haben sollte. Kann ja mal passieren, dachte ich und versuchte es Wochen später noch einmal. Dieses Mal mit Zeitpuffer. Eine Stunde sollte das Lokal bereits offen haben. Hatte es aber nicht. Kein Aushang. Nix im Internet. Einfach zu.

So etwas weckt meinen Kampfgeist. Ich gebe auch verpeilte Schlümpfe nie auf. Was gut ist, denn der dritte Versuch zu einem Zeitpunkt, an dem andere schon Verwünschungen fluchend auf ewig die Finger von diesem Laden gelassen hätten, funktionierte.

Und dann saß ich da.

Und saß.

Dann kam die Karte.

Und dann saß ich wieder.

Und saß.

Mit mir saßen zwei weitere Gäste.

Und saßen.

Ich versuchte vor Langeweile zu ermitteln, was da und warum es bei lausigen dreieinhalb Gästen so lange dauert und ersann ein Katastrophenszenario, in dem das Lokal brummt und alle Plätze mit hungrigen schnitzelaffinen Bayern belegt sind. Es würde im Chaos enden. Es würde frontal gegen die Wand laufen. Sie würden alle Gäste verärgern, nachhaltig, und die würden nie wiederkommen.

So bleibt mir nur eines zu sagen: Manchmal machen Dinge zu Recht zu. Ein Lokal, dem seine auf allen Kanälen in die Welt geblasenen Öffnungszeiten vollkommen egal sind und bei dem alles dauert, dauert und noch mehr dauert, fast so als würden hinten in der Küche die Sachbearbeiter des Bezirksamts Pankow gerade das Schnitzel als Verwaltungsvorgang in der Salzlake reifen lassen, kann auch mal zu machen. Es fehlt nichts, wenn es nicht mehr da ist.

So. Noch ein Wort, liebe Hessen, zu dieser komischen grünen Soße. Muss die so säuerlich? Und warum ist die kalt? Mindestens eigenwillig ist das und schmecken tut’s mir leider gar nicht. Gut, dass sie auch Ketchup in der Flasche auf dem Tisch stehen hatten. Der hat die Dinge nach vorne gebracht. Schnitzel war gut, diese Soße bizarr. Prost, darauf einen Bembel. Heinz Schenk ist ja auch schon kalt. Passt ja.

So, hier, bitte sehr, Woopa Serviceteil, zwei Tipps für Schnitzel in Berlin (ohne grüne Soßen):

Informelles Imbiss-Tourishit-Ambiente: Scheers Schnitzel in Friedrichshain. (Ich schrieb darüber entsetzlich euphorisch)

Gediegener, gehobener: Alt-Wien in Prenzlauer Berg. (Ich schrieb darüber noch entsetzlich euphorischer)

Was? Immer noch nicht fertig? Aber nein. Einen noch. Hey Internet! Früher war mehr Shitstorm. Wo sind die Politoffiziere hin? Da gebe ich ein Arschgeld in einem Sternelokal aus und nur einer heult deswegen. Einer! Im Ernst jetzt? Dafür steh‘ ich morgens nicht auf.

Die Links. Read this:

Burks‘ BlogSie werden gerettet oder: Falsche Substanzen und mein Kampf mit Herrn M.
Obdach. Und Nachspiel.

ExportabelVon der Legitimität des falschen Denkens
Keine Germanistin.

Christian Buggischs BlogHomöopathie: Zahlen, Daten, Fakten
Esoterik und Geschwurbel.

Mitzi IrsajPersonalisierter Spam
Trollolo.

Der reisende ReporterWie geht Bolivien mit illegalen Einwanderern um?
Cheggie Wara.

LandLebenBlogDie Alte.
Zustände.

marcusklugeBerlinische Leben – “Hauptsache Berlin” / Von H.P. Daniels / Reblog
Leseprobe.

Frau Tonariunter Müllmenschen
Mahnender Fingerzeig.

gnaddrig ad libitumFlashmob
Alphatonne.

LandLebenBlogGenius Lokus
Scheißhaus.

SchnipselfriedhofIch sehe kackende Menschen
Waaaaaaaaah!

GlummDas Leben ist gekommen, um es hinter sich zu lassen
Gegenfeuer.