Lass mal netzwerken – Links vom 25. Juni 2016

Ich bin noch was schuldig. Ich habe endlich das Buch Der beste Suizid ist immer noch, sich tot zu leben von Candy Bukowski gelesen. Candy ist Kiez, Candy ist Leben, Candy ist Gefühl, und Sex, sicher, Sex, jede Menge davon.

Starke Geschichten. Starkes Buch. Starke Autorin.

In ein paar Tagen erscheint ihr zweiter Aufschlag Wir waren keine Helden und ich weiß jetzt schon, dass es gut sein wird. Möglich, dass ich es dieses Mal schaffe, zwischen Kauf und Lektüre kein Jahr vergehen zu lassen. (Die Zeit, die Zeit, ich hab‘ ja gar keine.)

Es irritiert mich jedoch, dass einige ihrer Texte inzwischen aus ihrem Blog verschwunden sind. Es waren Geschichten, die ich sehr mochte, die ich verlinkt und gerne mal wieder zwischendurch noch einmal gelesen habe. Sie sind nun weg, was dafür spricht, dass sie auch bald als Buch erscheinen werden. Ich finde das Löschen von etwas bereits Veröffentlichtem ausdrücklich schade. Natürlich kann es sein, dass ich im Moment auch zu zerkatert bin, diese Texte wieder zu finden, doch ich fürchte, das ist es nicht.

So. Die Nachrichten.

Finden Sie es eigentlich schlimm, dass gestern ein Teil der Europäischen Union beschlossen hat, nicht mehr Teil der Europäischen Union zu sein? Ich bin da sehr unschlüssig, zu kritisch bin ich inzwischen gegenüber dem medialen Beschuss mit einhelligen Meinungen geworden, die alle prophezeit haben, dass nun der Untergang folgt. Institute. Banken. Wirtschaft. Die Bild. SPD. Alle warnten. Drohten. Baten. Geht nicht. Wählt richtig. Das hat nicht geklappt. Sie gehen trotzdem. Schuss inne Bux. In letzter Zeit habe ich sowieso den Eindruck, dass die AgitProp-Maschine der althergebrachten Eliten gerne mal das Gegenteil von dem bewirkt, was sie erreichen will.

So wie ich das lese, freuen sich die Finanzmärkte über das Ergebnis überhaupt nicht. Sie sind verunsichert. Besorgt. Verängstigte Anleger bibbern sich in ihre Schnuffeldecke. Mich lässt das Ergebnis völlig kalt. Von mir aus können die alle jumpen, die Fuckers der Finanzgeier. Je höher desto besser. Ich habe inzwischen gelernt, dass es für mich Mittelschicht nicht gut ist, wenn die Finanzmärkte sich freuen, denn es bedeutet weniger Geld für alle, nur nicht für die Finanzmärkte. Daraus folgt in der Konsequenz, dass es gut für alle sein könnte, wenn die Finanzmärkte sich über eine Sache ausdrücklich nicht freuen. So wie hier. Im Ergebnis kann es also so schlimm nicht werden.

Ich verstehe sowieso schon wieder die Hysterie nicht. Dann gehen sie eben nun weg, die Briten. Dann machen sie eben was anderes mit dem Rest des Kontinents. Irgendwas wie die Schweiz. Oder Norwegen. Island. Sowieso habe ich nichts davon, wenn die Wirtschaft ab nächster Woche ein paar Autos weniger auf der Insel verkauft. Ich habe mich festgelegt: Die Welt wird nicht untergehen. Egal wie sie schreien. Wir werden weiterleben. Versprochen.

Es kann sogar sein, dass sich die Sache mit dem vereinigten Europa endlich mal zum Vorteil für Leute wie Sie, mich, Papa Günther und Omma Kowalke entwickelt. Dann überlegen die ganz großen Raddreher vielleicht mal, ob sie aus Europa nach den ganzen Stahlbädern mal was anderes machen als eine eiskalte neoliberale Freihandelszone unter der Kuratel der Banken mit einer Zentrale als wuchernder geldscheißender Moloch auf meine Kosten, der das Land mit haarsträubenden Fördermitteln für Parteigänger, Günstlige und Interessensgruppen überzieht.

Die Briten sind also raus aus dem Puff. Hat eigentlich schon jemand Putin die Schuld gegeben? Nein, noch nicht, doch sehet wie er sich ins Fäustchen lacht. Ein übler Kerl. Letztens fiel mir ein Brocken Blumenerde aus der Mülltonne auf meine weißen Chucks. Hab jetzt einen Fleck. Dieser verdammte Putin. Ich hörte ihn aus Moskau feixen.

Zur ganzen Hysterie um den Abgang der Insel ausnahmsweise (Sie wissen, ich verlinke lieber Blogs mit weniger Reichweite) mal ein Link zu Krautreporter: Zeit zu gehen, Großbritannien (via Burks). Ja. So. Ungefähr so. Das geht in eine nachvollziehbare Richtung. Noch ein gutes Statement hier: Einhalten! Oder das von Herrn Rose.

