Die ham Ferris und was ham wir?

Schon früh steht fest wie dieser Abend enden wird. Wenn zu viele Pubertierende unterwegs sind, muss ich mich betäuben. Das ist immer so. Es gibt bestimmte Tonlagen, die ertrage ich nicht nüchtern und von den Produzenten jener stehen eine Menge vor der Max Schmeling-Halle herum.

Ich habe vorgebaut. Heute geht nichts schief. Die Mischung, die ich mir reingetan habe, wird das Umfeld ausblenden. Es ist eine gute Mischung, eine zuverlässige, denn ich kenne jemanden, der weiß wie ich die Dinge mag.

Habe ich mich kürzlich in Leipzig über 4,50 für den Whisky-Cola beschwert? Hahaha fool, wie wäre es mit 6,50? Wetten, die zahlst du auch, weil du saufen willst und ich hier das Monopol habe, es sei denn du willst diese Pferdepisse von Berliner Kindl in dich rein kippen, die sie hier sonst verticken, doch das willst du nicht, das will eigentlich niemand, trotzdem müssen sie es zu Puffpreisen erwerben, weil es nichts anderes gibt und auch niemand irgendetwas mitbringen darf, nicht einmal in einem Tetra Pak. 6,50. Wie machen das die Jugendlichen hier? 6,50 ist gut Holz. Doch der Stand ist voll. Eine Schlange als gäbe es Bananen für lau. So ist das in meiner Stadt. Irgendwoher haben sie immer Geld und dann stehen sie Schlange. Ist so ein übrig gebliebenes Ostding. Das wächst sich nie raus. Wie immer und überall hier ist Warten die Übung, die jeder beherrschen muss. Warten beim Einlass. Warten bei der Garderobe. Warten beim Suff. Warten auf dem Weg zum Innenraum. Warten auf die Band, die sowieso wieder zu spät anfängt. Tik. Tik. Boom. Früher standen sie wegen zu wenigen Waren, heute stehen sie wegen zu wenigen Angestellten.

Als Kompensation für die elende Warterei spielen sie sinnlose Videoclips ohne irgendein System und sowieso ohne Sinn. Motörhead. Scooter. Ice Cube. Romano. Das ist dieser Vogel aus dieser Vorstadt von Berlin, dessen Zeug ich gut finde ohne es gut finden zu wollen.

Als sie auch noch David Bowie spielen, jubeln die Kinder. Valla Alter, ich wette keiner von den Opfern hat vorher je ein Lied von David Bowie gehört. Wahrscheinlich kennen sie den Namen nur, weil 200 Millionen Menschen peinliche R.I.P.-David-Buhää-Ich-bin-zwar-nicht-betroffen-aber-ich-surf-auf-der-Welle-Bildchen auf ihre Timeline gepappt haben, die sie dann wieder alle liken ohne zu wissen, wer das sein soll, der da wieder ins Gras gebissen hat. Lemmy. Bowie. Willemsen. Sie kommen vor lauter R.I.P.-Bildchen malen zu nichts anderem mehr. Like. Like. Mich am Arsch.

Ich bin gut drauf. Vitamin A und die gute alte Marie erzielen die erwartete Wirkung. Hoch und runter in einem Augenaufschlag. Das ist wie Wein und Bier, das geht streng genommen nicht zusammen. Doch streng mag ich sowieso nicht. Ich mag vielmehr den Widerstreit der Dinge. Ich bin voll da und schaue trotzdem durch einen Nebel. Der Whisky-Cola, dessen Puffpreis ich aus irgendeinem Grund bezahle und bezahle und nochmal bezahle, setzt meinem Zustand die wackelige Krone auf. Bum. Bum. Bum. Wir ham Ferris und was habt ihr?

