Frittier mich doch: de molen

In Friedrichshain gibt es eine holländische Snackbar. Buhu. Die Hölle tut sich auf und speit Frittiertes. In Orange.

Frikandel, Fleischkrokette, irgendwas mit Hack im Teigmantel, irgendein asiatisches Zeug, Käsetaschen und -kroketten, einfach alles frittieren sie hier. Wenn Sie keinen Bock mehr auf Ihren Köter haben, weil er seit Neuestem auch ins Treppenhaus statt nur auf den Bürgersteig scheißt, dann lassen Sie ihn doch hier frittieren. Danach verkaufen Sie das Ding einfach als Skulptur für die Dauerausstellung verstrahlter und vom Senat alimentierter Irrer an der UdK und werden reich. Fritty Dog & The Easy Schnösel. Hip Hip. Morgen ist Vernissage. Es gibt Tofu. Und Blixa Bargeld macht Musik. Schreibt mich jemand auf die Gästeliste?

Wahnsinn, ein Blick in die Theke und meine Pumpe setzt wie als Warnung prophylaktisch kurz aus. Das alles hier klingt nicht nur überhaupt nicht gesund, das klingt gleich sofort nach Intensivstation, Herzschrittmacher, doppeltem Bypass, Blutüberdruck bis mir die Halsschlagadern platzen, fünffachem Schlaganfall und Arterientotalverstopfung bis zum finalen Exitus. Am besten alles in einem, dann war’s das mit dem sowieso schon viel zu kurzen Auftritt auf dieser Bühne der Erde. Bye bye. Da saß er mal und aß Frikandel.

Ich bin eigentlich nicht so für Frittiertes, aber nur weil es so oft mies gemacht ist. Da schmeißen Verbrecher das prekäre Schnitzel in das selbe Fett, in dem vorher das Formfischfilet gepeinigt wurde und bereits vorletzte Woche schon die Chicken Nuggets und die Lidl-Tiefkühlpommes ihre widerwärtigen Körper zusammen mit dem Grind von unter den Fingernägeln des Nichtskönners gebadet haben. Bah. Berlins Fritteusen sind der Tiefpunkt des kulinarischen Könnens. Es ist selten gut und wenn, dann ist der Wirt Asiate.

Sowieso steht niederländisches Essen für mich auf einer Stufe mit englischem oder dem aus der allein schon deswegen glücklicherweise untergegangenen DDR – irgendwo am unteren Ende der Kellertreppe kurz vor der Fußmatte, die seit 1949 nicht mehr gefegt wurde.

Kommen wir zum Punkt. Hier ist das nicht so. Denn hinter dem Tresen steht ein Enthusiast. Einer, der gut sichtbar das lebt, was er da verkauft. Ich mag das. Der Typ steht für sein Zeug ein. Alsjeblieft sagt er, wenn er sein Werk an den Tisch bringt. Ob er Landsmann ist, kann ich nicht sagen, ich fahre in die Niederlande nur zum Kiffen, weniger zum Reden, aber egal, ausgesprochen freundlich ist er allemal. Und nebenbei wäscht er sich nach der zwischendurch draußen verquarzten Zigarette (oder was immer er sonst da draußen gemacht hat) die Hände. Ich bemerke sowas. Die meisten nicht. Ich schon. Manchmal. Oft. Hier. Danke dafür.

Die Pommes. In der Variante „Speciaal“ überraschen sie. Ich halte Pommes mit Mayonnaise prinzipiell für ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und für eine gut getarnte Massenvernichtungswaffe unserer schönen westlichen Nachbarländer – quasi als späte Rache für den mehrmaligen Einmarsch einer brandschatzenden Armee, aber im Zusammenspiel mit dem guten Gewürzketchup und den kleinen perversen Zwiebeln ist das durchaus gut. Alles andere auf meinen Tellern ist geschmacklich … also … gut, was soll ich sagen … es ist Frittiertes eben. Raffiniert ist anderswo. Ich kann das nur manchmal, nur eher nicht so oft.

Ich habe nach dem Vertilgen des Frittierinfernos quer durchs Angebot eine Magensaftsupernova im Endgegner-Salzsäuremodus Richtung Speiseröhre erwartet, sobald der Magen realisiert hat, was ich ihm da heute zumute und vorsorglich einen LKW mit Bullrich-Salz vor der Tür geparkt.

Aber nichts. Gar nichts. Muss nicht. Obgleich ich nicht nur ein oder zwei, sondern glatte drei verschiedene frittierte Gerichte die Speiseröhre runtergeschickt habe. Nix. Keine Reaktion auf Magenseite festzustellen, totaler Burgfrieden, sogar verdächtig friedlicher Burgfrieden, das spricht für überdurchschnittlich gutes Fett und gut verarbeitete Waren. Auch dafür danke. Bitte sehr, wenn Sie so Zeug mögen, dann bekommen Sie das hier solide und unbedingt seriös hergestellt. Wer allerdings jeden Tag hier isst, der dürfte langfristig Skorbut oder den plötzlichen Suizid der lädierten Herzklappe riskieren. Aber ab und zu, nur gelegentlich, da geht das.


de molen
Boxhagener Straße 76-78
Friedrichshain