Und auch mein seit vielen Jahren konkurrenzloser Lieblingscomiczeichner hat was dazu.

So. Sonst noch was? Ja. 36 Grad scheint die Temperatur zu sein, ab der es sogar in der Berliner S-Bahn endlich niemanden mehr gibt, der mit einem empörten Seufzer die Klappfenster zu macht.

Sonst noch Links? Sicher. Read this:

Leonie-RachelKein Wort, keine Tat, Nichts. Nur Blicke.
Na? Würden Sie eingreifen? Hätten Sie eingegriffen? Ganz bestimmt, oder? Auf jeden Fall. Nicht? Doch. Jaja. Das sagt sich so leicht als Tastatursuperheld vor dem Monitor. Konfrontiert mit der realen Gewalt wird Sie als erstes immer die Schockstarre überfallen. Die Gewalt wird Sie in den meisten Fällen überraschen und lähmen. Dann werden Sie als erste fühlbare körperliche Reaktion Angst bekommen. Wenn Sie ein Mann sind, zieht sich der Schwellkörper zwischen Ihren Beinen zusammen als stünden Sie bis zum Bauch im Eiswasser. Die Haare stellen sich auf. Der Instinkt drängt auf Fliehen. Erst wenn Sie das alles wegstecken gelernt haben, sind Sie einer, der eingreifen könnte. Die Überwindung ist schwer genug und bei Ihrer ersten Begegnung mit der Gewalt nicht zu stemmen. Unterschätzen Sie Ihren Körper und seine ausschüttbaren Stoffe nicht. Letztlich will er zu allererst sich selbst erhalten. Sich der nackten Gewalt entgegen zu stellen ist viel schwerer als im Internet vollmundig zu behaupten, dass man ja wohl auf jeden Fall eingreifen würde und eine Runde auf Twitter rumzuposaunen, wie schamlos das Verhalten derer ist, die es nicht gebracht haben. Natürlich sollten Sie auf lange Sicht lernen, einzugreifen. Doch Ihnen muss klar sein, dass das unangenehm werden wird. Sie werden viel Kraft aufwenden müssen. Es kann sein, dass Sie sich nicht durchsetzen werden. Vermutlich wird es sogar weh tun. Seelisch oder auch körperlich. Sie werden beschimpft werden, kann sein, dass Sie auch geschlagen werden. Das müssen Sie als Möglichkeit einpreisen. Wenn Sie das hinkriegen und dazu gehört Übung Übung Übung und Überwindung Überwindung Überwindung – dann klappt es auch mit dem Helfen. Viel Erfolg.
(via sunflower22a)

Gay WestBis hierher und wie weiter?
Über Weiterentwicklung und den alten Scheiß, der früher mal geschrieben wurde. Hut ab. Falsch gelegen. Eingeräumt. Reflektiert. Und dann scheißt ein alter Troll aus dem alten Leben in die Kommentarleiste.

Christian Buggischs BlogInfluencer Marketing und das Märchen von der Authentizität
Wie schön. Sie kaufen sich jetzt Blogger und YouTuber, die sie Influencer nennen. Und ich habe mal wieder meinen Feedreader ausgemistet. Getroffen hat es dieses Mal die letzten paar noch verbliebenen stadtmagazinportalartigen Berlin/Hamburg-Blinkeblogs mit den Twitterfacebookpinterestbuttons und Klickelifickpopups, die ich nicht mehr sehen kann, weil es nur noch als reines Productplacement unter Autofeuer daherkommt. Fürchterlich.

Ins gleiche Horn:

Frau Meike sagtGeschwüre, egal
Frau Meike weiß sowieso Bescheid.

Berlin rechtsaußen„Wir sind die erste Reihe des patriotischen Widerstands“ – Die „Identitäre Bewegung“
Ich kann nicht sagen warum, doch ich habe vor denen immer noch keine Angst. Keine Ahnung, zu wirr, zu doof, zu wenige, zu lächerlich. Das wird keine Bewegung. Niemals. Das sind nur Clowns.

{berlin:street}Die Schlacht am Nolli
Opa erzählt von der ArdennenOffensive am Nolli. 1982. Wow. Das war noch Protest, der den Namen verdient. Was? Das Ding kostete Sympathien in der Bevölkerung? Hey, ich bin auch Bevölkerung. Bei mir würde das keine Sympathien kosten, gäbe es so etwas heute noch. Aber sowas gibt’s ja nicht mehr. Sie haben sie kleingekriegt.

ahoi polloi(1525)
Mistgabeln raus zum Gebet.

Kurz vor Schluss noch ein wenig Telekolleg:

KrawutziSicher im Internet: Daten sicher löschen

So, ich bin raus. Im Topf schmort seit einer von avisierten fünf Stunden der Hammer-Sugo, ein liebliches leichtes Sommergericht, ideal für diese Temperaturen. Gnarf Gnarf. Who cares. Das Kind will Nudeln mit Tomatensoße, das Kind kriegt Nudeln mit Tomatensoße.