Diese Momente in solchen Zuständen sind selten geworden. Zu oft steht mir die Verantwortung im Weg. Ausgeschlumpft. Ausgeschlurcht. Volldampf. Jobmaschine. Vatermaschine. Ausbildermaschine. Vorne stehen. Dinge sagen. Seriös sein. Immer Vorbild. Immer eine Lösung. Nie gehenlassen. Funktionieren. Reparieren. Konzeptionieren. Austarieren. Schulter bieten. Fallenlassen war gestern. Fäden in der Hand halten ist heute. Wann können auch mir die Dinge eigentlich mal egal sein? Können sie das noch? Wer regelt die Dinge für mich, wenn ich es mal nicht kann? Vermutlich niemand. Dieser unhaltbare Zustand zwischen Wickeltisch, Spaghetti Bolognese und Powerpoint schreit in seinem einzigen Ausweg danach, bunt angemalt zu werden. Bunt. Bunter. Bällebad. Vielleicht zwei Mal im Jahr. Drei Mal in guten Jahren. Raus. Konsumieren. Blöd sein. Nie denken. Sondern Hirn abtöten. Selten ist das, zu selten. Tage wie heute sind mein Urlaub. Die ham Ferris und wen hab‘ eigentlich ich?

Ich habe die Honks. Wenn ich geglaubt habe, dass mich mein Zustand vor ihnen bewahrt, dann habe ich falsch geglaubt. Hier sind sie. Gleich drei davon. Bitte sehr.

Dick. Breit. Riesenschädel. Und blinkende Scheiße um den Kopf. Ich seh‘ nix mehr. Außerdem wird mir schlecht. Die müssten Warnhinweise auf ihre Blinkescheiße kleben: Achtung Epilepsiegefahr. Wie bei meiner Playstation. Vollspackos. Blinkende. Ich seh‘ nix. Weg hier. Blinkehonks. Nur Idioten unterwegs heute. Die Irrensammelstelle ist wieder direkt bei mir. Blep Blep. Ich bin der Idiotenmagnet. Reißleine. Sendepause. Ich tanz‘ mich ganz weit weg. Ferris. Ferris. Hey, mal ehrlich, dass sie aus so einem komplett verstrahlten Patienten wie Ferris MC jemanden gemacht haben, den sie nun alle kollektiv anbeten, wenn auch wieder nur ironisch, ist ein Musterbeispiel für erfolgreiches Rebranding. Respekt. Ruf im Eimer? Erfinde dich neu! Ein paar Clips. Den Rest erledigt die Zeit.

Ja. Doch. Es geht wieder. Danke für die Petition. Like mich am Arsch. Der brilliante Text des besten ihrer Tracks geht hier in diesem Inferno völlig unter. Die Message sowieso. Was bin ich drauf. Like mich am Arsch. Ich bekomme riesige Lust, sinnlose Internetkommentare zu schreiben. Irgendwo bei Spiegel Online. Heise. Oder unter irgendwelche Blogs. Trollolo! Ich wichse die Kommentarleisten voll. Los! Schmecke mein Ejakulat, Blogger. Ich bin der Supertroll. Ich schreibe immer das Gegenteil dessen, was da wo ich bin gerade propagiert wird. Völlig egal was. Ich wechsle die Richtung wie ein verdammter Hase, ihr Ficker. Du bist Veganer, hahaha, Fleisch ist mein Gemüse, du Körnerfresser. Jeden Tag brat‘ ich mir ein Schwein. Du Arsch! Weiter geht’s, wer ist der Nächste? Ah, ein Gutmensch. Haha, die hab‘ ich besonders gerne, schnell ein paar Stinkbomben über fickende Moslems druntergeschissen, von denen ich behaupte, dass sie in meine Nachbarschaft gezogen sind, wonach sie meine Tochter, die ich gar nicht habe, ins Gebüsch gezogen haben. Haha. Lösch mich doch, Blogger! Dann ist das Zensur! Mit fünf U! Ich hab‘ Meinungsfreiheit. Am Arsch der Fick! Linksstalinistisch versiffte Stasisau! Mist, gesperrt, übertrieben, oho was ist das hier? Ein Blogger mag Eintracht Frankfurt. Hohoho so schnell bin ich ein Bayernfan. Gestern noch Gladbach, heute Bayern. Kannste mal schauen. Unkraut wechsel dich. Trollolo. Das macht mir keiner nach. Ole ole ole oleeeeee! Was? Is nich‘ wahr! Ein Gulaschrezept. Tatsache. Hier, nimm das: Du arme Sau. Dein Fleischkonsum wird dich umbringen. Lieben Gruß, der Veganer. Und ist das da etwa ein Atheist? Erwache! Gott wird dich strafen du Sünder! Bereue! Hey, schnell einen Papablog zwischengeschoben. Die sind immer so schön brav wie bräsig. Meine Lieblingsopfer. Schnell einen Kommentar hingerotzt: Oh dein Kind tut mir leid. Bei so einem Papa. Wird bestimmt ein Pflegefall. Jemand sollte das Jugendamt rufen. Zack. Druntergeschissen. Schluck du Lump. Meinen Wichsfleck von vielen Wichsflecken. Uh. Ah. Was ist das? Da schreibt einer gegen Homöopathie an? So ja wohl nicht! Zack, Textfeld auf: Mir hat Homöopathie geholfen! Jaja! Mir hilft Homöopathie immer. Du Schulmedizinnazi! Wer Aspirin nimmt, nagelt auch kleine Hamster an Holzkreuze. Schäme du dich! Huha, fühl‘ mich, lies‘ mich, fühl‘ dich gefickt. Ich bin alles, ich bin nichts, ich bin der Troll, ich bin alles was du nicht bist, ich bin dein Yang, du dummes Ying, hasch mich, hier noch einen, da noch einen, Frauen müssten mal ordentlich…, Sozialschmarotzern müsste man…, alle Kiffer wegsperren, alle Demos verbieten, alle Fleischfresser abschieben, alles überwachen, I love NSA, Snowden der Verräter, eins, zwei, Polizei, mein Freund, der Helfer, immer drauf mit dem Knüppel, woah, verzettelt, vertrollt, ich bin jetzt müde, was ich mache ist harte Arbeit, ehrliches Brot, ich und mein Spielzeug, mein Internet, meine Kommentare, ich bin der Internettroll, von dem sie alle reden, einer der ganz Großen, mit 60 Dingern heute, fast Rekord, puh, das war mein Tag, den ich damit kröne, dass ich nach Mitternacht in meine alte Socke spritze, die ich morgen nochmal anziehe, bevor ich bei Deichmann Schuhe anprobieren gehe. Huha.

