Lass mal netzwerken – der besondere Link vom 5. Mai 2016

Hallo.
Ich heiße Dmitrij Panov und ich werde bald sterben.
Klingt komisch, ist aber so.

Und Dmitrij Panov dokumentiert sein Sterben.

Okay, ich weiß, wir müssen vorsichtig sein. Hier ist das Internet. Hier ist viel Fake. Viel Blödsinn. Aufgeblasener Scheiß, der zu Geld gemacht werden will. Werbung. Ein Buch. Kaffeetassen. Strickpullis. Oder auch nur Aufmerksamkeit. Von Tausenden geteilte rührselige Geschichten von Tod, Teufel und Schicksalsschlägen, geschrieben von einem alten gelangweilten Sack ohne Leben im bierfleckigen Unterhemd, der sich selbst für jeden mitleidigen Kommentar feiert, den er für seine gefühlsduselige Prosa einfährt. Ist so? Ist nicht so? Weiß man nicht. Wissen wir nie. Wissen Sie auch bei mir nicht. Habe ich Kinder? Arbeite ich überhaupt? Vielleicht bin ich ja nur ein veganer Hipster mit Alnatura-Kundenkarte, einem Dutt auf der Murmel und einem handgeschöpften Hollandfahrrad im topsanierten Altbauhof, eingewandert aus Pforzheim-Buckenberg, der sich selbst für seine dämlichen Provos abfeiert, mit denen er den Mob anpiekt, auf dass er quiekt. Oder ich bin ein Doktorand, der an einer Langzeitstudie über Sender-Empfänger-Relationen im Internet arbeitet und all das, was Sie hier so trollig oder wegen mir nicht-trollig kommentieren, irgendwann auswertet – in einer nur zu einem Viertel selbst geschriebenen Doktorarbeit, für die ich dann eine Anstellung in irgendeiner mit mir und meinen Kumpels verfilzten parteinahen Stiftung bekomme. Oder einen Platz auf irgendeiner Landesliste. Einen Bürojob in irgendeinem scheiß Wahlkreisbüro am Arsch der Stadt. Hallo Versorgung. Wir müssen doch alle sehen wo wir bleiben. Nicht? Doch? Oder hey, vielleicht wohne ich ja auch nur ganz profan in Zehlendorf. In einer Villa. Die zusammen mit dem SLK in der Garage meiner fetten Mutter gehört, die ich hoffentlich bald beerbe. Und während ich mir eine gut temperierte Flasche Veuve Clicquot zu den Muscheln aufmache, die der Koch gerade gebracht hat, lache ich mich über alle Vollidioten tot, die mir meine wohlfeile Antifaattitüde abnehmen, die ich auf diesem Ding hier bei allen sich bietenden Gelegenheiten wie ein Mithrilschild vor mir her trage. Na? Wissen Sie nicht. Sie müssen halt glauben. Oder Sie lassen es sein. Hilft nix. Man muss immer glauben. Oder halt nicht.

So ist das hier auch. Sterben mit Swag. Tumor. Metastasen. Tendenziell tödlich. Und er schreibt das alles auf.

Auf dem Blog ist ein Name angegeben. Wenn Sie den googeln, finden Sie auch eine Facebookseite. Das heißt aber nichts, die lässt sich auch problemlos faken. Wie alles im Internet. Es bleibt nichts, außer das zu glauben, was er da erzählt. Oder nicht.

Wenn Sie mich fragen: Ich glaube das. Der junge Mann – laut erstem Eintrag geboren 1991 – schreibt sehr detaillreich ohne in überflüssiges Expertendeutsch abzudriften und viel zu persönlich als dass ich das für einen der vielen Fakes aus dem reputationsvernichteten Internet halte. Und zwischen den Zeilen lesen Sie diese Traurigkeit heraus, ein greifbares Bedauern darüber, dass es das schon gewesen sein soll, melancholisch, jedoch ohne zu düster zu werden und immer noch mit diesem Witz, diesem Schalk in den Worten. Ich bewundere das sehr. So will ich auch mal gehen. Mit Witz. Galgenhumor. Ohne Schwere. Mit einem Toast auf den Lippen. Schüss. Up the Irish. Nu lacht doch mal. Ihr Ficker.

Sterben mit Swag. Lesen Sie. Nehmen Sie Anteil. Begleiten Sie. Und wenn es Fake ist oder nur darauf aus, irgendwann zu einem werbezugekackten Blinkeportal zu mutieren, dann haben wir eben Pech gehabt. Pech gehört dazu. Ist doch auch egal.

Wie verbleibe ich denn jetzt? Kopf hoch? Wird schon? Machs wie die Sonnenuhr? Vielleicht so: Dem Autor viel Kraft und freundliche Grüße von einem, der vielleicht sogar ein paar neue Leser schickt. Kleine (große) Famehure. Und viel Spaß in der Blogroll.

(Danke an Annika für den Link.)


Die letzten besonderen Links:

17. August 2014 – Kiezschreiber

2. Januar 2014 – Brain.Fuck.Yourself

11. Oktober 2013 – Ich bin geistig krank