Trollolo

perahim mayer hat gesagt…

Du stehst wider Gott.
Nicht?
Du wirst untergehen.
Strikt und klar.
Mit allem Jetztzeitlichen.
Schluß.
Nicht?

5. Januar 2016 um 03:32


Kommentare im Internet sind die Eiterbeulen der Aufklärung des Menschen aus seiner selbst gewählten Unmündigkeit. Ihr Ruf kommt dem des Belebtschlammbeckens einer beliebigen kommunalen Kläranlage erfrischend nahe. Und immer weniger wollen den ganzen Gärschlamm hosten. Die großen Portale machen immer öfter ihre Kommentarspalten dicht, stellen auf strenge Moderation oder gleich auf Facebook um. Blogger stehen hierbei nicht nach und kicken die Kommentarleiste gleich ganz aus dem Angebot oder zensieren wie türkische Nachwuchsdiktatoren. Gärschlamm. Müllecke. Das Internet ist ein Schreihals. Alle krakeelen. Aktivisten. Berufsbeleidigte. Gralshüter. Daueropfer. Politoffiziere. Gesinnungsschnüffler. Niemand kann diese Kakophonie mehr ernst nehmen. Diese Menschen, die im Internet die ideale Plattform für ihre Neurosen gefunden haben, die sie genüsslich vor Publikum ausbreiten, verschwinden in einer hysterischen Meute aus Brüllaffen, Parolenkotzern und Berufstrollen. Aus dieser Masse sind Nuancen gar nicht mehr feststellbar, es geht nur noch um Freund oder Feind. Du hast mich kritisiert? Du bist der Feind. Du bist ein Nazi. Fick dich. Ich blocke dich.Mir schlafen die Füße ein. 

Internetdiskussionen sind unfruchtbar. Das waren sie schon immer. Sie bringen nix und schon gar nicht irgendwen weiter. Niemand hat je irgendwen von irgendwas überzeugt. Ich sage ja nicht, dass Sie den Satz „Hey, das waren aber tolle Argumente, du hast Recht, so habe ich das noch gar nicht gesehen, ich glaube, ich muss mal meine Position überdenken“ nicht irgendwo bei einem der wenigen reflektierten Menschen im Internet finden, doch Sie müssen gut suchen. Solche Typen sind selten.

Wundern Sie sich eigentlich auch, warum ich nie auf Ihre Kommentare antworte? Ich werde immer mal wieder gefragt, warum und ich kann sogar verstehen, dass das Fragen aufwirft. Nervt. Ärgert. Zumindest irritiert. Wollen Sie wissen warum ich nie antworte? Ich habe keine Lust. Ganz einfach. Abgesehen vom Zeitaufwand habe ich einfach keine Lust. Was ich anbiete ist folgendes: Ich schreibe irgendeinen Scheiß und gebe Ihnen die Gelegenheit, irgendeinen anderen Scheiß drunter zu schreiben, wenn Sie mögen. Zustimmung. Ablehnung. Zwiespalt. Hass. Verwünschungen. Hexenflüche. Veitstänze. Kein Problem. Dürfen Sie hier. Alles. Und ich überfliege es mindestens, denn ich muss es ja freischalten. Ich habe nur keine Lust, noch mehr zu den Dingen zu sagen als das, was schon da steht. Es bringt nie jemanden weiter. Diskussionen gleiten in kürzester Zeit ins Absurde ab. Schaukeln sich auf. Wechseln in hunderttausendfach beschifftes Fahrwasser. Die jedem zum Hals raushängenden Rituale werden vorgetanzt. Niemand adaptiert irgendwas. Schon gar nicht die eigene Meinung. Und dann diese Fransen. Irgendeiner ohne Ahnung, ein Nazi oder ein einsamer Opa mit Internetanschluss kackt eine Provo dazwischen. Ein anderer pullt einen Godwin. Der Nächste postet ein passendes YouTube-Video. Niemand versteht niemanden. Und nach ein paar Tagen rollt die nächste Sau über die Dorfstraße und die alte Sache plätschert nur noch dahin und trocknet schließlich aus. Ohne irgendeinen Effekt auf irgendwas. Diskussionen sind was für Leute mit zu viel Zeit. Und ich habe die nicht. Vollzeitborgdrohnentum. Überstunden. Kind. Memory. Die Raupe Nimmersatt. Legoland. Der Besuch von Sternerestaurants. Die Notwendigkeit, mit den besten Freunden der Welt in den verbliebenen Zeitfenstern zur Betäubung eines entzündeten Hirns Alkohol und Drogen in großen Mengen zu vernichten. Ich habe keine Zeit.

