Verarsch mich doch (32)

Alter.

Was soll das denn?

Wie viel koksen diese Produkttexter? Siebzehn Linien am Tag oder doch achtzehn? Wo nehmen sie diese Selbstgewissheit her, diesen nahrungsphysiologischen Unsinn dort in meiner Pappschachtel so zu beschreiben? Bitte wie? Geschmacklicher Hochadel? Nein, das Ding ist fettig. Vollgewichst mit Mayonaise, das trockene Fleisch ein schlechter Witz, das Gemüse ein entwicklungsbiologisches Trauerspiel. Wer als Tomate in einem Royal TS gelandet ist, der weiß nur eines: „Ich habe es nicht geschafft. Ich bin so scheiße, dass mich kein vernünftiger Salat nehmen würde. Ausschussgewächse wie ich landen im Royal TS, dem Endlager für Gemüse, das es maximal wert ist, mit Mayonaise eingeschmiert zu werden, weil es sowieso nach nichts schmeckt.

“Hochadel. Eine Frechheit. Das ist nicht mehr als ein nichtssagendes Pappbrötchen. Und schnöde Mayo. Aus Eiern. Öl. Und sie nennen das edle Soße. Zuletzt dieser prekäre Fleischklumpen mit den fiesen Stückchen, die mir zwischen den Zähnen hängen und die ich dann mit dem Fingernagel von ganz hinten aus des Mauls letztem Zahnzwischenraum rauspulen muss worauf mich die Leute anstarren als würde ich gleich über den Tisch kotzen wollen, dieses gottvergessene Fleisch nennen sie fein. Fein! 

Doch es reicht nicht ein vereinzelter Euphemismus auf der Pappe, es müssen noch mehr her. Hier: Den Eisbergsalat, diesen Quasimodo der Salate, nennen sie kaiserlich-knackig. Bitte was? Knackig? Da in der Mayo? Und kaiserlich? Napoleon hätte euch nach der Krönung für diese Frechheit guillotiniert. Und was? Diese Wassertomatenscheiben aus den Gewächshäusern der Gemüseindustrie nennen sie nobel? Hut ab. Sagen Sie mal, McDonalds, haben Sie dafür bezahlt? Für so einen Produkttext? Oder war es wieder der Praktikant, weil es eh scheißegal ist, was auf der Pappe draufsteht. Weil euch eh keiner glaubt. Ihr könntet dort auch behaupten, dass der Planet Pluto unsere Sonne ist, die aus dem Arsch der Venus zu uns rübergeschissen wurde, um uns mit Photonenstürmen zu grillen. Den Buchstabenschrott auf euren Verpackungen liest doch niemand außer blöde Blogger, die das abfotografieren, um euch mit billigen Pointen vom Grabbeltisch lächerlich zu machen.

Mögen Sie Werber? Ich nicht. Werber sind Geschmeiß. Werber leben von Müll. Müll, den sie erzählen. Von wolkig-blumigen Slogans ohne Realitätsbezug. Und vom Stressen. Kein Platz, den sie nicht mit ihren jämmerlichen Botschaften bepflastern wollen. Kein Ort, an dem sie mich nicht anlügen wollen und werden, wenn man es zulässt, dass sie einen öffentlichen Raum kontaminieren. Grün verdecken. Wände entweihen. Straßenlaternen verunzieren. Edle Soße, kaiserlich-knackiger Salat, feines Rindfleisch, noble Tomatenscheiben. Und vor mir liegt ein TS. Klar. Sicher. Verarsch mich doch.


Verarsch mich doch (31)