Und dann macht einer eine Merkelraute.

Di. Da. Du. Deichkind. Ich bin durch. Bum. Bum. Remmidemmi. Ihr Hurenkinder. Haha. Hurenkinder. Ich weiß doch, jaja, scheiß mal gleich einer klug was Hurenkinder sind, ein ganzes Netz voller Klugscheißer, die nie jemand mag, weil sie Dinge aus Wikipedia klauen und sich dann wichtig tun, bah, nee, im Ernst, noch ein Whisky-Cola und ich kotze dem Fetten vor mir in die picklige Arschritze. Schunkel Schunkel, was sind die alle brav. Ich halte jede Wette, dass hier keiner mehr Drogen nimmt. Morgen ist Donnerstag, da müssen sie alle früh raus. Klassenarbeit. Job. Examen. Da müssen sie fit sein. Junge Menschen. Die sind alle so nett, dass es mir hochkommt. Ich fürchte fast, ich bin der einzige, der nicht mehr aufrecht stehen kann. Falle über Ökorucksäcke. Remple Ginger Ale aus Patschehändchen. Dann schauen sie wieder so ulkig, die Kinder. Äugen. Wippen. Nippen am Russian Wild Berry. Sagen aber nie etwas. Scheuen jeden Konflikt. Endstadiumsgegenderte Butterweichkäseröllchen. Keine Schlacht mehr zu gewinnen mit diesen Waschlappen. Uh. Was war das? Schön, dass mir auch mal jemand an den Arsch fasst. Oh. Der? Süß ist der. Schwarzes Hemd. Seide. Schlank. Grinst. Ich habe eine Schwäche für Androgynes wie dich. Knutschen? Ja? Bitte. Geht. Meine Hüfte darf deine sein. Und dein Arsch gehört mir. Männer sind so schön unkompliziert. 1. 0. Ja. Nein. Whisky trifft auf Rum im Rachenraum. Gewagte These: Männer knutschen besser. Sind aber stacheliger. Muss man wissen. Wissen aber viele nicht und sind dann vergrätzt, wenn es piekst, was überflüssiger Ärger ist. Kann man sich doch denken. Hat nicht jeder einen löchrigen Fusselbart, weich wie Meerschweinchenfell, so einen von der Sorte, der beim Waschen abgeht.

Mölb.

Bin durch.

Im Prinzip schon seit Stunden.

Das war abzusehen.

Vorher klar.

Eh klar wie der Abend enden würde.

Und dann war da auch noch dieser Typ im Hasenkostüm auf dem Falkplatz.