Wenn Sie eine Reichweite über Ihre Mutter, ein paar aus Höflichkeit mitlesende Kumpels und einen vereinsamten Alkoholiker aus Chisibubikaio, der seine Freizeit mit Bloglesen verbringt, hinaus erreicht haben, werden Diskussionen komplett sinnlos. Ständig heult jemand, egal was Sie schreiben. Den einen schreiben Sie zu rechts, den anderen zu links, die einen heulen, Sie würden sich dem Feminismus anbiedern, die anderen krakeeln, dass Sie frauenfeindlich sind und auf einen Baum gehören. Zu den anderen Affen. Den einen sind Sie zu angepasst geworden, den anderen zu primitiv, den einen zu politisch, den anderen zu unpolitisch. Und dann sind da noch die Trolle und Stalker mit ihrem üblichen Gewäsch. Drohungen. Verwünschungen. Gewetzte Messer.

Das Internet ist ein Ort geworden, an dem Ihnen ständig jemand sagt, was Sie dürfen und was Sie nicht dürfen. Sagt man nicht. Tut man nicht. Darf man nicht. Was in der realen Welt undenkbar wäre, feiert hier im Netz seinen Durchbruch: Ein bizarrer Reigen an Klugscheißern, der andere gerne gängelt, will festlegen was geht und was nicht. Doch mal ehrlich: Was soll denn hier noch kommen nach den knapp vier Jahren? Ich habe doch alle durch. Hier sind alle Freaks des Internets schon mal vorbeigekommen. Christliche Fundamentalisten. Esoteriker. Homöopathiejünger. Feministinnen. Betonkommunisten. Baumschützer. Grünwähler. Gentrifizierer. Prenzlauer Berg-Patrioten. Und natürlich Veganer. Die kommen regelmäßig vorbei, um mich zu informieren, dass Fleischkonsum tödlich endet und außerdem Mord ist.

Und alle sind so großartig empört in ihrer heiligen Mission.

Die mich einen Scheiß interessiert. Es ist nur das Internet. Wen der Auftritt der versammelten Verstrahlten aus der Bahn wirft, der ist im Internet falsch, der gehört auf einen Ponyhof. Oder in den Safe Space irgendeiner mimosenzüchtenden Universität.

Ich erwarte deswegen Verständnis dafür, dass ich nicht mit dem Internet diskutiere. Nehmen Sie das nicht persönlich. Sie sind bestimmt ein wunderbarer Mensch und Ihr Statement wäre es unter normalen Umständen wert, gehört und besprochen zu werden. Doch nicht hier. Und nicht von mir. Ich bin wundgejault. Ich bin durch. Müde. Es ergibt für mich keinen Sinn. Der Mehrwert ist nicht da. Doch bitte, auf jeden Fall: Schreiben Sie. Schreiben Sie gerne viel. Niemand schränkt Sie hier in Ihrer Meinungsäußerung ein. Hauen Sie in die Tasten. Finden Sie Positionen blöd. Faschistisch. Linksversifft. Einfach beknackt. Oder korrigieren Sie Dinge. Falsche Aussagen. Hanebüchene Fakten. Dumme Bewertungen. Rechtschreibfehler. Grammatik. Oder drehen Sie frei. Heulen Sie rum. Schimpfen Sie. Rasten Sie aus. Nennen Sie mich eine arschfickende Schwuchtel, auch das ist eine Meinung, die Sie hier äußern dürfen. Hurensohn. Fotze. Bastard. Meine fette Mutter soll sich selbst ficken (wobei das eher ein Verfahrensvorschlag als eine Meinung ist). Her damit. Kein Problem. Dürfen Sie hier schreiben, das geht klar. Sie dürfen sogar Nazi sein und Ihren stinkenden Nazikram hier abladen, sie dürfen alle Ihre Dinge hier wohl doch mal sagen dürfen. Ich halte das aus und ich schalte das frei, sofern es nicht strafrechtlich auf mich zurückfallen kann und Sie nicht einer der beiden Trolle sind, die genau deshalb unter ihren Namen nebst Varianten in meinem persönlichen Killfile stecken. Deshalb nochmal: Freie Rede ist ein tolles Ding. Und im Moment ist es notwendiger sie zu verteidigen als noch vor zehn Jahren. Es ist was am Laufen. Da kommt was. Sie feuern nicht umsonst medial aus allen Rohren. Da wird der Boden beackert. Bereitet. Gedüngt. Sie wollen löschen. Streichen. Filtern. Blocken. Ich kann es schwer festmachen, doch ich habe diffuse Bauchschmerzen in Erwartung des Klimas, das sie schaffen wollen.

Äußern Sie also bitte alles was Ihnen wichtig ist. Vielleicht freue ich mich. Vielleicht nicht. Doch erwarten Sie keine Antwort. Ich habe keinen Bock.